Studie globales Vogelsterben
Das Gemälde von George Edwards aus dem Jahr 1759 zeigt den 1690 ausgestorbenen Dodo. Die Ankunft von Seefahrern auf der Insel Mauritius, die Jagd auf den Dodo und die Einführung fremder Arten führten dazu, dass dieser flugunfähige Vogel innerhalb von etwa 50 Jahren ausstarb. Roelant Savery, Public domain, via Wikimedia Commons)

Globales Vogelsterben: Mehr als doppelt so viele Vögel ausgestorben als bisher angenommen

Eine kürzlich im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie zum globalen Vogelsterben zeigt, dass während der letzten 130.000 Jahre mindestens 1.300 bis 1.500 Vogelarten ausgestorben sind, was etwa zwölf Prozent des Gesamtbestandes entspricht. Laut der Studie handelt es sich bei 55 Prozent dieser Auslöschungen um bisher unentdeckte Arten, deren fossile Überreste noch nicht gefunden oder nicht mehr existent sind. Das Forscherteam unter der Leitung von Rob Cooke vom Centre for Ecology & Hydrology ermittelte diese Gesamtzahl mithilfe statistischer Modelle.

Bisherige Annahmen basierten auf Beobachtungen, historischen Berichten, Museumsexemplaren und Fossilien und gingen davon aus, dass seit dem Spätpleistozän sicher 640 Vogelarten ausgestorben sind, wovon 90 Prozent auf Inseln beheimatet waren, auf denen Menschen sesshaft wurden. Zu den Verlusten gehören bekannte Arten wie der Dodo von Mauritius, den einst auf nordatlantischen Inseln lebende Riesenalk oder das Lord-Howe-Purpurhuhn von der australischen Insel Lord Howe.

Die Ausbreitung der Menschheit von Afrika aus und die Besiedlung nahezu aller eisfreien Gebiete der Welt führten zu umfangreichen Auslöschungen in verschiedenen Tiergruppen, darunter Vögel, insbesondere in isolierten Archipelen. Selbst kleine menschliche Populationen dezimierten rasch Vogelbestände auf Inseln, indem sie neue Bedrohungen einführten, die außerhalb der evolutionären Erfahrung der heimischen Arten lagen, wie nicht heimische Pflanzen und Tiere sowie Lebensraumverlust durch Rodungen. Vögel wurden auch wegen ihres Fleisches, ihrer Knochen und ihrer bunten Federn gejagt.

Drei große Aussterbewellen seit dem späten Pleistozän

Die Forscher der Studie identifizieren drei signifikante Aussterbewellen seit dem Spätpleistozän. Die erste, im 9. Jahrhundert vor Christus, wurde vor allem durch die menschliche Besiedlung von Inseln im westlichen Pazifik (wie Tonga und Fidschi) und den Kanarischen Inseln ausgelöst.

Diese wurde durch die menschliche Besiedlung von Inseln im östlichen Pazifik, insbesondere Hawaii, den Marquesas-Inseln und Neuseeland, angetrieben. Die Menschen, begleitet von Haustieren (z. B. Schweine, Hunde, Hühner, Katzen) und Polynesischen Ratten (Rattus exulans), veränderten den Lebensraum und brachten neue Bedrohungen für die einheimische Vogelwelt mit sich, was zu rapiden Rückgängen von Vogelarten führte. In dieser Zeit sind schätzungsweise 570 Vogelarten ausgestorben, darunter die Hawaii-Krähe (Corvus impluviatus), die Südinsel-Riesengans, der Haast-Adler und neun Moa-Arten (Dinornithiformes) aus Neuseeland, wie der Nordinsel-Riesenmoa oder der Kleine Moa.

Die dritte große Aussterbewelle ist gegenwärtig im Gange. Sie erstreckt sich über verschiedene Regionen und wird durch die weltweite Zunahme menschlicher Bedrohungen, darunter Lebensraumzerstörung, direkte Ausbeutung, Verschmutzung und invasive, nicht einheimische Arten, vorangetrieben. Beispiele für ausgestorbene Vogelarten aus in dieser laufenden Welle sind der Schwarze Mamo von Hawaii, der Stephenschlüpfer von Stephens Island (Neuseeland), der Brillenkormoran von der Beringinsel und der Gouldsmaragdkolibri aus Ecuador.

Unentdeckte Verluste und ihre Rolle in der Biodiversitätskrise

Die Studie verdeutlicht die tiefgreifenden und langfristigen Veränderungen in den Vogelfaunen weltweit und zeigt, dass der Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Vogelvielfalt weitreichender ist als bisher angenommen. Das Aussterben von Vogelarten beeinflusst nicht nur die Evolutionsgeschichte, sondern hat auch erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme, da viele Arten Schlüsselfunktionen wie die Verbreitung von Samen, die Bestäubung von Pflanzen oder die Kontrolle von Insektenpopulationen erfüllen.

Die Wissenschaftler schätzen, dass rund 800 unentdeckte Vogelarten ausgestorben sind, von denen viele wahrscheinlich ebenfalls entscheidende Rollen in ihren Ökosystemen spielten. Diese nicht registrierten Verluste spielen eine bedeutende Rolle in der aktuellen Biodiversitätskrise, und das Verschwinden von Vogelarten kann langfristige evolutionäre Auswirkungen haben, insbesondere in Archipelen mit einem hohen Anteil unentdeckter Verluste, wie etwa Hawaii. Oft führt das Aussterben einer Art zum Verlust weiterer Tier- und Pflanzenarten.

Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Erde in den nächsten hundert Jahren möglicherweise bis zu 700 weitere Vogelarten verlieren könnte, so die Forscher. Es liegt an uns, ob weitere Arten aussterben werden oder nicht. Bemühungen zum Schutz und Erhalt von Arten haben in der Vergangenheit positive Ergebnisse gezeigt und werden auch in Zukunft entscheidend sein. Die Wiederherstellung und der Schutz natürlicher Lebensräume spielen dabei eine zentrale Rolle, um das Überleben gefährdeter Vogelarten zu gewährleisten und die globale biologische Vielfalt zu erhalten.

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