Der rund 15 Zentimeter lange Galápagos-Riffbarsch war größtenteils in einem hellen Olivgrau gefärbt. Seine Bauchseite war silbrig, sein Maul dunkel. An der Basis der Brustflossen besaß er einen schwarzen Fleck. Edmund Heller and Robert E. Snodgrass in Papers from the Hopkins Stanford Galapagos Expedition, 1898-1899. XV. New fishes, Public domain, via Wikimedia Commons)

Galápagos-Riffbarsch

Galápagos-Riffbarsch: El Niño zerstörte seine Nahrungsgrundlage

Im Durchschnitt alle vier Jahre führen veränderte Meeresströmungen im äquatorialen Pazifik zu einer Veränderung des Wettermusters auf einem drei Viertel der Erde. Das Phänomen nennt sich El Niño-Southern Oscillation (ENSO) und ereignete sich auch am Jahreswechsel 1982/1983. Vor allem auf den Galápagos-Inseln und an der Küste Südamerikas kommt es zu schweren Regenfällen, die wiederum zu Überschwemmungen an der westlichen Küste Südamerikas führen.

Am äquatorialen Pazifik bringt El Niño eine Erwärmung des Oberflächenwassers mit sich, indem die Wasseroberfläche nicht mehr mit dem kühlen nährstoffreichen Tiefenwasser durchmischt wird. Dies führt zum Absterben des Planktons und zum Zusammenbruch ganzer Nahrungsketten. Fische finden keine Nahrung mehr und wandern ab – oder sterben.

Auch Wetterextreme häufen sich in El-Niño-Jahren: Es kommt zu ausgeprägten Trockenperioden und Hitze in Australien, Südostasien und Südafrika. Und an der Westküste Süd- und Nordamerikas häufen sich Starkregen, Überschwemmungen, Erdrutsche und starke Erosion.

El Nino Grafik
Die Grafik zeigt die Bewegungen des Oberflächenwassers und die Veränderungen der Meereswassertemperatur unter normalen Bedingungen (links) und während eines El-Niño-Ereignisses (rechts). (© Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die El-Niño-Saison 1982/1983 gehört zu einer der drei stärksten, die bislang beobachtet wurden. Die Wassertemperatur lag sieben Kelvin über der normalen Durchschnittstemperatur. Die Plankton-Produktion im Umkreis der Galápagos-Inseln blieb für mindestens ein Jahr aus, was die Populationszahlen Plankton-fressender Meeresfischarten enorm sinken ließ. So muss es auch beim Galápagos-Riffbarsch gewesen sein. Trotz intensiver Suchen in den zehn Jahren nach dem El Niño konnte er nicht mehr aufgespürt werden.

Galápagos-Riffbarsch – Steckbrief
wissenschaftlicher Name Azurina eupalama
englische Namen Galápagos Damsel, Blackspot Chromis
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Galápagos-Inseln, Kokos-Insel
Zeitpunkt des Aussterbens Anfang der 1980er-Jahre
Ursachen für das Aussterben Verlust der Nahrungsgrundlage, Klimawandel

Vor der El-Niño-Saison 1982/1983 war der Galápagos-Riffbarsch bereits relativ selten

Galapagos-Inseln Karte
Die Galápagos-Inseln liegen im östlichen Pazifik am Äquator etwa 1.000 Kilometer westlich Ecuadors an der Küste Südamerikas. (© Eric Gaba (Sting – fr:Sting), translated by NordNordWest, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Schon vor seinem endgültigen Verschwinden, muss es sich beim Galápagos-Riffbarsch um eine recht seltene Fischart gehandelt haben. Der Meeresbiologe Jack Stein Grove gibt 1985 in Influence of the 1982-1983 El Niño event upon the ichthyofauna of the Galápagos archipelago nämlich an, dass der Galápagos-Riffbarsch 1977 nur gelegentlich anzutreffen war.

Vor der El-Niño-Saison 1982/1983 gab es Sichtungen der Fischart nahe der zum Galápagos-Archipel gehörenden Inseln Floreana (Charles Island), Española (Hood Island), Isabela, Marchena, Santiago, San Cristóbal, Santa Cruz und Santa Fe. Ein Exemplar wurde zudem vor längerer Zeit an der zu Costa-Rica gehörenden kleinen unbewohnten Kokos-Insel gesammelt.

Die IUCN listet den Galápagos-Riffbarsch derzeit als ‚vom Aussterben bedroht (wahrscheinlich ausgestorben)‘. Die Weltnaturschutzorganisation hält es für nicht ausgeschlossen, dass eine Population des Galápagos-Riffbarschs vor der peruanischen Insel Isla Lobos de Tierra, die potenziell als Lebensraum für die Art infrage kommt, überlebt haben könnte. Dies müsste durch weitere Suchaktionen überprüft werden.

1903 wissenschaftliche Erstbeschreibung: Azurina eupalama

Chromis atrilobata
Das auch zur Familie der Riffbarsche gehörende Schwalbenschwänzchen war häufig zusammen mit dem Galápagos-Riffbarsch anzutreffen. (© alboertoalcala, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Zur Gattung Azurina gehören ausschließlich der Galápagos-Riffbarsch und seine Schwesterart, der Schwalben-Riffbarsch (Azurina hirundo). Der Schwalben-Riffbarsch ist ebenfalls im Pazifischen Ozean endemisch, in der Region der zu Mexiko gehörenden Revillagigedo-Inseln.

Der Zoologe Edmund Heller und der Entomologe und Künstler Robert Evans Snodgrass lieferten 1903 die wissenschaftliche Erstbeschreibung zum Galápagos-Riffbarsch. Sie beschrieben die neue Art Azurina eupalama anhand von acht Exemplaren, die vor den Galápagos-Inseln Española und Floreana gesammelt wurden. In Abgrenzung zum Schwalben-Riffbarsch sei der Galápagos-Riffbarsch schlanker und eher oliv und grau gefärbt als blau.

Über die Lebensweise des Galápagos-Riffbarsches ist bekannt, dass er offenes Gewässer an steilen Riffwänden bevorzugte, aber auch in Küstengewässern bis in einer Tiefe von 30 Metern vorkam. Er ernährte sich vor allem von Plankton und war häufig in Gesellschaft des Schwalbenschwänzchens (Chromis atrilobata) anzutreffen, das auch zur Familie der Riffbarsche (Pomacentridae) gehört.

Der Einfluss des Klimawandels auf El Niño

Insbesondere die starke Ausprägung des El Niño von 1982/1983 und das Auftreten des Klimaphänomens in ungewöhnlich schneller Folge zwischen 1990 und 1994 sorgte in wissenschaftlichen Kreisen für Diskussionen darüber, ob ein Zusammenhang mit dem Klimawandel besteht. Der Klimaforscher Wenju Cai und sein Team von der australischen Forschungsorganisation CSIRO haben 2018 eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss des Klimas auf das ENSO-Phänomen untersucht.

Anhand verschiedener Klimamodelle konnten die Wissenschaftler herausfinden, dass bei Fortschreiten der globalen Erwärmung die Meerestemperaturen in den El-Niño-Zentren verstärkt schwanken werden. Eine Erhöhung der Meerestemperatur-Variabilität gehe mit einer Zunahme starker ostpazifischer El-Niño-Ereignisse sowie damit in Zusammenhang stehenden Wetterextremen einher. Das bedeutet, in Zukunft könnten vermehrt stark ausgeprägte und häufiger El Niños auftreten, die beispielsweise zu Starkregen in Südamerika und zu Hitze und Dürre in Australien und Asien führen.

Weitere einst auf den Galápagos-Inseln endemische Tierarten waren etwa die Galápagos-Riesenratte (ausgestorben Anfang des 20. Jahrhunderts), die Darwin-Reisratte (ausgestorben in den 1930er-Jahren), die Rábida-Riesenschildkröte (1906 ausgestorben), die 1846 ausgestorbene Floreana-Riesenschildkröte (Chelonoidis nigra nigra) und der 1987 verschwundene San-Cristóbal-Rubintyrann (Pyrocephalus dubius).