Panzer der Rabida-Riesenschildkröte (Chelonoidis niger wallacei)
Die Illustration zeigt das Typusexemplar der Rabida-Riesenschildkröte aus Tring. Die Darstellung entstammt John van Denburghs berühmter Monographie zu Galápagos-Riesenschildkröten aus dem Jahr 1914. John Van Denburgh, Public domain, via Wikimedia Commons)

Rabida-Riesenschildkröte

Eine Unterart der Galápagos-Riesenschildkröte

Die Rabida-Riesenschildkröte gilt als eine Unterart der Galápagos-Riesenschildkröte (Chelonoidis niger), von der ungefähr 16 Unterarten existieren, wobei einige bereits ausgestorben sind. Die Floreana-Riesenschildkröte (C. n. niger) und die Pinta-Riesenschildkröte (C. n. abingdonii) mit ihrem letzten Vertreter Lonesome George († 2012) gelten als sicher ausgerottet – und vielleicht auch die Rabida-Riesenschildkröte. Auch die taxonomisch teils umstrittene und wissenschaftlich unbeschriebene Santa-Fe-Riesenschildkröte soll ausgestorben sein. Ein Exemplar der Fernandinha-Riesenschildkröte (C. n. phantastica) wurde im Jahr 2019 überraschend wiederentdeckt.

Die verschiedenen Arten sind auf den Galápagosinseln im Pazifischen Ozean heimisch. Der Galápagos-Archipel besteht aus 13 Inseln. Die Rabida-Riesenschildkröte soll auf der nur etwa fünf Quadratkilometer großen Insel Rábida endemisch gewesen sein.

Zur Rabida-Riesenschildkröte im Speziellen ist fast nichts bekannt, aber vermutlich war sie in etwa so groß wie andere Galápagos-Riesenschildkröten. Diese erreichen eine Panzerlänge von 80 bis 95 Zentimetern. Es gibt auch Tiere aus Freilandhaltung, die sogar Panzerlängen von rund 135 Zentimeter erreicht haben.

Rabida-Riesenschildkröte – Steckbrief

wissenschaftliche NamenChelonoidis niger wallacei, Chelonoidis nigra wallacei, Chelonoidis wallacei, Testudo wallacei, Geochelone nigra wallacei, Geochelone niger wallacei
englischer NameRábida Island tortoise, Wallace’s giant tortoise
ursprüngliches VerbreitungsgebietRábida, Galápagosinseln (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens1906
Ursachen für das Aussterbenunklar

Rabida-Riesenschildkröte: Gab es sie wirklich?

Spuren von Riesenschildkröten auf Rábida wurden zuletzt 1897 dokumentiert. Im Jahr 1906 sammelte die Expedition der California Academy of Sciences dort ein einzelnes Tier. Danach gibt es keine gesicherten Nachweise mehr, sodass lange Zeit angenommen wurde, die Rábida-Riesenschildkröte sei um 1906 ausgestorben.

Ob es sich bei diesem Tier tatsächlich um eine eigenständige Unterart handelte, ist jedoch bis heute umstritten. Die aktuelle 10. Auflage von Turtles of the World (2025) weist darauf hin, dass die Herkunft des Typusexemplars von Chelonoidis niger wallacei nicht eindeutig geklärt ist. Das Exemplar, auf dem die Beschreibung basiert, besitzt keine gesicherte Provenienz. Seine Zuordnung zu Rábida beruht vor allem auf späteren Annahmen und morphologischen Ähnlichkeiten mit dem 1906 dort gesammelten Tier.

Hinzu kommt, dass Rábida über eine gut geeignete Anlegestelle verfügt und sich in deren Nähe Überreste eines ehemaligen Geheges befinden. Dort wurden offenbar zeitweise Schildkröten gehalten, möglicherweise auch Tiere, die von anderen Inseln dorthin gebracht worden waren. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass das auf Rábida gefundene Exemplar ursprünglich von einer anderen Insel stammte, etwa aus dem Süden Isabelas.

Vor diesem Hintergrund bewertet die aktuelle Checkliste die Rabida-Riesenschildkröte Chelonoidis niger wallacei nicht als eindeutig belegte, endemische Inselunterart, sondern als taxonomisch unsicheren Namen mit problematischer Herkunft. Entsprechend wird die Rabida-Riesenschildkröte auch nicht separat in der Roten Liste der IUCN geführt.

Gründe für das Aussterben der Art ungeklärt

Die Gründe für das Aussterben der Rabida-Riesenschildkröte, so sie denn existierte, sind unklar, denn die Insel Rábida ist unbewohnt, sodass der Verlust oder die Verdrängung aus dem Lebensraum kaum eine Rolle spielen können. Ein Aspekt, der ebenfalls dafür spricht, dass Rábida nie eine eigene, spezialisierte Schildkrötenpopulation besaß.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass Seefahrer oder Walfänger die Schildkrötenart gejagt und als Proviant genutzt haben. Allerdings enthalten Logbücher von Walfängern oder Seefahrern keinerlei Hinweise in diese Richtung. Die Nutzung von Schildkröten als Proviant führte auch schon bei anderen Arten zum Aussterben, wie zum Beispiel bei der Rodrigues-Sattelrücken-Riesenschildkröte (Cylindraspis vosmaeri), der Rodrigues-Riesenschildkröte, der Mauritius-Sattelrücken-Riesenschildkröte oder der Réunion-Riesenschildkröte.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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