Darwin-Reisratte

galapagos-reisratte / verwandte der darwin-reisratte
Die auf der Galápagos-Insel San Cristóbal einst heimische Reisratte Aegialomys galapagoensis galapagoensis (Bild) ist ebenso wie die Darwin-Reisratte von Santa Cruz ausgestorben. (© Richard Owen 1838, Public domain, via Wikimedia Commons)
Darwin-Reisratte – Steckbrief
alternative Bezeichnung Darwins Reisratte
lateinischer Name Nesoryzomys darwini 
englische Namen Darwin’s Galápagos Mouse, Darwin’s Nesoryzomys
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Santa Cruz (Galápagos-Inseln)
Zeitpunkt des Aussterbens 1930er-Jahre
Ursachen für das Aussterben auf Insel eingeschleppte Tiere

Darwin-Reisratte: The name darwini seems appropriate

Das erste auf den Galápagos-Inseln heimische Nagetier sammelte der Naturforscher Charles Darwin 1835 auf San Cristóbal: Mus galapagoensis. In der Folge entdeckte man sieben weitere Arten endemischer Nager auf vier anderen Inseln des Galápagos-Archipels. Wenigstens vier dieser Arten sind heute ausgestorben; so auch die Darwin-Reisratte.

Der US-amerikanische Zoologe Wilfried H. Osgood beschrieb im Juli 1929 in A new Rodent from the Galapagos Islands die Darwin-Reisratte als Nesoryzomys darwini wissenschaftlich. Er bezog sich dabei auf drei Exemplare, die der Tierpräparator Frank Wonder am 12. Januar 1929 in der Academy Bay im Süden von Santa Cruz sammelte. Ein weiteres Tier fand Wonder am 16. Januar in der Conway Bay.

Dass die Darwin-Reisratte schon damals selten gewesen sein muss, erkannte Osgood daran, dass zum selben Zeitpunkt 25 Exemplare der Santa-Cruz-Reisratte (Nesoryzomys indefessus) in der Academy und Conway Bay gesammelt wurden.

Alle auf den Galápagos-Inseln endemischen Nagerarten gehören einer von drei Gattungen an: den Galápagos-Reisratten (Nesoryzomys), den ‚großen Reisratten‘ (Megaoryzomys) oder den Küsten-Reisratten (Aegialomys).

Als heute auf dem Galápagos-Archipel ausgestorben gelten neben der Darwin-Reisratte, die Santa-Cruz- oder Indefatigable-GalápagosratteAegialomys galapagoensis galapagoensis von der Insel San Cristóbal und die Galápagos-Riesenratte.

Die Darwin-Reisratte war mit etwa 22 Zentimeter Körperlänge (ohne Schwanz) der kleinste Vertreter der Galápagos-Reisratten. Über die Lebensweise der graubraunen Darwin-Reiswatte ist kaum etwas bekannt. Vermutlich war sie nachtaktiv und hielt sich tagsüber in Felsspalten unter Büschen oder in Höhlen auf.

Der Versuch der Wiederentdeckung ausgestorben geglaubter Nager

Als Darwin die Galápagos-Insel San Salvador (Santiago) 1835 bereiste, stieß er dort auf Hausratten (Rattus rattus). Wahrscheinlich haben frühe Segler oder Piraten die Nager auf die Insel eingeschleppt, so der Biologe Robert Dowler.

In der Fachzeitschrift Oryx veröffentlichte Dowler im Jahr 2000 seine Studienergebnisse zur Wiederentdeckung ausgestorben geglaubter Nager der Gattung Nesoryzomys auf den Galápagos-Inseln. Er unternahm 1997 mehrere Suchen nach Nagetierpopulationen auf den Inseln. So auch auf Santa Cruz (auch Indefatigable), der einstigen Heimat der Darwin- und der Santa-Cruz-Reisratte. Der Biologe suchte eigens an zwei Orten, die abseits bewohnter Gebiete liegen, da die Chancen dort am größten sind, auf übrig gebliebene Populationen endemischer Nager zu stoßen.

Das Ergebnis der Suche war ernüchternd. An beiden Stellen fanden Dowler und sein Team lediglich zuvor auf die Insel eingeführte Hausratten und Hausmäuse (Mus musculus). Zusätzlich entdeckten sie Hinweise auf Katzen. An der Charles Darwin Research Station auf Santa Cruz stießen sie ebenfalls auf Hausratten und -mäuse sowie auf noch eine weitere eingeschleppte Nagerart, die Wanderratte (Rattus norvegicus). Die Suche auf der Insel Santa Cruz lieferte letztlich keinerlei Hinweise darauf, dass die Darwin-Reisratte und die Santa-Cruz-Reisratte noch leben.

Eingeschleppte Hausratten führten zum Verschwinden der Darwin-Reisratten

Die Darwin-Reisratte wurde 1930, ein Jahr nach ihrer wissenschaftlichen Erstbeschreibung, zum letzten Mal auf Santa Cruz gesichtet. Als Hauptursache für das Aussterben der Darwin-Reisratte gilt die Hausratte, die wohl in den späten 1930er-Jahren auf die Insel gelangte. Die IUCN hält es für wahrscheinlich, dass die Hausratten Krankheitserreger mitbrachten, für die die Darwin-Reisratte anfällig war. Auch die direkte Konkurrenz zwischen den beiden Arten kann für das Verschwinden der endemischen Art ursächlich gewesen sein.

Auch andere Tierarten, die nach Santa Cruz gelangten, und auch von Dowler nachgewiesen wurden, dürften für das Aussterben der Darwin-Reisratte gesorgt haben: die Hausmaus, die Wanderratte sowie streunende Katzen.

Auf der Galápagos-Insel Fernandina dagegen, wo es keine eingeschleppten Ratten gibt, existieren beide endemische Nagerarten noch heute: die Kleine Fernandina-Galápagosratte (Nesoryzomys fernandinae) und die Große Fernandina-Galápagosratte (Nesoryzomys narboroughi). Dasselbe gilt für die Insel Santa Fe, wo Dowler auch keine eingeführten Nagerarten aufspürte.

Dowler fand bei seiner Suche nach endemischen Nagern im Galápagos-Archipel  jedoch etwas anderes heraus, das Hoffnung gibt: Eine Koexistenz von endemischen und eingeführten Nagern wie der Hausratte und der Hausmaus scheint möglich. So leben die von Darwin auf San Salvador 1835 gefundenen, eingeführten Hausratten und die endemische Santiago-Galápagosratte (Nesoryzomys swarthi) bereits seit mehr als 180 Jahre zusammen auf einer Insel.

Das bedeutet, einige Nagetiere der Galápagos-Inseln sind in der Lage, mit eingeführten Nagern zu konkurrieren. Und wer weiß, vielleicht werden eines Tages noch weitere ausgestorben geglaubte Nager dort wiederentdeckt.

Robert Dowler und sein Team entdeckten während ihrer Galápagos-Insel-Expedition 1997 zwei Nagerarten wieder, die man für längst ausgestorben hielt. Auf San Salvador stießen sie auf die Santiago-Galápagosratte, die lediglich von vier 1906 gesammelten Exemplaren bekannt war. Und auf der Insel Fernandina fand Dowler die Kleine Fernandina-Galápagosratte wieder, die 1979 anhand zweier Eulengewölle beschrieben wurde.