Bali-Tiger

Jagdgesellschaft um O. Vojnich mit totem Bali-Tiger

Jagdgesellschaft des Barons Oszkar Vojnich (Oscar Voynich) mit erlegtem Bali-Tiger im Jahr 1911. (© O. Vojnich, Public domain, via Wikimedia Commons)

Bali-Tiger – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Balitiger, Sunda-Tiger, Samong, Harimau Bali
lateinische Namen Panthera tigris sondaica, Panthera tigris balica, Panthera tigris ssp. balica, Panthera sondaica ssp. balica, Felis tigris balica
englische Namen Bali Tiger, Balinese Tiger, Sunda Island Tiger
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Bali (Indonesien, Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1940er-Jahre
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Lebensraumverlust

Bali-Tiger: Ein kolonialzeitliches Opfer des Jagdtourismus

Kurz nachdem die zu Indonesien gehörende Insel Bali 1908 unter niederländische Kolonialherrschaft geriet, entstanden auch schon die ersten Fotografien, die weiße Männer in Leinenanzügen mit Tropenhelmen, halbnackte Inselbewohner und getötete Bali-Tiger zeigen. Den ersten Tiger soll der ungarische Baron Oszkar Vojnich 1911 auf Bali erlegt haben. Mit In the East Indian Archipelago, 1913 in Budapest veröffentlicht, ließ er die Welt an seinem Jagderlebnis sogar teilhaben. Es heißt, Vojnich erweckte das Interesse der lokalen Bevölkerung an Tigern beziehungsweise an der Jagd auf diese. In Anbetracht dessen erscheint es paradox, dass die meisten Fotos und dokumentarischen Aufzeichnungen über den Bali-Tiger, die uns heute zur Verfügung stehen, von eben jenem Vojnich stammen sollen. Weiterlesen

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte

Bramble Cay Mosaikschwanzratte Melomys rubicola

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte erreichte eine Körperlänge von 14 bis 16 Zentimeter; ihr schuppiger, dünner Schwanz war noch einmal 14,5 bis 18 Zentimeter lang. (© Ian Bell, EHP, State of Queensland, Creative Commons Attribution 3.0 Australia)

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte – Steckbrief
lateinischer Name Melomys rubicola 
englische Namen Brambly Cay Melomys, Bramble Cay Mosaic-tailed Rat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Bramble Cay (Torres-Strait-Inseln, Australien)
Zeitpunkt des Aussterbens zwischen 2009 und 2011
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust durch Klimawandel, wiederholte Überflutung der Insel

Das erste Opfer des menschengemachten Klimawandels

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte gilt als die erste Säugetierart, die primär oder ausschließlich aufgrund des anthropogenen Klimawandels für ausgestorben erklärt wurde. Sie lebte auf der Torres-Strait-Insel Bramble Cay, einer der am stärksten begrenzten Lebensräume. Bramble Cay ist eine unbewohnte, nur 150 Meter breite und 340 Meter lange Sandinsel am nördlichsten Punkt Australiens, umgeben von einem Korallenriff des Great Barrier Reef. Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte galt als das isolierteste australische Säugetier. Sie teilte sich ihren Lebensraum mit zahlreichen Seevögeln und nistenden Meeresschildkröten.

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Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus

Pipistrellus tenuis

Zunächst hielten Wissenschaftler die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus für eine Unterart der Weißflügelfledermaus (Bild), die ebenfalls der Gattung der Zwergfledermäuse (Pipistrellus) angehört. (© Manoj P, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus – Steckbrief
lateinische Namen Pipistrellus murrayi, Pipistrellus tenuis murrayi
englische Namen Christmas Island Pipistrelle, Murray’s Pipistrelle, Murray’s Pipistrelle Bat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Weihnachtsinsel (Indischer Ozean, Australien)
Zeitpunkt des Aussterbens 2009
Ursachen für das Aussterben unklar, wahrscheinlich auf Insel eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust, Krankheiten

Die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus – Das erste seit 60 Jahren ausgestorbene Säugetier Australiens

Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung und mit Beginn der Besiedlung der australischen Weihnachtsinsel in den 1890er-Jahren kam die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus noch überall auf der Insel vor. Und auch 1984, als der australische Zoologe C. R. Tidemann die Fledermausart zum ersten Mal genauer in Augenschein nahm, war sie weit verbreitet. Das änderte sich jedoch in den 1990er-Jahren: Ihr Verbreitungsgebiet wurde immer zerklüfteter und kleiner, sodass die Zwergfledermausart 2007 in 90 Prozent ihres ehemaligen Lebensraums nicht mehr anzutreffen war. Am 27. August 2009 verschwand die Art schließlich endgültig – und keiner weiß, warum.

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Labradorente

Labradorente

Die Labradorente war mit circa 50 Zentimeter Körperlänge eine kleine Entenart. Das Pracht- oder Brutkleid des Männchens (rechts) war schwarzweiß. Die Weibchen (links) waren stets braungrau. (© Rothschild, Lionel Walter Rothschild, Public domain, via Wikimedia Commons)

Labradorente – Steckbrief
lateinischer Name Camptorhynchus labradorius
englische Namen Labrador Duck, Pied Duck, Skunk Duck, Sand Shoal Duck
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Ostküste Nordamerikas
Zeitpunkt des Aussterbens 1878
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Bejagung und Ausbeutung, Lebensraumverlust, Veränderungen des Ökosystems

Über die Biologie der Labradorente ist wenig bekannt

Von der Labradorente wissen wir, dass sie schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht selten war. Innerhalb eines kurzen Zeitraums zwischen 1850 und 1870 verschwand die Entenart allmählich. Und im Herbst 1875 oder 1878 erschoss ein Jäger auf Long Island das letzte Exemplar. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum die Labradorente ausgestorben ist.

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Huia

Huia oder Lappenhopf (Heteralocha acutirostris) - Illustration von Keulemans

Männliche Huias (unten) erreichten eine Länge von rund 45 Zentimeter, weibliche Huias (oben) zwischen 48 und 55 Zentimeter. Die Illustration stammt von John G. Keulemans aus Walter Bullers „A History of the Birds of New Zealand“ von 1873. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Huia – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Lappenhopf, Hopflappenvogel
lateinische Namen Heteralocha acutirostris, Neomorpha acutirostris (Weibchen),
Neomorpha crassirostris (Männchen), Neomorpha gouldi, Heteralocha gouldi 
englischer Name Huia
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordinsel Neuseelands
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1907
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Wenn Männchen und Weibchen wie zwei unterschiedliche Arten erscheinen

Der besonders ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus zwischen den weiblichen und den männlichen Huias sorgte in der Vergangenheit für Verwirrung. Das ging sogar so weit, dass der englische Ornithologe John Gould 1836 Huia-Männchen und -Weibchen als unterschiedliche Arten beschrieb. Noch heute wird das Zustandekommen der geschlechtsbezogenen Schnabelform und -länge unter Wissenschaftlern diskutiert, da dies in einem solchen Ausmaß von keiner anderen Vogelart bekannt ist. Die größeren weiblichen Vögel besaßen einen langen, dünnen und nach unten gebogenen Schnabel, während die kleineren Männchen sich durch einen kurzen, kräftigen Schnabel ähnlich einer Krähe auszeichneten.

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Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch Ecnomiohyla rabborum

Der braune oder braun-grüne Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch war mit einer Kopf-Rumpflänge von sechs bis zehn Zentimetern relativ groß. Er besaß kräftige Beine sowie auffallend große Finger und Zehen mit ausgedehnten Schwimmhäuten. (© Brian Gratwicke from DC, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch – Steckbrief
lateinischer Name Ecnomiohyla rabborum
englischer Name Rabb’s Fringe-limbed Treefrog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Panama
Zeitpunkt des Aussterbens 2016
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Waldrodungen, Chytridiomykose (Pilzerkrankung)

Toughie – ein weiterer Endling

Ein paar Laubfrösche – unter ihnen ein Männchen namens Toughie – gelangten 2005 vom Bergnebelwald Zentral-Panamas zum Botanischen Garten von Atlanta, wo man sie pflegte und zu vermehren zu versuchte. Vergeblich, die Kaulquappen starben jedes Mal schon vor ihrer Metamorphose zum Frosch. Am 26. September 2016 starb dann Toughie. Er war wahrscheinlich der letzte seiner Art, ein Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch. Seine Artgenossen im Frog Pod des Botanischen Gartens starben schon Jahre vor ihm.

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Kapverdischer Riesenskink

Kapverdischer Riesenskink

Illustration des Kapverdischen Riesenskinks von J. Terrier aus dem Jahr 1885. Männchen konnten eine Körperlänge von rund 50 Zentimeter erreichen, die Weibchen von knapp 43 Zentimeter (inklusive Schwanz). Das Gewicht der Tiere lag bei fast einem halben Kilo. (© J. Terrier, Public domain, via Wikimedia Commons)

Kapverdischer Riesenskink – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Kapverden-Riesenskink, Lagarto
lateinische Namen Chioninia coctei, Macroscincus coctei, Charactodon coctei, Euprepes coctei, Gongylus coctei, Macroscincus coctaei
englische Namen Cape Verde Giant Skink, Bibron’s Skink, Cocteau’s Skink, Cocteau’s Lizard
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kapverdische Inseln (Atlantischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1912
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Lebensraumverlust, auf Inseln eingeschleppte Tiere, Trockenperioden, langsame Reproduktionsrate

Ilhas Desertas – Die Terra typica des Kapverdischen Riesenskinks

Lebewesen, die in isolierten Ökosystemen wie Inseln vorkommen, sind oft an die dort herrschenden extremen Bedingungen angepasst. Sie zeichnen sich zum Beispiel durch Verzwergung oder Gigantismus aus und oft fehlen ihnen aufgrund der Abwesenheit von Fressfeinden Verteidigungsmechanismen, was sie von ihren nahen Verwandten auf dem Festland unterscheidet. Die geografische und ökologische Isolation der Inseltiere macht sie gegenüber zahlreiche Einflüsse besonders empfindlich. Dazu gehören etwa die Bejagung, die Zerstörung ihres Lebensraums und auf die Insel eingeschleppte Raubtiere oder Nahrungskonkurrenten. In historischer Zeit sind vor allem viele vom Inselgigantismus betroffene Spezies ausgestorben, wie zum Beispiel die Rodrigues-Riesenschildkröte, die Galápagos-Riesenratte, der St.-Helena-Wiedehopf oder eben der Kapverdische Riesenskink.

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Kubanischer Elfenbeinspecht

kubanischer elfenbeinspecht

Ein männlicher Kubanischer Elfenbeinspecht, im Oktober 1948 vom Ornithologen John Dennis fotografiert. (© John Dennis, Public domain, via Wikimedia Commons)

Kubanischer Elfenbeinspecht – Steckbrief
alternative Bezeichnung Carpintero Real
lateinische Namen Campephilus principalis bairdii, Campephilus bairdii
englischer Name Cuban Ivory-billed Woodpecker
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kuba
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1987
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung

Kubanischer Elfenbeinspecht: Die letzten und einzigen Fotos entstanden 1948

Der Ornithologe John V. Dennis und der Vogelbeobachter Davis Crompton reisten 1948 nach Kuba, um den Gerüchten, dort gäbe es noch Elfenbeinspechte, auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich: In einem kahl geschlagenen Kiefernwald der Provinz Oriente nistete in einer toten Kiefer ein Paar Kubanischer Elfenbeinspechte. Dennis schoss die bis dato einzigen Fotos lebender Elfenbeinspechte auf Kuba – und die letzten wissenschaftlich anerkannten Fotografien der Vogelart. Von da an verbrachte Dennis den Rest seines Lebens damit, nach dem Elfenbeinspecht zu suchen…

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Burmeister-Fuchs

Falklandwolf Burmeister-Fuchs

Darstellung eines Falklandwolfes  aus ‚Iconographica Zoologica – Special Collections‘ (1868) der Universität Amsterdam. Der Burmeister-Fuchs und der Falklandwolf müssen aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft morphologisch ziemlich ähnlich ausgesehen haben. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Burmeister-Fuchs – Steckbrief
lateinische Namen Dusicyon avus, Canis avus, Canis platensis
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Süd-Südamerika (Chile, Uruguay, Argentinien, Brasilien)
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, möglicherweise frühes 17. Jahrhundert, vielleicht auch erst 20. Jahrhundert
Ursachen für das Aussterben anthropogene Auswirkungen (etwa Einfuhr von Haushunden,  Lebensraumverlust, Bejagung), klimatische Veränderungen

Wie der Burmeister-Fuchs zum Falklandwolf wurde

Während der letzten Eiszeit vor rund 16.000 Jahren nutzten ein paar Burmeister-Füchse flache, zugefrorene Stellen im Meer, um von Südamerika zu den 500 Kilometer entfernten Falklandinseln zu gelangen. Der Burmeister-Fuchs auf den Falklandinseln entwickelte sich im Laufe der Zeit anders als seine kontinentalen Verwandten. So entstand auf den Inseln eine neue Art der Gattung Dusicyon: der Falklandwolf oder Falklandfuchs. Die übrigen Burmeister-Füchse verlieben auf dem südamerikanischen Kontinent. Heute sind beide Arten ausgestorben.

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Falklandwolf

Falklandwolf Falklandfuchs

Ein vom niederländischen Maler John Gerrad Keulemans 1890 gemalter Falklandwolf. Er maß vom Kopf bis zum Rumpf rund 90 Zentimeter, sein Schwanz war 30 Zentimeter lang. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Falklandwolf – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Falklandfuchs, Falkland-Fuchs, Falkland-Wolf
lateinische Namen Dusicyon australis, Canis australis, Dusicyon antarcticus, Canis antarcticus
englische Namen Falklands Wolf, Falklands Fox, Falkland Fox, Falkland Islands Wolf, Warrah, Falkland Islands Dog, Falkland Islands Fox, Warrah Fox, Antarctic Wolf
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Falklandinseln (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens 1876
Ursachen für das Aussterben Bejagung

Wie kam der Falklandwolf auf die Falklandinseln?

Bereits 1690 wunderten sich britische Besucher der Falklandinseln über das einzige Landsäugetier, das dort zwischen all den kleinen Lebewesen lebte. Nicht einmal Mäuse gab es dort. Wovon ernährte sich dieser Wolf? Auch der britische Naturforscher Charles Darwin, der die abgelegenen Inseln 1833 während seiner Weltreise mit der HMS Beagle besuchte, versetzte die Anwesenheit des Tieres, das er als Fuchs bezeichnete, in Erstaunen. Wie kam dieses Raubtier, das sich laut Darwins Reisetagebücher von Vögeln ernährte, auf die Inseln? Das südatlantische Inselarchipel liegt fast 500 Kilometer von der Ostküste Argentiniens entfernt und war nie mit dem Kontinent verbunden.

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