Nördliches Sumatra-Nashorn Begum London Zoo
Ein um 1890 aufgenommenes Foto eines weiblichen Nördlichen Sumatra-Nashorns namens Begum im Londoner Zoo. Anhand dieses Exemplars erfolgte 1872 die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Spezies. Der Holotypus lebte vom 15. Februar 1872 bis zum 31. August 1900 im Zoo von London. Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons)

Nördliches Sumatra-Nashorn

Wie das Sumatra-Nashorn nach London kam

Im Februar 1868 nahmen einige Dorfbewohner ein weibliches Sumatra-Nashorn am Sangu River nahe den Chittagong Hill Tracts, eine bergige Region im Südosten von Bangladesh, gefangen – solch eine Art war nie zuvor soweit im Westen von Chittagong gemeldet worden. Das Nashorn gelangte zu einem gewissen F. H. Hood, der es einige Jahre später an den führenden Londoner Tierhändler Carl Jamrach verkaufte.1 Dieser transportierte das Tier nach Kalkutta, damit es dort vom schottischen Zoologen und Kurator des Indian Museum John Anderson untersucht werden konnte:

„Das Weibchen, das Gegenstand meiner Untersuchung ist, ist etwa 4 Fuß 6 Zoll [137 cm] hoch an den Schultern und etwa 8 Fuß [244 cm] von der Schnauze bis zur Schwanzwurzel; es wiegt fast 2000 Pfund [907 kg]. (…) Ein besonders auffälliges Merkmal dieses Individuums, das ich weder in drei erwachsenen Exemplaren dieser Art aus Burma gesehen habe, die ich untersucht habe, noch in irgendeiner Beschreibung der Art erwähnt gesehen habe, ist das lange herabhängende Haar an den Rändern der Ohren. Bei erwachsenen Männchen und Weibchen sind die Ränder der Ohren mit kräftigen (…) schwarzen Haaren besetzt (…) fast einen Zoll [2,5 cm] oder leicht länger. Aber bei diesem Individuum sind diese Haare fast fünf Zoll [12,7 cm] lang (…).“

Notes on Rhinoceros sumatrensis, Cuvier. Proceedings of the Zoological Society of London, 1872, S. 129-132, J. Anderson

Anschließend brachte Anderson das Tier nach London, wo es am 6. Februar 1872 eintraf. Die Zoological Society of London erwarb das Nashorn knapp eine Woche später für 1.250 Pfund von Jamrach für den Londoner Zoo. Es war das erste Sumatra-Nashorn in einem britischen Zoo und das zweite in Gefangenschaft; das erste befand sich seit dem 18. Januar 1872 im Hamburger Zoo. Das Sumatra-Nashorn im Londoner Zoo, das „Chittagong-Nashorn“, erhielt den Namen Begum.

Am 2. August 1872 kaufte die Zoological Society of London von Jamrach für 600 Pfund ein zweites Sumatra-Nashorn, das im malaysischen Bundesstaat Negeri Sembilan gefangen wurde. Das Tier, ein altes Weibchen, starb keine zwei Monate später am 21. September und seine Überreste wurden ins Natural History Museum in London gebracht.

Nördliches Sumatra-Nashorn – Steckbrief
alternative BezeichnungenNördliches Sumatranashorn, Chittagong-Nashorn, Rauohr-Nashorn, Rauohr-Sumatra-Nashorn, Rauohr-Sumatranashorn, Kyan, Kyan-shaw, Badak
wissenschaftliche NamenDicerorhinus sumatrensis lasiotis, Rhinoceros lasiotis, Ceratorhinus lasiotis
englische NamenNorthern Sumatran Rhinoceros, Northern Hairy Rhinoceros, Hairy-eared Sumatran Rhinoceros, Ear-fringed Rhinoceros, Chittagong Rhinoceros
ursprüngliches VerbreitungsgebietIndochina, Bangladesh, Buthan, Indien, Myanmar, Innere Mongolei (China)
Zeitpunkt des Aussterbensunklar, möglicherweise nach 1967
Ursachen für das AussterbenWilderei, Lebensraumverlust

Aus einem Sumatra-Nashorn wurden zwei

Nördliches Sumatra-Nashorn
Im Gegensatz zu anderen asiatischen Nashörnern besitzen Sumatra-Nashörner zwei Hörner aus Keratin. Das vordere Horn wird durchschnittlich 25 Zentimeter lang, das hintere bildet nur eine leichte Erhöhung. Die Zeichnung zeigt das ausgestorbene Nördliche Sumatra-Nashorn. (© Brehms Tierleben, Small Edition 1927, Public Domain, via Wikimedia Commons)

Philip Lutley Sclater, der Sekretär der Zoological Society, identifizierte das „Chittagong-Nashorn“ zunächst als Sumatra-Nashorn Rhinoceros sumatrensis2, was nicht weiter verwunderlich ist, schließlich war es zu diesem Zeitpunkt die einzige bisher beschriebene Art in dieser Gruppe. Doch kurz nach der Ankunft des alten Nashorns aus Malaysia im Londoner Zoo verglich Sclater die beiden Tiere und entschied, dass das malaysische Exemplar ein typisches Sumatra-Nashorn R. sumatrensis sei, während das Chittagong-Exemplar anders sei und einer neuen Art angehören sollte.

Sclater erkannte zwei unterschiedliche Arten von Nashörnern mit zwei Hörnern: R. sumatrensis von Sumatra und der Malaiischen Halbinsel und die neue Art R. lasiotis mit „mit langen Haaren, die die Ohren säumen“ aus Chittagong, repräsentiert durch Begum im Londoner Zoo.3 Andere in Asien heimische Nashörner besitzen nur ein Horn, wie zum Beispiel das Java-Nashorn (R. sondaicus) oder das Panzernashorn (R. unicornis). Neben den Ohrbüscheln machte Sclater noch weitere Unterschiede zwischen den Nashörnern aus. So sei das Chittagong-Exemplar sehr viel größer und auch in Körperfarbe würden Unterschiede vorhanden sein.

In The great and small game of India, Burma, & Tibet von 1900 beschreibt der englische Naturforscher Richard Lydekker das Nördliche Sumatra-Nashorn folgendermaßen:

„Im Vergleich zum typischen Sumatra-Nashorn (…) war ein Exemplar aus Chittagong (…) durch seine überlegenen Abmessungen, seinem helleren und braunen Haar, den kürzeren und dichter behaarten Schwanz, den stark ausgebildeten Haaren an den Ohrenrändern (…) zu unterscheiden. Auch der Schädel war proportional größer, aber dies scheint trotz gegenteiliger Behauptungen ein eher unwichtiges Merkmal zu sein.“

The great and small game of India, Burma, & Tibet, R. Lydekker, 1900
Vergleich verschiedener Nashörner von Sclater 1876
Eine Illustration von Sclater, die einen der Unterschiede zwischen dem Chittagong-Nashorn oder Nördlichen Sumatra-Nashorn (links) und dem eigentlichen Sumatra-Nashorn (rechts) zeigt. Das Nördliche Sumatra-Nashorn besitzt „lange herabhängende Haare an den Ohrenrändern“.
Sclater, Public domain, via Wikimedia Commons)

Wahrscheinlich hat Sclater seine Entdeckung einer neuen Art später mit dem berüchtigten englischen Zoologen Frank Buckland besprochen, der zu jener Zeit Leiter des Londoner Zoos im Regent’s Park war. Buckland, der seine eigene Zeitschrift namens Land and Water herausgab, schrieb in der Ausgabe vom 10. August 1872, dass das Chittagong-Nashorn als neue Art zu betrachten sei und „von Dr. Sclater Rhinoceros lasiotis oder das Rauohr-Nashorn genannt wurde“.4 Von da an war das Nördliche Sumatra-Nashorn als Rhinoceros lasiotis Buckland, 1872 bekannt und Buckland gilt als Erstbeschreiber der Spezies.

Nun gab es also zwei Arten von Sumatra-Nashörnern und das stellten die meisten Autoren zu jener Zeit auch nicht infrage. Einige zweifelten diese Klassifizierung zwar an, konnten aber in Ermangelung an Untersuchungsmaterial auch nicht beweisen, dass es sich um ein- und dieselbe Art handelt, denn das einzig bekannte Exemplar des Nördlichen Sumatra-Nashorns lebte ja noch im Londoner Zoo. Das änderte sich im August 1900: Das Nördliche Sumatra-Nashorn aus Chittagong verstarb im Zoologischen Garten nach knapp 33 Jahren in Gefangenschaft. Seine Überreste wurden ebenfalls ins Natural History Museum gebracht, wo der britische Zoologe Oldfield Thomas, der Kurator der Säugetiersammlung, sie untersuchte.

Thomas stellte fest, dass die von Sclater genannten äußeren Merkmale, die das Chittagong- vom eigentlichen Sumatra-Nashorn unterscheiden, verschwunden waren: Die Ohrbüschel waren keine 2 Zoll lang und in der Farbe ähnelte das Nördliche Sumatra-Nashorn dem eigentlichen Sumatra-Nashorn. Die Vermessungen des Schädels ergaben aber, dass dieser sehr groß war. Daher betrachtete Thomas „R. lasiotis als eine vertretbare nördliche Unterart von R. sumatrensis, hauptsächlich durch ihre größere Größe gekennzeichnet“5. Das Fehlen der langen Ohrbüschel ist nicht auf eine Übertreibung seitens Sclaters zurückzuführen, sondern auf eine natürliche altersbedingte Veränderung. Immerhin lebte Begum mehr als 30 Jahre im Londoner Zoo und heute weiß man, dass Sumatra-Nashörner bis zu 35 Jahre alt werden können.

Zur Neustrukturierung der Familie der Nashörner

Nach dem Jahrhundertwechsel passierte erst einmal nicht viel in Bezug auf die Taxonomie der Sumatra-Nashörner. Erst wieder in den 1960er-Jahren entwickelte der britisch-australische Biologe Colin P. Groves neues Interesse an der Familie der Nashörner (Rhinocerotidae). Er begann, alle verfügbare Museumsexemplare aus Europa und den Vereinigten Staaten zu studieren und ältere Daten und Publikationen unter dem Eindruck seiner Erkenntnisse neu zu bewerten. Er vermaß sämtliche Schädel und kam zu dem Schluss, dass vom Sumatra-Nashorn vier Unterarten existieren. Groves und der Biologe Fred Kurt veröffentlichen 1972 im Journal Mammalian Species eine neue Taxonomie der Nashörner unter dem Titel Dicerorhinus sumatrensis:

  • Westliches Sumatra-Nashorn Dicerorhinus sumatrensis sumatrensis aus Sumatra, der Malaiischen Halbinsel und Südost-Thailand
  • Nördliches Sumatra-Nashorn Dicerorhinus sumatrensis lasiotis aus dem Nordosten von Indien, Bangladesh und dem Norden von Myanmar (Burma)
  • Östliches Sumatra-Nashorn oder Borneo-Nashorn Dicerorhinus sumatrensis harrissoni von Borneo
  • Dicerorhinus sumatrensis eugenei aus der Padang-Höhle auf Sumatra

Wie viele Sumatra-Nashörner gibt es noch?

Jackson Nördliches-Sumatra-Nashorn im Londoner Zoo
Jackson war das zweite Nördliche Sumatra-Nashorn im Londoner Zoo. Er kam im Austausch am 27. April 1886 vom Zoo Kalkutta und verstarb am 22. November 1910. Erst 1986 gelangte wieder ein Nördliches Sumatra-Nashorn in das Vereinigte Königreich. Laut J. Edwards zeigt das Foto Begum. (© Perhaps Lewis Medland, Public domain, via Wikimedia Commons)

Mit der Veröffentlichung von Groves und Kurt wurde das Sumatra-Nashorn aus dem Londoner Zoo offiziell zu einer von vier Unterarten des Sumatra-Nashorns. Dicerorhinus sumatrensis eugenei besaß besonders große Zähne und ist bereits im frühen Holozän ausgestorben. Vom Westlichen Sumatra-Nashorn gibt es laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN nur noch 75 bis 85 Tiere (Stand: 2020); ein Jungtier wurde im November 2023 im indonesischen Nationalpark Way Kambas im Osten der Insel Sumatra geboren. Das kleinere Östliche Sumatra-Nashorn, das einst auf ganz Borneo verbreitet war, galt mit nur einem weiblichen Exemplar schon als funktional ausgestorben, bis 2016 weitere Tiere auftauchten. Die Sumatra-Nashorn-Anzahl wird in Borneo auf 15 Individuen geschätzt, so eine im März 2016 veröffentlichte News im Online-Magazin Mongabay.

Bei den anderen asiatischen Nashörnern mit nur einem Horn sieht es auch nicht viel besser aus: Von der Nominatform des Java-Nashorns (Rhinoceros sondaicus sondaicus) gibt es der IUCN zufolge noch 68 Exemplare; die Unterart Bengalisches Java-Nashorn (R. s. inermis) sowie auch die Unterart Vietnamesisches Nashorn sind inzwischen wohl ausgestorben. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es vom Panzernashorn keine 200 Exemplare mehr, sodass sie bereits fast ausgestorben waren. Der Bestand konnte sich jedoch erholen und liegt Stand August 2018 bei mehr als 3.500 Individuen, so die IUCN. In der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation wird die Art allerdings nach wie vor als gefährdet geführt.

Wann das Nördliche Sumatra-Nashorn verschwand

sumatra-nashorn verbreitungsgebiet
Historisches und aktuelles Verbreitungsgebiet (rot) der Sumatra-Nashörner. (© JayHenryderivative works : Augusta 89, CC0, via Wikimedia Commons)

Beim Nördlichen Sumatra-Nashorn handelte es sich um die einst am weitesten verbreitete Unterart des Sumatra-Nashorns und auch um die einzige Unterart, die auf dem Festland Asiens endemisch war. Sein Lebensraum erstreckte sich von Indochina über den Osten Indiens, die östlichen Himalaya-Gebiete von Bhutan und Bangladesch bis zum Inneren der Mongolei im Norden Chinas. Auf dem indischen Subkontinent kam das Sumatra-Nashorn im 19. Jahrhundert in Teilen der indischen Bundesstaaten Assam, Nagaland, Manipur, Tripura und Mizoram, im Norden der geografischen Region Bengalen, in Buthan sowie in Kumilla und den Chittagong Hill Tracts in Bangladesh vor.

Der letzte Nachweise vom Subkontinent Indien stammt aus dem Jahr 1967, als ein Sumatra-Nashorn in der Nähe der Stadt Cox’s Basar in der Chittagong-Region in Bangladesh getötet wurde. Weiterhin sichteten Einheimische ein Nashorn im Sonai Reserved Forest im Distrikt Cachar im Süden Assams, wobei es sich wahrscheinlich um ein Sumatra-Nashorn handelte, denn bis 1890 war diese Art gelegentlich in den Wäldern der Distrikte Hailakandi und Cachar im Bundesstaat Assam anzutreffen.

Nördliches Sumatra-Nashorn – ausgestorben oder nicht?

In The status of the Sumatran Rhinoceros in north-eastern India (1997) liefert der indische Zoologe Anwaruddin Choudhury mögliche Beweise dafür, dass das Nördliche Sumatra-Nashorn noch existiert. Anwaruddin durchreiste ab Januar 1996 mehrere indische Bundesstaaten und angrenzende Gebiete in Myanmar, um die Möglichkeit des Vorkommens von Sumatra-Nashörnern zu bewerten. So fand er tatsächlich im indischen Bundesstaat Nagaland Hinweise auf die Existenz des Nördlichen Sumatra-Nashorns:

„Im Juni 1996 besuchte ich Nagaland (…), um zu bestimmen, ob Nashörner vorhanden sind, und um nach anderen Arten von Wildtieren zu suchen. Ich verwendete eine Illustration des indischen einhornigen Nashorns Rhinoceros unicornis, als ich lokale Menschen nach Sichtungen befragte, aber sie erklärten mir, dass das Tier, das gelegentlich in ihrer Gegend vorkommt, anders ist, es ist behaart und hat zwei kleine Hörner.“

The status of the Sumatran Rhinoceros in north-eastern India, Oryx Volume 31, Issue 2, April 1997, S. 151-152, A. Choudhury

Auch für den ebenfalls im Osten Indiens liegenden Bundesstaat Manipur stellt Choudhury fest, dass es gelegentlich Meldungen über Sumatra-Nashörner aus dem Anko-Gebiet des Distrikts Ukhrul gibt. In den 1970er-Jahren sei ein Nashorn vom Stamm der Tangkhul-Naga, der in der Gegend von Ukhrul ansässig ist, nordöstlich von Ukhrul erschossen worden. Und aus Berichten von Dorfbewohnern aus der Konkan-Region in Indien gehe hervor, dass diese bis in die frühen 1990er-Jahre auf einzelne Nashörner trafen.

Rhinoceros lasiotis
Zwischen 1700 und 1880 entstandene Illustration des Nördlichen Sumatra-Nashorns Rhinoceros lasiotis. Das Artepitheton lasiotis leitet sich vom Griechischen für „haarige Ohren“ ab, da das Nördliche Sumatra-Nashorn längeres Fell an den Ohren besaß als andere Sumatra-Nashörner. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Das Nördliche Sumatra-Nashorn wurde in den 1920er-Jahren in Indien, Bangladesch, China und anderen Ländern für ausgestorben erklärt; im Nordosten Indiens erneut 1997. Dennoch behaupten neben Choudhury noch einige andere Autoren, dass die Unterart in manchen Gebieten noch vorkommt, so etwa im Tamanthi Wildlife Sanctuary im Norden von Myanmar oder in der Saramanti-Region nahe der Grenze zwischen Indien und Myanmar. Die vermeintlichen Sichtungen erfolgten zwischen 1971 und 1993. Nichtdestotrotz wurde das Nördliche Sumatra-Nashorn in Myanmar in den 1980er-Jahren für ausgestorben erklärt.

Diverse unbestätigte Berichte deuten darauf hin, dass eine kleine Population von Nördlichen Sumatra-Nashörnern in Myanmar überlebt haben könnte. Aufgrund der politischen Situation im Land war es bislang aber nicht möglich, dies zu bestätigen oder zu widerlegen. Eine These ist auch, dass Nördliche Sumatra-Nashörner immer noch im Taman Negara Nationalpark auf der Malaiischen Halbinsel leben, wofür es bislang ebenfalls keine Beweise gibt. Choudhury äußerte sich im November 2019 in einem Interview mit DownToEarth zuversichtlich hinsichtlich des Überlebens der Unterart Nördliches Sumatra-Nashorn: „Angesichts der großen Waldgebiete in Myanmar und der Tatsache, dass dort bislang nur sehr wenige Experten zugegen waren, könnte es eine Chance geben“.

Die Internationale Naturschutzunion IUCN gibt an, dass der Populationsstatus der nördlichen Unterart unbekannt ist, räumt jedoch ein, dass es möglich ist, dass eine geringe Anzahl von Individuen in Myanmar überlebt hat.

Warum ist das Nördliche Sumatra-Nashorn ausgestorben?

Groves und Kurt fassen die Bedrohungen, denen das Nördliche Sumatra-Nashorn (und alle anderen asiatischen Nashornarten) ausgesetzt war, 1872 folgendermaßen zusammen:

„Der Mensch ist der einzige bekannte Jäger, obwohl zweifellos die Jungtiere Opfer großer Raubtiere werden können. Sie werden von Zecken und Bremsen der Gattung Tabanus angegriffen.“

Dicerorhinus sumatrensis, Mammalian Species No. 21, The American Society of Mammlogists, 1872, C.P. Groves & F. Kurt

Als die größten Bedrohungen gelten für existierende Sumatra-Nashörner und auch für das wahrscheinlich ausgestorbene Nördliche Sumatra-Nashorn die illegale Wilderei und die Zerstörung seines Lebensraums durch die Zunahme menschlicher Siedlungen aufgrund der wirtschaftlichen Expansion.

Auch heute noch werden in weiten Teilen Asiens bedrohte Wildtiere wie Nashörner illegal gejagt, in Gefangenschaft gehalten und getötet, um ihre Teile auf dem Schwarzmarkt als traditionelle Heilmittel mit medizinischer Wunderwirkung zu verkaufen. Die Nachfrage nach solchen Heilmitteln kommt vor allem aus China und Vietnam. Der US-amerikanische Autor Robert Silverberg führt das Thema in The Auk, the Dodo and the Oryx (1967) genauer aus:

„Der Mensch als Jäger hatte wenig Interesse daran, Nashörner zu essen, aber der Mensch als Heiler fand angebliche medizinische Verwendungsmöglichkeiten für sie. Chinesische Ärzte begannen, pulverisierte Hörner von Nashörnern als Zutaten in Medikamenten zu verwenden, von denen angenommen wurde, dass sie Epilepsie, Magenleiden und dutzende andere Krankheiten heilen könnten. Ein Becher aus dem Horn eines Nashorns sollte angeblich jedes Gift unschädlich machen. Als diese Aberglauben Fuß fassten, stieg die Nachfrage nach Nashorn-Horn enorm an. Chinesische Apotheker waren bereit, hohe Preise für die Hörner zu zahlen, solange ihre Patienten noch höhere Preise für die von ihnen hergestellten Medikamente zahlten. In ganz Asien wurden Nashörner gnadenlos gejagt.

The Auk, the Dodo and the Oryx, 1967, R. Silverberg

Historischen Quellen zufolge reicht der Handel mit Nashornhörnern mehr als 2.000 Jahre zurück. Dies hat zweifellos dazu geführt, dass die Sumatra-Nashörner auf einen winzigen Prozentsatz ihrer früheren Populationsgröße und ihres einstigen Verbreitungsgebiets reduziert wurden, wenn nicht sogar ausgestorben sind.

  1. Edwards, J., London Zoo from Old Photographs: 1852-1014, 1996. ↩︎
  2. Sclater, P.L., Announcement of the addition to the Society’s collection of a female Sumatran rhinoceros, in: Proceedings of the Zoological Society of London (1872), S. 185. ↩︎
  3. Sclater, P.L., On a new rhinoceros, with remarks on the recent species of this genus and their distribution, in: Report of the British Association for the Advancement of Science 42/Nr. 3 (1873), S. 140. ↩︎
  4. Buckland, F., A new rhinoceros at the Zoological Gardens, in: Land and Water, August 10 (1872), S. 89. ↩︎
  5. Thomas, O., Notes on the type specimen of Rhinoceros lasiotis Sclater; with remarks on the generic position of the living species of rhinoceros, in: Proceedings of the Zoological Society of London 2 (1901), S. 154-158. ↩︎
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