Glanzbaumsteiger

Glanzbaumsteiger – Steckbrief
lateinische Namen Oophaga speciosa, Dendrobates speciosus, Oophaga speciosus, Hylaplesia speciosa
englische Namen Splendid Poison Frog, Splendid Poison-arrow Frog, Panamanian Red Poison Dart Frog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Panama
Zeitpunkt des Aussterbens 1992
Ursachen für das Aussterben Pilzerkrankung, Exotenhandel, Lebensraumverlust

Wanted: Oophaga speciosa – Splendid Poison Frog – Glanzbaumsteiger

Glanzbaumsteiger Oophaga speciosa

Der Glanzbaumsteiger erreichte eine Körperlänge von 2,8 bis 3,1 Zentimeter. Er gehört damit zu den mittelgroßen Baumsteigerfröschen. Seine Haut war glatt und glänzend. (© DiMoNiAk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Der nicht besonders scheue, tagaktive, auffällig rot gefärbte Glanzbaumsteiger war nicht zu übersehen, zumal sein Verbreitungsgebiet im Westen Panamas recht klein war. Genau das wurde der Amphibie aus der Familie der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) vermutlich zum Verhängnis: Der Glanzbaumsteiger war im internationalen Exoten- und Heimtierhandel äußerst beliebt. Nachdem einige Tiere (vermutlich die letzten) 1992 gefangen und von Panama in die USA exportiert wurden, konnte kein Exemplar mehr ausfindig gemacht werden. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet den Glanzbaumsteiger seit 2020 in ihrer Roten Liste zwar als ausgestorben, weist aber darauf hin, dass die minimale Chance besteht, dass irgendein Terrarien- oder Froschliebhaber da draußen den einst sehr häufigen Glanzbaumsteiger noch zuhause in seinem Terrarium hält.

Glanzbaumsteiger lebten nur in einem sehr kleinen Gebiet der Bergkette Cordillera Central im Westen Panamas im Grenzgebiet zu Costa Rica. Die Froschart hielt sich entlang einer Wasserscheide im oberen Tal des Flusses Chiriquí in einem Bereich von 1.100 bis 1.400 Metern über dem Meeresspiegel auf. Glanzbaumsteiger waren Bodenbewohner und bevorzugten feuchtes Tiefland und submontane Bergregen- und Nebelwälder mit einer Luftfeuchtigkeit von 80 bis 100 Prozent. Nachts verweilten die Frösche auf ihren Ruheplätzen, meistens auf Blättern und Blumen.

Glanzbaumsteiger: Er diente nicht als Pfeilgift, war aber trotzdem giftig

Indigene Bevölkerung mit Giftpfeilen

Einige indigene Völker verwenden das Hautsekret von Pfeilgiftfröschen, um dieses auf die Pfeilspitzen ihrer Blasrohre aufzutragen. (© See page for author, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Baumsteigerfrösche werden häufig auch als Pfeilgiftfrösche oder Farbfrösche bezeichnet. Die Bezeichnung Pfeilgiftfrösche als anderer Name für die Froschlurche (Anura), die zur Familie der Baumsteigerfrösche zählen, ist irreführend. Das Hautsekret längst nicht aller Arten dient als Pfeilgift. Genau genommen sind es gerade einmal drei Arten aus der Gattung der Blattsteiger (Phyllobates), die indigene Völker in Westkolumbien als Pfeilgift bei der Jagd mit einem Blasrohr verwenden. Blattsteiger geben ein hochpotentes Nervengift namens Batrachotoxin über ihre Haut ab.

Alle Baumsteigerfrösche sondern über ihre Haut basische Alkaloide ab, von denen Wissenschaftler bislang mehr als 230 Varianten ausfindig machen konnten. Die Frösche sind nicht in der Lage, selbst Giftstoffe zu synthetisieren. Sie können Toxine nur bilden, indem sie giftige Beutetiere, etwa bestimmte Milben, Käfer oder Ameisen, verspeisen. In ihrem Körper kommt es zur Sequestrierung der Toxine, sodass die Gifte in oder unter ihrer Haut eingelagert werden. In Gefangenschaft gehaltene Baumsteigerfrösche verlieren mit der Zeit ihre Giftigkeit, da ihnen dort in der Regel die giftigen Futtertiere fehlen.

M. W. Edwards und seine Kollegen analysierten 1988 das Hautsekret des Glanzbaumsteigers. Die Forscher konnten mindestens 30 unterschiedliche Alkaloide nachweisen, darunter verschiedene Pumiliotoxine und Allopumiliotoxine. Diese hochgiftigen Stoffe nehmen die Frösche durch den Verzehr von einigen Hornmilben (Oribatida) und Schuppenameisen (Formicinae) auf.

Ausgerottet durch Chytridiomykose?

Oophaga speciosa konserviert

Im lebendigen Zustand war der Glanzbaumsteiger hell- bis dunkelrot gefärbt; sein Rücken besaß dunkle Flecken oder Sprenkel. Die in Konservierungsmittel aufbewahrten Exemplare sind dagegen vollständig grau, bis auf einige helle Flecken. (© Brian Gratwicke, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Der einst als häufig geltende Glanzbaumsteiger wurde 1992 zum letzten Mal gesichtet. Mehrfache gezielte Suchen zwischen 2008 und 2012 erwiesen sich als erfolglos. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass letztendlich der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis), der 1996 das ehemalige Verbreitungsgebiet des Glanzbaumsteigers erreichte, der Art den endgültigen Niedergang bescherte. Der Pilz befällt die Haut von Amphibien und löst eine Erkrankung namens Chytridiomykose aus.

Chytridiomykose kann vor allem bei in kühleren Regionen der Anden lebenden Amphibien zum Tode führen. Deswegen waren vor allem die Baumsteigerfrosch- beziehungsweise Dendrobates-Arten besonders anfällig für die  wahrscheinlich ursprünglich aus Afrika stammende Pilzkrankheit. Deshalb lautet der Name des Pilzes auch B. dendrobatidis.

Wissenschaftler erachten bestimmte Faktoren, die das Abwehrsystem der Amphibien schwächen, als begünstigend für eine Infektion mit Chytridiomyceten an. Dazu gehören unter anderem Primärerkrankungen (etwa Würmer), Stress durch klimatische Veränderungen, schneller Umstieg von Trocken- auf Regenzeit oder Unterernährung.

Laut einer australischen Studie aus dem Jahr 2019 sind aufgrund von Pilzkrankheiten wie Chytridiomykose in den letzten 50 Jahren bei mehr als 500 Amphibienarten die Bestände enorm eingebrochen. Als ausgestorben gelten inzwischen 90 Arten, darunter der Glanzbaumsteiger, McCranies Raubfrosch, der Corquin-Raubfrosch und Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch.

Wildfänge der farbenprächtigen, kleinen Baumsteigerfrösche für den Zoohandel in Nordamerika und Europa bedrohen auch heute noch den Bestand einiger Gattungen der Baumsteigerfrösche. Weiterhin stellt auch die Abholzung des Regenwaldes eine enorme Bedrohung dar – heute wie damals.

Glanzbaumsteiger-Zucht in Gefangenschaft galt als Herausforderung

Panama-Karte

Ganz im Westen des mittelamerikanischen Staates Panama, an der Grenze zu Costa Rica lebte der Glanzbaumsteiger. (© CIA World Factbook, Public domain, via Wikimedia Commons)

Alle neun Arten der Gattung Oophaga, zu der auch der Glanzbaumsteiger gehört, werden oder wurden als Haustiere in Terrarien gehalten, doch die Fortpflanzung der Amphibien gilt als Herausforderung. Eine Ausnahme scheint das Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio) zu sein, mit diesem gelingen Nachzuchten leichter.

Die Brutbiologie der Baumsteigerfrösche ist teilweise komplex. So auch beim Glanzbaumsteiger: Seine Kaulquappen fressen ausschließlich die von weiblichen Fröschen produzierten unbefruchteten Nähreier mit einer speziellen Zusammensetzung. In Gefangenschaft wird den Larven als Ersatz häufig Eigelb oder ein Quarkgemisch gefüttert, was diese auch annehmen. Allerdings dauert die Entwicklung der Quappen so deutlich länger, nämlich 162 statt rund 80 Tage bei natürlicher Aufzucht, schreibt der Froschforscher Karl-Heinz Jungfer in seinem Beitrag zur Kenntnis von Dendrobates speciosus (1985). Weiterhin besaßen künstlich aufgezogene Quappen später Streichholzbeine.

Phytotelmata

Ein Kleinstgewässer in einem Bromelientrichter. (© Hanson59, 07.11.2004 im Botanischen Garten zu Berlin, GFDL, via Wikimedia Commons)

Das Glanzbaumsteiger-Weibchen trägt die Larven nach dem Schlüpfen einzeln auf ihrem Rücken zu verschiedenen Bromelienachseln, um sie dort abzusetzen. In den Bromelientrichtern befinden sich sogenannte Phytotelmata: Kleinstgewässer, die sich meist durch Regen, in einer Vertiefung von Landpflanzen bilden. In unregelmäßigen Abständen besucht das Weibchen die kleinen Wasserstellen in den Bromelien mit ihren Larven, um dort vier bis zehn Nähreier abzulegen. Die Quappen durchbeißen die Gallerte und fressen die Eier. Unter natürlichen Gegebenheiten dauerte die vollständige Metamorphose der Larven 78 bis 84 Tage.

Die künstliche Aufzucht von Glanzbaumsteigern, etwa mit Eigelb, erwies sich als mühsam und resultierte häufig in Entwicklungsstörungen. Der Züchter musste auch beachten, dass die Kaulquappen getrennt voneinander zu halten sind, da sie sich sonst gegenseitig auffressen. Fast nur mit natürlicher Brutpflege konnten voll entwickelte und widerstandsfähige Baumsteiger gezüchtet werden.