Aldabara-Weißkehlralle
Während des Pleistozäns wurde die Unterart der Aldabra-Weißkehlralle durch steigende Meeresspiegel ausgelöscht. Nach dem Wiederauftauchen des Atolls entwickelte sich eine neue Population der Weißkehlralle, die sich auf ähnliche Weise wie die ausgestorbene Unterart entwickelte. desertnaturalist, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Aldabra-Weißkehlralle: Sie war bereits ausgestorben und kehrte zurück

Das abgelegenen Aldabra-Atoll der Seychellen im südwestlichen Indischen Ozean beheimatet mit der Aldabra-Weißkehlralle (Dryolimnas cuvieri aldabranus) den letzten verbliebenen flugunfähigen Vogel im Indischen Ozean. Gemäß einer Studie des britischen Ornithologen Julian P. Hume ist diese seltene Vogelart, die ausschließlich auf Aldabra vorkommt, einmal ausgestorben und dann wieder aufgetaucht…

Die Funde fossiler Überreste eines flugunfähigen Vogels der Gattung Dryolimnas im Bassin Cabri auf Ile Picard bestätigen die Präsenz dieser Art auf Aldabra während des Mittel- bis Oberpleistozäns. Das genaue Alter des Aldabra-Atolls ist ungewiss, jedoch deuten Schlussfolgerungen aus den Meeresspiegel-Hochständen darauf hin, dass die Aldabra-Plattform mindestens einem vollständigen Überflutungsereignis ausgesetzt war, bei dem die gesamte inselbewohnende Tierwelt verschwand.

So geschehen mit der Aldabra-Weißkehlralle: Vor rund 136.000 Jahren existierte diese auf dem Atoll, starb jedoch aus, als es überflutet wurde. Etwa 118.000 Jahre später sank der Meeresspiegel erneut, und das Atoll tauchte wieder auf. Zu dieser Zeit kolonisierten noch flugfähige Vögel der Familie Rallidae, vermutlich aus Madagaskar stammend, erneut das Atoll – und verloren abermals ihre Fähigkeit zum Fliegen. Das Außergewöhnliche ist nicht, dass zwei verschiedene Arten das Atoll erreichten und ihre Flugfähigkeit verloren, sondern dass ein und dieselbe Art zweimal dorthin gelangte und flugunfähig wurde. Diese Entdeckung bietet ein einzigartiges Beispiel für die evolutionäre Anpassungsfähigkeit und die wiederholte Entwicklung von Flugunfähigkeit bei Vögeln.

Warum verlernen Vögel das Fliegen?

aldabra atoll
Luftaufnahme vom Aldabra-Atoll im Indischen Ozean. Bei einem Atoll handelt es sich um ein ringförmiges Riff, das eine Lagune umschließt. (© Simisa, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Der Verlust der Flugfähigkeit bei Vögeln stellt eine Überlebensstrategie dar, die es ihnen ermöglicht, isolierte Inseln zu besiedeln und sich an die dortigen Umweltbedingungen anzupassen. Die Unfähigkeit zu fliegen bietet diesen Vögeln einen deutlichen Überlebensvorteil in ihrem natürlichen Lebensraum, sofern keine katastrophalen Ereignisse wie Überflutungen drohen.

Flugunfähigkeit tritt besonders häufig bei Populationen auf isolierten Inseln oder in Gebieten ohne natürliche Raubtiere auf. Die Hauptgründe für die Entwicklung von Flugunfähigkeit sind das Fehlen von Fressfeinden, was die Notwendigkeit einer schnellen Flucht reduziert; die Energieersparnis, da das Fliegen sehr energieaufwendig ist; sowie die Anpassung an spezifische Lebensräume, in denen das Laufen oder Schwimmen vorteilhafter ist als das Fliegen. Ein entscheidender Aspekt der Anpassung bei flugunfähigen Vögeln ist, dass sie am Boden brüten, weshalb kräftige Beine wichtig sind, um unmittelbar nach dem Schlüpfen laufen zu können, um ihr Überleben zu sichern. Auch die reichlichen Nahrungsquellen am Boden, die das Fliegen überflüssig machen, begünstigen Flugunfähigkeit.

Über die Familie der Rallen

Der Cuvier- oder Weißkehlralle (Dryolimnas cuvieri) ist endemisch auf Inseln im südwestlichen Indischen Ozean und weist eine weite Verbreitung in der Region auf. Es gibt drei Unterarten: Die flugfähige Nominatform D. c. cuvieri findet man heute auf Madagaskar und Mayotte; die vollständig flugunfähige Unterart Aldabra-Weißkehlralle lebt auf Aldabra; und eine schlecht flugfähige Unterart, die Assumption-Weißkehlralle (D. c. abbotti), war einst auf der Insel Assumption heimisch und starb zwischen 1907 und 1937 aus.

Darüber hinaus bewohnten einst zwei Dryolimnas-Arten die Maskarenen: die große, flugunfähige Réunion-Ralle (D. augusti), die bis mindestens Ende des 17. Jahrhunderts überlebte, und Chekes Waldralle (D. chekei), vermutlich flugunfähig, die erst 2019 wissenschaftlich beschrieben wurde und wahrscheinlich Mitte des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist.

Die Familie der Rallen (Rallidae), eine Gruppe innerhalb der Ordnung der Kranichvögel (Gruiformes), umfasst zwischen 131 und 165 Arten. Viele dieser Arten sind auf ozeanischen Inseln heimisch, wo sie im Laufe der Zeit ihre Fähigkeit zu fliegen verloren haben. Seit dem Jahr 1500 sind mindestens 22 Rallen-Arten ausgestorben, darunter der Koau, die Tongatapu-Ralle, die St.-Helena-Ralle, das St.-Helena-Sumpfhuhn, das Réunion-Purpurhuhn und das Lord-Howe-Purpurhuhn.

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