Riesenalk

riesenalk / Pinguinus impennis
Die ausgestorbenen Riesenalke mit Sommer- und Winter-Gefieder. Gemälde von John Gerrard Keulemans (vor 1903).
Riesenalk – Steckbrief
alternative Bezeichnung Brillenalk
lateinischer Name Pinguinus impennis
englischer Name Great Auk
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordatlantik
Zeitpunkt des Aussterbens 1852

Die Insel der Pinguine – Vom Aussterben des Riesenalks

Eine der letzten Riesenalk-Kolonien befand sich auf der für Menschen unzugänglichen Insel Geirfuglasker bei Island. Viele der Vögel verschwanden jedoch mitsamt der Insel bei einem Vulkanausbruch im Jahre 1830.

Die überlebenden Riesenalke retteten sich auf die sich in der Nähe befindlichen Insel Eldey. Doch nachdem man rund 50 Vögel fünf Jahre nach dem Untergang Geirfuglaskers dort entdeckt hat, begann man schnell, diese zu fangen oder zu töten. Vor allem Museen waren an Exemplare der letzen lebenden Riesenalke interessiert, um diese Tierart der Nachwelt präsentieren zu können. Das vermeintlich letzte Riesenalk-Pärchen, das gerade dabei war, ein Ei auszubrüten, erlegten Jäger 1844.

Ein späterer Hinweis, man hätte noch 1852 auf der Neufundlandbank einen lebenden Riesenalk gesichtet, wurde von der Weltnaturschutzorganisation IUCN akzeptiert.

Einzelheiten über das Aussterben des Riesenalks sind gut dokumentiert. Menschen jagten die Vögel zunächst, um an deren Federn, Fleisch, Fett und Öl zu kommen und als sie merkten, es gibt immer weniger Tiere dieser Art, wurde das Sammeln der Tiere zur unmittelbaren Ursache ihres Aussterbens.

In Vom Aussterben bedroht? beschreibt Igor Akimuschkin das Ausmaß: „Sammler vollendeten die Tragödie, der Riesenalk wurde zu einer Seltenheit. Museen und Liebhaber zahlten viel Geld für Eier und Bälge. (…) Für einen Balg des Riesenalkes zahlte man schon fast hundert Kronen. Das war mehr, als Fett und Federn von einer ganzen Schaluppenladung eingebracht hatten.“

Heute gibt es 78 Exemplare (Schaupräparate und Bälge), zwei Skelette und Schädel des Riesenalks in Museen und Sammlungen, was im Vergleich zu anderen vor nahezu 200 Jahren ausgestorbenen Tierarten sehr viel ist.

Der Riesenalk: Größer als heutige Alke

brillenalk riesenalk museum
Einer der letzten Riesenalke, den Jäger 1844 töteten. Das Exemplar befindet sich heute im Royal Belgian Institute of Natural Sciences. (© MADe at Dutch)
Für Jäger stellte der Riesenalk eine leichte Beute dar, denn die Vögel empfingen die Menschen ohne Furcht, waren flugunfähig und konnten sich an Land nur schlecht fortbewegen.

Der Riesenalk hatte etwa die Größe einer Gans und maß zwischen 70 und 85 Zentimeter. Sein Durchschnittsgewicht betrug fünf Kilogramm. Ob der Name Riesenalk ihm gerecht wird, kann nur ein Größenvergleich zeigen: Der heute gefährdete Papageitaucher oder Puffin (Fratercula arctica) etwa erreicht gerade mal eine Körperlänge von 28 bis 34 Zentimeter. Und der von der IUCN 2015 als potenziell gefährdet eingestufte Tordalk (Alca torda) kann zwischen 38 und 43 Zentimeter lang werden.

Dieter Luther vermutet in seinem Buch Die ausgestorbenen Vögel der Welt, dass bei den Riesenalken ein Sexualdimorphismus bestand und dass sich die männlichen und weiblichen Tiere in Körper- und Schnabelgröße unterschieden. Trotzdem Wissenschaftler heute davon ausgehen, dass die Riesenalke an den Westküsten des Nordatlantik etwas größer waren als jene die an den östlichen Küsten lebten, werden keine Unterarten unterschieden.

Den Riesenalk klonen? Im Internet (etwa hier in einem Artikel der National Geographic) und unter Experten wird seit langem die Möglichkeit diskutiert, ob man den Riesenalk und andere bereits ausgestorbene Tiere wie etwa die Wandertaube, die Karibische Mönchsrobbe oder den Beutelwolf klonen sollte. Dazu könnten Wissenschaftler die DNA von in Museen befindlichen Exemplaren nutzen.

Riesenalke – Die arktischen „Pinguine“

Sein wissenschaftlicher Name Pinguinus impennis deutet darauf hin, dass man den Riesenalk ursprünglich als Pinguin bezeichnet hat. Die Bezeichnung Pinguin hat man später dann auf die Vögel aus der Antarktis, die wirklichen Pinguine übertragen.

Der Naturforscher Georges-Louis Leclere de Buffon hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Berichte von James Cook und George Forster über deren Südseereisen gelesen. Das, was diese über die antarktischen Pinguine geschrieben haben, hat Buffon mit dem Wissen, was er über Riesenalke hatte, abgeglichen. Buffon bemerkte sogleich, dass beide Vogelarten wenige Gemeinsamkeiten aufwiesen. Er schlug daher vor, die nördlichen Vögel, die Alke, als Pinguine zu bezeichnen und die südlichen als Manchots. Heute ist manchot das Französche Wort für Pinguin und damit sind die Tiere aus der Antarktis gemeint, nicht die Riesenalke.

Sicherlich besteht optisch zwischen Pinguinen und Alken eine gewisse Ähnlichkeit, denn der Bauch beider ist weiß, der Rücken schwarz und beide können aufrecht stehen. Allerdings haben Alke – mit Ausnahme des Riesenalks – ihre Flugfähigkeit bis heute bewahrt. Nur der Riesenalk hatte verkümmerte Flügel wie ein Pinguin und konnte deshalb nicht fliegen.

Die Ähnlichkeit beider Vogelarten ist auf Parallelevolution zurückzuführen. Bei dieser entwickeln sich an unterschiedlichen Orten Arten ähnlich und weisen ähnliche Merkmale auf. Eine Verwandtschaft muss aber nicht bestehen. So besteht auch keine Verwandtschaft zwischen Alken und Pinguinen.

Während unsere heutigen Pinguine also auf der Südhalbkugel leben, war der Riesenalk auf der Nordhalbkugel anzutreffen. Walter Rothschild schreibt in seinem Buch Extinct Birds, dass man anhand subfossiler Funde des Riesenalks sehen kann, dass dieser in erster Linie in Norwegen, Schweden, auf den Britischen Inseln sowie an der Ostküste Nordamerikas heimisch war.