südinsel-riesengans
Größenvergleich aus dem Jahr 1879: Südinsel-Riesengans (rechts) und heute noch existierende Hühnergans (links). Griesbach, Public domain, via Wikimedia Commons)

Südinsel-Riesengans

Der größte bekannte Wasservogel Neuseelands

Die Südinsel-Riesengans machte ihrem Namen alle Ehre und erreichte eine Rückenhöhe von 65 Zentimetern, eine Länge von 85 Zentimetern und ein Gewicht von 18 Kilogramm. Zum Vergleich: Unsere europäische Graugans (Anser anser) erreicht dagegen nur ein Gewicht von zwei bis vier Kilogramm.

Fliegen konnten Südinsel-Riesengänse aufgrund reduzierter Flügel und eines zurückgebildeten Brustkiels nicht, obwohl sie nah mit der heute noch im Süden Australiens lebenden, flugfähigen Hühnergans (Cereopsis novaehollandiae) verwandt sind.

Die stämmige Riesengans bewohnte einst die Südinsel Neuseelands, während die etwas leichtere Nordinsel-Riesengans (Cnemiornis gracilis) auf der Nordinsel lebte. Beide gehören der ausgestorbenen Gattung der Neuseelandgänse an.

Der britische Zoologe und Moa-Experte Richard Owen beschrieb die Südinsel-Riesengans im Jahr 1866. Die Gans besaß Sporne zwischen den Zehen, die sie wahrscheinlich zur Verteidigung bzw. bei Kämpfen einsetzte.

Bei der Riesengans lag ein starker Sexualdimorphismus vor. Das heißt, die beiden Geschlechter der Tiere unterschieden sich wesentlich in der Größe. Dies hatte zur Folge, dass das kleinere Geschlecht zunächst fälschlicherweise als eigene Art, Cnemiornis minor, beschrieben wurde.

Südinsel-Riesengans – Steckbrief

wissenschaftliche NamenCnemiornis calcitrans, Cnemiornis minor
englische NamenSouth Island Goose, New Zealand Goose
ursprüngliches VerbreitungsgebietSüdinsel Neuseelands
Zeitpunkt des Aussterbensum 1400
Ursachen für das AussterbenÜberjagung, auf die Insel eingeschleppte Tiere

Riesengans vermutlich durch Überjagung ausgerottet

Südinsel-Riegengans Cnemiornis calcitrans
Skelett der Südinsel-Riesengans aus dem Jahr 1873. (© James Hector (1834-1907), Public domain, via Wikimedia Commons)

Es existieren heute subfossile Überreste der Südinsel-Riesengans von rund 250 Exemplaren. Da man die Knochen meist in trockenen Gebieten im Osten der Südinsel fand, gehen Experten davon aus, dass das Tier dort auch lebte. Vermutlich ernährte sich der Wasservogel mit seinem relativ kurzen Schnabel von Gräsern und lebte in Scharen.

Die Gründe für das Aussterben der Art sind weitgehend unklar, aber Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Südinsel-Riesengans durch Überjagung durch Vorfahren der heutigen Maori ausgerottet worden sein könnte. Vermutlich aßen die Menschen auch die Eier der Gänse. Hinzu kommt, dass sich der ebenfalls ausgestorbene Haastadler vermutlich auch von Riesengänsen ernährte.

Nicht auszuschließen ist, dass durch Polynesier auf die Südinsel eingeschleppte Pazifische Ratten (Rattus exulans) und Hunde den Gänsen nachstellten. Etwa seit 1400 gilt die Südinsel-Riesengans als ausgestorben – noch bevor die ersten Europäer nach Neuseeland kamen.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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