berberlöwe panthera leo leo
Ein Berberlöwe in Algerien, fotografiert von Sir Alfred Edward Pease im Jahr 1893. Auffällig war die besonders dichte, dunkle Mähne, die aber wenig Rückschlüsse auf die Art zulässt, sondern eine Anpassung an klimatische Gegebenheiten darstellen kann. (© Alfred Edward Pease (29 June 1857 – 27 April 1939), Public domain, via Wikimedia Commons)

Berberlöwe

Zur kulturellen Bedeutung der Löwen Nordafrikas

Löwen spielten bereits in der frühen ägyptischen Kunst und Literatur eine Rolle. So fanden Archäologen in Hierakonpolis, dem religiösen und politischen Zentrum Oberägyptens, und in der einstigen ägyptischen Stadt Koptos Statuen und Statuetten von Löwen aus der Frühdynastischen Periode Ägyptens (3100 bis 2686 vor Christus). Die Göttin Mehit aus der ägyptischen Mythologe wurde in der Frühdynastik als ruhende Löwin und später als löwenköpfige Frau dargestellt und Sachmet war eine löwengestaltige Göttin der Mythologie des Alten Ägypten. Auch in Gräbern auf den Ägäischen Inseln Kreta, Euböa, Rhodos, Paros und Chios fand man Amulette und Figuren mit Löwenkopf.

kolosseum berberlöwe
Das Ölgemälde zeigt Gladiatoren im Kolosseum in Rom, die gegen einen Berberlöwen kämpfen. (© Barbary Lion in Colosseum of Rome, via Wikimedia Commons)

Es gibt Hinweise darauf, dass die alten Ägypter Löwen in Gefangenschaft hielten. Archäologen entdeckten nämlich 2001 in der Nekropole Sakkara das Skelett eines mumifizierten Löwen im Felsengrab von Maia, der Amme des altägyptischen Königs Tutanchamun. Bei dem Fund handelte es sich um das erste vollständige, in Ägypten entdeckte Löwenskelett. Die Archäozoologin Cécile Callou untersuchte das Tier unbekannter geografischer Herkunft genauer und veröffentlichte ihre Ergebnisse 2011 im Journal Anthropozoologica: Der Löwe muss einst viele Jahre unter schlechten Bedingungen in Gefangenschaft gelebt haben. Er litt wahrscheinlich unter Mangelernährung, denn seine Zähne seien gebrochen und weisen Anzeichen chronischer Entzündungen auf. Weiterhin würden Brüche einiger Rippen und Brustwirbel darauf hindeuten, dass das Tier mindestens einen Sturz erlitten habe.

Doch nicht nur bei den alten Ägyptern nahmen Löwen eine besondere Stellung ein, auch die Römer fingen die Tiere – in der Regel in Nordafrika – zu Tausenden für ihre Tierhetzen. David Day schreibt 1981 im Doomsday Book of Animals: „Sowohl Julius Caesar als auch Pompeius waren dafür bekannt, Hunderte dieser Großkatzen gleichzeitig zu haben.“ In römischen Arenen gehörten neben den Gladiatorenkämpfen Kämpfe zwischen exotischen Tieren zu den großen Attraktionen der Unterhaltungskultur. Dabei traten beispielsweise der Berberlöwe und der ebenfalls ausgestorbene Kaspische Tiger (Panthera tigris virgata) in Kämpfen gegeneinander an. Tierhetzen, bei denen massenweise Tiere ums Leben kamen und die nachweislich auch zum Aussterben einiger Arten beigetragen haben, fanden bis ins 6. Jahrhundert hinein statt.

Berberlöwe – Steckbrief
alternative BezeichnungenBerber-Löwe, Atlaslöwe, Nubischer Löwe
wissenschaftliche NamenPanthera leo leo, Panthera leo, Panthera leo nubicus, Panthera leo barbarica, Felis leo barbaricus, Felis leo nubicus, Felis leo leo, Felis leo
englischer NameBarbary Lion, North African Lion, Berber Lion, Atlas Lion, Egyptian Lion
ursprüngliches VerbreitungsgebietAlgerien, Marokko, zuvor ganz Nordafrika
Zeitpunkt des Aussterbens1960er-Jahre
Ursachen für das AussterbenBejagung, Lebensraumverlust, Verlust von Beutetieren

Wann und warum ist der Berberlöwe ausgestorben?

Kämpfe in römischen Arenen können freilich nicht als die alleinige Ursache für das Verschwinden des Berberlöwen angesehen werden. In historischen Zeiten war der Berberlöwe in ganz Nordafrika anzutreffen, erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts verschwand er im Nordosten des Kontinents und kam nur noch im Nordwesten vor. Auch die Bestände im Westen Nordafrikas wurden immer geringer. Die Gründe dafür benennt David Day:

„Wie auch beim Atlasbären, umfasste das Territorium des Berberlöwen einst das ganze bewaldete Nordafrika, doch die Zerstörung dieses Lebensraums durch den Menschen und die Ausbreitung der Wüste, kombiniert mit der andauernden Bejagung führten zu einem 2.000 Jahre andauernden Rückgang; in der Konfrontation mit europäischen Gewehren und der Ausrottung gipfelnd.“

The Doomsday Book of Animals, 1981, D. Day

Der letzte Rückzugsort des Berberlöwen war identisch mit dem der Atlasbären: die zerklüfteten Wälder des Mittleren und Hohen Atlasgebirges. Das waren, so David Day, bis ins 20. Jahrhundert hinein die wildesten und am wenigsten entwickelten Regionen Nordafrikas. In Great and Small Game of Africa (1899) schreibt der britische Afrikaforscher Harry Johnston über das Verschwinden der Berberlöwen:

„Was die Ausrottung dieses Tieres herbeigeführt hat, sind weniger die anhaltenden Angriffe der französischen und arabischen Sportsmänner als die Erschließung der Wälder und die Ansiedlung von Menschen seit der französischen Okkupation. Die Herden werden nun so sorgfältig gepflegt, dass der Löwe kaum eine oder keine Chance hat, sich von ihnen zu ernähren, denn die Berberhirsche und die Gazellen sind in dieser Region sehr selten geworden.“

Great and Small Game of Africa, 1899, H. A. Bryden
Berberlöwenschädel
Einer der wenigen erhaltenen Schädel eines Berberlöwen im Naturkundemuseum der Universität von Pisa, Italien. (© Federigo Federighi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Mit der französischen Besetzung Algeriens ab 1830 wurde es für das Kolonialmilitär eine Art Zeitvertreib, Huftiere herdenweise zu erschießen, was primär auch zum Aussterben der Bubal-Kuhantilope in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geführt hat. Für die Berberlöwen hatte die Bejagung von Berberhirschen (Cervus elaphus barbarus) und anderen Huftieren zur Folge, dass ihr Nahrungsangebot eingeschränkt wurde. Es ist bekannt, dass Berberlöwen neben Wildschweinen und Berberhirschen auch Bubal-Kuhantilopen jagten.

Die meisten Quellen, etwa Igor Akimuschkin in Vom Aussterben bedroht? (1972), geben an, der letzte Berberlöwe sei 1893 in Algerien erlegt oder 1920 (oder 1922) im marokkanischen Teil des Atlasgebirges von einem Wilderer erschossen worden. Eine Untersuchung der University of Kent in England von 2013 zeigt jedoch, dass der Berberlöwe wahrscheinlich viel länger als angenommen überlebt hat. So gibt es Hinweise, dass der nordafrikanische Löwe noch 1942 im marokkanischen Teil des Atlasgebirges anzutreffen war und einige Individuen sollen bis in die 1940er-Jahre in Marokko und Westalgerien gelebt haben. Und auch in jüngerer Zeit hätten sich noch Berberlöwen in Ostalgerien aufgehalten. Diese verschwanden allerdings während des militärischen Konflikts in Algerien zwischen 1958 und 1962, als die letzten Bergwälder in Küstennähe, die als militärische Verstecke gedient haben, durch Brandanschläge systematisch zerstört wurden. Die Wissenschaftler der Studie vermuten, in kleinen Populationen und abgelegenen Regionen könnte der Berberlöwe bis in die 1960er-Jahre hinein überlebt haben.

Ein beliebtes Zoo- und Zirkustier

berberlöwe im zoo
Die 1897 entstandene Fotografie von Nelson Robinson zeigt Berberlöwe Sultan im Zoo von New York. (© Nelson Robinson, Public domain, via Wikimedia Commons)

Berberlöwen wurden im 18. und 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig als Jungtiere gefangen und nach Europa gebracht, wo sie als Zirkustiere oder in Zoos in Gefangenschaft gehalten wurden; so auch Ende des 19. Jahrhunderts im Londoner Zoo. Aber auch schon im Mittelalter hielt man Löwen in England: Von 1235 bis 1835 beherbergte die Menagerie im Tower of London nämlich exotische Wildtiere, vor allem Großkatzen und Bären.

Wissenschaftler untersuchten 2008 für eine Studie zwei gut erhaltene Löwenschädel, die zwischen 1936 und 1937 im Tower of London ausgegraben wurden. Mittels Radiokohlenstoffdatierung konnten sie das Alter der Schädel auf das 13. oder 14. Jahrhundert beziehungsweise 15. Jahrhundert datieren – damit handelt es sich um die frühesten bestätigten Löwen-Überreste auf den Britischen Inseln seit dem Aussterben des Höhlenlöwen (Panthera spelaea) im Pleistozän. Weiterhin konnten die Forscher anhand von DNA-Analysen und Vermessungen der Schädel feststellen, dass die Löwen aus dem Tower of London ursprünglich aus Nordafrika stammten, es sich also um Berberlöwen gehandelt haben muss.

Die im Tower of London gehaltenen Löwen wurden auf Befehl von Arthur Wellesley, dem 1. Duke of Wellington, 1835 in den neu gebauten Zoo in London gebracht, da dieser über bessere Haltungsmöglichkeiten verfügte. Autoren unterschiedlicher zeitgenössischer Berichte kritisierten die Bedingungen, unter denen Wildtiere in Gefangenschaft gehalten wurden. Die französischen Zoologen Étienne Geoffroy Saint-Hilaire und Georges Cuvier merken zum Beispiel 1824 in der Histoire Naturelle des Mammiferes an, dass die Haltungsbedingungen für Großkatzen in Menagerien sehr schlecht gewesen seien. Und der englische Naturforscher Charles John Cornish schreibt 1899 in Life at the Zoo, dass Löwen im Londoner Zoo Mitte des 19. Jahrhunderts im Durchschnitt gerade einmal zwei Jahre in Gefangenschaft überlebten.

Der Berberlöwe, der Kaplöwe und der Kaspische Tiger sind nicht die einzigen in historischer Zeit verschwundenen Großkatzen. Auch der Bali-Tiger, der Östliche Puma oder der Taiwanische Nebelparder gelten heute als ausgestorben.

Berberlöwen waren größer als andere Löwen – Fakt oder Fiktion?

Berberlöwen gelten gemeinhin als die größten Löwen, die in neuerer Zeit existierten. Um diese These zu prüfen, wirft der malaysische Zoologe Nobuyuki Yamaguchi‬ in The North African Barbary Lion and the Atlas Lion Project (2002) einen Blick in historische Aufzeichnungen, die sich mit der Größe der Großkatzen beschäftigen. Er ist überrascht, wie wenig Hinweise es gibt, die beweisen, dass Berberlöwen „riesige Tiere“ waren.

Heute wissen wir, in Afrika lebende männliche Löwen erreichen eine Körperlänge von rund 270 Zentimetern bis zur Schwanzspitze und ein Gewicht von durchschnittlich 185 Kilogramm, wobei manche Tiere auch mehr als 200 Kilogramm wiegen. Geoffroy Saint-Hilaire und Cuvier vermaßen für ihre Histoire Naturelle des Mammiferes einen in Gefangenschaft aufgezogenen, sechs Jahre alten männlichen Berberlöwen. Sie ermittelten dabei lediglich eine Gesamtlänge von knapp 224 Zentimetern inklusive Schwanz, was für einen männlichen Löwen recht klein ist. Yamaguchi gibt hier jedoch zu Bedenken, dass nicht klar sei, ob Berberlöwen in Gefangenschaft ihre volle Größe überhaupt erreichen konnten.

Barbary Lion
Während eines Fluges von Casablanca nach Dakar im Jahr 1925 wurde das letzte Foto eines Berberlöwen in der Wildnis im Atlasgebirge geschossen. (© Marcelin Flandrin, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der französische Entdecker und Jäger Jules Gérard beschreibt 1856 in The Adventures of Gerard, the Lion Killer die Maße eines wilden männlichen Berberlöwen mit einer Körperlänge von 230 Zentimetern, einem 90 Zentimeter langen Schwanz und einem Gewicht von 270 bis 300 Kilogramm. Insofern diese Zahlen stimmen, wäre der Berberlöwe tatsächlich größer als andere Löwen gewesen, Yamaguchi zweifelt jedoch ihre Korrektheit an, denn Gérard konnte im Freien nur per Augenmaß Schätzungen vornehmen. Weiterhin neigte Gérard, der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Ruf als „unerschrockener Löwentöter“ genoss und gerne über seine Jagdunternehmungen berichtete, möglicherweise zu Übertreibungen, was ihn zu einer nicht sehr verlässlichen Quelle macht.

Da Yamaguchi in der Literatur, die zu Lebzeiten der Berberlöwen verfasst wurde, keine aussagekräftigen Hinweise zur Größe wildlebender Tiere findet, vermisst er zusätzlich Berberlöwenschädel und vergleicht ihre Größe mit denen anderer Löwenschädel. Der größte von Yamaguchi gemessene Schädel hatte dabei eine Länge von 36 Zentimetern, was zwar nicht gerade klein ist, doch Schädel heutiger Löwen aus der Sahara sind gut und gerne 38 bis 40 Zentimeter lang. Derzeit sind aus Museen und Sammlungen nicht einmal zehn Schädel ausgewachsener Berberlöwen bekannt. Yamaguchi weist deshalb darauf hin, dass dies zu wenig sei, um verlässliche Aussagen darüber zu treffen, ob Berberlöwen tatsächlich größer als andere Löwen waren, einiges deutet jedoch darauf hin, dass sie es nicht waren.

Eine besonders dichte Mähne als Erkennungsmerkmal

Berberlöwe
Die starke, dunkle Mähne männlicher Berberlöwen wird häufig als Unterscheidungskriterium zu anderen Löwen herangezogen. (© Barrow, John Henry, d. 1858 — Author Landseer, Thomas, 1795-1880 — Author, Public domain, via Wikimedia Commons)

In ihrem natürlichen Lebensraum haben heute existierende afrikanische und asiatische Löwen normalerweise keine Mähnen, die bis hinter ihre Schultern reichen und entlang des Bauches verlaufen, wie das beim Berberlöwen der Fall war. Eine ausgeprägte, dichte und dunkle Mähne wird noch heute sehr oft mit Berberlöwen assoziiert, trotzdem es sich um kein morphologisches Merkmal handelt, das herangezogen werden sollte, um Berberlöwen von anderen Löwen zu unterscheiden. Der Grund: Ihre starke Löwenmähne stellt lediglich eine Anpassung an das kältere, gemäßigte Klima im Gebirge dar. In Zoos konnte nämlich beobachtet werden, dass Löwen ausgeprägtere Mähnen entwickeln, wenn sie einem kälteren Klima ausgesetzt sind.

Die Biologen Peyton M. West und Craig Packer konnten 2002 in einer Studie eine starke positive Korrelation zwischen der Mähnengröße und kühlen Temperaturen wissenschaftlich nachweisen. Die Wissenschaftler geben auch an, dass die Größe und die Farbe der Mähne zusätzlich von anderen Faktoren, wie etwa der Ernährung oder physiologischem Stress, beeinflusst werden kann.

Dass Löwen Nordafrikas in der römischen Kunst nicht zwangsläufig mit besonders dichter Mähne dargestellt wurden, könnte laut Yamaguchi darauf zurückzuführen sein, dass die Gegebenheiten, wie die Löwen in römischer Zeit gefangen gehalten wurden, ihr Mähnenwachstum beeinflusst haben könnte. Eine dichte Mähne ist also als Unterscheidungskriterium zwischen Berberlöwen und anderen Löwen nicht aussagekräftig. In Zoos, die sich in kälteren Regionen wie Europa, Russland oder Nordamerika befinden, gehaltene männliche Löwen mit dichter Mähne müssen demnach nicht unbedingt Blut der Berberlöwen in sich tragen.

Berberlöwen: Löwen-Unterart oder -Population?

Der britische Naturschutzwissenschaftler Simon Black merkt 2020 in einem Interview gegenüber DownToEarth an, dass über die Genetik der Berberlöwen kaum etwas bekannt sei, da es nur wenige Museumsexemplare in Europa und Amerika gebe. Morphologische Studien würden aber darauf hindeuten, dass Berberlöwen einen voluminöseren Körper, kürzere Gliedmaßen, einige Unterschiede in der Hüftstruktur und Merkmale aufweisen, die sonst nur bei indischen Löwen zu finden sind, wie etwa einen Bauchlappen und spezielle Schädelstrukturen. Black hält es für möglich, dass nicht nur die dichte Mähne, sondern auch einige andere morphologische Berberlöwen-Merkmale auf das kältere Klima zurückzuführen sind.

Löwen Verbreitungsgebiet Karte
Historisches Verbreitungsgebiet von Panthera leo leo (hellblau), heutiges Verbreitungsgebiet (dunkelblau). (© Mariomassone (talk) 22:20, 13 March 2020 (UTC), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Das auffällige Aussehen des Berberlöwen führte dazu, dass der schwedische Naturforscher Carl von Linné ihn 1758 Felis leo wissenschaftlich beschrieb. In der Vergangenheit beschrieben Wissenschaftler zahlreiche Löwen-Subspezies, wobei der Berberlöwe zur Nominat-Unterart bestimmt wurde: Die moderne Naturgeschichte klassifiziert beispielsweise Berberlöwen, Westafrikanische Löwen, Kaplöwen und Asiatische Löwen. Die Löwen nördlich der Sahara waren die Berberlöwen.

Die 2017 veröffentlichte Revised Felidae Taxonomy durch die Cat Specialist Group der IUCN verringerte die Anzahl der vom Zoologen W. Chris Wozencraft ursprünglich ausgemachten Löwen-Subspezies von elf auf zwei. Basierend auf genetischen Analysen der letzten Jahre werden aktuell somit nur noch zwei Löwen-Unterarten unterschieden: Panthera leo leo und Panthera leo melanochaita.

Zur Unterart Panthera leo leo gehören die westafrikanischen Löwen, die zentralafrikanischen Löwen nördlich des Regenwaldgürtels, die indischen Löwen und die ausgestorbenen Löwen Nordafrikas, des Mittleren und Nahen Ostens und des Balkans – somit auch der Berberlöwe. Zur Subspezies Panthera leo melanochaita zählen die Löwen aus dem Osten und Süden Afrikas, wie etwa der ausgerottete Kaplöwe. Für den Kap- wie auch den Berberlöwen bedeutet das, dass es sich um keine eigenständigen Löwen-Unterarten handelt, sondern um Population von Panthera leo leo beziehungsweise Panthera leo melanochaita.

Knapp 90 Prozent aller Löwen gehören zur südlichen Unterart P. l. melanochaita. Im Norden Afrikas haben die begrenzteren Landschaften dazu geführt, dass einzelne Löwenpopulationen eher verstreut auftraten, so Simon Black. Dies habe sie weniger widerstandsfähig gegenüber menschliche Einflüsse gemacht, was schließlich ihr Verschwinden Mitte des 20. Jahrhunderts verursachte.

Berberlöwen in heutigen Zoos

Berber-Löwe im Zoo Heidelberg
Berberlöwe im Zoo Heidelberg 2019 fotografiert. In Gefangenschaft kann der Berberlöwe ein Alter von bis zu 25 Jahren erreichen, in der Wildnis liegt die Lebenserwartung bei 16 bis 18 Jahren. (© Dr. Reiner Düren aka RedPiranha, via Wikimedia Commons)

Als der Berberlöwe in der Wildnis immer seltener wurde, gab es in Zoos schon bald keine „echten Berberlöwen“ mehr, sondern nur noch Kreuzungen mit Löwen aus anderen Populationen. Eine Ausnahme stellte der Zoo von Rabat, Marokkos Hauptstadt dar; die Löwen dort galten als direkte Nachfahren der Berberlöwen-Populationen Nordafrikas. Der 1970 regierende, marokkanische König Hassan II. überließ die Raubkatzen, die marokkanische Fürsten zunächst vom nordafrikanischen Volk der Berber als Treuegabe erhalten hatten, damals dem Zoo in Rabat.

Heutige Löwen des Zoos in Rabat gehen auf die Berberlöwen von König Hassan II. zurück und sind direkte Nachkommen. Ihr Aussehen entspricht zumindest historischen Beschreibungen des Berberlöwen. Im Zoo in Rabat und in Zoos in Europa lebten 1998 wohl noch 52 Löwen, die Nachkommen der Tiere Hassans II. sind. Im Jahr 2020 lag die Zahl der Individuen bei rund 90 Löwen. Der Zoo in Rabat und europäische Zoos konzentrieren sich nun darauf, nur Mitglieder der „königlichen Berberlöwen-Gruppe“ zu halten und zu züchten, damit die Blutlinien erhalten bleiben und nicht mit anderen Zoo-Löwen beziehungsweise mit südlichen Löwen gekreuzt werden. Dabei werden die Berberlöwen-Nachfahren in Gefangenschaft sogar von asiatischen Löwen getrennt gehalten, obwohl diese auch zu den nördlichen Löwen gehören.

Eine große Anzahl an Zoos in Europa wirbt damit, reinrassige Berberlöwen zu züchten, so etwa der Erlebnis-Zoo Hannover, der Zoo Neuwied, der Heidelberger Zoo, der Walter Zoo in der Schweiz oder der Zoo Pilsen in Tschechien. Bei den (Rück-)Zuchtprogrammen für Berberlöwen in Tierparks geht es in erster Linie darum, Löwen zu erhalten, die direkt von den Berberlöwen König Hassans II. abstammen und deren äußere Merkmale denen der nordafrikanischen Großkatzen entsprechen.

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