Wiederentdeckt nach 90 Jahren: De Wintons Goldmull
De Wintons Goldmull wurde nach 87 Jahren in Port Nolloth im Westen Südafrikas wiederentdeckt. (© Photo by JP Le Roux)

Verschollener De Wintons Goldmull nach fast 90 Jahren wiederentdeckt

Der ausgestorben geglaubte De Wintons Goldmull (Cryptochloris wintoni) wurde im November dieses Jahres dank der gemeinsamen Anstrengungen von Naturschützern und Genetikern des Endangered Wildlife Trust (EWT) und der University of Pretoria wiederentdeckt. Dies berichtet die gemeinnützige Naturschutzorganisation Re:wild.

De Wintons Goldmull wurde zuletzt 1936 in Südafrika, in der Hafenstadt Port Nolloth, wissenschaftlich dokumentiert. Lediglich drei Exemplare sind bekannt, es existieren keine historischen Fotos und die Informationen über das Verhalten der Spezies sind äußerst begrenzt.

Die Familie der Goldmulle (Chrysochloridae) umfasst 21 bekannte Arten. Dabei handelt es sich um kleine, blinde, insektenfressende Säugetiere, die nicht – wie man vermuten würde – goldfarben sind. Ihr Name leitet sich von dem perlmuttartigen Glanz ihres Fells ab, der ein Nebenprodukt des von ihrem Körper abgesonderten Öls ist, das ihnen das „Schwimmen“ durch Sand erleichtert.

Goldmulle: Meister des Versteckspiels

Goldmulle sind besonders schwer nachzuweisen, da sie in einem weitgehend unzugänglichen Lebensraum vorkommen. Die Tiere bewegen sich im Sand, der ihnen ideale Bedingungen zum Verstecken bietet. Sie graben oberflächennahe Tunnel und Gänge und hinterlassen dabei meistens keine an der Oberfläche sichtbaren Spuren, was die Identifizierung ihrer Anwesenheit zusätzlich erschwert.

Die scheuen Goldmulle verfügen darüber hinaus über ein äußerst sensibles Gehör und können Vibrationen durch Bewegungen über der Erde wahrnehmen, was es ihnen ermöglicht, sofort zu reagieren und aufzuhören, sich zu bewegen, oder schnell im Sand zu verschwinden.

De Wintons Goldmull gräbt im Sand. (© Video by JP Le Roux)

Wie eDNA und ein Spürhund den De Wintons Goldmull wiederfanden

In einem aktuellen Forschungsbericht mit dem Titel Environmental DNA from soil reveals the presence of a ‚lost‘ Afrotherian species im Journal Biodiversity and Conservation werden die Bemühungen des EWT-Teams beschrieben, den De Wintons Goldmull wiederzuentdecken. Die Herausforderung, diese Art ohne historische Probe, detaillierte Beschreibung der Unterschiede zu anderen Spezies und ohne DNA-Nachweis zu finden, war enorm.

Um einen Spürhund einzusetzen, musste das Team kreativ werden, da es keinen Duft von De Wintons Goldmull gab. Die Forscher nutzten also den Geruch anderer, häufigerer Goldmulle, um die Suche einzugrenzen. Der Spürhund wurde so darauf trainiert, sich auf den Boden zu legen und die Wissenschaftler zu alarmieren, wenn er den Duft einer bekannten Goldmull-Art wahrnahm.

Das Team hatte Glück, denn bei ihrer Ankunft in Port Nolloth hatte ein schwerer Regensturm frische Goldmull-Spuren und -Baue hinterlassen. Obwohl der Spürhund keinen Duft erkannte, deutete sein Desinteresse in Verbindung mit offensichtlichen Spuren darauf hin, dass es eine Art gab, die der Spürhund nicht kannte – und das war der De Wintons Goldmull.

Nach der Sammlung von über 100 Bodenproben und einer genetischen Analyse stellte das Team fest, dass entlang der Küste vier Goldmull-Arten leben. Die Identifizierung der vierten Art, des De Wintons Goldmulls, gestaltete sich schwierig, da er genetisch dem vom Aussterben bedrohten Van Zyls Goldmull (Cryptochloris zyli) ähnlich ist. Weitere genetische Informationen waren erforderlich, um die Spezies mithilfe von eDNA sicher zu identifizieren.

EWT plant Schutzmaßnahmen: Die Zukunft des De Wintons Goldmulls

Wiederentdeckt nach 90 Jahren: De Wintons Goldmull
Die Heimat des wiederentdeckten Goldmulls: ein Strand in Südafrika.
(© Photo by JP Le Roux)

Basierend auf den Forschungsergebnissen des EWT scheinen gesunde Populationen des De Wintons Goldmulls in Port Nolloth präsent zu sein. Das Team identifizierte auch Umwelt-DNA des Kap-Goldmulls (Chrysochloris asiatica), des Wüstengoldmulls (Eremitalpa granti) und des Van Zyls Goldmulls in Bodenproben. Obwohl die Küstenregion, in der der seltene Goldmull entdeckt wurde, derzeit nicht unter Schutz steht, plant EWT, dies zukünftig zu ändern, insbesondere da der Lebensraum dieser Spezies durch den Diamantenabbau gefährdet ist.

Die Initiative, einen speziell ausgebildeten Spürhund zur Verfolgung des De Wintons Goldmulls einzusetzen, zielt darauf ab, weitere Populationen zu lokalisieren und Schutzmaßnahmen einzurichten. Zusätzlich beabsichtigen die Wissenschaftler, das Verbreitungsgebiet der Goldmull-Art einzugrenzen, die Anzahl der Individuen zu ermitteln und herauszufinden, wie das Überleben dieser wiederentdeckten Art gewährleistet werden kann.

Die Wiederentdeckung des De Wintons Goldmulls markiert einen bedeutenden Erfolg in der weltweiten Suche nach verlorenen Arten, die seit 2017 von Re:wild in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern durchgeführt wird. Neben dem De Wintons Goldmull wurden unter anderem auch der Attenborough-Langschnabeligel, die Pernambuco-Stechpalme und die Wallace-Riesenbiene wiederentdeckt.

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