galapagos-riesenratte Megaoryzomys curioi
Das Foto zeigt den Schädel der ausgestorbenen Galapagos-Riesenratte. Geni, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Galapagos-Riesenratte

Ihre Größe ist dem Inselgigantismus geschuldet

Eine lebendige Galapagos-Riesenratte wurde nie gesichtet oder gar gesammelt. Jochen Niethammer beschrieb das mäuseartige Nagetier aus der Gruppe der Neuweltmäuse 1964 auf Basis von drei Knochenfragmenten, die man in einer Höhle auf Santa Cruz fand. Später wurden noch weitere fossile Überreste, allesamt auf den Galápagos-Inseln Santa Cruz und Isabela, entdeckt.

Mit 20 Zentimetern Kopf-Rumpf-Länge war die Galapagos-Riesenratte eine der größeren Vertreterinnen aus der Gruppe der Neuweltmäuse. Der Paläontologe David W. Steadman und der Paläobiologe Clayton E. Ray vermuten in The Relationships of Megaoryzomys curioi, an extinct Cricetine Rodent from the Galápagos Islands, Ecuador (1982), dass ihre Größe auf das Phänomen des Inselgigantismus zurückzuführen ist.

Die sogenannte Inselregel besagt für kleine Säugetiere, dass deren Körpergröße über Generationen hinweg zunimmt (Inselgigantismus). Die Körpergröße großer Säugetiere nimmt hingegen mit der Zeit ab (Inselverzwergung). So lebte etwa vor zehn Millionen Jahren auf der einstigen Insel Gargano ein 60 Zentimeter langer und zehn Kilogramm schwerer Riesenigel (Deinogalerix).

Die auf dem amerikanischen Kontinent beheimateten Neuweltmäuse sind eine Gruppe, zu der rund 500 Arten zählen. Neben der Galapagos-Riesenratte sind in der Neuzeit noch weitere Neuweltmäuse ausgestorben. Dazu gehören die Fernando-de-Noronha-Ratte, die Barbados-Riesenreisratte, die Barbuda-Riesenreisratte, die Martinique-Riesenreisratte, die Saint-Lucia-Riesenreisratte, die Darwin-Reisratte und die Santa-Cruz-Reisratte.

Galapagos-Riesenratte – Steckbrief

alternative BezeichnungGalápagos-Riesenratte
wissenschaftlicher NameMegaoryzomys curioi
englische NamenGalapagos Giant Rat, Galápagos Giant Rat
ursprüngliches VerbreitungsgebietSanta Cruz, Isabela (Galápagos-Inseln)
Zeitpunkt des AussterbensAnfang des 20. Jahrhunderts
Ursachen für das Aussterbenauf Insel eingeschleppte Tiere

Eingeschleppte Arten rotteten den Nager aus

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet die Galapagos-Riesenratte als ausgestorben, denn sie ist ausnahmslos von subfossilem Material bekannt. Anhand der gefundenen Knochen, konnten Wissenschaftler feststellen, dass die Nagerart bis in die Neuzeit existiert haben muss.

Höchstwahrscheinlich haben invasive Arten wie Hauskatzen, wilde Hunde, Ziegen, Schweine und Ratten (Rattus rattus), welche auf die Inseln eingeschleppt wurden, für das Aussterben der Galapagos-Riesenratten gesorgt.

Wann genau die Galapagos-Riesenratte ausgestorben ist, kann allerdings nur vermutet werden. Die meisten Forscher gehen davon aus, die Art existierte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, denn die Besiedlung von Santa Cruz durch Menschen begann zu diesem Zeitpunkt.

Die ebenfalls einst auf Santa Cruz endemische Santa-Cruz-Reisratte (Nesoryzomys indefessus) und die Darwin-Reisratte haben bis etwa 1935 oder 1945 überlebt. Doch Steadman und Ray gehen davon aus, dass die Galapagos-Riesenratte schon etwas früher ausgestorben ist, was sich etwa auf die Größe der Tiere sowie auf die fehlende Scheu vor Säugetieren, die bis dato nicht auf der Insel existierten, zurückführen lässt.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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