Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch Ecnomiohyla rabborum

Der braune oder braun-grüne Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch war mit einer Kopf-Rumpflänge von sechs bis zehn Zentimetern relativ groß. Er besaß kräftige Beine sowie auffallend große Finger und Zehen mit ausgedehnten Schwimmhäuten. (© Brian Gratwicke from DC, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch – Steckbrief
lateinischer Name Ecnomiohyla rabborum
englischer Name Rabb’s Fringe-limbed Treefrog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Panama
Zeitpunkt des Aussterbens 2016
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Waldrodungen, Chytridiomykose (Pilzerkrankung)

Toughie – ein weiterer Endling

Ein paar Laubfrösche – unter ihnen ein Männchen namens Toughie – gelangten 2005 vom Bergnebelwald Zentral-Panamas zum Botanischen Garten von Atlanta, wo man sie pflegte und zu vermehren zu versuchte. Vergeblich, die Kaulquappen starben jedes Mal schon vor ihrer Metamorphose zum Frosch. Am 26. September 2016 starb dann Toughie. Er war wahrscheinlich der letzte seiner Art, ein Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch. Seine Artgenossen im Frog Pod des Botanischen Gartens starben schon Jahre vor ihm.

Toughie war ein sogenannter Endling. So nennt man das letzte bekannte Exemplar einer biologischen Art. Genau so wie Martha ein Endling war, mit dem die Wandertauben 1914 ausstarben, oder Benjamin der letzte Beutelwolf war und 1936 starb.

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch wurde 2005 entdeckt. Als Biologen 2008 erneut nach Panama reisten, um die neue Froschart wissenschaftlich zu beschreiben, schien Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch in freier Wildbahn bereits ausgestorben. Benannt wurde die Art nach dem US-amerikanischen Zoologen und Naturschützer George B. Rabb und seiner Frau Mary S. Rabb (daher die Pluralform rabborum).

Die Froschart ist nur von drei oder vier Stellen in der Region El Valle, in unmittelbarer Nähe zur Stadt El Valle de Antón in Zentral-Panama bekannt. Sie war wohl nur im Höhenbereich von 900 bis 1.150 Metern über dem Meeresspiegel endemisch. Wissenschaftler schätzen, dass das Verbreitungsgebiet des Froschlurches (Anura) weit weniger als 100 Quadratkilometer umfasste.

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch: Ein Opfer der globalen Amphibienkrise?

Ecnomiohyla rabborum

Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch war in der Lage, im Gleitflug von Bäumen hinab zum Boden zu gleiten. (© Brian Gratwicke from DC, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Schon 2005 wussten Wissenschaftler, dass im Verbreitungsgebiet des damals gerade erst entdeckten Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch neuerdings eine für Amphibien tödlich verlaufende Pilzerkrankung namens Chytridiomykose kursiert. Da es zu diesem Zeitpunkt auch zu einem Bestandseinbruch bei den Fransenzehen-Laubfröschen kam, nimmt man an, dass die Pilzerkrankung schließlich zum Aussterben der Froschart geführt hat. Trotz intensiver Suchen konnten Ende 2007 nur noch die Rufe eines Männchen gehört werden.

Chytridiomykose stammt vermutlich aus Afrika. Zuerst nachgewiesen wurde die Krankheit an Krallenfröschen und durch den Handel mit diesen hat sie sich auf der ganzen Welt ausgebreitet. Wissenschaftler schätzen, dass rund 500 Amphibienarten aus 60 Ländern betroffen sind.

Umstritten ist, ob Chytridiomykose allein die Ursache für das seit den frühen 1990er-Jahren stattfindende globale Phänomen des Amphibiensterbens ist. Studien wie The Cause Of The Global Amphibian Declines (2010) des US-amerikanischen Biologen Tyrone B. Hayes haben gezeigt, dass sich die Tiere vor allem dann mit dem Pilz infizieren oder an der Pilzerkrankung sterben, wenn ihr Abwehrsystem bereits infolge anderer Einflüsse beeinträchtigt ist. Hayes nennt vier entscheidende Faktoren, die den Erfolg von Krankheitserregern beeinflussen: klimatische Veränderungen, Umweltschadstoffe, Lebensraumveränderungen und invasive Arten.

Auch die IUCN nennt neben Chytridiomykose noch andere mutmaßliche Aussterbeursachen, wie die bis heute andauernde Abholzung der Wälder im Verbreitungsgebiet des Froschart, um Platz für Luxushotels zu schaffen. Zudem führe die städtische Entwicklung zur Fragmentierung und Degradierung des Waldes und immer mehr Nadelbaumplantagen ersetzen den für die Art benötigten Lebensraum. Die Weltnaturschutzorganisation listet Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch bislang als Critically Endangered (Possibly Extinct) beziehungsweise stark gefährdet und möglicherweise ausgestorben.

Das Verhalten der Frösche erschwert die Suche nach ihnen

Verbreitungsgebiet: Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch

Das bekannte natürliche Verbreitungsgebiet von Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch war in El Valle de Antón in Panama. (© Obsidian Soul, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Schon 2005 und 2006 trafen Forscher Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch äußerst selten in seinem Verbreitungsgebiet an. Lediglich ein oder zwei männliche Frösche konnten sie jede Nacht hören. Nachdem die Pilzerkrankung die Region erreicht hatte, wurde die Froschart noch seltener. Selbst die Rufe der Männchen bei Nacht verstummten. Der letzte gehörte Ruf war in El Valle 2008. Auch ausgedehntere Suchen, die einen größeren Bereich als das bekannte Verbreitungsgebiet von Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch umfassten, führten zu keinerlei Erfolg.

Da sich Rabbs Fransenzehen-Laubfrösche in den Baumkronen des Regenwaldes aufhalten und nachtaktiv sind, gestaltet sich die Suche nach den Tieren besonders schwierig. Gleichwohl gibt dieses Verhalten der Amphibien Anlass zur Hoffnung, dass die Art dort oben in den Baumwipfeln überlebt haben könnte.

Diese Frösche halten sich nicht nur in den Baumkronen auf, sondern pflanzen sich dort auch in mit Wasser gefüllten Baumhöhlen fort. Den Laich in Portionen mit 60 bis 200 Eiern legen die weiblichen Frösche auf der Wasseroberfläche an Holzstückchen oder in der Rinde von Baumlöchern ab. Die Männchen bewachen das Gelege und füttern die Kaulquappen, während die Weibchen kurz nach der Eiablage verschwinden.

Die Fütterung der Kaulquappen ist einmalig und bislang bei keiner anderen Froschspezies beobachtet worden: Das Männchen setzt sich in das Wasser, in dem sich der Nachwuchs befindet, während die Kaulquappen seine Hautpartikel fressen.

Aufgrund der Verhaltensweisen von Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch stellt die IUCN fest, dass sich mittels akustischer Suchen am ehesten herausfinden ließe, ob es noch Exemplare von Rabbs Fransenzehen-Laubfrosch gibt. Das Gebiet, in dem die Froschart möglicherweise lebt oder lebte, ist bis heute nicht unter Schutz gestellt worden. So minimiert sich für eventuell noch existierende Frösche die Chance, zu überleben und sich fortzupflanzen.