Mesilau Kröte Ansonia guibei
Die rotbraune Mesilau-Köte zeichnet sich durch viele Warzen am Rücken aus. Männliche Tiere erreichen eine Länge von etwa drei Zentimetern, während die Weibchen mit 3,4 Zentimetern etwas größer werden. (© Photo from Evan Quah via Quah, Imbun and Yek (2024), doi: https://doi.org/10.11646/zootaxa.5447.2.6)

Nach Erdbeben: Forscher entdecken ausgestorben geglaubte Mesilau-Kröte in Malaysia

Als die kleine australische Insel Bramble Cay zunehmend im Meer versank, verschwand auch die dort heimische Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte. Und nachdem kurz hintereinander zwei Hurrikane die Hawaii-Inselkette verwüsteten, galt auch der Schuppenkehlmoho als endgültig ausgestorben. Ebenso wurde nach einem Erdbeben im Jahr 2015, das den höchsten Berg Malaysias, Kinabalu, erschütterte und massive, wiederkehrende Erdrutsche auslöste, angenommen, dass die Mesilau-Kröte (Ansonia guibei) für immer verloren sei.

Das durch das Erdbeben zerstörte Berggebiet in 1.600 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, gelegen im Einzugsbereich des Mesilau-Flusses im malaysischen Teil von Borneo, stellte den einzigen bekannten Lebensraum der vormals zahlreich vorhandenen Krötenart dar. Eine Suche nach der Mesilau-Kröte im Jahr 2017 erbrachte keine Lebenszeichen, woraufhin sogar die Weltnaturschutzunion IUCN die Möglichkeit eines Aussterbens der Amphibienart in Betracht zog.

Mesilau-Kröte beweist erstaunliche Resilienz

Mount Kinabalu - Heimat der Mesilau Stream Toad / Mesilau-Kröte / Ansonia guibei
Gunung Kinabalu ist mit 4.095 Metern Höhe der höchste Berg Malaysias. Er liegt im Bundesstaat Sabah im Norden Borneos.
Angah hfz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Ein Forscherteam unter der Leitung von Evan Quah, einem Herpetologen der Staatlichen Universität Malaysias, konnte nun entgegen früherer Annahmen die Existenz der Mesilau-Kröte bestätigen, wie eine kürzlich im Journal Zootaxa veröffentlichte Studie zeigt. Im Jahr 2023 entschied sich das Team, erneut und über mehrere Monate hinweg nach der Kröte zu suchen. Während einer ihrer Exkursionen durch den vom Erdbeben zerstörten Lebensraum entdeckten die Forscher nicht nur ein einzelnes, halberwachsenes, rötlich-braunes Exemplar, sondern auch mehrere Kaulquappen im Hauptfluss Mesilau und einem seiner Nebenflüsse. Diese wurden aufgrund ihrer Körper- und Kieferform als Nachkommen der Mesilau-Kröte identifiziert.

Obwohl die Forscher keine ausgewachsenen Kröten fanden, deutet der Fund der Kaulquappen darauf hin, dass die Art nicht nur die Naturkatastrophe überstanden hat, sie pflanzt sich auch erfolgreich fort. Ähnlich wie verwandte Krötenarten zeigt sich die Mesilau-Kröte als widerstandsfähig und anpassungsfähig.

Kröte weiterhin vom Aussterben bedroht

Die Autoren der Studie äußern die Hoffnung, dass sich auch die Populationen anderer Amphibien- und Reptilienarten, die durch das Erdbeben beeinträchtigt wurden, erholen könnten. Sie berichten, dass die Mesilau-Kröte wahrscheinlich einen drastischen Populationsrückgang von bis zu 80 oder 90 Prozent infolge des Erdbebens und der anschließenden Erdrutsche im Jahr 2015 erlebt hat. Trotz ihrer jüngsten Wiederentdeckung bleibt die Art Ansonia guibei daher weiterhin als vom Aussterben bedroht eingestuft. Ihr Lebensraum hat sich bis heute nicht vollständig regeneriert; insbesondere während der Regenzeit treten noch häufig Erdrutsche auf. Diese Erdrutsche verschlechtern die Wasserqualität in den Gewässern, in denen die Kröten brüten, durch mitgeführtes Wasser und Sedimente.

Die Froschart stehe immer noch vielen Bedrohungen gegenüber, einschließlich eines stark begrenzten Verbreitungsgebietes und der Beschränkung auf das Einzugsgebiet des Mesilau-Flusses am Mount Kinabalu, wodurch sie erheblichen Umweltveränderungen ausgeliefert ist. Zudem ist die Mesilau-Kröte, ähnlich wie andere Gebirgs-Endemiten, durch den Klimawandel bedroht. Als Bewohnerin kühler und feuchter Hochlandregionen ist sie den Auswirkungen der globalen Erwärmung besonders ausgesetzt. Zusätzlich könnte sie durch die Entwicklung von Infrastruktur für den Tourismus bedroht sein.

Die Wissenschaftler der Studie betonen, dass die Forschungsarbeiten an der Kröte fortgesetzt werden. Ziel ist es, umfassendere ökologische Daten über die Art seit dem Erdbeben vor neun Jahren zu erheben und die aktuelle Verbreitung der Kröte genau zu kartieren. Mit diesen gesammelten Daten wird ein detaillierter Erhaltungsplan entwickelt, der das langfristige Überleben der Mesilau-Kröte sicherstellen soll.

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