schuppenkehlmoho
Sämtliche Krausschwanz- oder Moho-Arten starben innerhalb von 150 Jahren nach ihrer Entdeckung aus. Der Schuppenkehlmoho oder Kauai-Krausschwanz (Bild) war der letzte überlebende Vertreter seiner Gattung. Evans, A. H.; Frohawk, Frederick William; Gadow, Hans; Wilson, Scott B., Public domain, via Wikimedia Commons)

Schuppenkehlmoho

Schuppenkehlmoho – Mit ihm starb eine ganze Vogelfamilie aus

Die Vogelfamilie Mohoidae bildete sich vor mehr als 15 bis 20 Millionen Jahren während des Miozäns heraus. Zu ihr zählten zwei Gattungen hawaiianischer Singvögel: Moho und Chaetoptila. Letzterer gehörte nur der Schmalfedermoho an, der bereits 1859 ausgestorben ist. Zur Gattung der Krausschwänze (Moho) zählen vier Arten: Der Krausschwanzmoho (M. apicalis), der Ohrbüschelmoho (M. bishopi) und der Prachtmoho (M. nobilis) – sie starben alle zwischen 1837 und 1934 aus. Der letzte Vertreter der Gattung war der Schuppenkehlmoho oder Kauai-Krausschwanz; er verschwand 1987 und mit ihm eine ganze Vogelfamilie. Bei Mohoidae handelt es sich um die erste in der Neuzeit komplett ausgestorbene Vogelfamilie.

Schuppenkehlmoho Foto
1975 besuchten die Vogelkundler H. D. Pratt und R. Shallenberger den Alakai-Sumpf auf Kauai und schossen dieses Foto eines männlichen Schuppenkehlmohos. (© Robert Shallenberger, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der deutsche Trivialname Schuppenkehlmoho rührt daher, dass die Art schwarze Brust- und Kehlfedern besaß, die jeweils ein weißes Subterminalband aufwiesen, sodass Brust und Kehle des Vogels schuppenartig aussahen. Bei den Weibchen war das schuppenartige Aussehen stärker ausgeprägt als beim Männchen. Das restliche Federkleid des rund 20 Zentimeter langen Vogels war größtenteils schwarz oder braun mit ein paar weißen Längslinien. Auffällig waren die gelb befiederten Oberschenkel und die hellgelbe Iris.

Die indigene Bevölkerung Hawaiis nannte den Schuppenkehlmoho ʻōʻō ʻāʻā. Bei ʻōʻō handelt es sich um einen onomatopoetischen Laut, der den Ruf der Vogelart nachahmt, und ʻāʻā bedeutet in der hawaiianischen Sprache „Zwerg“, denn der Schuppenkehlmoho war kleiner als die anderen Mohos. Den flötenartigen Gesang des Krausschwanzes von Kauai kann man sich auf der Website Internet Bird Collection anhören.

Endemisch war der Schuppenkehlmoho auf der Hawaii-Insel Kauai, der ältesten Insel des Archipels. Noch im frühen 20. Jahrhundert war der lebhafte Vogel in den subtropischen Wäldern der Insel häufig anzutreffen, doch dann verschwand er nach und nach.

Schuppenkehlmoho – Steckbrief
alternative BezeichnungKauai-Krausschwanz
wissenschaftliche NamenMoho braccatus, Moho braccathus, Mohus braccata, Mohus nobilis braccatus, Pseudomoho braccatus, Acrulocercus braccatus
englische NamenKauai Oo, Kaua’i ‚O’o, ‚o’o’a’a
ursprüngliches VerbreitungsgebietKauai (Hawaii)
Zeitpunkt des Aussterbens1987
Ursachen für das AussterbenLebensraumzerstörung, auf Insel eingeschleppte Arten und Krankheiten, begehrtes Museumsexemplar

Der einzige Moho, von dem Film- und Fotomaterial existiert

Nachdem das erste Individuums des Schuppenkehlmohos 1835 gesammelt wurde, beschrieb der US-amerikanische Ornithologe John Cassin die Art 1855 in den Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia erstmals wissenschaftlich. Während über die anderen Krausschwanz-Arten wenig bekannt ist, wissen wir über die Lebensweise und das Verhalten des Schuppenkehlmohos vergleichsweise viel; die Spezies konnte sogar fotografiert und gefilmt werden. Das einzig bekannte Filmmaterial stammt aus den 1970er-Jahren von John L. Sincock:

Für die Suche nach Nahrung bewegte sich der Schuppenkehlmoho schnell durch das Unterholz und Laub. Er hielt sich auch auf Bäumen auf, allerdings in nicht so großen Höhen wie der mit ihm verwandte Prachtmoho. Wie auch die ihm ähnlichen Honigfresser (Meliphagidae) aus Australien besaß der Kauai-Krausschwanz einen spitzen, leicht gebogenen Schnabel und eine lange Zunge mit pinselartiger Spitze zum Aufnehmen von Nektar. Er bevorzugte dabei Lobeliengewächse (Lobelia) und Ohiabäume (Metrosideros polymorpha). Der Schuppenkehlmoho wurde auch bei der Nahrungssuche in Lapalapa-Bäumen (Cheirodendron platyphyllum) beobachtet. Außerdem fraßen Schuppenkehlmohos auch Hundertfüßer, Spinnen, Raupen und Insekten wie Schaben oder Grillen sowie Früchte.

Vom Verschwinden des Schuppenkehlmohos

Seit der Ankunft des britischen Seefahrers und Entdeckers James Cook auf den Hawaii-Inseln am 18. Januar 1778 sind dort mindestens 27 endemische Vogelarten ausgestorben. Viele der Spezies verschwanden kurze Zeit nach ihrer Entdeckung; auch die drei anderen Krausschwanz-Arten. Der Schuppenkehlmoho überlebte noch ziemlich lange. Der Ornithologe George C. Munro beschreibt in seiner Monographie Birds of Hawaii (1944) wie rasant die Bestandszahlen des Kauai-Krausschwanzes dennoch abnahmen:

„1891 war er ein weit verbreiteter Vogel in den Wäldern von Kauai. Seinen Gesang hörte man in Meeresspiegelhöhe in den Tälern auf der Nordseite bis zur Spitze des Berges Waialelale in mehr als 1.200 Metern Höhe. Der Vogel war auch noch nicht selten, als ich Kauai 1899 verließ, aber bei meinen vier Besuchen des Waldes von Kauai zwischen 1928 und 1936 sah oder hörte ich ihn nicht.“

The Birds of Hawaii, 1944, G. C. Munro

Nach Munros Besuch der Insel Kauai ging man ab 1940 bereits davon aus, dass der Schuppenkehlmoho ausgestorben ist, doch zehn Jahre später sichtete man einige der Vögel und 1960 entdeckte man eine kleine Population von rund 34 Vögeln im Alakai-Sumpfwald am Mount Waialelale in etwa 1.000 Metern Höhe. Überraschenderweise setzten Naturwissenschaftler ihre Sammeltätigkeiten für Museen zu dieser Zeit fort, obwohl der Krausschwanz-Kauai extrem selten geworden ist: Dies betraf zwei Männchen aus der Population.

Moho braccatus
Ein männlicher Schuppenkehlmoho im Auckland War Memorial Museum in Neuseeland. An seiner Kehle erkennt man gut die namensgebenden, wie Schuppen aussehenden Federn, die bei den Weibchen noch ausgeprägter waren.
Auckland Museum, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Zwischen 1968 und 1973 lebten schätzungsweise nur noch 36 Schuppenkehlmohos auf Kauai, doch die Zahlen nahmen weiterhin ab. Bei einer Expedition im Jahr 1981 soll schließlich nur noch ein einziges Pärchen in den Tälern des Alakai Wilderness Preserve gelebt haben. Wie es mit den beiden Vögeln weiterging, haben der Vogelbeobachter Robert L. Pyle und sein Sohn, der US-amerikanische Ornithologe Peter Pyle, in The Birds of the Hawaiian Islands (2017) zusammengefasst:

„Das Weibchen wurde zuletzt im Mai 1981 gesichtet und das Männchen wurde mehrfach dabei beobachtet, ‚wie es im Frühling sein Nestbau-Ritual durchführte und immer wieder nach einem Partner rief, der vielleicht nie kommen würde‘, bis es zuletzt am 29. April 1987 gehört wurde.“

The Birds of the Hawaiian Islands: Occurence, History, Distribution, and Status, 2017, R. L. & P. Pyle.

Wann ist der Schuppenkehlmoho ausgestorben?

Moho braccatus
Skelett des Schuppenkehlmohos vom deutschen Naturwissenschaftler Adolf Bernard Meyer (1897) aus dem Buch Abbildungen von Vogel-Skeletten. (© Adolf Bernard Meyer, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN und viele andere Autoren nennen 1987 als Aussterbedatum für den Schuppenkehlmoho. Es gibt aber auch andere, die ein späteres Aussterben der Vogelspezies für möglich halten. Der Evolutionsbiologe Chris S. Elphick und sein Team errechnen basierend auf ihrer 2010 veröffentlichten Studie Estimated Dates of recent Extinctions for North American and Hawaiian Birds ein frühestes Aussterbefenster zwischen 1985 bis 1991 beziehungsweise ein spätestes Aussterbefenster zwischen den Jahren 2000 bis 2007. Diese Annahmen beruhen auf Analysen von Persistenz-Wahrscheinlichkeiten unter Einbeziehung bestätigter und unbestätigter Sichtungen.

Nach zahlreichen erfolglosen Suchaktionen nach dem Schuppenkehlmoho ab 1989 und dem Hurrikan Iniki im September 1992 erklärte die IUCN die Vogelart im Jahr 2000 schließlich für ausgestorben. Einige Biologen gehen davon aus, dass das Verschwinden des weiblichen Vogels mit dem Hurrikan Iwa, der im November 1982 die Hawaiiinseln traf, im Zusammenhang steht.

Die beiden Hurrikans Iwa und Iniki trafen das Hawaii-Archipel innerhalb von zehn Jahren zweimal. Dabei wurden viele der alten Bäume mit Hohlräumen, die Mohos für den Nestbau bevorzugten, zerstört und die Bäume, die bereits neu gepflanzt wurden, konnten wegen des zweiten Hurrikans nicht wachsen. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass so die letzten Schuppenkehlmohos verschwanden, zumal Expeditionen in den Jahren 1994, 1996 und 2000 keine Beweise für die Existenz der Art liefern konnten.

Lebensraumverlust und invasive Säugetiere

Die Hurrikans sorgten vielleicht für das Verschwinden der letzten verbliebenen Schuppenkehlmohos, aber die Bestandszahlen waren bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Sinken begriffen. Als Hauptursachen dafür nennt die IUCN die Zerstörung ihres Lebensraums sowie das Einschleppen invasiver Spezies.

Kauai
Die Hawaii-Insel Kauai (auch Kauaʻi) ist eine der acht Hauptinseln des Hawaii-Archipels. Die rund 1.435 Quadratkilometer große Insel besitzt eine üppige Vegetation und vielfältige Landschaftsformen.
Christopher Michel, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Nachdem Cook 1778 im Rahmen seiner dritten Südseereise nach Alaska zufällig Hawaii entdeckte, kamen Anfang des 19. Jahrhunderts Missionare auf die Inselkette, um Zuckerrohrplantagen zu errichten. Die erste erfolgreiche Zuckerrohrplantage entstand 1835 auf Kauai. Kurz darauf exportierte man Zuckerrohr in die USA und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen unzählige Einwanderer auf die Insel, um auf den Plantagen zu arbeiten. Die Zuckerrohrexporte kurbelten zwar die Wirtschaft Kauais an, führten aber auch zu einem Bevölkerungsanstieg und dazu dass natürlicher Lebensraum Plantagen und Behausungen weichen musste – Wälder wurden abgeholzt und Lebensraum für endemische Arten zerstört.

Die Inseln des Hawaii-Archipels lagen lange isoliert inmitten des Pazifischen Ozeans und lange Zeit konnten sich dort ungehindert neue Spezies herausbilden, sodass dort allein 57 Arten von Kleidervögeln lebten, von denen heute allerdings fast 40 ausgestorben sind (etwa der Annakleidervogel). Bevor die Menschen die Inselkette erreichten, lebten nur zwei Säugetierarten auf den Hawaiiinseln: die Hawaii-Mönchsrobbe (Neomonachus schauinslandi) und die Hawaiianische Rauhautfledermaus (Lasiurus semotus) – beide sind heute vom Aussterben bedroht. Ansonsten existierten dort nur Vögel und Wirbellose wie Insekten und Schnecken.

Mit der Besiedlung der Inseln zunächst durch Polynesier und später durch andere Einwanderer gelangten auch invasive Säugetiere auf das Hawaii-Archipel wie zum Beispiel Hausratten (Rattus rattus), Pazifische Ratten (Rattus exulans), Indische Mungos (Herpestes edwardsii) und domestizierte Schweine (Sus domesticus) sowie andere Nutztiere.

Mungos wurden absichtlich ab 1883 auf die Insel eingeführt, um die Rattenpopulationen auf den Zuckerrohrplantagen einzudämmen. Das Ganze stellte sich als fataler Fehler heraus, da sich die Mungos und Ratten miteinander arrangierten – Mungos jagen tagsüber, Ratten nachts. Stattdessen wurden sie gemeinsam zu einer großen Gefahr für die heimischen Vögel. Vor allem Mungos sind dafür bekannt, die Eier bodenbrütender Vögel sowie die Vogelbrut und Vögel selbst zu erbeuten.

Vogelmalaria als Gefahr für den Schuppenkehlmoho

schuppenkelmoho im museum
Ein Kauai-Krausschwanz oder Schuppenkehlmoho im Bernice P. Bishop Museum in Honululu, Hawaii. (© Hiart, CC0, via Wikimedia Commons)

Eine Vielzahl von Ursachen führte zum Aussterben des Schuppenkehlmohos. Neben den eingeschleppten Säugern wurden auch durch Mücken übertragbare Krankheiten zum Problem für den Kauai-Krausschwanz und andere endemische Vogelarten (siehe Schwarzer Mamo). Die Vogelmalaria-übertragende invasive Stechmücke Culex quinquefasciatus gelangte ab 1826 auf die Hawaii-Inselkette.

Aus der Studie Avian Malaria in Hawaiian Forest Birds (2015) geht unter anderem hervor, dass das Infektionsrisiko mit Vogelmalaria in den niedrigen Lagen am höchsten, in mittleren Lagen mäßig und in hochgelegenen Regionen relativ gering war. Um den Mücken zu entgehen, zogen sich die Schuppenkehlmohos in höhere Regionen der Insel zurück, sodass sie irgendwann nur noch in den Bergwäldern des Alakai Wildnerness Preserve anzutreffen waren. Das ganze hatte einen entscheidenden Nachteil: Bei den Bäumen dort waren die Baumhöhlen, auf die die Schuppenkehlmohos zum Nestbau angewiesen waren, viel zu klein oder fehlten gänzlich. In der Folge bauten die Vögel nur noch wenige oder gar keine Nester. Zudem bot der Lebensraum in der Höhe auch weniger Pflanzen, die die Kauai-Krausschwänze für ihre Ernährung benötigten.

Neben der Vogelmalaria wurden auch die durch nicht-heimische Vögel nach Hawaii gebrachten Vogelpocken, eine hochansteckende und oft tödlich verlaufende Viruserkrankung, zur Gefahr für den Schuppenkehlmoho. Sowohl Vogelmalaria als auch Vogelpocken verursachten unter der endemischen Avifauna ein Artensterben.

Sammelleidenschaft betraf den Kauai-Krausschwanz

Der kubanisch-amerikanische Maler und Schriftsteller Alberto Rey weist in seinem 2019 veröffentlichten Extinct Birds Project darauf hin, dass wahrscheinlich auch die starke Zunahme des Sammelns von Bälgen in den 1890er-Jahren zum Verschwinden des Schuppenkehlmohos beitrug. Allein Henry Palmer, der für den bekannten britischen Bankier und Zoologen Walter Rothschild arbeitete, sammelte 1891 innerhalb eines Jahres 20 Exemplare des Schuppenkehlmohos. Die offensichtliche Maßlosigkeit Palmers beim Sammeln beschrieb der englische Zoologe und Ornithologe Alfred Newton so: „Eine Plünderung der Avifauna während seines Aufenthalts von Dezember 1890 bis August 1893″.

Moho braccatus
Der Schuppenkehlmoho oder Kauai-Krausschwanz besaß eine hellgelbe Iris und gelbe Federn an den Oberschenkeln.
Auckland Museum, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Rey verweist zudem darauf, dass Aufzeichnungen verschiedener Institutionen zu einer Zeit, in der die Vogelwelt am gefährdetsten zu sein schien, ein wahlloses Sammelvolumen aufzeigen. Außerdem gebe es keine Aufzeichnungen darüber, wie viele zusätzliche Vögel von kommerziellen Sammlern für private Sammlungen getötet wurden. Auch zu den Vögeln, die während des Versuchs, sie zu erschießen, verloren gingen oder die bis zur Unbrauchbarkeit verstümmelt wurden, existieren keine Zahlen.

Der Ornithologe Michael Walther gibt in Extinct Birds of Hawaii (2022) an, dass in Museen und Sammlungen weltweit 111 Bälge des Schuppenkehlmohos existieren – das ist enorm viel. Exemplare gibt es heute beispielsweise in Leiden (Niederlande), Brüssel (Belgien), Tring (England), Paris (Frankreich), Stockholm (Schweden), Los Angeles und New York (USA), in Honululu (Hawaii) sowie im Museum für Tierkunde in Dresden und im Senckenberg-Naturkundemuseum in Frankfurt.

Königsvögel: Federn für royale Mäntel

federmantel
Dieser hawaiianische Federmantel gehörte einst Prinzessin Kekāuluohi Kaʻahumanu III. Er besteht aus Federn des Iiwi-Kleidervogels und des ausgestorbenen Prachtmohos. (© Lusanaherandraton, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Wie auch die Kleidervögel galten die Krausschwänze auf dem Hawaii-Archipel als Königsvögel. Aus ihren Federn fertigte die einheimische Bevölkerung traditionell kostbare farbenprächtige Umhänge oder Roben für den Adel an. Heute existieren noch 171 dieser hawaiianischen Federmäntel. Walther beziffert die Menge, die für einen solchen Mantel benötigt wird, mit 7.000 bis 20.000 Federn. Rote Federn stammten oft von den rezenten Arten Iiwi-Kleidervogel (Drepanis coccinea) und Apapane (Himatione sanguinea), grüne Federn vom möglicherweise ausgestorbenem Gelbkopf-Kleidervogel (Psittirostra psittacea) und gelbe Federn von den Krausschwänzen und dem ausgestorbenen Königskleidervogel (Drepanis pacifica). Auch schwarze Moho-Federn dienten zur Herstellung royaler Kleidung.

Zur Herstellung königlicher Gewänder wurden Tausende von Vögel gerupft. Es heißt, nach dem Rupfen der Federn wurden die Tiere wieder freigelassen. Ob das stimmt, kann aber angezweifelt werden, denn gebratene Krausschwänze galten seinerzeit als Delikatesse, so Scott B. Wilson und A. H. Evans in Aves Hawaiienses: The Birds of the Sandwich Islands (1890-1899).

Die Wissenschaft ist sich heute einig, dass die lokale Federnutzung in den meisten Fällen kaum die Hauptursache für das Verschwinden einer hawaiianischen Vogelart gewesen sein kann. Diese Tradition wurde durch die indigene Bevölkerung seit Generationen gepflegt und bei der Ankunft der europäischen Siedler auf den Hawaiiinseln waren die Mohos noch zahlreich vertreten. Viel wahrscheinlicher ist es daher, dass die mit der Besiedlung einhergehenden Umweltveränderungen wie die Entwaldung und das Einschleppen invasiver Arten und Krankheiten zum Verschwinden der Krausschwänze und anderer Gattungen geführt haben.