Grassland Earless Dragon
Die letzte Sichtung des Ohrlosen Graslanddrachens erfolgte im Jahr 1969 in der Gegend von Geelong, weshalb Biologen bereits davon ausgingen, dass es sich um die erste bekannte ausgestorbene Reptilienart auf dem australischen Festland in moderner Zeit handelt. CSIRO, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons)

Ohrloser Graslanddrache: Seit mehr als 50 Jahren verschollen geglaubte Eidechsenart wiederentdeckt

Nachdem eine Studie ihn 2019 bereits als mögliches erstes in moderner Zeit auf dem Festland Australiens ausgestorbenes Reptil wähnte, konnte der Ohrlose Graslanddrache (Tympanocryptis pinguicolla) nun seit 1969 das erste Mal wieder in freier Wildbahn nachgewiesen werden. Ohrlose Graslanddrachen sind Eidechsen ohne sichtbare äußere Ohröffnung, taub sind sie dennoch nicht.

Das rund zwölf Zentimeter lange Reptil ist im Bundesstaat Victoria endemisch und war einst in den Graslandschaften westlich von Melbourne verbreitet. Aufgrund der Zerstörung eines Großteils seines Lebensraums durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und die Umwandlung der Melbourne umgebenden Basaltebenen sowie durch verwilderte Katzen, die Jagd auf die Eidechsen machen, war der Bestand deutlich zurückgegangen.

Der Verdacht, die Spezies könnte ausgestorben sein, erhärtete sich, als die Wissenschaftler in der 2019 erschienenen Studie feststellten, dass es sich bei den Ohrlosen Graslanddrachen nicht um eine, sondern um vier verschiedene Arten handelt: eine lebt im Gebiet von Canberra (T. lineata), zwei in New South Wales (T. osbornei und T. mccartneyi) und eine in der Region um Melbourne (T. pinguicolla).

Wie der Guardian berichtet, versuche man derzeit im Bundesstaat Victoria mit Spürhunden herauszufinden, wie viele Ohrlose Graslanddrachen noch existieren. Der Staat investierte in dieses Projekt knapp 11.500 Euro. Zudem plane der Zoo Victoria ein Zuchtprogramm zum Erhalt der Reptilienspezies.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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