Atlantischer Regenwald - Neue Studie zeigt Ausmaß der Entwaldung
In den letzten 50 bis 70 Jahren wurden etwa 80 Prozent der Gesamtfläche des Atlantischen Regenwaldes abgeholzt, stärker als der Amazonas-Regenwald. Die Entwaldung und Degradierung der Mata Atlântica setzen sich dennoch fort.

Atlantischer Regenwald: Mehr als 80 % der endemischen Baumarten vom Aussterben bedroht

Eine kürzlich im Fachjournal Science veröffentlichte Studie von brasilianischen, niederländischen und französischen Wissenschaftlern zeigt alarmierende Ergebnisse: Über 80 Prozent der 2.000 endemischen Baumarten im Atlantischen Regenwald Südamerikas sind vom Aussterben bedroht. Die Forscher schätzen, dass bereits 13 Arten ausgestorben sein könnten. Insgesamt werden 65 Prozent der fast 5.000 Baumarten im untersuchten Gebiet als bedroht eingestuft.

Die Forscher haben erstmals den Bedrohungsgrad von fast 5.000 Baumarten im Atlantischen Regenwald anhand der Kriterien der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN bewertet. Die Bewertungen basieren auf umfassenden Daten, darunter Herbariumsaufzeichnungen, Inventurdaten und Informationen zu den Lebensgeschichten der Arten. Die Ergebnisse geben nicht nur Einblicke in den Erhaltungsstatus des Atlantischen Regenwaldes, sondern ermöglichen auch Prognosen zum Erhaltungsstatus von Wäldern weltweit auf der Grundlage der Beziehung zwischen Artengefährdung und Lebensraumverlust im Regenwald.

Endemische Baumarten trifft es besonders hart

In der Studie wurden zahlreiche bekannte Baumarten, die ausschließlich im Atlantischen Regenwald vorkommen, als bedroht eingestuft. Von den fast 2.000 Arten klassifizieren die Forscher ganze 82 Prozent als „vom Aussterben bedroht“. Dazu gehört auch das ikonische Brasilholz (Paubrasilia echinata), ein Baum, der bis zu 30 Meter hoch werden kann und dem Land Brasilien seinen Namen gab. Dieser Baum verzeichnet einen geschätzten Rückgang seiner Population um 84 Prozent in den letzten drei Generationen.

Als „gefährdet“ eingestuft wurden die einst häufig vorkommende Brasilianische Araukarie (Araucaria angustifolia), die Jussarapalme (Euterpe edulis) und der Mate-Strauch (Ilex paraguariensis), da sie Rückgänge ihrer Wildpopulationen von mindestens 50 Prozent verzeichneten.

Unter den bekannten endemischen Arten konnten die Wissenschaftler 13 Arten im untersuchten Gebiet nicht mehr finden, weshalb sie nun als „möglicherweise ausgestorben“ gelten. Es gibt jedoch auch positive Nachrichten, denn die Forscher haben fünf Arten wiederentdeckt, die in der Roten Liste der IUCN bereits als „in freier Wildbahn ausgestorben“ aufgeführt waren: die Myrtengewächse Campomanesia lundiana und Myrcia neocambessedeana sowie die Sapotengewächse Chrysophyllum januariense, Pouteria stenophylla und Pradosia glaziovii.

Die Studie greift auf Daten aus dem Atlantischen Regenwald zurück, um eine Extrapolation des Artensterbens auf globaler Ebene vorzunehmen. Konkret bedeutet dies, dass die im Atlantischen Regenwald gesammelten Daten genutzt wurden, um Schlüsse auf den Flächenverlust in anderen Waldgebieten zu ziehen. Die daraus resultierenden Prognosen deuten darauf hin, dass durch die fortschreitende Entwaldung weltweit zwischen 35 und 50 Prozent aller Baumarten bedroht sein könnten.

Die Notwendigkeit internationaler Schutzmaßnahmen

Der Atlantische Regenwald, auch als Mata Atlântica in Brasilien bekannt, gilt mit über 15.000 beschriebenen Pflanzenarten als Hotspot der Biodiversität. Dieses subtropische Waldökosystem erstreckte sich einst über mehr als 1,7 Millionen Quadratkilometer vom Nordosten Argentiniens über Uruguay und Paraguay bis nach Nordostbrasilien.

In den vergangenen 50 bis 70 Jahren wurden etwa 80 Prozent der Gesamtfläche des Atlantischen Regenwaldes abgeholzt, was im Verhältnis zur Gesamtfläche einen wesentlich stärkeren Flächenverlust darstellt als beim Amazonas-Regenwald. Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich über rund sechs Millionen Quadratkilometer im Amazonasbecken in Südamerika. Aufgrund dieser Entwicklung ist der Atlantische Regenwald als äußerst bedroht einzustufen, und dies sogar stärker als der Amazonas-Regenwald. Trotz dieser besorgniserregenden Situation setzt sich die Entwaldung und Degradierung der Mata Atlântica bis heute fort.

Die aktuellen Forschungsergebnisse dienen nicht nur als Weckruf, sondern bieten auch eine Chance. Die Studie verdeutlicht die Dringlichkeit von Schutzbemühungen, um den weiteren Verlust der Artenvielfalt im Atlantischen Regenwald zu verhindern. Der Schutz des Regenwaldes ist nicht nur auf lokaler Ebene von Bedeutung, sondern er erfordert auch internationale Maßnahmen. Dies betrifft auch die Konsumentinnen und Konsumenten in Europa, da der Kauf vermeintlich „nachhaltig zertifizierten“ Eukalyptusholzes möglicherweise zur Zerstörung des Regenwalds beitragen kann. Es ist daher von großer Wichtigkeit, die Ursachen der Waldzerstörung anzugehen und nachhaltige Praktiken zu fördern.

Zusammenfassung
  • Erstmals wurde der Bedrohungsgrad von fast 5.000 Baumarten im Atlantischen Regenwald anhand der IUCN-Kriterien bewertet, wobei 82 % der endemischen Arten als „vom Aussterben bedroht“ klassifiziert wurden.
  • Die Forschung schätzt, dass bereits 13 Arten ausgestorben sein könnten, und 65 % aller Baumarten im untersuchten Gebiet gelten als bedroht.
  • Positive Ergebnisse zeigen die Wiederentdeckung von fünf Arten, die zuvor als „in freier Wildbahn ausgestorben“ galten.
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