Ausgestorbene Fische

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Ausgestorbene Fische: Daten & Fakten (Stand: 11/2023)

Ausgestorbene Fische: Entenschnabelkärpfling (Andrianichthys kruyti)
Der Entenschnabelkärpfling besaß einen charakteristischen Oberkiefer, der an den Schnabel einer Ente erinnert. Er starb 1983 im indonesischen Poso-See aus. (© Max Weber; L. F. de Beaufort, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN führt derzeit 87 von rund 35.000 bekannten Fischarten als ausgestorben. Diese Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen, da viele Fischarten als verschollen und vermutlich ausgestorben gelten oder noch nicht in die Rote Liste aufgenommen wurden. Laut IUCN-Liste sind 867 Fischarten vom Aussterben bedroht, 12 in der Wildnis ausgestorben und bei immerhin 5.570 Arten ist die Datenlage unzureichend.

Die meisten – aktuell 43 – als ausgestorben gelisteten Fischarten gehören der Ordnung der Karpfenartigen (Cypriniformes) an. Dazu gehören zum Beispiel der Yilong-Karpfen aus dem Yilong-See in China, der Blaue Glasaugenbarsch aus dem Erie- und Ontariosee in Nordamerika und der Entenschnabelkärpfling aus dem Poso-See in Indonesien. Die zweitgrößte Gruppe ausgestorbener Fische bilden mit 18 Arten die Lachsfische (Salmoniformes) wie beispielsweise der Nordseeschnäpel, und zur drittgrößten Gruppe gehören 11 Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes), unter ihnen der Ash-Meadows-Killifisch aus Nevada, USA.

Alle als ausgestorben gelisteten Fische der IUCN gehören zur Klasse der Strahlenflosser (Actinopterygii), die sowohl im Süß- als auch im Meerwasser vorkommen. Diese vielfältige Gruppe umfasst unter anderem Forellen, Barsche und Lachse, deren Flossen durch harte Strahlen oder Stacheln ihre Form und Festigkeit erhalten.

Nach 1500 ausgestorbene Fische – Das sind die Ursachen für ihr Verschwinden

Viele Wasserlebewesen sind nur in einem bestimmten Lebensraum anzutreffen, in einem See, einer Quelle oder einem Fluss. Die bewusste Trockenlegung von Gewässern, wie im Fall des Hulasees in Israel in den 1950er-Jahren, kann zum Aussterben sämtlicher darin vorkommender Organismen führen. Mindestens zwei Arten, der Karpfenfisch Acanthobrama hulensis und die Buntbarschart Tristramella intermedia, sind seitdem ausgestorben. Der Bau von Stauanlagen in Flüssen kann ebenfalls zum Verschwinden von Arten beitragen – ein Beispiel ist der zwischen 2005 und 2010 ausgestorbene bis zu drei Meter lange Chinesische Schwertstör, der im Jangtsekiang-Fluss endemisch war.

Weitere Gründe für das Aussterben von Fischen sind Überfischung, Sedimentation, Eutrophierung durch übermäßige Düngung landwirtschaftlicher Flächen und Wasserverschmutzung, beispielsweise durch Schiffsverkehr. Aber auch invasive Arten, die in Gewässern eingeführt werden, in denen sie zuvor nicht heimisch waren, führen nicht selten zum Verschwinden dort endemischer Arten. Das berühmteste Beispiel dafür ist wohl der im Viktoriasee in Ostafrika in den 1960er-Jahren ausgesetzte Nilbarsch (Lates niloticus), der für das Aussterben von mutmaßlich 400 Fischarten in dem See sorgte. Die meisten dieser Spezies waren Buntbarsche der Gattung Haplochromis, die von den Einheimischen als Furu bezeichnet werden. Im Titicacasee in Peru und Bolivien verschwand in den 1940er- oder 1950er-Jahren der Raubkärpfling, nachdem die US-Regierung aus kommerziellen Gründen eine halbe Million Eier der Amerikanischen Seeforelle (Salvelinus namaycush) im See aussetzte.

Auch der Anstieg des Meeresspiegels oder der Einfluss des Klimawandels können das Aussterben von Fischarten verursachen. Ein Beispiel dafür ist der Galápagos-Riffbarsch, der nach dem besonders starken El Niño 1982/1983 verschwand. Das Wetterphänomen führte zur Erhöhung der Wassertemperatur rund um die Galápagos-Inseln, was wiederum die Planktonproduktion für mindestens ein Jahr stoppte. Die Populationen vieler Fischarten, die sich von Plankton ernähren, gingen in dieser Zeit stark zurück.

Ausgestorbene Fische: Schwertstör (Psephurus gladius)
Schwertstöre gelten als lebende Fossilien, denn sie existierten bereits vor 100 Millionen Jahren. Der Chinesische Schwertstör starb zwischen 2005 und 2010 aus – die Ursache: der Mensch.
Muséum d’histoire Naturelle, Public domain, via Wikimedia Commons)

Ausgestorbene Fische sind selten Meeresfische

Ein Großteil der von der IUCN als ausgestorben aufgeführten Fische lebte in Flüssen und Seen, nicht im Meer. Der Grund dafür ist einfach: Für kleinere, begrenzte Gewässer lässt sich vergleichsweise einfach feststellen, ob eine Art dort noch existiert oder nicht. Im Gegensatz dazu ist es aufgrund der Grenzenlosigkeit der Meere schwierig zu behaupten, dass eine Art im Meer ausgestorben ist. Von den meeresbewohnenden Quastenflossern dachte man auch, sie seien seit 70 Millionen Jahren ausgestorben, bis sie 1938 wiederentdeckt wurden.

Ein Meeresfisch, der aber tatsächlich ausgestorben sein könnte, ist der Lost Shark (Carcharhinus obsoletus). Diese Spezies wurde erst 2019 wissenschaftlich beschrieben, basierend auf drei in den 1930er-Jahren gesammelten Exemplaren. Da das Verbreitungsgebiet des Lost Shark jedoch mehr oder weniger unklar ist und in der Vergangenheit bereits verschiedene für ausgestorben gehaltene Haiarten wiederentdeckt wurden, besteht auch für den Lost Shark Hoffnung.

Gibt es ausgestorbene Fischarten in Europa?

ausgestorbene Fische: Féra (Coregonus fera)
Die Féra war einst im Genfersee endemisch und verschwand in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts. (© Duméril, Auguste Henri André; La Blanchère, Henri de; Mesnel, A., Public domain, via Wikimedia Commons)

Die IUCN führt derzeit 12 Fischarten als ausgestorben in Europa, wobei einige dieser Informationen veraltet sind, denn der Bodensee-Tiefseesaibling (Salvelinus profundus) wurde 2014 wiederentdeckt, der Karpfenfisch Romanogobio antipai aus Rumänien 2016 und der Ukliva-Strömer (Telestes ukliva) aus Kroatien wurde bereits 1997 wiederentdeckt.

Dennoch gibt es in Europa tatsächlich einige ausgestorbene Fischarten. So verschwand der Bodensee-Kilch in den 1970er-Jahren aufgrund von Verschmutzung und Eutrophierung des Bodensees durch Phosphateinträge über Düngemittel und Abwässer. Auch im Genfersee in Frankreich und der Schweiz starben in den 1950er-Jahren durch Eutrophierung und Überfischung die Gravenche und die Féra aus.

Der Jaunet, von dem nur drei Exemplare bekannt sind, lebte einst im Neuenburgersee in der Schweiz und starb um 1904 aus, wobei die Gründe für sein Verschwinden unbekannt sind. Das Verschwinden sowie die Existenz der Maiforelle aus dem Atter-, Traun- und Fuschlsee in Österreich sind ebenso mysteriös – sie ist nur aus historischen Aufzeichnungen und einer wissenschaftlichen Erstbeschreibung aus dem Jahr 1784 bekannt.

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