RNA vom Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) gewonnen
Forscher haben genetisches Material aus einem 130 Jahre alten Exemplar des Beutelwolfs aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Stockholm entnommen. Musée d'Histoire Naturelle de Lille, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Stockholm: RNA vom ausgestorbenen Beutelwolf gewonnen

Wie aus einer im Fachjournal Genome Research veröffentlichten Studie hervorgeht, ist es Wissenschaftlern erstmals gelungen, RNA-Moleküle aus Gewebe eines längst verstorbenen Organismus zu extrahieren. Das Besondere daran: Bislang nahm man an, dass RNA innerhalb weniger Tage zerfällt, sofern sie nicht kühl gelagert und vor enzymatischem Abbau geschützt wird.

Dem Forschungsteam um den Paläogenetiker Emilio Mármol-Sánchez von der Universität Stockholm ist es gelungen, von einem Beutelwolf, der seit 1891 im Schwedischen Naturhistorischen Museum in Stockholm bei Raumtemperatur aufbewahrt wird, historische RNA aus Muskel- und Hautgewebe zu extrahieren, sequenzieren und analysieren.

Dies ist nicht nur das erste Mal, dass RNA von einem verstorbenen Organismus gewonnen werden konnte, sondern auch von einer ausgestorbenen Tierart. Die Forschungsergebnisse stellen den ersten erfolgreichen Versuch dar, transkriptionelle Profile von einer ausgestorbenen Tierart zu erhalten und bieten Informationen zur Genexpression, von denen man dachte, dass sie verloren gegangen sind. Auf diese Weise ist es zum Beispiel möglich, Informationen zum Stoffwechsel und zur Zellbiologie des Beutelwolfs kurz vor seiner Ausrottung zu erhalten. Weiterhin zeigt die Studie, dass Museumsstücke für die Forschung noch heute interessant sind.

In der Vergangenheit gab es des Öfteren Ambitionen, den ausgestorbenen Beutelwolf wieder zum Leben zu erwecken, allerdings ist für solch ein Vorhaben nicht nur die DNA, der Träger des genetischen Codes des Erbguts, sondern auch die RNA, nötig, denn diese transportiert und übersetzt in der DNA gespeicherte Informationen. Die Studie hatte zwar nicht die Wiederbelebung ausgestorbener Tierarten zum Ziel, dennoch können die neuen Erkenntnisse Fortschritte in diesem Bereich ermöglichen.

Der Beutelwolf oder Tasmanische Tiger war einst in ganz Australien verbreitet, später kam er nur noch in Tasmanien vor. Da er als Schafskiller galt, wurde er intensiv bejagt, aber auch Krankheiten, Inzucht und die Zerstörung seines Lebensraums trugen zum Verschwinden des Beuteltieres bei. Der letzte Beutelwolf starb 1936 im Zoo von Hobart.

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