Labradorente

Labradorente

Die Labradorente war mit circa 50 Zentimeter Körperlänge eine kleine Entenart. Das Pracht- oder Brutkleid des Männchens (rechts) war schwarzweiß. Die Weibchen (links) waren stets braungrau. (© Rothschild, Lionel Walter Rothschild, Public domain, via Wikimedia Commons)

Labradorente – Steckbrief
lateinischer Name Camptorhynchus labradorius
englische Namen Labrador Duck, Pied Duck, Skunk Duck, Sand Shoal Duck
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Ostküste Nordamerikas
Zeitpunkt des Aussterbens 1878
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Bejagung und Ausbeutung, Lebensraumverlust, Veränderungen des Ökosystems

Über die Biologie der Labradorente ist wenig bekannt

Von der Labradorente wissen wir, dass sie schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht selten war. Innerhalb eines kurzen Zeitraums zwischen 1850 und 1870 verschwand die Entenart allmählich. Und im Herbst 1875 oder 1878 erschoss ein Jäger auf Long Island das letzte Exemplar. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum die Labradorente ausgestorben ist.

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Huia

Huia oder Lappenhopf (Heteralocha acutirostris) - Illustration von Keulemans

Männliche Huias (unten) erreichten eine Länge von rund 45 Zentimeter, weibliche Huias (oben) zwischen 48 und 55 Zentimeter. Die Illustration stammt von John G. Keulemans aus Walter Bullers „A History of the Birds of New Zealand“ von 1873. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Huia – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Lappenhopf, Hopflappenvogel
lateinische Namen Heteralocha acutirostris, Neomorpha acutirostris (Weibchen),
Neomorpha crassirostris (Männchen), Neomorpha gouldi, Heteralocha gouldi 
englischer Name Huia
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordinsel Neuseelands
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1907
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Wenn Männchen und Weibchen wie zwei unterschiedliche Arten erscheinen

Der besonders ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus zwischen den weiblichen und den männlichen Huias sorgte in der Vergangenheit für Verwirrung. Das ging sogar so weit, dass der englische Ornithologe John Gould 1836 Huia-Männchen und -Weibchen als unterschiedliche Arten beschrieb. Noch heute wird das Zustandekommen der geschlechtsbezogenen Schnabelform und -länge unter Wissenschaftlern diskutiert, da dies in einem solchen Ausmaß von keiner anderen Vogelart bekannt ist. Die größeren weiblichen Vögel besaßen einen langen, dünnen und nach unten gebogenen Schnabel, während die kleineren Männchen sich durch einen kurzen, kräftigen Schnabel ähnlich einer Krähe auszeichneten.

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Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch Ecnomiohyla rabborum

Der braune oder braun-grüne Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch war mit einer Kopf-Rumpflänge von sechs bis zehn Zentimetern relativ groß. Er besaß kräftige Beine sowie auffallend große Finger und Zehen mit ausgedehnten Schwimmhäuten. (© Brian Gratwicke from DC, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch – Steckbrief
lateinischer Name Ecnomiohyla rabborum
englischer Name Rabb’s Fringe-limbed Treefrog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Panama
Zeitpunkt des Aussterbens 2016
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Waldrodungen, Chytridiomykose (Pilzerkrankung)

Toughie – ein weiterer Endling

Ein paar Laubfrösche – unter ihnen ein Männchen namens Toughie – gelangten 2005 vom Bergnebelwald Zentral-Panamas zum Botanischen Garten von Atlanta, wo man sie pflegte und zu vermehren zu versuchte. Vergeblich, die Kaulquappen starben jedes Mal schon vor ihrer Metamorphose zum Frosch. Am 26. September 2016 starb dann Toughie. Er war wahrscheinlich der letzte seiner Art, ein Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch. Seine Artgenossen im Frog Pod des Botanischen Gartens starben schon Jahre vor ihm.

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Kapverdischer Riesenskink

Kapverdischer Riesenskink

Illustration des Kapverdischen Riesenskinks von J. Terrier aus dem Jahr 1885. Männchen konnten eine Körperlänge von rund 50 Zentimeter erreichen, die Weibchen von knapp 43 Zentimeter (inklusive Schwanz). Das Gewicht der Tiere lag bei fast einem halben Kilo. (© J. Terrier, Public domain, via Wikimedia Commons)

Kapverdischer Riesenskink – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Kapverden-Riesenskink, Lagarto
lateinische Namen Chioninia coctei, Macroscincus coctei, Charactodon coctei, Euprepes coctei, Gongylus coctei, Macroscincus coctaei
englische Namen Cape Verde Giant Skink, Bibron’s Skink, Cocteau’s Skink, Cocteau’s Lizard
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kapverdische Inseln (Atlantischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1912
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Lebensraumverlust, auf Inseln eingeschleppte Tiere, Trockenperioden, langsame Reproduktionsrate

Ilhas Desertas – Die Terra typica des Kapverdischen Riesenskinks

Lebewesen, die in isolierten Ökosystemen wie Inseln vorkommen, sind oft an die dort herrschenden extremen Bedingungen angepasst. Sie zeichnen sich zum Beispiel durch Verzwergung oder Gigantismus aus und oft fehlen ihnen aufgrund der Abwesenheit von Fressfeinden Verteidigungsmechanismen, was sie von ihren nahen Verwandten auf dem Festland unterscheidet. Die geografische und ökologische Isolation der Inseltiere macht sie gegenüber zahlreiche Einflüsse besonders empfindlich. Dazu gehören etwa die Bejagung, die Zerstörung ihres Lebensraums und auf die Insel eingeschleppte Raubtiere oder Nahrungskonkurrenten. In historischer Zeit sind vor allem viele vom Inselgigantismus betroffene Spezies ausgestorben, wie zum Beispiel die Rodrigues-Riesenschildkröte, die Galápagos-Riesenratte, der St.-Helena-Wiedehopf oder eben der Kapverdische Riesenskink.

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Kubanischer Elfenbeinspecht

kubanischer elfenbeinspecht

Ein männlicher Kubanischer Elfenbeinspecht, im Oktober 1948 vom Ornithologen John Dennis fotografiert. (© John Dennis, Public domain, via Wikimedia Commons)

Kubanischer Elfenbeinspecht – Steckbrief
alternative Bezeichnung Carpintero Real
lateinische Namen Campephilus principalis bairdii, Campephilus bairdii
englischer Name Cuban Ivory-billed Woodpecker
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kuba
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1987
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung

Kubanischer Elfenbeinspecht: Die letzten und einzigen Fotos entstanden 1948

Der Ornithologe John V. Dennis und der Vogelbeobachter Davis Crompton reisten 1948 nach Kuba, um den Gerüchten, dort gäbe es noch Elfenbeinspechte, auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich: In einem kahl geschlagenen Kiefernwald der Provinz Oriente nistete in einer toten Kiefer ein Paar Kubanischer Elfenbeinspechte. Dennis schoss die bis dato einzigen Fotos lebender Elfenbeinspechte auf Kuba – und die letzten wissenschaftlich anerkannten Fotografien der Vogelart. Von da an verbrachte Dennis den Rest seines Lebens damit, nach dem Elfenbeinspecht zu suchen…

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Burmeister-Fuchs

Falklandwolf Burmeister-Fuchs

Darstellung eines Falklandwolfes  aus ‚Iconographica Zoologica – Special Collections‘ (1868) der Universität Amsterdam. Der Burmeister-Fuchs und der Falklandwolf müssen aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft morphologisch ziemlich ähnlich ausgesehen haben. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Burmeister-Fuchs – Steckbrief
lateinische Namen Dusicyon avus, Canis avus, Canis platensis
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Süd-Südamerika (Chile, Uruguay, Argentinien, Brasilien)
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, möglicherweise frühes 17. Jahrhundert, vielleicht auch erst 20. Jahrhundert
Ursachen für das Aussterben anthropogene Auswirkungen (etwa Einfuhr von Haushunden,  Lebensraumverlust, Bejagung), klimatische Veränderungen

Wie der Burmeister-Fuchs zum Falklandwolf wurde

Während der letzten Eiszeit vor rund 16.000 Jahren nutzten ein paar Burmeister-Füchse flache, zugefrorene Stellen im Meer, um von Südamerika zu den 500 Kilometer entfernten Falklandinseln zu gelangen. Der Burmeister-Fuchs auf den Falklandinseln entwickelte sich im Laufe der Zeit anders als seine kontinentalen Verwandten. So entstand auf den Inseln eine neue Art der Gattung Dusicyon: der Falklandwolf oder Falklandfuchs. Die übrigen Burmeister-Füchse verblieben auf dem südamerikanischen Kontinent. Heute sind beide Arten ausgestorben.

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Falklandwolf

Falklandwolf Falklandfuchs

Ein vom niederländischen Maler John Gerrad Keulemans 1890 gemalter Falklandwolf. Er maß vom Kopf bis zum Rumpf rund 90 Zentimeter, sein Schwanz war 30 Zentimeter lang. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Falklandwolf – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Falklandfuchs, Falkland-Fuchs, Falkland-Wolf
lateinische Namen Dusicyon australis, Canis australis, Dusicyon antarcticus, Canis antarcticus
englische Namen Falklands Wolf, Falklands Fox, Falkland Fox, Falkland Islands Wolf, Warrah, Falkland Islands Dog, Falkland Islands Fox, Warrah Fox, Antarctic Wolf
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Falklandinseln (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens 1876
Ursachen für das Aussterben Bejagung

Wie kam der Falklandwolf auf die Falklandinseln?

Bereits 1690 wunderten sich britische Besucher der Falklandinseln über das einzige Landsäugetier, das dort zwischen all den kleinen Lebewesen lebte. Nicht einmal Mäuse gab es dort. Wovon ernährte sich dieser Wolf? Auch der britische Naturforscher Charles Darwin, der die abgelegenen Inseln 1833 während seiner Weltreise mit der HMS Beagle besuchte, versetzte die Anwesenheit des Tieres, das er als Fuchs bezeichnete, in Erstaunen. Wie kam dieses Raubtier, das sich laut Darwins Reisetagebücher von Vögeln ernährte, auf die Inseln? Das südatlantische Inselarchipel liegt fast 500 Kilometer von der Ostküste Argentiniens entfernt und war nie mit dem Kontinent verbunden.

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Lost Shark (Carcharhinus obsoletus)

Carcharhinus obsoletus

Der schlanke Körper des Lost Shark ist an der Oberseite grau gefärbt und an der Unterseite heller. Seine Augen sind groß, der Kopf breit. (© Lindsay Marshall (www.stickfigurefish.com.au), CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Lost Shark – Steckbrief
lateinische Namen Carcharhinus obsoletus, Carcharhinus obsolerus
englische Namen Lost Shark, False Smalltail Shark
ursprüngliches Verbreitungsgebiet unklar, vermutlich Südchinesisches Meer
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, frühestens 1934
Ursachen für das Aussterben Überfischung, langsame Reproduktionsrate

Lost before found – Carcharhinus obsoletus: 2019 als neue Spezies identifiziert und schon ausgestorben?

Die Identität des Lost Shark oder Carcharhinus obsoletus basiert gerade einmal auf drei in den 1930er-Jahren gesammelten Museumsexemplaren, von denen eines ein in Ethanol eingelegter Embryo ist. Lange Zeit nahmen Wissenschaftler an, die Museumstiere seien Borneohaie (Carcharhinus borneensis). Neuere Analysen der im Museum wiederentdeckten, konservierten Fische wiesen aber morphologische Merkmale auf, die sich von Borneohaien unterscheiden.

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Puerto-Rico-Höhlenstachelratte

Ferreira-Stachelratte (verwandt mit der Puerto-Rico-Höhlenstachelratte)

So ähnlich könnte auch die Puerto-Rico-Höhlenstachelratte ausgesehen haben. Das Bild zeigt die in Südamerika heimische Ferreira-Stachelratte (Mesomys hispidus). (© R. Mintern, Public domain, via Wikimedia Commons)

Puerto-Rico-Höhlenstachelratte – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Antillianische Höhlenratte, Insel-Höhlenratte,
lateinische Namen Heteropsomys insulans, Heteropsomys antillensis, Homopsomys antillensis
englische Namen Insular Cave Rat, Antillean Cave Rat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Puerto Rico, Vieques Island (Karibik)
Zeitpunkt des Aussterbens um 1500
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, auf Insel eingeschleppte Tiere

Fast alle ursprünglichen Landsäugetiere Puerto Ricos sind ausgestorben

Es heißt, Puerto Rico ist die einzige Insel der Großen Antillen, die fast alle ihre einheimischen Landsäugetiere verloren hat – auch die Puerto-Rico-Höhlenstachelratte. Mit der Ankunft der Europäer vor rund 500 Jahren begann das Aussterben der endemischen Fauna. Die meisten Säugetiere, die man heute auf der Insel antrifft, gelangten – teils absichtlich, teils unabsichtlich – durch Siedler dorthin.

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Auerochse

auerochse ur

Diese Illustration des Auerochsen entstand zwischen 1700 und 1880. Der Banteng, der Gaur und der ausgestorbene Kouprey sind mit dem Wildrind verwandt. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Auerochse – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Ur, Eurasischer Auerochse, Europäischer Auerochse
lateinische Namen Bos primigenius, Bos primigenius primigenius, Bos taurus primigenius
englische Namen Aurochs, Urus, Ure, Eurasian Aurochs
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Europa, Mittlerer Osten, Zentralasien (Unterarten auch in Nordafrika und Indien)
Zeitpunkt des Aussterbens 1627
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung

Wie aus dem Wildtier ein Haustier wurde

Der Auerochse oder Ur gilt als das erste Wildrind, das von Menschen domestiziert wurde, um eine stete Fleisch- und Milchversorgung zu garantieren und Last- und Arbeitstiere zur Verfügung zu haben. Eine Haustierwerdung ist immer auch mit körperlichen Veränderungen verbunden: Die Tiere werden mit der Zeit kleiner, die Hörner krümmer, die Beine und der Schädel kürzer und der Rumpf wird lang und massig. Es wird so gezüchtet, dass besonders ertragreiche Tiere geboren werden. Unser heutiges Hausrind ist aus der vor rund 8.000 Jahren beginnenden Domestikation des Eurasischen Auerochsen entstanden, der in seiner Wildform 1627 ausstarb.

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