Chinesischer Flussdelfin

chinesischer flussdelfin / baijii / Lipotes vexillifer
Illustration des Chinesischen Flussdelfins. Die Tiere besaßen verkümmerte Augen, sodass sie auf die akustische Ortung beim Beutefang angewiesen waren. (© Alessio Marrucci)
Chinesischer Flussdelfin – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Jangtse-Delfin, Baiji
lateinischer Name Lipotes vexillifer
englische Namen Baiji, Chinese River Dolphin, Yangtze River Dolphin, Whitefin Dolphin, Yangtze Dolphin
ursprüngliches Verbreitungsgebiet mittlerer und unterer Jangtsekiang (China)
Zeitpunkt des Aussterbens etwa 2002

Chinesischer Flussdelfin: Unbestätigte Sichtungen 2007 und 2016

Seit den 1980er-Jahren schon galt der Baiji, auch als Chinesischer Flussdelfin bezeichnet, als eines der seltensten Säugetiere der Welt. Bei Zählungen wurden 1986 noch 300 Tiere festgestellt, 1990 noch 200, im Jahre 1997 zählte man 23 Baijis und 1998 nur noch sieben.

Intensive Suchen nach dem Flussdelfin in den Jahren 2006 und 2007 zeigten keinen Erfolg. Allerdings gibt es hin und wieder Meldungen wie etwa im Shanghai Daily 2007, dass ein Baiji gesehen oder gar gefilmt wurde. Die Aufnahmen aus dem Jahr 2007 hätten aber eine solch schlechte Qualität, dass man nicht sagen könne, ob es sich um einen Baiji handele, so August Pfluger, Präsident der Baijii.org Foundation.

Auch 2016 wollen Amateur-Naturschützer einen Chinesischen Flussdelfin im Jangtsekiang in China gesehen haben, berichtet die United News International in ihrem Youtube-Kanal:

Trotz all dieser vermeintlichen Sichtungen konnte bisher niemand einen Beweis für die Existenz des Chinesischen Flussdelfins erbringen. Und selbst, wenn ein oder zwei Tiere überlebt hätten, würde dies nicht ausreichen, um den Erhalt der Art zu sichern. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet den Jangtse-Delfin bisher noch als „vom Aussterben bedroht“.

Mit dem Chinesischen Flussdelfin ist die erste Walart ausgestorben, seit Menschen auf der Erde leben. Der Baiji ist der einzige Vertreter der Gattung Lipotes. Er gehört zur Ordnung der Wale (Cetacea).

Die erste Beschreibung des Chinesischen Flussdelfins stammt noch aus der Han-Dynastie (206 vor Christus bis 220 nach Christus). Der Zoologe Gerrit Smith Miller beschrieb den Baiji dann erstmals 1918 wissenschaftlich.

Über die Lebensweise dieser Tiere ist nur wenig bekannt, denn aufgrund ihrer Seltenheit konnten Wissenschaftler sie kaum beobachten. In Gefangenschaft wurden lediglich zwei Tiere gehalten.

Chinesische Industrialisierung Schuld am Aussterben des Jangtse-Delfins

baiji größenvergleich mensch
Ein Chinesischer Flussdelfin konnte bis zu 240 Zentimeter lang und 160 Kilogramm schwer werden. (© Chris_huh)
Eine Untersuchung des Wassers aus dem Jangtsekiang im Jahr 2007 ergab überraschenderweise, dass der Fluss trotz der Einleitung von Schadstoffen eine bessere Wasserqualität habe als zuvor angenommen. Die Wissenschaftler erklären dies durch die Verdünnung, da der Jangtsekiang eine Vielzahl an Zubringerflüssen hat, so berichtet Die Welt im November 2007.

Doch bereits fünf Jahre später schreibt das Fachmagazin Science über die zunehmende Verschmutzung des Jangtsekiangs aufgrund der Industrialisierung. Dadurch gelten heute viele im Fluss endemische Arten als vom Aussterben bedroht. Dazu gehören beispielsweise der Jangtse-Stör (Acipenser dabryanus), der China-Alligator (Alligator sinensis) oder die Jangtse-Riesenweichschildkröte (Rafetus swinhoei), von der weltweit vermutlich noch drei Tiere existieren (Stand: 2016).

Kult-Autor Douglas Adams und Zoologe Mark Carwardine haben dem Baiji in ihrem Buch Die Letzten ihrer Art: Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde aus dem Jahr 1990 noch ein eigenes Kapitel gewidmet. Sie sind dem Chinesischen Flussdelfin noch begegnet.

Die Umweltverschmutzung durch Chemikalien und Lärm sorgte für den Rückgang der Delfin-Population. Denn zahlreiche Schiffe und Motorboote auf dem Jangtsekiang bewirkten, dass dem fast blinden Baiji die akustische Ortung nicht mehr möglich war. Aufgrund dessen kam es etwa zu Kollisionen mit Motorbooten. Zudem sind Chinesische Flussdelfine wegen ihrer verkümmerten Augen beim Beutefang auf die Echoortung angewiesen.

Baiji: Einst auch wegen des Fleisches und Öls bejagt

Zur Zeit der Frühindustrialisierung wurden die Delfine auch wegen ihres Öls und Fleisches gejagt. Außerdem stellte man aus den Tieren Leder her. Zudem bedienten sich viele lokale Fischer Fischereimethoden, die dem Baiji schadeten. Dazu gehörten zum Beispiel die Fischerei mit Dynamit und Strom, sich aufrollenden Haken oder Stellnetzen. Oft wurde der Chinesische Flussdelfin so zum Beifang, wenn auch unabsichtlich.

Weitere Ursachen für das Aussterben des Jangtse-Delfins waren der Futtermangel aufgrund von Überfischung (Baijis ernährten sich ausschließlich von Fischen) sowie das Blockieren der natürlichen Wanderrouten der Delfine durch den Bau von Staudämmen im Jangtsekiang.

Schon 1979 erkannte China den Chinesischen Flussdelfin als bedrohte Art an und die destruktiven Fischereimethoden wurden verboten. 1983 wurde sogar ein Jagdverbot erlassen. Allerdings änderte dies und das Einrichten von Schutzzonen nicht mehr viel an der Situation des Jangtse-Delfins. Das letzte Foto eines lebenden Baijis wurde 2002 geschossen.