Ausgestorbene Reptilien

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Ausgestorbene Reptilien: Daten & Fakten (Stand: 09/2023)

ausgestorbene Reptilien: Reunion-Riesenschildkröte (Cylindraspis indica)
Das Fleisch der Réunion-Riesenschildkröte galt als Delikatesse. Im frühen 18. Jahrhundert war die Art noch häufig, in den 1840er-Jahren war sie bereits ausgerottet. (© Hubert Jerningham (1842–1914), Public domain, via Wikimedia Commons)

Die Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN listet derzeit 32 Reptilienarten als ausgestorben, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass viel mehr Spezies verschwunden sind. So konnte eine unbekannte Anzahl an Reptilienarten seit Jahrzehnten nicht nachgewiesen werden, weil etwa ihr natürlicher Lebensraum durch verschiedene Faktoren zerstört wurde. Auch bei den 433 als „vom Aussterben bedroht“ gelisteten Reptilienarten ist davon auszugehen, dass davon bereits einige für immer verschwunden sind. Und mehr als 1.500 Arten sind gar nicht erfasst, das heißt, sie haben bislang noch nicht mal den Weg in die IUCN-Liste gefunden.

Die 32 verschwundenen Reptilienspezies, die die IUCN listet, setzen sich zusammen aus 8 Schildkrötenarten und 24 Schuppenkriechtieren: Skinke und Skinkartige (10), Geckos und Geckoartige (4), Leguane und Leguanartige (4), Schlangen und Schlangenartige (4) und Schienenechsen (2).

Das Ende der Riesenschildkröten

Die Hauptursachen für das Reptiliensterben ab dem Jahr 1500 oder ab der Besiedlung vieler Teile der Welt durch Europäer treffen auch auf alle anderen Wirbeltierklassen zu: das absichtliche oder unabsichtliche Einschleppen von gebietsfremden Arten, die Zerstörung des natürlichen Lebensraums und die Bejagung durch den Menschen.

ausgestorbene Reptilien: Kapverdischer Riesenskink (Macroscincus_coctei)
Der Kapverdische Riesenskink konnte eine Länge von 50 Zentimetern erreichen. Er wurde 1912 zuletzt gesehen und gilt seither als verschollen. (© J. Terrier, Public domain, via Wikimedia Commons)

Das berühmteste Beispiel für ausgerottete Reptilien sind wohl die Riesenschildkröten. Verschiedene Landschildkröten-Arten kamen auf unterschiedlichen Inseln der Maskarenen-Inselkette im Indischen Ozean und auf den Galápagos-Inseln im Pazifik vor. Vier der Galápagos-Arten sind heute ausgestorben (etwa die Rabida-Riesenschildkröte 1906) und von den auf den Maskarenen fünf endemischen Riesenschildkröten existiert heute keine mehr: die Rodrigues-Riesenschildkröte verschwand beispielsweise 1802, die Mauritius-Sattelrücken-Riesenschildkröte spätestens 1844 und die Réunion-Riesenschildkröte 1840.

Der Hauptgrund für das Verschwinden dieser Riesenschildkröten war die systematische Abschlachterei durch Europäer, die Ende des 17. Jahrhunderts Rodrigues und Mitte des 17. Jahrhunderts Réunion und Mauritius besiedelten. Die toten Landschildkröten dienten als Nahrung für Menschen und für auf die Inseln gebrachte Schweine. Außerdem verbrannten die neuen Siedler die Schildkröten, um aus ihnen Fett und Öl zu gewinnen. Nebenbei entwaldeten sie die Inseln, was zum Aussterben weiterer Tierarten führte, wie zum Beispiel dem Dodo.

Ausgestorbene Reptilien lebten meist auf Inseln

Wie auch die ausgestorbenen Vögel lebten fast alle ausgestorbenen Reptilien auf Inseln – eine der wenigen Ausnahmen ist die Viesca-Klappschildkröte, eine Wasserschildkröte aus Mexiko, die 1961 entdeckt und 1970 das letzte Mal gesichtet wurde. Sie verschwand wahrscheinlich wegen der Verschmutzung der Gewässer, in denen sie lebte, und weil ihr Lebensraum heute zu großen Teilen ausgetrocknet ist.

Der einst größte Gecko der Welt lebte auf Neuseeland – der Kawekaweau-Gecko. Er ist nur von einem einzigen 60 Zentimeter langem Exemplar bekannt und starb vermutlich 1870 aus, weil auf Neuseeland eingeschleppte Ratten seinen Jungtieren nachstellten und Menschen seinen Lebensraum durch die Abholzung der Wälder dezimierten.

Viele Reptilien nur von einem Exemplar bekannt oder verschollen

ausgestorbene Reptilien: Mauritiusboa (Bolyeria multocarinata)
Die Mauritiusboa starb hauptsächlich aufgrund invasiver Kaninchen und Ziegen aus. Zuletzt nachgewiesen wurde die Art 1975. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Überhaupt sind viele der ausgestorbenen Reptilien nur von einem Exemplar oder wenigen Exemplaren bekannt. Dazu gehört etwa der Antigua-Glattkopfleguan, der anhand von Knochenfragmenten beschrieben wurde und im 15. Jahrhundert oder erst viel später verschwunden ist. Und der Mauritius-Riesenskink ist nur von subfossilem Material her bekannt und wohl um 1500 ausgestorben.

Viele andere heute als ausgestorben geltende Spezies sind seit vielen Jahren verschollen und man kann nur vermuten, dass sie nicht mehr existieren. Den Rodrigues-Riesengecko zum Beispiel hat man 1841 zuletzt gesichtet, die auf Jamaika heimische Gelbe Gallwespenschleiche 1851, den Kapverdischen Riesenskink 1912, die Martinique-Ameive, eine Echse aus der Familie der Schienenechsen, 1928, die Jamaika-Schlanknatter in den 1940er-Jahren und die Mauritiusboa konnte 1975 das letzte Mal nachgewiesen werden.

Als offiziell zuletzt ausgestorbene Reptilienart gilt der Weihnachtsinsel-Waldskink, der 2014 von der australischen Weihnachtsinsel im Indischen Ozean verschwunden ist. Auch hier waren eingeschleppte Tiere – meistens Katzen, Ratten, Mangusten und Schweine – und der Verlust seines Lebensraums durch Urbanisierung die Ursachen für sein Aussterben.

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