Corquin-Raubfrosch

corquin raubfrosch
So sah der heute vermutlich ausgestorbene Corquin-Raubfrosch aus. Charakteristisch sind der gesprenkelte Rücken und die dunkle Bänderung an den Beinen. (© 2003 Wilson and McCranie in The Conversation Status of the Herpetofauna of Honduras)
Corquin-Raubfrosch – Steckbrief
lateinische Namen Craugastor anciano, Eleutherodactylus anciano
englischer Name Corquin Robber Frog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Honduras
Zeitpunkt des Aussterbens 1990
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Pilzerkrankung, Erdrutsche, Wasserverschmutzung

Honduranische Froschart mit kleinem Verbreitungsgebiet

Im stets nebligen und feuchten Bergregenwald, in einer Höhe von 1.400 bis 1.840 Metern über dem Meeresspiegel, im Nationalpark Montaña de Celaque im Westen von Honduras lebte der Corquin-Raubfrosch. Sein einstiges Verbreitungsgebiet im Gebirgszug Cordillera de Celaque, wo er lediglich an zwei Orten gesichtet wurde, wird auf 97 Quadratkilometer geschätzt. Die IUCN listet den Corquin-Raubfrosch als ausgestorben, denn die beiden letzten bestätigten Sichtungen erfolgten 1987 und 1990.

Trotz zahlreicher ausgedehnter Suchen über die Jahre, gelang es nicht, den Corquin-Raubfrosch noch einmal aufzuspüren. Dabei suchten die Wissenschaftler nicht nur an den Orten, an denen der Frosch gesichtet worden war, sondern auch in angrenzenden Gebieten mit passender Höhenlage und geeignetem Lebensraum.

Dass sein Verbreitungsgebiet möglicherweise doch größer war, schließt der Biologe Josiah Townsend aus. Denn zwischen den Orten in der Cordillera de Celaque, an denen er gefunden wurde, und dem nächsten Berg liegt ein großes Areal, dessen Höhenlage und natürliche Gegebenheiten nicht als Lebensraum für die Art infrage kommen. Die bodenbewohnende Froschart hielt sich bevorzugt in tieferen Gebirgsregionen entlang von Bächen im feuchten Laubwald auf.

Corquin-Raubfrosch: Kurz vorm Aussterben erstmals wissenschaftlich beschrieben

Den Holotypus – das Exemplar, anhand dessen die Art als erstes wissenschaftlich beschrieben wurde – fand man in El Chagüitón in einer Höhe von 1.830 Metern. Der Ort liegt rund 19 Kilometer südöstlich der Stadt Corquín in der Cordillera de Celaque. Entdeckt haben den ausgewachsenen, männlichen Frosch die Biologen James R. McCranie und Larry David Wilson im Mai 1980. Als Paratypen – diese helfen bei der wissenschaftlichen Bestimmung einer Art – dienten ausgewachsene, weibliche Frösche.

Acht Jahre später beschrieben McCranie, Wilson und der Herpetologe Jay M. Savage die neue Froschspezies als Eleutherodactylus anciano. Wie der Name entstand, erläutern die Wissenschaftler in ihrer Erstbeschreibung (1988):  Anciano (Spanisch für alt) ist eine Anspielung auf den Reptilien- und Amphibienforscher Kenneth L. Williams. Dieser unterstützte Wilson und McCranie materiell dabei, die honduranische Herpetofauna zu beschreiben, und half, die Paratypen zu sammeln. Außerdem war Williams Spitzname El anciano.

McCranie, Savage und Wilson lieferten 1989 auch die wissenschaftliche Erstbeschreibung für den in Honduras heimischen McCranies Raubfrosch, der heute ebenfalls als ausgestorben gilt. 

Der Beschreibung der neuen Amphibienart ist zu entnehmen, dass die männlichen Corquin-Raubfröäsche mit 3,3 Zentimeter Körperlänge kleiner als die Weibchen waren. Diese konnten nämlich bis zu 4,2 Zentimeter lang werden.

Lebensraumzerstörung: Corquin-Raubfrösche schon bei ihrer Entdeckung extrem selten

Bereits 1988, als McCranie, Savage und Wilson den Raubfrosch beschrieben, kamen die Tiere nur selten vor. Sämtliche Exemplare sammelten die Wissenschaftler entlang eines kleinen Stroms, der zwischen zwei stark abgeholzten Hügelseiten verlief, die als Weideland dienten. Die vom Corquin-Raubfrosch bevorzugte Vegetation existierte in dieser Region nur noch auf isolierten Bergspitzen.

Die Bestände der Froscharten, die der sogenannten Craugastor-rugulosus-Gruppe angehören, wie auch der McCranie Raubfrosch, sanken zwischen der Mitte der 1980er- bis in die frühen 1990er-Jahre in ganz Honduras dramatisch. Und zwar nicht nur in den Gebieten, die durch Lebensraumzerstörung gekennzeichnet waren, sondern auch in naturbelassenen Regionen, so die IUCN. Dies kann als Indikator dafür gelten, dass die Pilzerkrankung Chytridiomykose eine Rolle beim Sterben der Amphibien spielte.

Experten gehen davon aus, dass beim Corquin-Raubfrosch nicht nur die Pilzerkrankung zum Verschwinden der Art beitrug. Auch der Verlust von Lebensraum zur Schaffung von Agrarflächen, die Abholzung von Wäldern, Waldbrände, Wasserverschmutzung sowie Erdrutsche führten zum Aussterben.

Fast die Hälfte aller Amphibien in Honduras ist vom Aussterben bedroht oder ausgestorben

In ihrem Bericht The Conservation Status of the Herpetofauna of Honduras (2003) befassen sich McCranie und Wilson mit Amphibien und Reptilien in Honduras und deren Bedrohung durch den Menschen. Sie stellen unter anderem fest, dass es dort keine Amphibien und Reptilien mehr gibt, die völlig ohne menschliches Eingreifen in ihrem natürlichen Lebensraum existieren. Gründe liegen im unkontrollierten Wachstum der menschlichen Bevölkerung, im Verlust von natürlichem Lebensraum, in der Umweltverschmutzung, in Krankheiten und Seuchen, in der Bejagung sowie der Ausbeutung der Natur.

Wilson und McCranie decken bei ihrer Untersuchung auf, dass 48,8 Prozent der endemischen Amphibienarten in Honduras bereits ausgestorben sind oder deren Bestände stetig kleiner werden. Und auch 27 Prozent der nur dort heimischen Reptilienarten verzeichnen sinkende Populationszahlen. Die Bestandsaufnahme zeigt auch, dass unter den in Honduras endemischen Amphibien acht Arten höchstwahrscheinlich ausgestorben sind.