schwarzer mamo
Der Schwarzmamo war rund 20 Zentimeter lang, wobei weibliche Vögel etwas kleiner wurden. Sein Gefieder war schwarz und grau, sein Schnabel und die Beine waren ebenfalls schwarz. Der lange, sichelförmig gebogene Schnabel war beim Männchen länger als beim Weibchen. Evans, A. H.; Frohawk, Frederick William; Gadow, Hans; Wilson, Scott B., Public domain, via Wikimedia Commons)

Schwarzer Mamo

Einer der seltensten Vögel der Hawaii-Gruppe

Als der englische Zoologe und Ornithologe Alfred Newton den Schwarzen Mamo 1894 in On a new Species of Drepanis wissenschaftlich beschrieb, ahnte er bereits, welches Schicksal den neu entdeckten hawaiianischen Kleidervogel ereilen würde:

„Sein düsteres Gefieder und das traurige Schicksal, das dieser Art wahrscheinlich bevorsteht, veranlassen mich, für sie den Namen Drepanis funerea vorzuschlagen.“

On a new Species of Drepanis discovered by Mr. R. C. L. Perkins, Proceedings of Zoological Society, 1894, A. Newton.

Funerea ist aus dem Lateinischen und bedeutet „Beerdigung“. Newton sollte Recht behalten, denn 1907, nur 14 Jahre nach seiner Entdeckung, wurde der Schwarze Mamo zum letzten Mal nachgewiesen. Ursprünglich entdeckt hatte den Schwarzmamo der britische Naturforscher Robert Cyril Layton Perkins 1893 im Pelekuna Valley, als er für einige Monate die Hawaiiinsel Molokai erkundete. Er bezeichnete den Schwarzen Mamo in der mehrbändigen, vom britischen Entomologen David Sharp zwischen 1986 und 1913 herausgegebenen Fauna hawaiiensis als einen der seltensten Vögel der Hawaii-Gruppe:

„Der Oo-nuku-umu scheint einer der seltensten Vögel zu sein, von denen ich Exemplare erhielt. Bei einer Gelegenheit, bei der ich nicht vorbereitet war, Vögel zu sammeln, sah ich gleich sieben Individuen an einem einzigen Tag, aber das war die absolute Ausnahme; und als ich ein Exemplar sammeln wollte, verbrachte ich einen ganzen oder mehrere Tage in seinen Gefilden, um exklusiv nach ihm zu suchen, ohne auch nur ein einziges Tier zu sehen, und das war zu einer Zeit, in der ich bereits äußerst familiär mit seinen Gewohnheiten war.“

Fauna hawaiiensis, or, The Zoology of the Sandwich (Hawaiian) Isles, Volume 1, Part IV, 1903, R. C. L. Perkins
Black mamo Alberto Rey
Öl auf Leinwand von Alberto Rey. Das Gemälde Black Mamo entstammt dem Extinct Birds Project, das 2019 abgeschlossen wurde. (© Alberto Rey, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Der bergige Waldlebensraum des Schwarzmamos war schon bei dessen Entdeckung 1893 auf der kleinen Insel Molokai sehr begrenzt und ein kleines Verbreitungsgebiet bringt mit sich, dass nur eine geringe Anzahl von Tieren einer Art darin vorkommt. Der Mamo war also schon selten, bevor die westliche Welt von seiner Existenz erfuhr.


Schwarzer Mamo – Steckbrief
alternative BezeichnungenSchwarzmamo, Rußmamo, Trauerkleidervogel, Oo-nuku-umu, Hoa
wissenschaftlicher NameDrepanis funerea
englische NamenBlack Mamo, Molokai Mamo, Perkin’s Mamo
ursprüngliches VerbreitungsgebietMolokai (Hawaii)
Zeitpunkt des Aussterbens1907
Ursachen für das AussterbenBejagung, Lebensraumverlust, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Der Schwarzmamo war ein Nektarfresser

Mamo oder woowoo sind Bezeichnungen für drei hawaiianische Vogelarten, von denen zwei bereits ausgestorben sind: der Schwarze Mamo oder Trauerkleidervogel und der Königskleidervogel (Drepanis pacifica). Im Gegensatz zum Königskleidervogel besaß der Schwarzmamo keine gelben Federn. Beim Iiwikleidervogel (D. coccinea) handelt es sich um den letzten überlebenden Vertreter der Gattung der Mamos (Drepanis). Er kommt in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet heute vielerorts nicht mehr vor.

ohiabaum
Der Schwarzmamo bevorzugte neben Lobelien den Nektar aus den roten Blüten des hawaiianischen Ohiabaumes. (© David Eickhoff from Pearl City, Hawaii, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Die Einheimischen nannten den Schwarzen Mamo o’o nuku’umu, was soviel bedeutet wie „o’o mit Saugschnabel“. Diese Bezeichnung ist auf seine Fressgewohnheiten zurückzuführen, denn bei den Kleidervögeln werden zwei Gruppen unterschieden: die Samenfresser und die Nektarfresser. Der Schwarzmamo gehörte mit seinem langen, gekrümmten Schnabel und seiner röhrenförmigen Zunge zu den Vögeln, die sich auf Nektar spezialisiert haben. Er saugte den Nektar aus den Blüten einiger hawaiianischer Lobeliengewächse (Lobelia) und der Ohiabäume (Metrosideros polymorpha). Perkins konnte bei Untersuchungen des Mageninhalts der Vögel zudem keine Insekten nachweisen. Überhaupt ist das meiste dessen, was über den Schwarzen Mamo bekannt ist, von Perkins überliefert worden, der als bedeutender Naturforscher viele Jahre auf den Hawaiiinseln verweilte.

Der Schwarze Mamo lebte im Unterholz und in den mittleren Baumregionen in den Regenwäldern auf der Insel Molokai. Subfossile Funde der Paläontologin Helen F. James und des Ornithologen Storrs L. Olson beweisen 1991, dass die Vogelart einst auch auf der Nachbarinsel Maui gelebt haben muss.

Gemäß Michael Walthers Monographie Extinct Birds of Hawaii (2016) existieren zehn Museumsexemplare des Schwarzmamos. Diese befinden sich heute unter anderem in Bremen, London, Cambridge, Honolulu, Molokai, Boston und New York City.

Was der Axishirsch mit dem Aussterben des Schwarzmamos zu tun hat

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN folgt in ihrer Ansicht dem US-amerikanischen Ornithologen James Cowan Greenway, der in Extinct and vanishing Birds of the World 1967 davon ausgeht, dass die Hauptursache des Aussterbens des Schwarzen Mamos in der Zerstörung des Unterholzes als Lebensraum durch eingeführte Weidetiere und Hirsche zu finden ist. Der kubanisch-amerikanische Maler und Schriftsteller Alberto Rey weist in diesem Zusammenhang in Extinct Birds Project (2019) darauf hin, dass 1868 acht Axishirsche (Axis axis) – drei Hirsche, vier Hirschkühe und ein Kalb – auf der Insel Molokai ausgesetzt worden seien, um die Jagdmöglichkeiten und den Tourismus dort zu optimieren.

iwi-kleidervogel
Der gefährdete Iiwi-Kleidervogel ist der einzige lebende Vertreter aus der Gattung der Mamos (Drepanis). Er lebt auf einigen Inseln der Hawaii-Inselkette. (© ALAN SCHMIERER from southeast AZ, USA, CC0, via Wikimedia Commons)

Perkins, der Entdecker des Schwarzen Mamos, stellte schließlich 1903 fest, dass die Hirschpopulation so stark zugenommen hat, dass ein Großteil des Lebensraums der Vögel im Unterholz des Bergwaldes zerstört worden war. Doch nicht nur der Verlust des Lebensraums spielte beim Verschwinden des Schwarzen Mamos eine Rolle, auch andere auf die Hawaiiinseln eingeschleppte Tiere, etwa Ratten und Mungos, trugen dazu bei.

Über das Brutverhalten des Schwarzmamos ist zudem bekannt, dass er seine Nester im Unterholz baute, da dort der Boden weich und morastig war. Seine Eier und Jungvögel wurden so zur leichten Beute für Raubtiere, aber auch die erwachsenen Vögel waren vor den invasiven Räubern nicht sicher.

Rey nennt als Hauptursache für das Aussterben des Schwarzmamos weiterhin die Einschleppung von durch Mücken übertragbare Krankheiten, gegen die die endemischen Kleidervögel keine Immunität besaßen. Nachdem die Vogelmalaria-übertragende invasive Stechmücke Culex quinquefasciatus ab 1826 auf die Hawaiiinseln gelangte, halbierte sich der Bestand der Kleidervögel im 20. Jahrhundert. Auch beim Aussterben des Annakleidervogels um 1892 spielte die Krankheit eine Rolle.

Welche Rolle das Federkleid des Schwarzmamos bei seinem Aussterben gespielt hat, ist nicht ganz klar. Vom ausgestorbenen Königskleidervogel ist zum Beispiel bekannt, dass er wegen seiner prächtigen gelben Federn sehr begehrt war und auch dem Iiwi-Kleidervogel stellte man nach, um an die roten Federn zu gelangen. Die Vögel wurden mit Schlingen, Vogelleim oder mit der bloßen Hand gefangen.

Ob schwarze Federn, wie der Schwarze Mamo sie trug, dazu beitrugen, dass er vermehrt bejagt wurde, um daraus royale Kleidungs- und Schmuckstücke zu fertigen, ist ungewiss. Sicher ist, dass der Schwarze Mamo als zutraulich und neugierig galt und dass er selten höher als drei Meter flog, sodass er leicht zu fangen gewesen sein dürfte. Wahrscheinlich überlebte der Schwarzmamo aber gerade wegen seiner weniger bunten Federn länger als andere Kleidervogelarten. Aufgrund seiner Seltenheit wurde er jedoch ein begehrtes Objekt unter Sammlern, was sein Schicksal letztendlich besiegelte.

Ein Opfer der Sammelleidenschaft

Eine andere Ursache, die zum Populationsrückgang bei den Schwarzen Mamos geführt hat, ist, dass kommerzielle Sammler und auch einige frühe Naturforscher eine übermäßig große Zahl an Vögeln gesammelt beziehungsweise getötet haben. Der Ornithologe George C. Munro schrieb sogar, dass private Sammler die meisten Schwarzen Mamos auf Molokai bereits sammelten, bevor Perkins die Vögel überhaupt entdeckte.

Schwarzmamo und Laysan-Rohrsänger
Abbildung aus W. A. Bryans A Key to the Birds of the Hawaiian Group (1901), die oben den ausgestorbenen Laysan-Rohrsänger und darunter den Schwarzen Mamo zeigt. (© William Alanson Bryan, Public domain, via Wikimedia Commons

Im 18. und 19. Jahrhundert galten Naturforscher nicht unbedingt als ethische Sammler und Nachhaltigkeit war damals noch kein Konzept, das man praktizierte. William A. Bryan gilt als Beispiel dafür: Er war durchaus ein angesehener Naturforscher, Museumskurator und Professor auf Hawaii, aber er war auch ein eifriger und renommierter Sammler.

Als Bryan erkannte, dass die Schwarzen Mamos vom Aussterben bedroht waren, reiste er nach Molokai und erschoss im Juni 1907 die letzten drei Vögel. In Some Birds of Molokai (1908) beschreibt Bryan detailliert, wie er den letzten Hoa – wie Perkins den Schwarzen Mamo nannte – erlegte:

„Der Hoa (…) ist überaus selten, in der Tat so selten, dass sieben Wochen andauernde Feldarbeit in den Wäldern von Molokai, seinem einzigen Lebensraum, nötig waren, um ein einzelnes Individuum zu sehen, zu hören und (…) sicherzustellen. (…) Wir arbeiteten im besonders dichten und wenig erfolgversprechenden Ie’ie-Dschungel, als ich ein klares, zartes (..) ‚H-o-a‘ von einem Vogel (…) hörte. (…) Zu meiner Freude flog der neugierige schwarze Vogel mit dem wundervoll gebogenem Schnabel, das Objekt meiner Begierde, hinunter und ließ sich auf einem Baum zehn Fuß von mir entfernt nieder! (…) Er hüpfte und huschte von Ast zu Ast (…), er beharrte darauf, in meiner Nähe zu bleiben, sodass ich nicht einmal sicher mein Hilfsrohr abfeuern konnte. (…) Die nächsten paar Sekunden wurden zum Moment der schmerzvollen Entscheidung. Meine Waffe zu brechen und nachzuladen, würde den Vogel mit Sicherheit erschrecken; die schwere Ladung im linken Lauf war fast kriminell, aber meine einzige Möglichkeit. Ohne zu zögern habe ich mich der ersten Möglichkeit bedient (…) und schoss. Die Federn flogen: Ich habe meinen ersten Schwarzen Mamo geschossen. (…) Zu meiner Freunde fand ich die verstümmelten Überreste in einem dicken Bündel Blätter im Baum hängend, sechs oder mehr Fuß von der Stelle entfernt, wo der Vogel gesessen hatte.“

Some Birds of Molokai, Volume 4, 1908, W. A. Bryan

Selbst wenn Bryan nicht die letzten Schwarzen Mamos geschossen haben sollte, so gab es nach 1907 keine weiteren Sichtungen mehr. Eine weitangelegte Suche 1936 brachte nur ein Gerücht hervor, nach dem ein Vogel im Wailau-Tal einige Jahre zuvor gesichtet wurde, so Munro in Birds of Hawaii (1944). Munro weist auch auf den Ornithologen Walter Raymond Donaghho hin, der 1937 einen Großteil des Waldes von Molokai durchquerte und keine Spur vom Schwarzen Mamo fand. Weitere Suchen in den Jahren 1944, 1949 und 1986 erwiesen sich ebenfalls als erfolglos.

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