Elfenbeinspecht Brehms Tierleben
Als Gründe für das Aussterben des Elfenbeinspechts gelten heute die Abholzung der Sumpfwälder in Louisiana, in denen er lebte, sowie die Bejagung des Vogels. Elliott Coues (1842-1899, author and/or artist), originally from Brehms Tierleben, Public domain, via Wikimedia Commons)

Neue Studie zum Elfenbeinspecht: Beweise für seine Existenz – oder doch nicht?

Zuletzt im Jahr 1944 offiziell gesichtet, erschien nun eine Studie im Online-Wissenschaftsjournal Ecology and Evolution, die erneut Beweise für die Existenz des Elfenbeinspechts (Campephilus prinicpalis) liefern soll. Hierbei handelt es sich nicht um den ersten Versuch, nachzuweisen, dass die Art noch existiert; bereits im August letzten Jahres sorgten zwei Videos, die Elfenbeinspechte zeigen sollen, für einen Streit unter Ornithologen.

Die für die neue Studie gesammelten Daten stammen aus einem Zeitraum von zehn Jahren (2012 bis 2022). Als Untersuchungsort dienten die Sumpfwälder von Louisiana, der einstige Lebensraum der Vogelart. Die ausgewerteten Daten umfassen Sichtungsberichte, rund 70.000 Stunden Tonaufnahmen von 80 bis 100 Aufnahmegeräten, etwa 472.550 Kamera-Stunden von 34 Wildkameras und 1.089 Stunden Videoaufnahmen von mehr als 3.200 Drohnenflügen. Mehrere Beweise würden auf eine „sporadische, aber wiederholte Anwesenheit“ mehrerer individueller Vögel hinweisen, die äußere Merkmale und Verhaltensweisen aufweisen, die mit denen des ausgestorben geglaubten Elfenbeinspechts übereinstimmen.

Es gibt bereits Experten, die die in der Studie erbrachten Beweise anzweifeln: So bestehe das Problem darin, dass es sich „um sehr schlechte Videoaufnahmen“ handele, zitiert die New York Times Chris Elphick, Professor für Naturschutzbiologie an der University of Connecticut. Nicht unwahrscheinlich sei es, dass die Sichtungen auf Verwechslungen mit dem recht ähnlich aussehenden Helmspecht oder dem Rotkopfspecht zurückgehen.

Der Hintergrund der Studie ist, dass dem Elfenbeinspecht der Schutzstatus entzogen werden soll – und das geschieht, wenn die Behörden ihn tatsächlich für ausgestorben erklären. Der U.S. Fish and Wildlife Service hat diese Entscheidung bereits mehrfach verschoben, will aber in diesem Jahr zu einem endgültigen Ergebnis kommen.

Sowohl die Entscheidung als auch die Frage nach dem Fortbestand der Elfenbeinspechte sind stark umstritten. Kritiker bemängeln, dass die Aufhebung des gesetzlichen Schutzes schwerwiegende Auswirkungen auf die eventuell noch existierenden Elfenbeinspechte haben würde. Auf der anderen Seite argumentieren Befürworter, dass die staatlichen Ressourcen, die für die Suche nach den Spechten aufgewendet werden, besser anderen Arten zugutekommen sollten, die zweifelsfrei existieren und gefährdet sind.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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