Chiriqui-Harlekinfrosch
Männliche Chiriqui-Harlekinfrösche erreichten eine Größe von 2,8 bis 3,4 Zentimeter, weibliche Tiere wurden etwas größer mit 3,6 bis fast fünf Zentimetern Körperlänge. Brian Gratwicke from DC, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Chiriqui-Harlekinfrosch

Giftiger Stummelfußfrosch aus der Provinz Chiriquí

Der Chiriqui-Harlekinfrosch war einst weit verbreitet in der Cordillera de Talamanca, einer Gebirgskette in Costa Rica, und im Westen Panamas. Zum letzten Mal gesichtet wurde die Spezies 1996. Die Rote Liste der IUCN führt den Frosch aus der Gattung der Stummelfußfrösche (Atelopus) seit 2019 als ausgestorben.

Fast alle Stummelfußfrösche besitzen stark verkürzte innere Finger und Zehen. Die meisten Tiere der Gattung sind farbenfroh und giftig. Der Chiriqui-Harlekinfrosch besaß am Kopf und auf dem Rücken verteilt schwach entwickelte und relativ unauffällige Giftdrüsen, die dennoch in der Lage waren, das starke Nervengift Tetrodotoxin zu produzieren. Da viele Tierarten (etwa Kugelfische, einige Krebse, Schnecken, Seesterne oder Kraken) Träger des Giftes Tetrodotoxin sind, geht die Forschung davon aus, dass diese Lebewesen das Toxin nicht selbst bilden, sondern es aus ihrer Umwelt sequestrieren.

Der Artname Chiriqui leitet sich von der im Westen Panamas an der Grenze zu Costa Rica liegenden Provinz Chiriquí ab. Einst lebte der Chiriqui-Harlekinfrosch in der tiefer gelegenen Bergzone der Cordillera de Talamanca-Chiriquí-Achse von Costa Rica in 1.800 bis 2.500 Metern über dem Meeresspiegel und im westlichen Teil von Panama bei 1.400 bis 2.100 Metern über dem Meeresspiegel.

Der Chiriqui-Harlekinfrosch war tagaktiv und hielt sich terrestrisch an Flussufern im montanen Feuchtwald und Regenwald auf. Die Brutstätte und die Entwicklung der Froschlarven fand allerdings in Waldbächen statt, so der US-amerikanische Herpetologe Jay Savage in The Amphibians and Reptiles of Costa Rica (2002). Während sich die männlichen Frösche eher an Gewässern aufhielten, bevorzugten die Weibchen schattige Plätze im Wald.

Chiriqui-Harlekinfrosch – Steckbrief
alternative BezeichnungChiriqui-Stummelfußfrosch
wissenschaftlicher NameAtelopus chiriquiensis
englische NamenChiriqui Harlequin Frog, Lewis‘ Stubfoot Toad
ursprüngliches VerbreitungsgebietCosta Rica, Panama
Zeitpunkt des Aussterbens1996
Ursachen für das AussterbenPilzerkrankung Chytridiomykose, eingeschleppte Forellen, Lebensraumverlust

Früher war der Chiriqui-Harlekinfrosch leicht aufzuspüren

Unter anderem der Herpetologe Erik D. Lindquist gab an, dass der Chiriqui-Harlekinfrosch einst reichlich in seinem Verbreitungsgebiet anzutreffen war. Der Biologe Frederico Bolaños bestätigte dies, indem er äußerte, die Art sei sehr leicht zu finden gewesen.

Trotz vieler Suchaktionen seit 2014 im ehemaligen Verbreitungsgebiet und in anderen geeigneten montanen Lebensräumen, konnte der Chiriqui-Harlekinfrosch seit seinem Verschwinden 1996 nicht gesichtet werden. Alles deutet darauf hin, dass die Froschart tatsächlich ausgestorben ist.

chiriqui harlekinfrosch
Weiblicher Chiriqui-Harlekinfrosch aus Panama. (© 2010 Division of Herpetology, University of Kansas)

Der Amphibien befallende Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) konnte 1993 und 1994 beim Chiriqui-Harlekinfrosch nachgewiesen werden. Dies geht aus der Studie Chytridiomycosis in Wild Frogs from Southern Costa Rica (2003) hervor. Die Biologin Karen R. Lips und ihr Team bringen den drastischen Bestandsrückgang bei den Chiriqui-Harlekinfröschen über einen Zeitraum von fünf Jahren zwischen 1992 und 1996 mit Chytridiomykose in Verbindung. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Klimawandel oder andere Faktoren auch eine Rolle beim Verschwinden der Art gespielt haben.

Laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN können auch eingeschleppte räuberische Forellen die Kaulquappen des Chiriqui-Harlekinfrosches vermehrt gefressen und so zum Aussterben der Froschart beigetragen haben. In welchem Maße die Forellen Einfluss auf das Verschwinden der Froschlurche genommen haben, ist bis heute nicht geklärt. Auch Lebensraumverlust kann zum Populationsrückgang geführt haben.

Neben dem Chiriqui-Harlekinfrosch sind noch weitere Amphibienarten der Chytridiomykose zum Opfer gefallen, wie etwa der Glanzbaumsteiger, Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch oder der Corquin-Raubfrosch.

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