Hangwachtel (Ophrysia superciliosa) Gould
Gemälde eines Himalayawachtel-Pärchens von John Gould aus dem Jahr 1883. Weibchen sind kleiner und heller; Männchen haben dunklere Federn und eine weiße Stirn. Bild: John Gould, Public domain, via Wikimedia Commons

Himalayawachtel: Letzter Nachweis 1876 – und doch nicht ausgestorben?

Inhaltsverzeichnis

Ein rätselhafter Vogel

Die Himalayawachtel gehört zu den rätselhaftesten Vogelarten Asiens. Seit Dezember 1876 wurde sie nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen, und sämtliche späteren gezielten Suchen blieben ohne bestätigten Fund. Dennoch gilt sie offiziell bis heute nicht als ausgestorben. Die IUCN führt die Himalaya- oder Hangwachtel weiterhin als vom Aussterben bedroht. Ein Überleben einer sehr kleinen Population lässt sich nicht völlig ausschließen, weil die Art historischen Berichten zufolge schwer zu entdecken war, ihr tatsächliches Verbreitungsgebiet nie vollständig bekannt wurde und große Teile des westlichen Himalayas lange nur unzureichend ornithologisch untersucht waren.

Unser Wissen über die Himalayawachtel beruht auf einer außergewöhnlich schmalen Grundlage: wenigen historischen Beobachtungen und nur neun erhaltenen Präparaten. Die Zoologen Ingo Rieger und Doris Walzthöny konnten 1993 insgesamt zehn historische Individuen rekonstruieren; eines davon gelangte allerdings nie in eine Sammlung. Selbst bei einigen der erhaltenen Exemplare sind weder Fundort oder Fangdatum noch der Sammler bekannt.

Himalayawachtel (Ophrysia superciliosa) - Karte / Verbreitungsgbiet
Die historischen Fundorte der Himalayawachtel im Norden Indiens. Sicher nachgewiesen wurde die Art nur in den rund 180 km voneinander entfernten Regionen um Masuri und Nainital im heutigen Bundesstaat Uttarakhand.

Die sicheren Freilandnachweise beschränken sich auf die unteren westlichen Himalaya-Gebirgszüge. Sie stammen aus den Regionen um die Kleinstädte Masuri (Mussoorie) und Nainital im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand, die rund 180 Kilometer voneinander entfernt liegen. Die Vögel wurden dort auf steilen, mit hohem Gras und lockerem Buschwerk bewachsenen Berghängen in Höhenlagen von etwa 1.650 bis 2.400 Metern gefunden (Kalsi et al., 2007). Beide Regionen liegen im sogenannten Kleinen Himalaya, zwischen den niedrigeren Siwalik-Hügeln im Süden und den wesentlich höheren Gebirgszügen des Großen Himalayas im Norden.

Auch die Entdeckungsgeschichte der Art ist ungewöhnlich. Der britische Zoologe John Edward Gray beschrieb die Himalayawachtel 1846, ohne ihren genauen Herkunftsort zu kennen. Grundlage seiner Beschreibung waren ein Männchen und ein Weibchen, die bereits 1836 lebend in die Menagerie des 13. Earl of Derby in Knowsley Hall gelangt waren. Gray gab ihre Herkunft lediglich mit „India?“ an.

Erst knapp 20 Jahre später, 1865, gelang der erste sicher dokumentierte Nachweis der Art in freier Natur. Kenneth Mackinnon schoss im November einen Vogel zwischen Badraj und Banog bei Masuri zwei Himalayawachteln aus einer Gruppe von acht bis zehn Vögeln. Eines der beiden Exemplare ist erhalten; das zweite wurde vermutlich gegessen. In den folgenden Jahren wurden weitere Hangwachteln in der Umgebung von Masuri gesammelt. Die erhaltenen Museumsetiketten datieren diese Funde auf 1869 und 1870.

Der letzte bestätigte Nachweis stammt aus dem Dezember 1876. Major G. Carwithen scheuchte am Osthang des Sher-ka-Danda bei Nainital zwei Himalayawachteln auf und erlegte ein Weibchen; der zweite Vogel entkam. Das Präparat ist bis heute erhalten und wird im Natural History Museum in Tring aufbewahrt. In der späteren Literatur werden zwar auch 1868 und 1877 als angeblich letzte Nachweisjahre genannt, doch das erhaltene Exemplar von 1876 belegt eindeutig, dass die Art zumindest bis zu diesem Zeitpunkt existierte (Greenway, 1967; Day, 1981; Hume, 2017).

Schon wenige Jahrzehnte später galt die Himalayawachtel als einer der am schlechtesten bekannten Vögel Indiens. William Robert Ogilvie-Grant schrieb 1896 in A Hand-book to the Game-birds:

„Dies ist immer noch einer der am wenigsten bekannten indischen Wildvögel, die Gesamtzahl der aufgezeichneten Exemplare beläuft sich auf weniger als ein Dutzend. Soweit ich weiß, wurden keine weiteren Exemplare seit dem von Major Carwithen 1876 in der Nähe von Nainital geschossenen Vogel gefunden.“

Zwischen der wissenschaftlichen Erstbeschreibung im Jahr 1846 und dem letzten sicheren Nachweis vergingen nur 30 Jahre. Noch kürzer ist der Zeitraum, aus dem zuverlässig dokumentierte Freilandnachweise vorliegen: Er reicht lediglich von 1865 bis 1876. Entsprechend lückenhaft ist unser Wissen über die Himalayawachtel. Fast alles, was wir heute über ihr Aussehen, Verhalten und ihre Lebensweise wissen, beruht auf wenigen historischen Berichten und Illustrationen sowie den neun erhaltenen Präparaten.

Himalayawachtel – Steckbrief

alternative BezeichnungenHangwachtel, Himalaya-Wachtel, Himalajawachtel, Himalaja-Wachtel, Pahari bater
wissenschaftliche NamenOphrysia superciliosa, Malacortyx superciliaris, Malacortyx superciliosa, Rollulus superciliosus, Ortiga superciliosa, Malacoturnix superciliosa
englische NamenHimalayan quail, Mountain quail, Himalayan mountain quail, Himalayan rock quail, Indian mountain quail, Eyebrowed quail, Eyebrowed rollulus, Slate-coloured partridge, Mountain pheasant-quail, Pheasant-quail
ursprüngliches VerbreitungsgebietWestlicher Himalaya (Nordindien, möglicherweise auch West-Nepal)
letzter Nachweis1876
Ursachen für den Rückgangunklar, vermutlich Lebensraumverlust und Bejagung
IUCN-Statusvom Aussterben bedroht (sehr kleine und begrenzte Population)

Wie sah die Hangwachtel aus?

Das Aussehen der Himalayawachtel spielt auch eine wichtige Rolle bei der Bewertung der zahlreichen späteren Sichtungsmeldungen. Da seit 1876 kein Vogel mehr zweifelsfrei nachgewiesen wurde, beruhen diese Berichte meist auf kurzen Beobachtungen und Erinnerungen. Entscheidend ist deshalb, ob die Himalayawachtel Merkmale besaß, anhand derer sie sich auch im Gelände zuverlässig von anderen Wachteln und Hühnervögeln unterscheiden ließ.

Mit einer Körperlänge von etwa 25 Zentimetern war die Himalayawachtel für eine Wachtel vergleichsweise groß und erreichte ungefähr die Größe eines Rebhuhns (Perdix perdix) (Greenway, 1967). Auch Rajiv S. Kalsi, Rahul Kaul und S. Sathyakumar beschrieben sie 2007 als verhältnismäßig große Wachtel. Auffällig war außerdem ihr relativ langer Schwanz, der beinahe die Länge der Flügel erreichte. Die Weibchen waren etwas kleiner als die Männchen.

Der Geschlechtsdimorphismus zeigte sich besonders deutlich im Gefieder: Erwachsene Männchen waren überwiegend dunkelgrau bis fast schwärzlich gefärbt. Charakteristisch waren die weiße Stirn und ein breiter weißer Überaugenstreif, der durch die dunkle Färbung des Kopfes hervortrat. Die Weibchen waren dagegen überwiegend zimt- bis dunkelbraun und mit dunklen Flecken und Streifen gezeichnet. Beide Geschlechter besaßen einen weißen Fleck vor dem Auge und einen größeren dahinter.

Der Schnabel war kurz und kräftig, die Flügel kurz und gerundet. Die ebenfalls kurzen, kräftigen Beine und Füße trugen stumpfe Krallen, die vermutlich gut zum Scharren am Boden geeignet waren. Bei Männchen wurden zudem kleine Sporne beschrieben. Auffällig waren außerdem die steifen, borstenartigen Federn an der Stirn, die später auch bei Überlegungen zur verwandtschaftlichen Stellung der Art eine Rolle spielten (Kalsi et al., 2007).

Als charakteristisch gelten auch die auffälligen Farben der unbefiederten Körperteile. Historische Beobachter beschrieben Schnabel und Beine meist als rötlich bis rosa. Allerdings sind die Angaben nicht einheitlich: Hutton bezeichnete den Schnabel des Männchens als korallenrot und die Beine als matt- oder dunkelrot, während Carwithen bei einem frisch erlegten Weibchen ein kräftiges Rosa beschrieb. Edward Lear, der die beiden Typusexemplare noch lebend in der Menagerie des Earl of Derby zeichnete, stellte ihre Beine dagegen gelblich dar. Die tatsächliche Färbung lässt sich daher heute nicht mehr sicher rekonstruieren (Rieger & Walzthöny, 1993).

Unklar ist zudem, ob die beiden Typusexemplare noch lebten, als Gray die Himalayawachtel 1846 beschrieb. Sie waren bereits zehn Jahre zuvor lebend in die Menagerie gelangt und dort von Lear gezeichnet worden. Manche spätere Quellen schreiben, Gray habe die Art anhand lebender Exemplare beschrieben. In seiner Erstbeschreibung erwähnt er jedoch nicht ausdrücklich, dass die beiden Vögel 1846 noch am Leben waren.

Insbesondere die Farben unbefiederter Körperteile lassen sich an alten Präparaten nur eingeschränkt beurteilen. Sie trocknen nach dem Tod aus und können durch Präparation und jahrzehntelange Lagerung verblassen oder sich verfärben. Hinzu kommt, dass bereits die historischen Beschreibungen nicht völlig übereinstimmen.

Die Kombination aus vergleichsweise großer Körpergröße, markanter Kopfzeichnung, kräftigem Schnabel und auffällig gefärbten Beinen dürfte die Himalayawachtel recht gut von anderen Hühnervögeln unterschieden haben. In der Praxis war eine sichere Bestimmung dennoch schwierig: Die Art hielt sich versteckt im hohen Gras auf und wurde oft nur für wenige Augenblicke gesehen, wenn sie plötzlich aus der Deckung aufflog. Genau das führt zu Problemen bei späteren angeblichen Sichtungen; selbst auffällige Kennzeichen helfen wenig, wenn ein Vogel nur kurz oder aus größerer Entfernung beobachtet wird.

Himalayawachtel von Edward Lear
Illustration eines Paares Himalayawachteln von Edward Lear, der zwischen 1832 und 1836/37 als Tierzeichner für den 13. Earl of Derby in Knowsley Hall tätig war. Die Darstellung ist vermutlich die einzige bekannte Abbildung der Art, die nach lebenden Vögeln entstand, und zugleich wohl ihre früheste bekannte bildliche Darstellung. Lears Tierillustrationen wurden 1846 unter dem Titel Gleanings from the Menagerie and Aviary at Knowsley Hall veröffentlicht.
Bild: Gray, John Edward; Hawkins, B. Waterhouse; Lear, Edward, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein weiteres Rätsel: Die Verwandtschaft der Himalayawachtel

Auch die verwandtschaftliche Stellung der Himalayawachtel innerhalb der Hühnervögel gibt bis heute Rätsel auf. Seit ihrer wissenschaftlichen Beschreibung wurde darüber diskutiert, welcher Gruppe der Vogel eigentlich am nächsten steht.

Straußwachtel (Rollulus rouloul)
Straußwachtel (Rollulus rouloul). Gray stellte die Himalayawachtel zunächst in dieselbe Gattung, obwohl beide Arten äußerlich sehr verschieden sind und in weit voneinander entfernten Regionen leben. Warum er diese Zuordnung vornahm, wissen wir nicht; vielleicht erinnerten Gray die steifen Stirnfedern der Himalayawachtel an die Haube der Straußwachtel.
Bild (Ausschnitt): tcager, CC0, via Wikimedia Commons

John Edward Gray beschrieb die Art 1846 zunächst als Rollulus superciliosus und stellte sie damit in dieselbe Gattung wie die heute noch lebende Straußwachtel (Rollulus rouloul). Warum Gray sich für diese Einordnung entschied, ist nicht überliefert. Rieger und Walzthöny (1993) vermuteten, dass möglicherweise die auffälligen Federn an der Stirn des Männchens eine Rolle gespielt haben könnten.

Schon zehn Jahre nach der Erstbeschreibung, 1856, trennte der französische Zoologe Charles Lucien Bonaparte die Himalayawachtel von Rollulus ab und stellte für sie die eigene Gattung Ophrysia auf. Der Name Ophrysia leitet sich vom griechischen Wort für Augenbraue ab und verweist ebenso wie das Artepitheton superciliosa auf die auffällige helle Zeichnung über den Augen.

Edward Blyth schlug 1867 mit Malacoturnix und später Malacortyx nochmals andere Gattungsnamen vor. Durchgesetzt hat sich allerdings Bonapartes Ophrysia. Heute wird die Art als Ophrysia superciliosa innerhalb der Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) geführt. Sie ist monotypisch, also die einzige Art ihrer Gattung, Unterarten werden nicht unterschieden.

Welche anderen Hühnervögel tatsächlich ihre nächsten Verwandten sind, blieb weiterhin umstritten. John Gould vermutete 1883 eine Nähe zu den Wüstenhühnern der Gattung Ammoperdix. William Robert Ogilvie-Grant bezeichnete die Himalayawachtel 1896 als eine Art „Zwergfasan“ und sah Ähnlichkeiten mit den Blutfasanen (Ithaginis). S. Dillon Ripley (1952) stellte sie in die Nähe der Blutfasanen und Spornhühner (Galloperdix). Auch Hans von Boetticher nahm 1958 eine Verwandtschaft mit den Spornhühnern an. Sálim Ali (1977) hielt dagegen sowohl Beziehungen zu den Frankolinwachteln (Perdicula) als auch zu den Blutfasanen für möglich. Als gemeinsame Merkmale nannte er etwa den kurzen, kräftigen Schnabel und die steifen, borstenartigen Federn an der Stirn. Auch Paul Johnsgard sah 1988 eine Nähe zu den Frankolinwachteln (Rieger & Walzthöny, 1993/2017).

Blutfasane  (Ithaginis cruentus)
Könnte die Himalayawachtel mit dem Blutfasan (Ithaginis cruentus) näher verwandt sein?
Bild (Ausschnitt): Dibyendu Ash, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

David Day brachte die Unsicherheit 1981 so zum Ausdruck:

„Es handelte sich tatsächlich nicht um eine echte Wachtel, sondern vielleicht eher um etwas, das man als Zwergfasan bezeichnen könnte.“

Heute ließe sich die Frage eigentlich mithilfe genetischer Untersuchungen klären, doch die Himalayawachtel fehlt bislang in den molekulargenetischen Stammbäumen der Hühnervögel zu fehlen. Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung analysierte Tausende Abschnitte des Erbguts von 130 Hühnervogelarten und umfasste Vertreter aller Gattungen mit einer einzigen Ausnahme: Ophrysia. Für die Himalayawachtel standen keine genetischen Daten zur Verfügung (Chen et al., 2021).

Damit ist bis heute nicht geklärt, ob beispielsweise Frankolinwachteln, Spornhühner oder Blutfasanen die nächsten lebenden Verwandten der Himalayawachtel sind. Auch in einer 2023 veröffentlichten Untersuchung, die das Alter evolutionär isolierter Tier- und Pflanzengattungen verglich, konnte für Ophrysia nicht bestimmt werden, wann sich ihre Linie von ihren nächsten lebenden Verwandten abspaltete, da eine genetische Einordnung fehlt (Vargas, 2023).

Vielleicht können die neun Museumsexemplare eines Tages helfen, dieses Rätsel zu lösen. Sollte sich aus einem der mehr als 150 Jahre alten Präparate ausreichend erhaltene DNA gewinnen lassen, könnten moderne Methoden der historischen Genomforschung möglicherweise zeigen, wo die Himalayawachtel im Stammbaum der Hühnervögel wirklich hingehört.

Buntwachtel (Perdicula erythrorhyncha)
Eine Buntwachtel (Perdicula erythrorhyncha) aus der Gattung der Frankolinwachteln. Vertreter dieser Gattung wurden von mehreren Ornithologen als mögliche nahe Verwandte der Himalayawachtel angesehen.
Bild (Ausschnitt): Shiv’s fotografia, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zur Lebensweise der Himalayawachtel

Die ausführlichsten historischen Angaben zur Lebensweise der Himalayawachtel stammen von Captain Thomas Hutton. Seine Beobachtungen wurden später von Allan O. Hume und Charles H. T. Marshall in The Game Birds of India, Burmah and Ceylon (1879–1881) festgehalten.

Die Wachteln hielten sich demnach bevorzugt in hohem Gras und dichtem Gebüsch an steilen Berghängen auf – daher auch die deutsche Bezeichnung Hangwachtel. Beobachtet wurden sie meist in kleinen Gruppen, häufig von etwa sechs bis zehn Vögeln. Bei Gefahr versuchten sie zunächst, laufend zwischen den Gräsern und Sträuchern zu entkommen, und flogen nur ungern auf. Hutton zufolge verließen die Vögel ihre Deckung nur, wenn man fast auf sie trat oder sie von einem Hund aufgescheucht wurden.

Historische Beobachter beschrieben ihren Flug als langsam, niedrig und schwerfällig. Nach dem Auffliegen legten die Vögel wohl nur kurze Strecken zurück und ließen sich möglichst schnell wieder in dichtes Gras fallen. Dabei sollen sie einen schrillen, pfeifenden Ruf ausgestoßen haben. Diese bodengebundene Lebensweise und die geringe Bereitschaft aufzufliegen dürften dazu beigetragen haben, dass die Himalayawachtel selbst dort leicht übersehen werden konnte, wo sie vorkam.

Zur Nahrung gibt es nur wenige direkte Angaben. Hutton beobachtete Hangwachteln beim Fressen von Grassamen, die wahrscheinlich einen wichtigen Teil ihrer Nahrung bildeten. David Day (1981) nennt zusätzlich Beeren und Insekten. Dafür sind jedoch keine entsprechenden historischen Beobachtungen bekannt; möglicherweise beruht diese Angabe auf Vergleichen mit anderen Wachtelarten.

Über die Fortpflanzung der Himalayawachtel ist praktisch nichts bekannt. Weder ein Nest noch Eier oder sehr junge Küken wurden wissenschaftlich beschrieben (Luther, 1986). Auch über Balz, Brutpflege und Gelegegröße liegen keine Informationen vor. Ein im Juni 1870 gesammeltes junges Männchen befand sich noch in der Mauser. Julian P. Hume (2017) hielt es deshalb für möglich, dass die Art etwa im September brütete.

Die wenigen Beobachtungen aus dem 19. Jahrhundert lassen erahnen, dass es sich bei der Himalayawachtel um einen stark bodengebundenen, versteckt lebenden Hühnervogel handelt, der sich überwiegend im dichten Gras und Buschwerk bewegte. Bei Gefahr versuchte er eher zu Fuß als fliegend zu entkommen. Viele weitere Aspekte seiner Lebensweise bleiben unbekannt.

Warum nur Masuri und Nainital?

Zu den vielen Rätseln der Himalayawachtel gehört auch ihre ungewöhnliche bekannte Verbreitung. Sichere Freilandnachweise stammen nur aus den Regionen um Masuri und Nainital, die rund 180 Kilometer voneinander entfernt liegen. Was sich zwischen diesen beiden Gebieten befand und ob die Art dort auch vorkam, ist unbekannt. Für Rieger und Walzthöny (1993) war diese Frage wichtig, da eine Erklärung für die beiden scheinbar voneinander getrennten Vorkommen Hinweise darauf geben könnte, wo nach möglichen Restpopulationen gesucht werden sollte.

Die beiden Zoologen entwickelten dazu zwei hypothetische Modelle; sie betonen aber, dass es sich dabei um Annahmen und nicht um nachgewiesene Erklärungen handelt.

Modell 1: Rückzug vor zunehmender menschlicher Nutzung

Das erste Modell geht davon aus, dass die Hangwachtel empfindlich auf menschliche Störungen reagierte und größere Ansiedlungen sowie intensiv genutzte Landschaften mied. Rieger und Walzthöny (1993) bezeichneten dieses angenommene Verhalten als „technophobic“, also als Verhalten eines Kulturflüchters. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass die Art nur schlecht über größere Entfernungen fliegen konnte.

Mit der zunehmenden Besiedlung und Nutzung der niedrigeren Lagen des Kleinen Himalayas hätten sich die Vögel demnach immer weiter in höher gelegene und weniger gestörte Gebiete zurückgezogen. Da viele Gipfel und Bergrücken dort nur begrenzte Flächen geeigneten Lebensraums bieten, könnte ein ursprünglich größeres und zusammenhängenderes Verbreitungsgebiet dadurch stärker fragmentiert worden sein.

Für diese Hypothese führen die Forschenden unter anderem die starke Zunahme menschlicher Präsenz in Masuri und Nainital an. Beide Orte entwickelten sich im 19. Jahrhundert innerhalb weniger Jahrzehnte von dünn besiedelten Bergregionen zu bedeutenden Hill Stations.

Modell 2: Ein Relikt früherer Klimaperioden

Himalayawachteln
Das Hangwachtel-Männchen (vorn) zeigt die charakteristische dunkle Färbung und die weißen Kopfzeichnungen, das Weibchen ist deutlich brauner und stärker gemustert.
Bild: P: Dougalis, Public domain, via Wikimedia Commons

Das zweite Modell setzt weiter in der Vergangenheit an. Während der Eiszeiten des Pleistozäns lagen kühle Vegetationszonen im Himalaya tiefer als heute. Rieger und Walzthöny nehmen an, dass die Himalayawachtel an einen bestimmten Vegetationsgürtel gebunden gewesen sein könnte.

Als sich das Klima nach kalten Phasen erwärmte und sich die Gletscher zurückzogen, verschoben sich auch geeignete Vegetationszonen bergaufwärts. Dadurch wurde ihr ursprünglich großes Verbreitungsgebiet möglicherweise in mehrere kleinere, voneinander getrennte Gebiete an verschiedenen Berghängen und Gipfeln aufgeteilt. Die Hangwachtel wäre nach diesem Modell ein Relikt einer früher weiter verbreiteten Population gewesen.

Die Forschenden vergleichen dieses Muster mit dem Alpenschneehuhn (Lagopus muta), dessen heutige, teils stark voneinander getrennte Populationen ebenfalls durch klimatische Veränderungen seit den Eiszeiten geprägt wurden.

Wo soll man nach der verschollen Art suchen?

Beiden Modellen ist gemeinsam, dass die Himalayawachtel aus tieferen in höhere Lagen zurückgedrängt worden sein könnte – entweder durch zunehmenden menschlichen Einfluss oder durch langfristige Veränderungen der Vegetationszonen. Rieger und Walzthöny betonen, dass sich beide Prozesse nicht gegenseitig ausschließen, sondern sogar zusammengewirkt haben könnten.

Die stark veränderten historischen Fundorte hielten sie deshalb für wenig aussichtsreich. Stattdessen schlugen sie vor, vor allem im Kleinen Himalaya nördlich des Gebirgsrückens Masuri–Nainital nach geeigneten Lebensräumen zu suchen.

Zog die Himalayawachtel mit den Jahreszeiten?

Eine der vielen ungeklärten Fragen zur Himalayawachtel lautet, ob sie ganzjährig in den bekannten Fundgebieten um Masuri und Nainital lebte oder diese nur zu bestimmten Jahreszeiten aufsuchte. Die Frage ist auch für mögliche Wiederentdeckungsversuche von Bedeutung: Waren die historischen Fundorte nur saisonal genutzte Gebiete, könnten die bislang unbekannten Brutgebiete ganz woanders gelegen haben.

Auffällig ist die zeitliche Verteilung der erhaltenen Belege. Bei den beiden Typusexemplaren aus Liverpool und dem vor 1850 nach Leiden gelangten Vogel ist nicht bekannt, wann sie in freier Natur gefangen wurden. Von den sechs erhaltenen Wildvögeln mit bekanntem Sammeldatum wurden jedoch fünf im November oder Dezember erlegt: ein Männchen im November 1865, drei Vögel im November und Dezember 1869 sowie das letzte sicher nachgewiesene Weibchen im Dezember 1876. Nur ein Exemplar stammt aus dem Sommer – ein noch nicht ausgewachsenes Männchen in der Mauser, das im Juni 1870 bei Jharipani gesammelt wurde (Rieger & Walzthöny, 1993).

Auch zeitgenössische Beobachtungen zeigen, dass die Vögel zumindest teilweise über mehrere Monate an einem Ort blieben. So berichtete Hutton von einer Gruppe bei Jharipani, die dort vom November bis in den folgenden Juni beobachtet wurde.

Schon im 19. Jahrhundert entstand deshalb die Vermutung, dass die Himalayawachtel jahreszeitlich wanderte. Allan O. Hume nahm an, dass sie im Frühjahr oder Sommer nach Norden und in höhere Lagen zog. William Thomas Blanford verwies 1898 in Fauna of British India, including Ceylon and Burma auf das lange, weiche Gefieder der Art, das seiner Ansicht nach auf eine Anpassung an ein kälteres Klima hindeutete. Aus diesem Grund könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Wachteln nur gelegentliche Besucher des Nordwest-Himalayas sind.

Auch Frank Finn vertrat in The Game Birds of India and Asia 1911 die Auffassung, dass die Vögel im Sommer möglicherweise in höher gelegene Bergregionen zogen. Allerdings stellte er auch fest, dass Form und Größe der Flügel nicht zu einem Vogel passen, der regelmäßig große Entfernungen zurücklegt.

Rieger und Walzthöny untersuchten 1993 auch die Flügelproportionen der Hangwachtel. Nach ihren Messungen entsprach die Flügellänge nur etwa 35 % ihrer Gesamtlänge des Vogels. Bei der wandernden Feldwachtel (Coturnix coturnix) liegt dieser Anteil bei etwa 60 bis 65 %. Zusammen mit historischen Beschreibungen des langsamen und schwerfälligen Flugs hielten die beiden Zoologen längere saisonale Wanderungen für wenig wahrscheinlich und nahmen eher an, dass die Himalayawachtel ein Standvogel war. Die wenigen historischen Beobachtungen reichen jedoch nicht aus, um zu klären, ob und wie weit sich die Vögel im Jahresverlauf zwischen verschiedenen Gebieten bewegten.

Die Häufung der Funde im November und Dezember muss zudem nicht zwangsläufig auf Zugverhalten hindeuten. Kalsi et al. (2007) schlugen eine andere Erklärung vor: Die hohen Gräser in den bekannten Lebensräumen tragen besonders im November und Dezember Samen – also genau zu der Zeit, aus der die meisten datierten Belege stammen. Die Vögel könnten solche Flächen deshalb saisonal verstärkt zur Nahrungssuche genutzt haben und dort zugleich für Menschen und Jagdhunde leichter auffindbar gewesen sein. Die Häufung der Funde würde dann eher etwas über die Entdeckungswahrscheinlichkeit als über Wanderbewegungen aussagen.

Eine noch weitergehende, allerdings ebenfalls unbelegte Erklärung vertrat Errol Fuller. Ihm fiel auf, dass die sicheren Nachweise der Himalayawachtel auf einen vergleichsweise kurzen Zeitraum im 19. Jahrhundert beschränkt sind. Er vermutete, dass die bekannten Fundorte möglicherweise gar nicht zum gewöhnlichen Verbreitungsgebiet der Art gehörten. Ungewöhnliche Wetterbedingungen könnten die Vögel zeitweise aus einem weiter nördlich gelegenen Gebiet nach Masuri und Nainital verdrängt und dadurch überhaupt erst für europäische Beobachter sichtbar gemacht haben (Fuller, 2000; Hume, 2017).

Denkbar wären auch kleinräumige saisonale Bewegungen, etwa zwischen verschiedenen Höhenstufen oder benachbarten Tälern. Dafür wären keine langen Flüge notwendig. Ob die Himalayawachtel solche Höhenwanderungen unternahm, ganzjährig in denselben Regionen blieb oder die bekannten Fundorte nur zeitweise nutzte, lässt sich nur schwer anhand der wenigen historischen Daten klären.

Gerade für die Suche nach der verschollenen Vogelart ist diese Unsicherheit von großer Bedeutung: Wenn die historischen Fundorte nur zu bestimmten Jahreszeiten genutzt wurden, könnten Suchaktionen am richtigen Ort, aber zur falschen Jahreszeit stattfinden – oder sich auf Gebiete konzentrieren, die nie das eigentliche Brutgebiet der Himalayawachtel waren.

Ist die Himalayawachtel doch nicht ausgestorben?

Himalayawachtel-Männchen
Himalayawachtel-Männchen im Naturalis in Leiden. Schnabel und Beine erscheinen weder rötlich noch rosa.
Bild: Huub Veldhuijzen van Zanten/Naturalis Biodiversity Center, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Seit Dezember 1876 gibt es keinen zweifelsfrei bestätigten Nachweis der Himalayawachtel mehr. Dennoch wurde die Art nie endgültig für ausgestorben erklärt. Schon James C. Greenway (1967) und Diether Luther (1986) hielten eine spätere Wiederentdeckung für möglich. Luther verwies dabei auf die „recht unauffällige Lebensweise“ der Art.

Aus den Aufzeichnungen des Zeitzeugen Captain James Hutton wissen wir, dass die Hangwachtel selbst zu der Zeit, als sie noch sicher vorkam, leicht zu übersehen gewesen war. Hinzu kommt, dass ihr tatsächliches Verbreitungsgebiet nie vollständig bekannt war: Sicher nachgewiesen wurde sie nur in den Regionen um Masuri und Nainital im westlichen Himalaya. Sollte die Art darüber hinaus abgelegene und schwer zugängliche Gebiete besiedelt haben, könnten kleine Restbestände lange unentdeckt geblieben sein (Kalsi et al., 2007).

Andererseits sprechen fast 150 Jahre ohne bestätigten Nachweis deutlich für ein Aussterben. In einer 2010 veröffentlichten Studie versuchten Ben Collen, Andy Purvis und Georgina M. Mace, den möglichen Aussterbezeitpunkt anhand der wenigen vorhandenen Beobachtungsdaten statistisch zu bestimmen. Ihre Berechnung deutete darauf hin, dass die Himalayawachtel bereits in den späten 1890er-Jahren ausgestorben sein könnte – nur etwa 20 Jahre nach dem letzten sicheren Nachweis. Eine solche statistische Schätzung ist allerdings kein Beweis für ein tatsächliches Aussterbedatum.

Vermeintliche Himalayawachtel-Sichtungen nach 1876

Im 20. und frühen 21. Jahrhundert tauchten immer wieder Berichte auf, nach denen die Himalayawachtel doch noch existieren könnte. Keiner davon ließ sich jedoch zweifelsfrei bestätigen.

Sidney Dillon Ripley berichtete 1952, dass innerhalb der vorangegangenen fünf Jahre im östlichen Kumaon unweit des Dorfes Lohaghat angeblich eine Himalayawachtel geschossen worden sei. Seine Versuche, die Meldung zu überprüfen, blieben erfolglos.

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Während eines Aufenthalts in West-Nepal suchte Ripley außerdem nach Informationen über die Art. Im Distrikt Dailekh erfuhr er von einem Vogel, der dort unter dem lokalen Namen sano kalo titra („kleines schwarzes Rebhuhn“) bekannt sein sollte. Ripley bekam diesen Vogel jedoch selbst nicht zu sehen. Der lokale Name war daher lediglich ein Hinweis und kein Nachweis für ein Vorkommen der Himalayawachtel. Ripley kam zu dem Schluss, dass das Schicksal der Art weiterhin ungeklärt sei.

Eine weitere, ziemlich vage Meldung stammt aus dem Jahr 1970. Die Frau eines Mannes namens Brijendra Singh soll im August oder September in einem Krankenhausgelände bei Landour/Jharipani eine mögliche Himalayawachtel gesehen haben (Rieger & Walzthöny, 1993).

Besser dokumentiert ist eine mögliche Beobachtung des indischen Ornithologen Sálim Ali. Am 19. März 1978 sah er gemeinsam mit M. Osman bei Banog zwei rebhuhnartige Vögel in etwa 25 Metern Entfernung. Einer erschien grau, der andere zimtbraun; Größe, Gestalt und Färbung erinnerten Ali an Männchen und Weibchen der Himalayawachtel. Die beiden Vögel verschwanden jedoch in einer Schlucht und konnten nicht eindeutig bestimmt werden (Kalsi et al., 2007).

Im September 1984 beobachtete der pensionierte Oberst I. S. Negi bei Suwakholi nahe Masuri zunächst etwa sechs wachtelähnliche Vögel, später am selben Tag eine größere Gruppe. Er hielt sie für mögliche Himalayawachteln, konnte seine Beobachtungen jedoch weder fotografisch noch durch ein Belegexemplar bestätigen (Negi, 1992; Rieger & Walzthöny, 1993).

Im November 1989 berichtete Hari Dang von einem möglichen Vorkommen südlich von Dhobi Ghat bei Masuri. Er zeigte Rieger und Walzthöny einen Hügel, auf dem seiner Aussage nach „mindestens zwei Paare“ der Himalayawachtel leben sollten. Die beiden untersuchten das Gebiet, fanden jedoch keinerlei Spuren der Art (Rieger & Walzthöny, 1993).

V. P. Nair berichtete 1992 von wachtelähnlichen Vögeln im nordöstlichen Himalaya nahe der Grenze zu Bhutan – weit außerhalb der historisch bekannten Fundorte. Als er 1994 erneut in das Gebiet zurückkehrte, wurde dort ein vermeintliches Exemplar der Himalayawachtel erlegt. Die Untersuchung von Fotos bzw. des Präparats zeigte schließlich, dass es sich nicht um die verschollene Art, sondern um ein Hügelhuhn der Gattung Arborophila handelte, wahrscheinlich um die Hügelbuschwachtel (Arborophila torqueola) oder die Rotkehl-Buschwachtel (A. rufogularis) (Rieger & Walzthöny, 1993).

Hügelbuschwachtel (Arborophila torqueola)
Ein Paar Hügelbuschwachteln (Arborophila torqueola). Diese Art wurde 1994 mit der Himalayawachtel verwechselt.
Bild (Ausschnitt): Tisha Mukherjee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Im November und Dezember 2003 wurden aus der Umgebung von Nainital fünf weitere mögliche Sichtungen gemeldet. Stuart H. M. Butchart und Kollegen (2005) bezeichneten sie ausdrücklich als unbestätigt und nannten als Quelle lediglich eine schriftliche Mitteilung von „Y. Arafat“ aus dem Jahr 2004. Nähere Angaben zu den Beobachtern, den genauen Fundorten oder den Merkmalen, anhand derer die Vögel als Himalayawachteln bestimmt wurden, wurden nicht veröffentlicht.

Auch aus West-Nepal stammt eine unbestätigte Meldung aus dem Jahr 2010. Nach Angaben von BirdLife International (2018) wurde damals ein weiblicher Vogel gemeldet. In späteren Darstellungen heißt es, ein Jäger habe die vermeintliche Himalayawachtel in einem Weizenfeld nahe einem Kiefernwald am Flussufer beobachtet. Ein Foto oder ein Belegexemplar ist nicht bekannt.

Keine dieser Sichtungsmeldungen erfüllt damit die Anforderungen an einen bestätigten Nachweis. Ob sich hinter einer dieser Meldungen tatsächlich die gesuchte verschollene Art verbarg, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Suchen nach der Himalayawachtel

Über Jahrzehnte wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass nur wenig und vor allem nicht langfristig und systematisch nach der Himalayawachtel gesucht worden war. Unter anderem Greenway (1967) und Luther (1986) merkten den geringen Suchaufwand an. Seit den 1970er-Jahren fanden jedoch mehrere Expeditionen und kleinere Suchaktionen statt – alle ohne bestätigten Nachweis.

Frühe Suchaktionen in Indien

Als eine der ersten gezielten Suchen gilt die von Sálim Ali. Im April 1977 suchte er gemeinsam mit M. Osman am Banog Peak bei Masuri nach der Hangwachtel. Ein Jahr später kehrte er in das Gebiet zurück und beobachtete zwei Vögel, die ihn an die gesuchte Art erinnerten. Ihre Identität konnte er jedoch nicht bestätigen.

Auch Ravi Sankaran von der Bombay Natural History Society beschäftigte sich zwischen 1987 und 1990 mit der verschollenen Art. Eine Suche im Raum Masuri im Jahr 1987 blieb ebenso erfolglos wie die Untersuchungen von Rieger und Walzthöny, die 1989 zahlreiche historische und potenziell geeignete Gebiete um Masuri und Nainital absuchten.

Von Dezember 1997 bis April 1998 folgte eine weitere Untersuchung durch Rahul Kaul, Tehmina Shafiq, Salim Javed und A. Ahmad im Auftrag des WWF-India. Auch hierbei gelang kein Nachweis.

Ab 2002 wurde die Suche deutlich systematischer. Rajiv Kalsi, Hilaluddin, Gautam Das und weitere Kollegen nutzten Satellitenbilder und geografische Informationssysteme (GIS), um potenziell geeignete Gebiete auszuwählen. Sie führten Felduntersuchungen durch, befragten Dorfbewohner und ältere Jäger und versuchten mithilfe von Postern, Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten. Einige Befragte glaubten, ähnliche Vögel zu kennen, doch die Forschenden fanden weder direkte noch indirekte Hinweise auf die Himalayawachtel ( Hilaluddin et al., 2002; Das, 2003; Kalsi et al., 2007).

Suchen in Nepal

Auch Nepal wurde immer wieder als mögliches Rückzugsgebiet der Hangwachtel diskutiert. Ripley hatte bereits 1950 während einer Reise durch West-Nepal nach Informationen über die Art gesucht, ohne einen Nachweis zu erhalten.

Der nepalesische Ornithologe Hem Sagar Baral beschäftigte sich ab 2000 intensiver mit der Frage, ob die Himalayawachtel dort überlebt haben könnte. Er wies darauf hin, dass insbesondere der äußerste Westen Nepals ornithologisch nur wenig erforscht war. Ripleys frühere Reise hatte vor allem durch das weiter östlich gelegene Einzugsgebiet des Karnali-Flusses geführt. Baral hielt deshalb Gebiete weiter im Westen, näher an den historischen Fundregionen in Nordindien, für besonders interessant und forderte eine Expedition dorthin (Baral, 2000; Baral, 2009).

2010 führten Baral und Kollegen schließlich eine Feldsuche im äußersten Westen Nepals durch. Sie untersuchten potenzielle Lebensräume und bezogen Informationen aus der lokalen Bevölkerung ein. Ein bestätigter Nachweis gelang jedoch nicht. Die Ergebnisse wurden 2013 in BirdingASIA veröffentlicht.

Mission Himalayan Quail

Im Oktober 2013 startete das Forstministerium von Uttarakhand mit Unterstützung des WWF-India die Mission Himalayan Quail. Dabei handelte es sich weniger um eine wissenschaftliche Feldstudie als um eine öffentliche Suchkampagne. In englisch- und hindisprachigen Zeitungsanzeigen wurde auf die verschollene Art aufmerksam gemacht. Für einen zweifelsfreien Nachweis ihrer Existenz setzte die Forstbehörde eine Belohnung von 100.000 Rupien aus. Auch diese Initiative führte zu keinem bestätigten Nachweis.

2015: Die Suche nach potenziellen Lebensräumen

Das Forschungsteam um Jonathan C. Dunn untersuchte in einer 2015 veröffentlichten Studie, wo möglicherweise noch geeignete Lebensräume für die Himalayawachtel vorhanden sein könnten. Ein grundsätzliches Problem bestand darin, dass die historischen Fundorte inzwischen stark verändert waren. Die heutige Vegetation und Landnutzung dieser Gebiete lässt daher nur begrenzt erkennen, welche Lebensräume die Art einst bevorzugte.

Das 1993 eingerichtete Benog Mountain Quail Wildlife Sanctuary bei Masuri sollte unter anderem einen Eichenwald schützen, der als möglicher Lebensraum der Hangwachtel galt. Die Art spielte bei der Einrichtung und späteren Benennung des Schutzgebiets eine wichtige Rolle.
Bild: Dr. Raju Kasambe, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Da es dafür zu wenige Daten über die Himalayawachtel gab, nutzten Dunn und sein Team zwei andere Hühnervögel mit teilweise ähnlichen Lebensraumansprüchen als Stellvertreter: den Schopffasan (Catreus wallichii) und den Rostschwanz-Glanzfasan (Lophophorus impejanus). Aus Daten zu Klima, Topografie und Landbedeckung entwickelten sie Modelle für potenziell geeignete Gebiete.

Dabei identifizierten sie 923 Quadratkilometer geeigneten Lebensraum mit vergleichsweise geringem bisherigen Suchaufwand, insbesondere im weiteren Umfeld von Masuri. Außerdem bestimmten sie fünf Gebiete in Uttarakhand, die bei zukünftigen Expeditionen vorrangig untersucht werden sollten. Die Modelle deuteten darauf hin, dass die historischen Fundorte Masuri und Nainital heute vermutlich nicht mehr besonders geeignet sind. Auch West-Nepal erschien nach den Modellierungen weniger vielversprechend als einige Gebiete auf der indischen Seite der Grenze.

Dunn et al. (2015) versuchten außerdem, anhand der bekannten Nachweise und späteren Sichtungsmeldungen den möglichen Zeitpunkt des Aussterbens statistisch abzuschätzen. Mithilfe der sogenannten Optimal Linear Estimation errechneten sie als Punktschätzung das Jahr 2023. Das 95-%-Konfidenzintervall reichte jedoch von 1999 bis 2120 und zeigt, wie unsicher eine solche Berechnung ist.

Hinzu kommt, dass die Methode unter anderem voraussetzt, dass die Suchintensität nicht über lange Zeit vollständig aussetzt – eine Voraussetzung, die bei der Himalayawachtel nicht erfüllt ist. Das Ergebnis bedeutet daher nicht, dass die Art tatsächlich 2023 ausgestorben ist.

Die Suche im Jahr 2018

Paul Pop, Puneet Pandey und Randeep Singh führten 2018 eine weitere intensive Suche nach der Himalayawachtel durch. Zwischen dem 20. September und dem 31. Dezember verbrachten sie 65 Tage im Feld – 45 Tage im Distrikt Nainital und 20 Tage im Distrikt Dehradun. Sie untersuchten Grasflächen, Gebüsche und Bambusbestände und suchten sowohl nach den Vögeln selbst als auch nach indirekten Hinweisen wie Federn.

Insgesamt kontrollierten sie rund 6,5 Quadratkilometer im Distrikt Nainital und 3,1 Quadratkilometer im Distrikt Dehradun. Dazu gehörten historische Fundorte, bereits bei früheren Expeditionen untersuchte Regionen und weitere potenziell geeignete Lebensräume. Besonders intensiv suchten sie am Sher-ka-Danda bei Nainital, wo im Dezember 1876 der letzte nachgewiesene Vogel erlegt worden war.

Trotz des erheblichen Suchaufwands fanden die Forschenden keinen Hinweis auf ein Überleben der Himalayawachtel. Gleichzeitig stellten sie fest, dass nur noch wenige größere Flächen vorhanden waren, die dem vermuteten Lebensraum der Art entsprachen. Viele historische Gebiete waren inzwischen landwirtschaftlich oder touristisch genutzt, andere Lebensräume mäßig bis stark durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigt.

Auch diese negative Suche kann das Aussterben der Himalayawachtel nicht beweisen. Die Ergebnisse wurden 2020 als Preprint veröffentlicht.

Auch seitdem ist kein bestätigter Nachweis bekannt geworden. Seit Dezember 1876 wurde die Himalayawachtel nicht mehr dokumentiert. Dennoch wird sie weiterhin nicht als ausgestorben, sondern von der IUCN als vom Aussterben bedroht (CR) geführt.

Himalayawachteln von William Foster
Illustration eines Paares Himalayawachteln aus Allan O. Humes und Charles H. T. Marshalls Game Birds of India, Burmah and Ceylon (1880). Das Männchen im Vordergrund zeigt die helle Kopfzeichnung.
Bild: William Foster, Public domain, via Wikimedia Commons

Mögliche Ursachen für ihr Verschwinden

Warum die Himalayawachtel aus den bekannten Fundgebieten verschwand, ist bis heute unklar. Als der letzte Vogel 1876 sicher nachgewiesen wurde, hatte niemand Bestandsgröße, Verbreitung oder Bestandsentwicklung der Art untersucht. Deshalb lässt sich heute weder feststellen, wie häufig sie zuvor tatsächlich war, noch welcher Faktor ihren Rückgang verursachte. In der Literatur werden vor allem Jagd und Veränderungen des Lebensraums diskutiert (Kalsi et al., 2007; BirdLife International, 2018).

War die Jagd verantwortlich?

Die Himalayawachtel wurde in einer Zeit entdeckt, in der die Jagd auf Hühnervögel in Britisch-Indien weit verbreitet war. Auch fast alle sicher dokumentierten Freilandexemplare der Art gelangten auf diese Weise in die Hände von Naturforschern und Sammlern: Sie wurden geschossen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass Jagd zumindest zusätzlichen Druck auf eine möglicherweise ohnehin kleine Population ausgeübt haben könnte (Birdlife International, 2018).

Mehrere Autoren bezweifeln jedoch, dass eine gezielte Überjagung die Hauptursache ihres Verschwindens war. Luther schrieb in Die ausgestorbenen Vögel der Welt (1986), dass die Himalayawachtel „als jagdbares Federwild keiner größeren Verfolgung ausgesetzt gewesen“ sei als andere dort lebende Vögel, und dass „menschliche Aktionen als mögliche Ursache ausscheiden“ sollten.

Auch zeitgenössische Berichte sprechen nicht dafür, dass sie ein besonders begehrtes Jagdwild war. Kenneth Mackinnon, der 1865 eine Himalayawachtel erlegte, berichtete, dass die Jagd auf den Vogel „einen immensen Aufwand beim Schießen erforderte“ und dass er sich zudem „als schlecht essbar erwies“. Hume (2017) sieht intensive Bejagung ebenfalls nicht als wahrscheinliche Hauptursache eines möglichen Aussterbens an.

Jagd als Mitursache lässt sich nicht ausschließen, Belege für eine systematische Verfolgung, die den Bestand zum Zusammenbruch brachte, gibt es jedoch nicht.

Veränderung und Verlust des Lebensraums

Eine zweite mögliche Erklärung sind Veränderungen der Gras- und Buschlandschaften, auf die die Hangwachtel vermutlich angewiesen war. Masuri und Nainital entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert zu bedeutenden Siedlungs- und Erholungsorten. Mit wachsender Bevölkerung nahmen Bebauung, Landwirtschaft, Viehhaltung und andere Formen der Landnutzung zu.

Wie stark sich die Landschaft inzwischen verändert hat, zeigte auch die Feldarbeit von Pop et al. (2020). In den untersuchten Gebieten waren ehemalige oder potenziell geeignete Grasflächen teilweise in Terrassenfelder und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt worden. Zugleich stellten die Forschenden in vielen möglichen Lebensräumen einen hohen Beweidungsdruck fest. Intensive Beweidung und die Gewinnung von Viehfutter können jene hohen Grasbestände zurückdrängen, in denen die Himalayawachtel früher beobachtet wurde.

Auch der Kalksteinabbau in den Mussoorie Hills hat die Landschaft massiv verändert. Steinbrüche führten dort etwa zu Vegetationsverlust, Bodenerosion und Veränderungen des Wasserhaushalts. BirdLife International (2018) führt Bergbau deshalb ebenfalls als mögliche Bedrohung für die Himalayawachtel an.

Bei diesen Veränderungen ist allerdings die zeitliche Abfolge entscheidend: Ein großer Teil der heute sichtbaren Lebensraumzerstörung entstand erst Jahrzehnte nach dem letzten bestätigten Nachweis von 1876. Intensiver Kalksteinabbau, starkes Bevölkerungswachstum und Massentourismus können daher nicht ohne Weiteres erklären, warum die Art bereits im 19. Jahrhundert aus den Aufzeichnungen verschwand. Sollte jedoch noch bis weit ins 20. Jahrhundert eine Restpopulation existiert haben, könnten diese Veränderungen ihre verbliebenen Lebensräume zunehmend verkleinert haben.

Benog Mountail Quail Sanctuary Uttarakhand
Blick über das Benog Mountain Quail Wildlife Sanctuary. Das Schutzgebiet umfasst Lebensräume, die als mögliches Habitat der verschollenen Himalayawachtel gelten; im Hintergrund erheben sich die höheren Gebirgszüge des Himalayas.
Bild: Dr. Raju Kasambe, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Hunde als zusätzliche Gefahr

Pop et al. (2020) machen auf eine weitere mögliche Bedrohung aufmerksam: frei laufende und verwilderte Hunde. Während ihrer Suche 2018 beobachteten die Forschenden solche Hunde wiederholt in oder unmittelbar an potenziellen Lebensräumen der Hangwachtel. In einem Fall scheuchte ein Hund eine Gruppe wild lebender Fasanenvögel auf und verfolgte sie.

Für einen überwiegend bodenlebenden Vogel, der bei Gefahr zunächst im dichten Bewuchs davonlief und nur ungern aufflog, könnten Hunde eine große Gefahr darstellen. Auch BirdLife International (2018) nennt sie als möglichen Bedrohungsfaktor. Ob frei laufende Hunde allerdings bereits im 19. Jahrhundert zum Rückgang der Himalayawachtel beitrugen, wissen wir nicht.

Fressfeinde, Erdrutsche und Tourismus

Pop und seine Kollegen diskutierten noch weitere mögliche Faktoren. In den untersuchten Gebieten beobachteten sie beispielsweise mehrfach Buntmarder (Martes flavigula), die unter anderem Vögel erbeuten. Ein solcher natürlicher Fressfeind stellt für eine große, stabile Population normalerweise keine außergewöhnliche Bedrohung dar. Ist die Population allerdings bereits sehr klein und isoliert, könnte zusätzliche Prädation stärker ins Gewicht fallen.

Auch Erdrutsche, Erosion und Überschwemmungen können in den steilen Bergregionen kleine Habitatflächen vorübergehend oder dauerhaft zerstören. Hinzu kommen heute die Folgen des Tourismus: Verkehr, Lärm, Bebauung und die zunehmende Nutzung zuvor wenig gestörter Gebiete. Auch diese Faktoren sind vor allem als jüngere oder heutige Bedrohungen zu betrachten; ihre Rolle beim historischen Verschwinden der Himalayawachtel ist ungewiss.

Wahrscheinlich keine einfache Erklärung

Keine der vorgeschlagenen Ursachen lässt sich heute als entscheidender Grund für das Verschwinden der Himalayawachtel nachweisen. Möglich ist, dass mehrere Faktoren zusammenwirkten: Eine von Natur aus kleine oder stark fragmentierte Population, Veränderungen der Graslandschaften, Jagd und andere Störungen könnten die Art zunehmend anfällig gemacht haben.

Hinzu kommt ein grundlegendes Problem: Niemand weiß, ob die Himalayawachtel tatsächlich kurz nach 1876 ausgestorben ist. Sollte sie noch Jahrzehnte in abgelegenen Gebieten überlebt haben, gewinnen Bedrohungen wie Lebensraumverlust, Beweidung, Bergbau, Hunde und zunehmende menschliche Nutzung an Bedeutung. Das Fehlen verlässlicher Nachweise macht es deshalb nahezu unmöglich, zwischen den Ursachen ihres ursprünglichen Rückgangs und den Gefahren für eine möglicherweise später noch vorhandene Restpopulation zu unterscheiden.

Himalayawachteln in Museen und Sammlungen

Laut Rieger und Walzthöny (1992) existieren heute lediglich neun erhaltene Präparate der Himalayawachtel in vier Museumssammlungen. In älteren und auch neueren Quellen ist mitunter von zehn, zwölf oder sogar noch mehr Exemplaren die Rede. Diese Angaben beziehen sich vermutlich nicht immer auf tatsächlich erhaltene Museumsstücke, sondern teilweise auch auf historisch beobachtete oder erlegte Vögel, deren Präparate verloren gingen oder die nie in eine Sammlung gelangten.

Die neun heute bekannten Präparate befinden sich im Natural History Museum in Tring, im World Museum in Liverpool, im Naturalis Biodiversity Center in Leiden und im American Museum of Natural History in New York. Bei einigen Exemplaren sind Fundort, Sammeldatum oder Herkunft nicht vollständig geklärt.

Auflistung der Museumsbestände der Himalayawachtel (nach Rieger & Walzthöny, 1992, 1993)
  • Leiden, Niederlande – Naturalis Biodiversity Center (NBC): 1 männliches Exemplar, vor 1850 gesammelt, Sammler und Fundort unbekannt
  • Liverpool, England – World Museum, National Museums Liverpool (NML-VZ): 1 männliches und 1 weibliches Exemplar, Fangort, Fangdatum und Sammler unbekannt, lebendig erworben von Tucker für die Sammlung des Earl of Derby am 1. April 1836, Gray gab die Herkunft 1846 mit „India?“ an (spätere Zuordnung: Masuri) – anhand dieser beiden Vögel beschrieb Gray die Art 1846 wissenschaftlich
  • New York, USA – American Museum of Natural History (AMNH): 1 immatures männliches Exemplar, gesammelt am 18. Dezember 1869 bei Jharipani (ca. 1.675 m) von Captain T. Hutton, am 20. Dezember 1869 an A. O. Hume geschickt
  • Tring, England – Natural History Museum (NHMUK): insgesamt 5 Exemplare; 1 männliches Exemplar, gesammelt von Kenneth Mackinnon im November 1865 zwischen Badraj und Banog (5 km nordwestlich von Masuri, 1.830 m); 1 weibliches und 1 männliches Exemplar, gesammelt am 28. November 1869 bei Jharipani (ca. 1.675 m) von einem von Huttons Leuten, anschließend am 1. Dezember an A. O. Hume geschickt; 1 immatures männliches Exemplar in der Mauser, gesammelt im Juni 1870 bei Jharipani (ca. 1.675 m), von Captain T. Hutton im August 1870 an Hume geschickt; 1 weibliches Exemplar, gesammelt im Dezember 1876 am Osthang des Sher-ka-Danda bei Nainital (ca. 2.130 m) von Major G. Carwithen – der letzte sichere Nachweis der Art
Himalayawachtel im Naturalis Leiden
Dieses Präparat der Himalayawachtel befindet sich im Naturalis Biodiversity Center in Leiden. Es gelangte bereits vor 1850 in die Sammlung; sein genauer Fundort und der Sammler sind unbekannt.
Bild: Ophrysia superciliosa (J. E. Gray, 1846) collected in India by Naturalis Biodiversity Center, CC0 1.0, via GBIF

Parallelen zur Rosenkopfente

Die Geschichte der Himalayawachtel weist auffällige Parallelen zur Rosenkopfente auf, die 1949 zuletzt sicher nachgewiesen wurde. Beide Arten waren bereits zu einer Zeit selten und nur unzureichend erforscht, als ihre Bestände zurückgingen. Zudem bewohnten sie teils schwer zugängliche Lebensräume in Südasien, in denen sich kleine Restpopulationen lange der Entdeckung entziehen könnten.

Als mögliche Ursachen für ihren Rückgang werden bei beiden Arten Jagd und Veränderungen bzw. der Verlust geeigneter Lebensräume diskutiert. Außerdem erschwert die geringe Zahl historischer Nachweise die Einschätzung, wann Rosenkopfente und Himalayawachtel tatsächlich verschwanden – oder ob sie möglicherweise noch in abgelegenen Gebieten überlebt haben.

Auch Jahrzehnte nach dem jeweils letzten bestätigten Nachweis wurden in beiden Fällen immer wieder Suchaktionen und Expeditionen durchgeführt. Bis heute gibt es für beide Arten gelegentliche Sichtungsmeldungen, doch keine davon konnte sicher bestätigt werden. Rosenkopfente und Himalayawachtel gehören damit zu jenen Arten, bei denen sich bis heute nicht sicher sagen lässt, ob sie tatsächlich ausgestorben sind oder nur noch nicht wiederentdeckt wurden.

Zum Vergleich ist das Schicksal einer anderen Wachtelart eindeutig: Die Neuseeländische Schwarzbrustwachtel (Coturnix novaezelandiae) verschwand im 19. Jahrhundert. Auf der Nordinsel wurde sie zuletzt 1869 zuverlässig beobachtet, auf der Südinsel 1875. Heute gilt die Art als ausgestorben.


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Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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