Wiederentdeckt: Mikromotte Pachyrhabda citrinacma
Das in der Museumssammlung der National Taiwan University gefundene Exemplar der Mikromotte Pachyrhabda citrinacma. (© Photos from Shen, Su and Hsu (2024), doi: 10.11646/zootaxa.5446.2.11)

Taiwan: Verschwundene Mikromotte im Museum wiederentdeckt

Während des Projekts zur Neuorganisation des weitgehend unberührten Insektenarchivs der National Taiwan University stießen ein Professor und eine Gruppe von Studenten auf einen kleinen Falter, der 1935 gesammelt, konserviert und später in einer Schachtel vergessen wurde. Der Entomologe Zong-Yu Shen erkannte schnell die Bedeutung des Exemplars und identifizierte es als die Mikromotte Pachyrhabda citrinacma – eine Art, die seit 87 Jahren als verloren galt.

Im Jahr 1936 beschrieb der britische Insektenforscher Edward Meyrick die Mikromotte Pachyrhabda citrinacma, die ein Jahr zuvor auf der taiwanesischen Insel Formosa entdeckt wurde. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung war äußerst knapp und umfasste lediglich sieben Sätze. Kurz nach dieser Beschreibung gingen die beiden originalen Spezimen verloren. Dieser Verlust führte dazu, dass Wissenschaftler die Mikromottenart nicht weiter untersuchen oder identifizieren konnten, sodass sie bis zu ihrer Wiederentdeckung rätselhaft und unerforscht blieb.

Mikromotte Pachyrhabda citrinacma: Vom Museum ins Labor

Wiederentdeckung im Museum: Pachyrhabda citrinacma
Die Lebensstadien von Pachyrhabda citrinacma. (© Photos from Shen, Su and Hsu (2024), doi: 10.11646/ZOOTAXA.5446.2.11)

Das wiedergefundene Exemplar ermöglichte es den Forschern, die physischen Merkmale der Mikromotte Pachyrhabda citrinacma zu analysieren. Basierend auf einer kürzlich im Journal Zootaxa veröffentlichten Studie vermuteten sie, dass dieser Falter sich ähnlich wie seine Verwandten wahrscheinlich von Farnen ernährte. Diese Erkenntnis motivierte sie dazu, in der freien Natur nach den Larven zu suchen, die sich glücklicherweise relativ leicht finden ließen, da sie sich in charakteristischen ovalen Unterschlüpfen versteckten.

Die Forscher konnten nun die Larven unter kontrollierten Laborbedingungen aufziehen und das winzige Insekt eingehend untersuchen. Tatsächlich gelang es den Wissenschaftlern, die Larven bis zum Erwachsenenalter zu pflegen, wodurch sie in der Lage waren, den Lebenszyklus und das Verhalten der Art zu beobachten und zu dokumentieren.

Anhand von Fotografien dokumentierten die Forschenden die verschiedenen Lebensstadien und morphologischen Eigenschaften von Pachyrhabda citrinacma. Die ausgewachsenen Exemplare der Mikromotte zeichnen sich durch rosafarbene, federähnliche Flügel aus, die mit orangen-braunen Flecken verziert sind. Sie nehmen eine eigenartige Ruhehaltung ein, indem sie ihre Beine anheben und die auffälligen Büschel und Schuppen an ihren Hinterbeinen zur Schau stellen. Diese charakteristische Eigenschaft verlieh ihnen den umgangssprachlichen Namen „Hellbeinige Motte“ (Bright Leg Moth).

Die Suche nach den Originalspezimen geht weiter

Obwohl das in der Insektensammlung wiedergefundene Exemplar eine Fülle von Informationen geliefert und sogar zur Wiederentdeckung der Art in der freien Natur geführt hat, läuft die Suche nach den Originalspezimen weiter. Die Hoffnung besteht darin, dass diese Spezimen noch vorhanden sind und darauf warten, gefunden zu werden, um das Wissen über Pachyrhabda citrinacma zu erweitern. In der Zwischenzeit dient das alternative Museumsexemplar als Leitfaden für zukünftige Forschungen und ermöglicht Einblicke in eine Art, die einst als verloren betrachtet wurde.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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