Großer Ameisenbär zurück in Brasilien
Große Ameisenbären sind die größten Vertreter der Ameisenbären (Vermilingua). Sie erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 100 bis 140 Zentimeter und eine Schwanzlänge von noch einmal 60 bis 90 Zentimeter. Anagoria, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons)

Brasiliens Süden: Großer Ameisenbär nach 130 Jahren zurück

Im Südwesten des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul wurde erstmals seit mehr als ein Jahrhundert ein Großer Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla) gesichtet. Dieses bedeutende Ereignis markiert die Rückkehr der Art in die Region und ist das Ergebnis intensiver Bemühungen der Organisation Rewilding Argentina.

Mithilfe von Wildtier-Kamerafallen wurden mehrere Videos im Espinilho State Park in Brasilien aufgezeichnet, die den Großen Ameisenbären zeigen. Die gefährdete Spezies wurde in der Nähe der Grenze zwischen Argentinien, Brasilien und Uruguay gesichtet – eine Region, in der die Tiere seit den 1890er-Jahren nicht mehr gesehen wurde. Es bleibt bisher unklar, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier und ob es sich um ein einzelnes oder mehrere Individuen handelt.

Laut WWF Brasilien war der Große Ameisenbär einst in allen 27 brasilianischen Bundesstaaten beheimatet. Heute ist die Art landesweit vom Aussterben bedroht und in einigen Staaten sogar vollständig verschwunden. Hauptursachen sind die Degradierung und der Verlust von Lebensräumen, begleitet von Jagd, Verkehrsunfällen und Waldbränden. Zudem sind die großen Säugetiere anfällig für Angriffe durch Hunde.

Mit seiner langen Zunge, dem ungewöhnlichen Rüssel, kräftigen Beinen und dem gedrungenen Schwanz spielt der Große Ameisenbär eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Ökosystems, indem er die Insektenpopulation kontrolliert. Diese Tiere setzen ihre kräftigen Klauen ein, um Wirbellose unter der Erde aufzuspüren und auszugraben.

Wie kommt der Große Ameisenbär nach Brasilien?

Seit dem Beginn des Wiederansiedlungsprogramms durch Rewilding Argentina im Jahr 2007 wurden mehr als 110 Ameisenbären gerettet und im Iberá-Nationalpark in Argentinien freigelassen. Dieses riesige Gebiet erstreckt sich über Feuchtgebiete, Atlantische Wälder, Trockenwälder, offene Grasflächen und Dornstrauchsavannen. Heute beheimatet der Park mehrere Generationen von Ameisenbären, die in den Feuchtgebieten von Iberá leben. Ähnlich wie ihre Artgenossen in Brasilien ist die Spezies in Argentinien seit Jahrzehnten rückläufig, und auch die Weltnaturschutzunion IUCN bewertet den Populationstrend als abnehmend.

Ein Großteil der Experten ist sich einig, dass der kürzlich gesichtete Große Ameisenbär höchstwahrscheinlich aus der Provinz Corrientes in Argentinien stammt. Diese Annahme basiert auf der geografischen Nähe sowie den morphologischen Merkmalen, die beim Tier beobachtet wurden. Die einst in der Region ausgestorbene Population wurde im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts wieder eingeführt. Die positive Entwicklung des Projekts zeigt nicht nur ein Wachstum der Population, sondern auch eine erfolgreiche Ausdehnung in das historische Verbreitungsgebiet der Art.

Die Zukunft der Ameisenbären

Die Forscher planen als nächsten Schritt, umfassende Daten zur Verbreitung des Großen Ameisenbären in der Region zu sammeln. Hierzu werden sie hypothetische Ausbreitungsszenarien für die kommenden Jahre simulieren. In der nächsten Phase des Projekts liegt der Fokus darauf, vertiefte Informationen über die Art im Bundesstaat Rio Grande do Sul zu gewinnen. Mithilfe von Kamerafallen soll herausgefunden werden, ob es in der Gegend mehrere Individuen gibt und welchen Lebensraum sie bevorzugen.

Zusätzlich beabsichtigen die Wissenschaftler, das im Espinilho State Park in Brasilien gesichtete Individuum einzufangen. Dabei sollen biologische Proben für Gesundheits- und genetische Analysen gesammelt werden. Diese Proben werden anschließend mit den Populationen anderswo in Brasilien verglichen. Zur besseren Bewertung des Aktionsradius und des genutzten Raums der Art soll dem Tier außerdem ein Funkhalsband angelegt werden.

Rewilding Argentina engagiert sich nicht nur für den Schutz des Großen Ameisenbären, sondern setzt sich auch dafür ein, weitere bedrohte Arten in den Nationalpark zurückzubringen. Dazu gehören der Jaguar, der Pampashirsch, der Riesenotter, der Grünflügelara, das Halsbandpekari und der Nacktgesichthokko. Dieser ganzheitliche Ansatz trägt dazu bei, das Ökosystem in seiner Vielfalt und Stabilität zu fördern und den Artenschutz in der Region voranzutreiben.

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