Gouldsmaragdkolibri

gouldsmaragdkolibri
Ausschnitt aus John Goulds Tafel zum Gouldsmaragdkolibri, die er 1861 als Teil seiner Kolibritafeln in A Monograph of the Trochilidae, or Family of Humming-Birds Vol. 5 veröffentlichte. (© John Gould, Public domain, via Wikimedia Commons)
Gouldsmaragdkolibri – Steckbrief
lateinische Namen Chlorostilbon elegans, Riccordia elegans, Chlorostilbon bracei elegans, Erythronota elegans, Amazilia elegans
englische Namen Gould’s Emerald, Elegant Emerald, Caribbean Emerald, Brace’s Emerald (Carribean)
ursprüngliches Verbreitungsgebiet vermutlich Jamaika, Bahamas (Karibik)
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1860
Ursachen für das Aussterben unklar (möglicherweise Lebensraumverlust, eingeschleppte Tiere, Aussterben der bevorzugten Futterpflanze)

Gouldsmaragdkolibri: Ein sehr eleganter Vogel

Der britische Vogelkundler John Gould, der vor allem für seine Tiermalerei bekannt war, beschrieb den Gouldsmaragdkolibri 1860 als Erythronota elegans anhand eines Exemplars wissenschaftlich. Woher das Typusexemplar stammte und wer es gesammelt hatte, wusste Gould nicht. Bis zum heutigen Tag weiß das niemand und es ist bei diesem einzigen Exemplar geblieben. Der Vogel befindet sich jetzt im Walter Rothschild Zoological Museum in Tring, 50 Kilometer nordwestlich von London.

In An Introduction to the Trochilidae: Or Family of Hummingbirds (1861) beschreibt Gould den Gouldsmaragdkolibri so: „Es handelt sich um eine sehr elegante Art, die sich stark von allen anderen bekannten Kolibris unterscheidet. Mit ihrer hellgrünen, glitzernden Haube, Kehle und Brust sieht sie aus wie ein Smaragdkolibri.“

Gould merkt auch an, der Schwanz des Vogels, sein wohl charakteristischstes Merkmal, habe eine besondere Form: Dieser ist dunkelviolett und stark gegabelt. Der Schnabel des Gouldsmaragdkolibris ist gerade und mit 19 Millimetern mittellang.

Goulds Smaragdkolibri galt lange als keine valide Art

Lange Zeit war überhaupt nicht sicher, ob es sich bei dem von Gould beschriebenen Vogel überhaupt um eine valide Art handelt. Über die Jahre ordneten verschiedene Biologen die Vogelart in unterschiedliche Gattungen ein, betrachteten sie als eine Unterart oder verfolgten die Hypothese, es handele sich um eine Hybridform.

Vermutlich angespornt von den widersprüchlichen taxonomischen Zuordnungen, widmete sich schließlich der deutsche Ornithologe André-Alexander Weller, dessen Forschungsschwerpunkt Kolibris sind, der systematischen Stellung des Gouldsmaragdkolibris.

Bei seiner Untersuchung des Typusexemplars kommt Weller zu dem Schluss, dass Goulds Erythronota elegans einen ausgestorbenen Vogel der Gattung der Smaragdkolibris (Chlorostilbon) repräsentiert. So wurde der Gouldsmaragdkolibri Chlorostilbon elegans 1999 als valide Art anerkannt.

Lokalisation ungewiss: Wo lebte der Gouldsmaragdkolibri?

Auch Weller kann nur spekulieren, was die Herkunft des Gouldsmaragdkolibris angeht. Der Ornithologe geht davon aus, dass die Art auf einer Insel oder auf mehreren Inseln in der Karibik vorkam. Und dass der Gouldsmaragdkolibri zusammen mit dem ebenfalls ausgestorbenen Bracesmaragdkolibri (Chlorostilbon bracei) und dem Kubasmaragdkolibri (Chlorostilbon ricordii) eine Superspezies beziehungsweise einen Artenkreis bildete.

Solch ein Artenkreis ist eine Gruppe bestehend aus mehreren Arten, die die gleichen oder ähnliche Merkmale aufweisen, die aber dennoch nachweislich verschieden sind und nicht im selben Verbreitungsgebiet vorkommen. Vielmehr grenzen die Lebensräume der unterschiedlichen Arten aneinander. Dabei findet kein oder nur ein sehr reduzierter genetischer Austausch statt.

Diese Erkenntnis lässt Weller vermuten, dass der Gouldsmaragdkolibri einst auf einer Insel oder einem Archipel gelebt haben muss, wo es keine anderen Vögel seiner Art gab. Damit käme als Verbreitungsgebiet des Gouldsmaragdkolibris Jamaika oder der nordöstliche Teil der Bahamas infrage.

Gouldsmaragdkolibri ausgestorben: Ursache unbekannt

Warum der Gouldsmaragdkolibri ausgestorben ist, lässt sich so genau nicht sagen, da man zu wenig über die Vogelart weiß – selbst ihr Verbreitungsgebiet ist ungewiss. Aber man kann Vermutungen anstellen, denn es ist ja nicht die erste Kolibriart, die ausgestorben ist. Da wären nämlich noch die Kupferfadenelfe, der Türkiskehl-Höschenkolibri (Eriocnemis godini) und der BracesmaragdkolibriLeider muss man an dieser Stelle aber auch erwähnen, dass von den anderen drei Kolibriarten auch wenig bekannt ist.

Die IUCN nahm den Gouldsmaragdkolibri 2004 in die Liste der ausgestorbenen Vogelarten auf. Sie vermutet als Ursachen für das Verschwinden der Vogelspezies folgendes: Holzfällerei (also den Verlust von Lebensraum) oder in das Verbreitungsgebiet eingeschleppte Säugetiere, die zur Bedrohung für den Gouldsmaragdkolibri wurden.

Ein weiterer Grund mag gewesen sein, dass die bevorzugte Futterpflanze des Gouldsmaragdkolibris selten wurde oder ausgestorben ist. Möglich, denn Kolibris ernähren sich hauptsächlich von Nektar aus Blüten. Viele Kolibris sind aber nicht auf eine bestimmte Pflanzenart angewiesen, sondern ernähren sich von einer Vielzahl von Pflanzen. Nur wenige Kolibriarten mit besonderen Schnäbeln sind auf eine kleine Pflanzengruppe, die bestimmte Blütenformen besitzt, spezialisiert. Diese Blütenformen sind anderen Kolibriarten nicht zugänglich.

Ob der Verlust der Futterpflanzen wirklich zum Verschwinden des Gouldsmaragdkolibris geführt hat, ist nicht sicher zu beantworten. Da niemand das einstige Verbreitungsgebiet der Vogelart sicher kennt, können wir auch nicht sagen, welche Blütenpflanzen es dort gibt oder eben gab.

Und wann ist er ausgestorben, der Gouldsmaragdkolibri? Im Jahr 1860 muss die Vogelart noch existiert haben, da wurde ja das einzige Exemplar, der Holotypus, gesammelt. Ansonsten gibt es bislang keine Aufzeichnungen darüber, dass jemand die Vogelart jemals gesichtet hätte. Und ein weiteres Museumsexemplar ist auch nicht aufgetaucht.