Beutelwolf

tasmanischer beutelwolf Thylacinus cynocephalus
Männlicher und weiblicher Beutelwolf, etwa 1904 im Washington D.C. National Zoo fotografiert. (© Baker; E.J. Keller., Public domain, via Wikimedia Commons)
Tasmanischer Beutelwolf – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Tasmanischer Beutelwolf, Tasmanischer Tiger, Beuteltiger, Zebrahund, Beutelhund
lateinische Namen Thylacinus cynocephalus, Didelphys cynocephalus, Dasyurus cynocephalus, Peracyon cynocephalus
englische Namen Thylacine, Tasmanian Wolf, Tasmanian Tiger, Tassie Tiger
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Tasmanien, zuvor auch australisches Festland und Neuguinea (Australien)
Zeitpunkt des Aussterbens 1936
Ursachen für das Aussterben
Bejagung, Lebensraumverlust, Krankheiten bzw. Inzucht

Beutelwolf oder Beuteltiger: Weder Wolf noch Tiger

Die Bezeichnung Beutelwolf mag irreführend sein, denn der Tasmanische Beutelwolf ist weder ein Wolf noch sieht er einem ähnlich. Vielmehr erinnert er aufgrund seines Körperbaus an einen Hund oder Dingo; da die Vorderbeine kürzer als die Hinterbeine sind, ähnelt der Beutelwolf in diesem Punkt sogar einer Katze oder gar Hyäne.

Tatsächlich handelte es sich beim Beutelwolf um ein Beuteltier, denn die weiblichen Tiere hatten an ihrem Bauch einen Beutel, in welchem sie ihre Jungen austrugen. Im Beutel befanden sich zwei Paar Zitzen, sodass ein weiblicher Beutelwolf maximal vier Junge haben konnte. Die Lebenserwartung der Tiere schätzt man heute auf 12 bis 14 Jahre.

Tasmanischer Tiger / Beutelwolf ausgestopft
Das Foto zeigt ein ausgestopftes Tier im Naturhistorischen Museum in Wien. (© GoleGole, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Tasmanische Beutelwölfe konnten eine Schulterhöhe von rund 60 Zentimeter und ein Gewicht zwischen 15 und 30 Kilogramm erreichen. Sie besaßen kurzes graues bis gelbgraues Fell und den 13 bis 19 dunklen Querstreifen am Hinterteil des Körpers verdanken sie auch ihre Namen Beuteltiger oder Tasmanischer Tiger oder gar Zebrahund.

Der Beutelwolf ist nicht mit dem Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) oder Tasmanischen Teufel zu verwechseln, der noch heute auf Tasmanien existiert. Auch dieser wurde bis in die 1930er-Jahre intensiv bejagt. Mit dem ausgestorbenen Beuteltiger ist der Beutelteufel nur entfernt verwandt.

Tasmanischer Tiger – zu Unrecht verfolgt?

der tasmanischer teufel ist mit dem beutelwolf nur entfernt verwandt
Der Beutelwolf ist mit dem Beutelteufel (Foto) nur entfernt verwandt. (© Jgritz~ commonswiki, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons)

Beutelwölfe hatten die Fähigkeit, ihren Unterkiefer sehr weit aufklappen zu können; es ist von einem Winkel von 80 Grad oder manchmal sogar 90 Grad die Rede. Aufgrund dessen könnte man davon ausgehen, dass der Beutelwolf vor allem große Tiere gejagt hat – und das ist man auch, denn der Beutelwolf galt als Schafskiller, was letztendlich auch der Grund für die Menschen war, ihn zu verfolgen. Die tasmanische Regierung zahlte sogar Prämien für jeden erlegten Tasmanischen Beutelwolf.

Forscher der Universität von New South Wales in Sydney haben 2011 in einer Studie herausgefunden: Der Kiefer des Tasmanischen Tigers war viel zu schwach, um große Tiere zu fressen. Heute geht man davon aus, dass der Beutelwolf hauptsächlich kleinere Säugetiere wie Beuteldachse, Wallabys und Opossums gefressen hat.

Wissenschaftlich zuerst 1807 von G.P. Harris beschrieben, starb der letzte bekannte Beutelwolf 1936 im Zoo von Hobart. Es handelte sich um ein Weibchen, welches Zeit seines Lebens für ein männliches Tier gehalten und daher Benjamin genannt wurde.

Das National Film and Sound Archive of Australia (NFSA) hat alte Aufnahmen von 1935 wiederentdeckt, die Benjamin zeigen, so eine Mitteilung vom Mai 2020 des Filmarchivs. Diese Sequenz sei seit etwa 85 Jahren nicht der Öffentlichkeit zugänglich gewesen. Es handelt sich um einen Teil des Reiseberichts Tasmania the Wonderland, von dem nur noch neun Minuten erhalten geblieben sind. Das NFSA vermutet, der frühe australische Filmemacher Sidney Cook ist für die Aufnahmen verantwortlich:

Aussterbegründe: Bejagung, Krankheit oder Inzucht?

Diagramm: Anzahl der getöteten Beutelwölfe
Das Diagramm zeigt den Bestandsrückgang der Beutelwölfe von 1888 bis 1908. (© 2012 Menzies et al.)

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Beutelwolf als selten. Die in unterschiedlichen Zoos gehaltenen Tasmanischen Tiger haben sich bis auf eine Ausnahme nie fortgepflanzt.

Neben der Theorie, die Menschen seien durch Bejagung des vermeintlichen Schafskillers Schuld am Aussterben des Beuteltiers, gibt es noch andere Vermutungen. So heißt es auch, dass die Beuteltiger an einer Krankheit, der Hundestaupe ähnlich, ausgestorben seien. Eine Untersuchung der Universität Adelaide aus dem Jahre 2013  stellt fest: Die Hundestaupe-ähnliche Erkrankung ist als alleiniger Grund für das Aussterben unwahrscheinlich.

karte-tasmanien - einstige Heimat vom Beutelwolf
Tasmanien liegt rund 240 Kilometer südlich des australischen Festlandes.

Eine weitere, im April 2012 veröffentlichte Studie geht von Folgendem aus: Die auf Tasmanien lebende Beutelwolf-Population besaß aufgrund von Inzucht eingeschränktes Genmaterial, was zum Aussterben geführt haben könnte. Der Grund dafür ist möglicherweise geografischer Natur, denn vor mehr als 10.000 Jahren isolierte sich Tasmanien vom australischen Festland.

Auch die Zerstörung des Lebensraums durch die Abholzung von Wäldern zur Entstehung von Weideflächen hat mit großer Wahrscheinlichkeit zum Aussterben des Beutelwolfes geführt.

Der Beutelwolf ist nicht die einzige endemische Tierart, die auf Tasmanien ausgestorben ist. Andere Beispiele sind die Cascade-Trichternetzspinne (1950er-Jahre), der Lake-Pedder-Regenwurm (nach 1972) oder der Tasmanische Emu (1873).

Der Tasmanische Tiger lebt? – Sichtungen nicht selten

Seither gibt es immer wieder Beuteltiger-Sichtungen, aber einen hundertprozentigen Beweis dafür, dass diese Tierart noch existiert, fehlt bislang. Zahlreiche Suchexpeditionen verliefen erfolglos und auch die 2005 von der australischen Zeitschrift The Bulletin ausgesetzten eine Million US-Dollar Belohnung für einen Beweis eines lebendigen Tasmanischen Tigers zeigte keinen Erfolg.

Das Internet ist voll von Bildern und Videos, die zeigen sollen, wie Menschen Tasmanische Tiger gesichtet haben, so zum Beispiel die Aufnahmen Paul Days vom Juni 2017, die einen rennenden Beutelwolf zeigen sollen:

Gefilmt wurde das Material auf einer Farm in der Nähe von Moonta auf der Yorke-Halbinsel in Südaustralien. Für viele Leute mag dieses Video ein Beweis für die Existenz des Beuteltigers sein, doch nicht für alle: Kristofer Helgen, Zoologe an der Universität Adelaide, erkennt „einen Fuchs, der wahrscheinlich lahmt oder verletzt ist“, so berichtet die australische Nachrichtenseite news.com.au.

Australische Forscher haben in der Anfang 2021 auf BioRxiv veröffentlichten Studie New Results: Extinction of the Thylacine zusammengetragen, dass der Beutelwolf zwischen 1910 und 2019 insgesamt 1.237 Mal gesichtet wurde. Davon seien 429 bestätigte Sichtungen durch Experten, 226 unbestätigte Sichtungen und 99 beruhen auf physischen Spuren der Tierart.

Mithilfe dieser Zahlen stellten die Wissenschaftler Berechnungen an und kamen zu folgendem Studienergebnis: Das Zeitfenster für das Aussterben des Beutelwolfs erstreckt sich von den 1980er-Jahren bis heute. Die Zahlen zeigen zudem, dass die Beutelwolf-Sichtungen zwischen 1940 und 1999 relativ konstant waren, ab 2000 wurden sie jedoch sehr viel seltener und auch weniger überzeugend.

Die Wissenschaftler halten es schließlich für durchaus möglich, dass der Beutelwolf bis Ende der 1990er-Jahre noch existierte. Die Wahrscheinlichkeit, dass heute immer noch vereinzelt Beutelwölfe durch Tasmanien streifen und die Tierart noch nicht ausgestorben ist, liegt laut Studie bei 17 Prozent.

Wissenschaftler versuchen Beutelwolf zu klonen

Seit 2000 versuchen Wissenschaftler unterschiedlicher Universitäten aus New South Wales, Melbourne und Texas den Beuteltiger zu klonen. Dafür haben sie verschiedene Ausgangsmaterialien des Tieres genutzt, wie etwa Kot, Museumsexponate sowie in Alkohol eingelegte Föten oder Gewebe.

Im Jahr 2017 gelang eine vermutlich vollständige Entschlüsselung des Beutelwolf-Genoms (Erbmaterial), laut eines Artikels der Universität Melbourne. Als Ausgangsmaterial diente ein zum Zeitpunkt seines Ablebens noch im Beutel des Muttertiers befindliches Jungtier, welches 1909 im Victoria-Museum in Australien in Alkohol eingelegt wurde.

Ein neuer Tasmanischer Tiger ließ sich bisher noch nicht aus dem entschlüsselten Genom züchten, aber zumindest konnte die Frage nach der Abstammung des Beuteltigers geklärt werden. Der Beuteltiger gehört zu den Raubbeutlerartigen (Dasyuromorphia), wozu beispielsweise auch Beutelmarder, Beutelteufel und der Numbat gehören.

Es gibt zwei Beutelwolf-Filme: der Horrorfilm Dying Breed (2008) und das Drama The Hunter (2011). In The Hunter jagt Willem Dafoe in der Hauptrolle den letzten lebenden Beutelwolf in den Wäldern Tasmaniens. Das Filmdrama basiert auf dem gleichnamigen Roman von Julia Leigh.