Sennin tanikawai sp. nov.
Männliches Exemplar der von Suzuki, Serita und Hiramatsu 2022 beschriebenen Zwergradnetzspinnenart Sennin tanikawai. Vom Aussehen unterscheidet sich die Art von allen anderen Zwergradnetzspinnen, weshalb die Autoren der Studie die Gattung Sennin vorschlagen. (© Suzuki Y, Hiramatsu T, Tatsuta H (2022) . ZooKeys 1109: 67-101.)

Neuentdeckungen: Fünf neue Spinnenarten aus China und Japan

Zwei zuletzt im zoologischen Journal ZooKeys veröffentlichte Studien zu fünf neuen Spinnenarten verdeutlichen, wie groß die Artenvielfalt an Spinnen in China und Südostasien ist.

Drei neue Arten: Plattbauchspinnen aus der chinesischen Jiangxi-Provinz

Knapp 5.700 Spinnen-Spezies aus 69 Familien sind aus China bekannt. Nun entdeckten Wissenschaftler der Jinggangshan-Universität in der Stadt Ji’an drei weitere Arten von Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) in der Jiangxi-Provinz. Diese beschrieben der Arachnologe Liu Keke und sein Team in einem im Juni 2022 veröffentlichten Artikel im Journal ZooKeys: Haplodrassus yinae, Hitobia xiaoxi und Zelotes dingnan. Die häufig nachtaktiven Plattbauchspinnen sind weltweit verbreitet und mehr als 50 der 1.500 Arten kommen auch in Mitteleuropa vor. Sie legen keine Fangnetze an, sondern jagen ihre Beute freilaufend als Hetzjäger.

Haplodrassus yinae, benannt zu Ehren der Biologin Chang-Min Yin, wurde schon früher in der Jiangxi-Provinz entdeckt, aber fälschlicherweise für eine andere Art derselben Gattung, H. montanus, gehalten. Haplodrassus-Plattbauchspinnen sind mit einer Körperlänge von drei bis zehn Millimetern relativ klein. Für die Gattung sind derzeit 80 Spezies beschrieben, die weltweit vorkommen. Die zweite beschriebene Spezies Hitobia xiaoxi gehört neben 21 weiteren Arten einer Gattung von Plattbauchspinnen an, die ausschließlich in Asien leben. Die dritte Art, Zelotes dingnan, gehört zur artenreichen Gattung der Schwarzspinnen (Zelotes), die ebenfalls fast überall auf der Welt anzutreffen sind. Die Spinnen sind klein oder mittelgroß und fast alle dunkelbraun bis schwarz gefärbt.

Zelotes dingnan sp. nov.
Die zur Gattung der Schwarzspinnen gehörende Spezies Zelotes dingnan hat Liu Keke 2022 erstmals wissenschaftlich beschrieben. (© Liu K-K, Yan J, Xiao Q-x, Luo C, Xiao Y-h, Fomichev AA (2022) Ground spiders (Araneae, Gnaphosidae) from Jiangxi Province, China. ZooKeys 1108: 189-207.)

Der Südwesten Chinas mit dem Himalaya- und dem Hengduan-Gebirge sowie dem Yunnan-Guizhou-Plateau gilt als ein Hotspot für Biodiversität und Zentrum der Artbildung für diverse Spinnengruppen. Man habe in den letzten 15 Jahren dort viele neue Arten von Spinnen entdeckt. Den nicht als Hotspots geltenden Gebieten wie etwa der Jiangxi-Provinz wurde daher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so Keke. Allerdings seien gerade dort in jüngster Zeit viele Spezies entdeckt worden, etwa aus der Familie der Trichterspinnen (Agelenidae), der Kräuselspinnen (Dictynidae), der Zwergsechsaugenspinnen (Oonopidae) oder der Ameisensackspinnen (Phrurolithidae). Und nun eben auch Plattbauchspinnen.

Da derart viele Spinnenarten aus unterschiedlichen Familien in der bergigen Jiangxi-Provinz gefunden wurden, schlussfolgert Keke, dass insbesondere Berglandschaften während der Eiszeit Zufluchtsorte für Spinnen sind. Dass Chinas Biodiversität so reich ist, hänge mit der tektonischen Entwicklung zusammen, die die Umwelt und Landformen Eurasiens stark veränderte und so die Biodiversität vorangetrieben hat.

Ryūkyū-Inseln: Zwei neue Zwergradnetzspinnen-Spezies

Die im Südwesten von Japan liegenden aus rund 100 kontinentalen Inseln bestehende Ryūkyū-Inselkette ist geologisch durch mehrere Landbrückenverbindungen mit dem chinesischen Kontinent entstanden. Die Fauna der Ryūkyū-Inseln besteht demzufolge aus vielen endemischen Arten, die von anderen kontinentalen Arten abstammen. Die drei japanischen Wissenschaftler Yuya Suzuki, Takehisa Hiramatsu und Haruki Tatsuta entdeckten bei einer zwischen 2020 und 2022 durchgeführten Untersuchung auf den Ryūkyū-Inseln nun weitere bislang unbekannte Arten. Im Juli dieses Jahres veröffentlichten sie die Erstbeschreibung zu zwei neuen Spezies von Zwergradnetzspinnen (Theridiosomatidae): Theridiosoma nigrivirgatum und Sennin tanikawai.

Die neue Spezies Theridiosoma nigrivirgatum gehört derselben Gattung wie die Zwergkreuzspinne (T. gemmosum) an, der einzigen hierzulande vorkommenden Art aus der Familie der Zwergradnetzspinnen. Ihr lateinisches Artepitheton rührt von dem schwarz gesteiften Muster auf ihrem Hinterleib. Sie besiedelt Waldböden von Sekundärwäldern, Büsche und Grasland.

Die zweite in Höhlen auf der Insel Irimote entdeckte Art weist einzigartige Merkmale auf, die sich von denen anderer Zwergradnetzspinnen unterscheiden, weshalb das Forscherteam die Etablierung der neuen Gattung Sennin vorschlägt. Die japanischen Wissenschaftler konnten Sennin tanikawai nur im Eingang und Inneren von Kalksteinhöhlen und Spalten von Kalksteinfelswänden nachweisen. Die allgemeine Morphologie (etwa der pigmentierte Körper oder die acht entwickelten Augen) sowie der Lebensraum der Spinnenart legen nahe, dass die Art aber eher troglophil als vollständig troglobiont ist. Das heißt, Sennin tanikawai lebt zwar regelmäßig in Höhlen, kommt aber auch dauerhaft in oberirdischen Lebensräumen vor.

Die Familie der Zwergradnetzspinnen besteht aus kleinen Spinnen mit einer Körperlänge von 0,5 bis drei Zentimetern, die sich gerne in feuchten Umgebungen wie Waldböden, an Gebirgsbächen oder in Höhlen aufhalten. Sie unterscheiden sich von anderen Arten durch ihre kegelförmigen Netzkonstruktionen, die aber je nach Gattung unterschiedlich gestaltet sein können. Von den derzeit bekannten 19 Gattungen und 133 Zwergradnetzspinnen-Spezies leben die meisten in subtropischen und tropischen Regionen der Erde; viele neue Arten entdeckten Wissenschaftler zuletzt in China und Südostasien.

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