Neu entdeckt: Kenianische Vulkankröte (Kenyaphrynoides vulcani)
Die neu entdeckte Kenianische Vulkankröte ist relativ klein, ihr Körperbau ähnelt stark dem eines Frosches und sie besitzt auffällige grüne und braune Flecken. (© H Christoph Liedtke, Patrick K Malonza, Domnick V Wasonga, Hendrik Müller, Simon P Loader, A new genus and species of toad from Mount Kenya illuminates East African montane biogeography, Zoological Journal of the Linnean Society, 2023;, zlad160, https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlad160)

Neu entdeckte Kenianische Vulkankröte als Schlüssel zur Evolution der Amphibien in Ostafrika

Ein internationales Forscherteam des National Museum of Kenya entdeckte bei einer Höhe von 2.400 Metern im nebelverhangenen Chogoria Forest einen bislang unbekannten Frosch an den östlichen Hängen des Mount Kenya. Diese neu entdeckte Spezies, die nun im Zoological Journal of the Linnean Society wissenschaftlich beschrieben wurde, ist besonders bemerkenswert: Die Kenianische Vulkankröte (Kenyaphrynoides vulcani) repräsentiert nicht nur eine bisher unbekannte Art für die Wissenschaft, sondern wirft auch ein neues Licht auf die Evolution der Amphibien in Ostafrika und stellt bisherige Annahmen zur biogeografischen Geschichte der Region in Frage.

Kenianische Vulkankröte: Bisher nur ein Exemplar bekannt

Um die Kenianische Vulkankröte als neue Spezies zu bestätigen, wurden Merkmale wie Form, Farbe und DNA mit anderen Arten verglichen, die in der Umgebung des Mount Kenya vorkommen. Dabei stellte sich heraus, dass die Vulkankröte nicht nur eine neue Art repräsentiert, sondern aufgrund genetischer und morphologischer Unterschiede zu anderen bekannten Krötenarten auch eine eigenständige Gattung darstellt.

Obwohl die Kenianische Vulkankröte formell als neue Art beschrieben wurde, gibt es bisher nur begrenzte Informationen über sie. Ihre breiten Fingerspitzen lassen darauf schließen, dass sie kletterfähig und baumbewohnend ist. Wahrscheinlich ist sie wie die meisten Amphibien während der Regenzeit aktiv. Es überraschte die Forscher daher, die neue Spezies während der Trockenzeit zu entdecken. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich die Vulkankröte während dieser Zeit unter der Erde oder in Laub versteckt, bis der Regen einsetzt.

Basierend auf einem einzelnen im September 2015 in einer Fallgrube auf dem Waldboden gesammelten Exemplar, einem Männchen, merken die Wissenschaftler der Erstbeschreibung an, dass die Kenianische Vulkankröte im Vergleich zu den meisten anderen auf dem Mount Kenya gesammelten Arten offensichtlich sehr selten ist. Trotz intensiver Suche konnten die Forschenden keine weiteren Exemplare finden. Es bleibt unklar, ob dies darauf zurückzuführen ist, dass die Art besonders scheu ist, oder auf eine kleine, möglicherweise rückläufige Population, was weitere Forschung erfordert.

Vulkankröte bedeutend älter als der Mount Kenya

Mount Kenya
Während Äthiopien und Tansania schon lange als Hotspots der Biodiversität für Amphibien galten, war das bei Kenia nicht der Fall. Bislang wurde nämlich angenommen, dass die geologische Geschichte und die Häufigkeit von tektonischer Aktivität Kenia zu einem schwierigen Ort für die Entstehung von Amphibien machte.Ronnie Robert, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Aufgrund ihres ungewöhnlichen Erscheinungsbilds, das an Waldfroscharten der Gattung Nectophrynoides erinnert, welche in den Eastern Arc Mountains in Tansania beheimatet sind, staunten die Forschenden über die Präsenz der neu entdeckten Spezies in Kenia. Die Wissenschaftler datieren die Ursprünge der Kenianischen Vulkankröte auf eine Zeit vor 20 Millionen Jahren – lange bevor der Mount Kenya, das zweithöchste Bergmassiv Afrikas, vor drei Millionen Jahren entstand. Diese Erkenntnis widerspricht der vorherrschenden Meinung, dass die meisten Amphibienarten Kenias erst nach dem Rückgang der vulkanischen Aktivität vor wenigen Millionen Jahren entstanden sind.

Die Forscher vermuten, dass die Vorfahren der Kröte einst in Wäldern lebten, die in der gesamten ostafrikanischen Region weitaus verbreiteter und vernetzter waren. Heute ist die Kenianische Vulkankröte wahrscheinlich auf den Chogoria Forest Block am Mount Kenya beschränkt. Um ein besseres Verständnis für diese Art und ihre Überlebensanforderungen zu erlangen, sind nun Erhebungen zur Populationsgröße, Verbreitung und Habitatpräferenzen von großer Bedeutung. Der Schutz der verbliebenen Wälder steht dabei im Mittelpunkt.

Der Mount Kenya ist bekannt für seine beeindruckende Tierwelt, darunter Elefanten, Spitzmaulnashörner und Ostafrikanische Bongos (Tragelaphus eurycerus isaaci), einer stark gefährdeten Antilopenart. Kleineren Tieren wie Amphibien wird jedoch oft weniger Beachtung geschenkt. Die Entdeckung der Kenianischen Vulkankröte wirft daher nicht nur Fragen nach möglichen weiteren unentdeckten Amphibienlinien in Ostafrika auf, sondern betont auch die dringende Notwendigkeit weiterer Forschung und Erkundung in dieser Region. Zudem hebt sie die reiche Biodiversität des erloschenen Vulkans Mount Kenya hervor und unterstreicht die Wichtigkeit des Schutzes dieses einzigartigen Lebensraums.

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