McCranies Raubfrosch

Craugastor longirostris
Craugastor longirostris: Ein in Ecuador heimischer Frosch, der ebenfalls der Gattung Craugastor angehört. (© Mauricio Rivera Correa, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons)
McCranies Raubfrosch – Steckbrief
lateinische Namen Craugastor chrysozetetes, Eleutherodactylus chrysozetetes, Craugastor (Campbellius) chrysozetetes
englische Namen McCranie’s Robber Frog, Cerro Búfalo Streamside Frog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Honduras
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1989
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Hurrikan, Pilzerkrankung

McCranies Raubfrosch: Unglückliche Namensgebung

Der Biologe James McCranie war mit dem umgangssprachlichen Namen McCranies Raubfrosch oder McCranie’s Robber Frog, der der Froschart Craugastor chrysozetetes gegeben wurde, gar nicht glücklich. Ihm wäre eine Bezeichnung lieber gewesen, die den Fundort der Art widerspiegelt, wie etwa Cerro Búfalo Streamside Frog. Der Grund: Neben McCranie waren auch der Herpetologe Jay Mathers Savage und der Zoologe Larry David Wilson an der wissenschaftlichen Erstbeschreibung von Craugastor chrysozetetes 1989 beteiligt.

Ausgewachsene männliche Tiere der Spezies Craugastor chrysozetetes waren rund 3,4 bis 4,1 Zentimeter lang, Weibchen etwas größer mit 3,7 bis 4,6 Zentimeter. McCranies Raubfrosch besaß einen olivbraunen Rücken; Bauch und Hals waren blasslila bis lilabraun mit weißen Flecken am Kinn. Hellblaue Flecken zierten den Brustbereich weiblicher Tiere.

Neben McCranies Raubfrosch ist auch der auf Honduras heimische und ebenfalls von McCranie, Savage und Wilson 1988 beschriebene Corquin-Raubfrosch ausgestorben.

Ausgestorben zwischen 1989 und 1995

McCranies Raubfrosch lebte in einer Höhe von 880 bis 1.130 Metern im premontanen Feuchtwald der Bergkette Cordillera Nombre de Dios in Honduras, einem Staat in Zentralamerika. Die Froschart war vor allem in der Region entlang des Flusses Quebara de Oro heimisch.

Zwischen 1980 und 1989 fanden sechs Expeditionen in das Quebara-de-Oro-Gebiet statt. Und auf vieren fand man Exemplare von McCranies Raubfrosch. So auch beim vorerst letzten Besuch dieser Region im Jahr 1989.

Erst 1995 kehrte James McCranie in diese Gegend zurück, konnte aber keinen der Raubfrösche mehr ausfindig machen. Weitere Suchen unternahmen Wissenschaftler daher in den Jahren 1996, 2003 und 2005 – erfolglos.

Tod durch Zerstörung des Lebensraums und Chytridpilz

Zuletzt lebend gesehen wurde der Raubfrosch also 1989, so McCranie 2017 im Catalogue of American Amphibians and Reptiles. Die Art muss zwischen August 1989 und Februar 1995 ausgestorben sein. Doch warum?

Die Abholzung des Waldes zur Schaffung von Ackerflächen und die Besiedlung der Region durch Menschen spielten hier wahrscheinlich eine entscheidende Rolle. Im Oktober 1998 führten zudem sintflutartige Regenfälle, ausgelöst durch Hurrikan Mitch, zu viel größeren Erdrutschen als dies zuvor der Fall war. Der Grund sind vorherige Eingriffe des Menschen ins Ökosystem. Diese stromverändernden Erdrutsche zerstörten große Teile des Quebra de Oro, sodass Tiere dort keine Grundlage mehr zum Leben finden konnten.

McCranie vermutet außerdem, dass die Pilzerkrankung Chytridiomykose, die ausschließlich bei Amphibien auftritt, zum Aussterben von McCranies Raubfrosch beigetragen haben könnte. Entlang des Quebra de Oro fanden Experten 2003 nämlich an zwei von vier Froschlurchen (Anura) den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis.

Ist McCranies Raubfrosch doch nicht ausgestorben?

Der auch schon zu Lebzeiten sehr seltene und auf einen kleinen Lebensraum beschränkte McCranies Raubfrosch wurde von der Weltnaturschutzorganisation IUCN 2004 als ausgestorben gelistet.

Allerdings änderte die IUCN diesen Status 2019 in stark gefährdet (critically endangered) ab. Denn Experten nehmen an, dass McCranies Raubfrosch im Nationalpark Pico Bonito, der in der Cordillera Nombre de Dios liegt, überlebt haben könnte.

Der Park, der 1993 zum Schutz der Nebelwälder etabliert wurde, zeichnet sich durch eine üppige Flora und Fauna aus. Da dort keine lebensraumverändernden Maßnahmen stattgefunden haben, besteht die Chance, dass eine kleine Population der Spezies Craugastor chrysozetetes überlebt hat.

Hybridform mit anderem Raubfrosch möglich

McCranie stellte bei seinen Expeditionen in Honduras fest, dass Craugastor chrysozetetes und eine andere dort lebende Raubfroschart, Craugastor fecundus (Nombre de Dios Streamside Frog), in der Lage waren, sich zu kreuzen. Die aus der Kreuzung entstandenen Hybridformen hielt McCranie auch fotografisch fest.

Die IUCN hat Craugastor fecundus ebenfalls als stark gefährdet beziehungsweise vom Aussterben bedroht eingestuft, denn auch diese Froschart konnte 1989 zum letzten Mal nachgewiesen werden. Sollte die Spezies heute tatsächlich noch existieren, gilt dasselbe wie für McCranies Raubfrosch: Man findet sie am ehesten im Nationalpark Pico Bonito, wo ihre Population dann aber wohl weniger als 50 Individuen umfassen dürfte.