Ausgestorbene Insekten

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Ausgestorbene Insekten: Daten & Fakten (Stand: 02/2024)

Rocky-Mountain-Heuschrecke (Melanoplus spretus)
Die Rocky-Mountain-Heuschrecke gehörte im 19. Jahrhundert noch zu den häufigsten Heuschrecken in Nordamerika; 1902 wurde die letzte ihrer Art gesichtet. (© Jacoby’s Art Gallery, Public domain, via Wikimedia Commons)

Von den fast eine Million wissenschaftlich beschriebenen Insektenarten listet die Weltnaturschutzunion IUCN gerade einmal 12.568 Arten; 60 sollen davon ausgestorben sein. Die allermeisten Insektenarten wurden von der IUCN also noch nicht ausreichend untersucht und bewertet, sodass die Dunkelziffer der bereits ausgestorbenen Arten weitaus höher sein dürfte. Der Grund für die unzureichende Datenlage ist sicherlich die Schwierigkeit, die Häufigkeit der in der Regel kleinen Insekten zu beurteilen – bei Säugetieren oder Vögeln gelingt eine Einschätzung des Gefährdungsstatus hingegen wesentlich einfacher.

Es lässt sich zudem weitaus schwieriger nachweisen, dass eine ehemals weit verbreitete kontinentale Insektenart ausgestorben ist, während der Nachweis bei Arten, die ausschließlich auf Inseln beheimatet sind oder waren, leichter gelingt. Es ist nämlich eine große Herausforderung, mit Sicherheit festzustellen, dass bestimmte Tiere auf dem gesamten Festland tatsächlich nicht mehr existieren. Aus diesem Grund sind die meisten als ausgestorben geltenden Insekten auch Inseltiere, wie zum Beispiel die Blatthornkäferart Semanopterus kingstoni von der Lord-Howe-Insel, die um 1979 verschwand, der Stephens-Island-Laufkäfer von Stephens Island, der 1931 ausstarb, oder die Riesen-Heidelibelle und der St.-Helena-Riesenohrwurm von der Südatlantik-Insel Saint Helena; beide verschwanden in den 1960er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

Gemäß der Roten Liste der IUCN sind die meisten Insektenspezies in Nordamerika ausgestorben – und zwar 38 von den als ausgestorben gelisteten 60 Arten. Darunter sind eine Menge Nachtfalter und Bienen von den Hawaii-Inseln. Auch innerhalb Europas sind mindestens 9 Insektenarten ausgestorben: etwa Perrins Höhlentauchkäfer in Frankreich 1945 oder die Tobias-Köcherfliege 1938 in Deutschland. Die anderen ausgestorbenen Insekten stammen aus Ozeanien, Südamerika, Süd- oder Südostasien (etwa Ridleys Stabschrecke) oder aus Afrika (z.B. der Mauritius-Schnauzenfalter und Morants Bläuling).

Verlust des natürlichen Lebensraums als entscheidender Faktor

Ausgestorbene Insekten: Sloans Uraniafalter Urania sloanus
Sloans Uraniafalter starb hauptsächlich aufgrund des Verschwindens seiner wichtigsten Futterpflanze aus. (© Pieter Cramer (1721 – 1776) and Caspar Stoll (between 1725 and 1730 – 1791), Public domain, via Wikimedia Commons)

Insekten sind für die Biodiversität und das ökologische Gleichgewicht unserer Welt unerlässlich. Sie spielen eine Schlüsselrolle in der Bestäubung von Pflanzen, der Zersetzung organischer Substanzen und als Nahrungsquelle für andere Tiere. Dennoch sind sie global von einem dramatischen Rückgang betroffen. Die Gründe für das Aussterben von Insekten sind vielfältig und oft miteinander verknüpft.

Einer der Hauptgründe für den Rückgang der Insektenpopulationen ist der Verlust ihres natürlichen Lebensraums, vor allem durch menschliche Aktivitäten, wie die Ausdehnung von Städten und Industriegebieten, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Das berühmteste Beispiel ist wohl die Rocky-Mountain-Heuschrecke, die einst in Schwärmen von 12,5 Billionen Tieren Nebraska, USA heimgesucht hat. Heute geht man davon aus, dass der Verlust von Lebensraum und das Pflügen und Bewässern von Ackerland den natürlichen Lebenszyklus der Heuschreckenart gestört haben, sodass sich die Tiere nicht mehr fortpflanzten und um 1902 ausstarben. Auch beim Verschwinden von Darwins Kurzflügelkäfer in Argentinien und beim Brasilianischen Tauchkäfer spielte der Lebensraumverlust eine große Rolle.

Bedrohung durch eingeschleppte Arten

Durch invasive Arten, die die Vegetation zerstören, kann es zur Ausrottung von Pflanzen kommen, von denen sich Insektenarten ernähren. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist die Einschleppung von Kaninchen auf die subtropische Hawaii-Insel Laysan. Die Nagetiere zerstörten innerhalb kürzester Zeit die gesamte Vegetation auf der nur vier Quadratkilometer großen Insel. Dabei vernichteten sie auch die Wirts- und Nahrungspflanzen des 1911 ausgestorbenen Nachtfalters Laysan-Eule, der wiederum als Hauptnahrungsquelle des Laysan-Rohrsängers galt, der dann ebenfalls etwas später ausstarb. Die flügellose Koolau-Spornflügel-Langbeinfliege von der Hawaii-Insel Oahu fiel eingeschleppten Großkopfameisen Anfang des 20. Jahrhunderts zum Opfer.

Der Xerces-Bläuling aus Kalifornien gilt als der erste amerikanische Schmetterling, der 1941 oder 1943 infolge von Lebensraumverlust aufgrund von Urbanisierung und Zerstörung seiner Wirtspflanzen ausgestorben ist. Auch die Raupen von Sloans Uraniafalter aus Jamaika konnten sich wegen des zerstörten Lebensraums und der Vegetation nicht mehr entwickeln, sodass die Art Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand. Bei der Amerikanischen Sackmotte sorgte ein versehentlich aus Asien nach Amerika eingeschleppter Kastanienrindenpilz dafür, dass die Bestände der Amerikanischen Kastanie, der Wirtspflanze der Sackmottenart, zusammenbrachen.

Ausgestorbene Insekten als Folge der Schädlingsbekämpfung

Ausgestorbene Insekten: Brasilianischer Tauchkäfer Megadytes ducalis
Der Brasilianische Tauchkäfer galt als der größte Schwimmkäfer der Welt. Er starb Ende des 19. Jahrhunderts wohl aufgrund des Handels mit Insekten und des Verlusts seines Lebensraums aus. (© Natural History Museum: Coleoptera Section from South Kensingon, London, UK, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Die Schädlingsbekämpfung spielt eine besonders kritische Rolle beim Insektensterben. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln trägt aufgrund direkter toxischer Wirkungen auf Insekten oder deren Nahrungsquellen signifikant zum Rückgang der Insekten bei. So ist beispielsweise die Kokosnuss- oder Levuana-Motte, die auf den Fidschi-Inseln lebte und die Kokosnussernte gefährdete, aufgrund eines biologischen Kontrollprogramms 1925 ausgerottet worden: Dafür wurde eine parasitäre Fliegenart eingeführt, die die Levuana-Motten-Population nicht nur, wie geplant, verringerte, sondern auslöschte.

Warum der Madeira-Kohlweißling um 1977 ausgestorben ist, steht nicht genau fest, aber wahrscheinlich führte neben dem Lebensraumverlust auch der Einsatz von Düngemitteln zum Verschwinden. Möglicherweise rottete ein auf die portugiesische Insel eingeschleppter Virus oder Parasit die Schmetterlingsart dann endgültig aus.

Ein weiterer Faktor für das Verschwinden von Insekten ist die Klimaveränderung: Veränderte Wetterbedingungen, wie erhöhte Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster, können die Lebenszyklen der Tiere direkt beeinflussen. Dürren und Waldbrände, verstärkt durch den Klimawandel, vernichten zusätzlich Lebensräume und bedrohen so die Existenz vieler Arten.

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