Kleiner Samoa-Flugfuchs

Pteropus_conspicillatus / verwandt mit Kleiner Samoa-Flugfuchs
Der Brillenflughund (Pteropus conspicillatus) aus Nordaustralien gehört ebenfalls der Gattung Pteropus an. (© Mnolf)
Kleiner Samoa-Flugfuchs – Steckbrief
alternative Bezeichnung Kleiner Samoischer Flugfuchs
lateinischer Name Pteropus allenorum
englischer Name Small Samoan Flying Fox
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Samoa (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1856

Kleiner Samoa-Flugfuchs: 153 Jahre im Regal verstaubt

Ein Kleiner Samoa-Flugfuchs – das einzig bekannte und vielleicht auch letzte Exemplarsaß 153 Jahre konserviert in einem Glas in einem Museumsregal, bevor er schließlich als neue Spezies identifiziert wurde. Und dann bemerkte man, er ist ausgestorben.

Im Jahre 1856 brachte Henry Clay Cadwell, Angehöriger der US-Marine, von der zu Samoa gehörigen Insel Upola einen Schädel und ein bisschen, schlecht konservierte Haut einer Fledermaus zur Academy of Natural Sciences of Philadelphia.

Als der Säugetierkurator Kristofer M. Helgen 2009 zu Besuch kam, entdeckte er den Fledermausschädel dieser bislang unbekannten Art und nannte diese Pteropus allenorum. Seine wissenschaftliche Erstbeschreibung mit dem Titel Pacific Flying Foxes: Two New Species of Pteropus from Samoa, Probably Extinct erschien noch im selben Jahr in den American Museum Novitates.

Während seiner Studien zum neu entdeckten Kleinen Samoa-Flugfuchs stieß Helgen noch auf eine weitere bislang unbekannte Fledermausart, den Großen Samoa-Flugfuchs (Pteropus coxi). Auch dieser ist wahrscheinlich heute ausgestorben.

Kleiner als andere Tiere der Gattung

Der Kleine Samoa-Flugfuchs erreichte vermutlich eine Flügelspannweite von 60 Zentimetern oder etwas mehr. Er ist damit kleiner als seine heute noch lebenden Verwandten, der Samoa- (Pteropus samoensis) und der Tonga-Flughund (Pteropus tonganus). Zudem besaß die neu beschriebene Art auch viel kleinere Zähne und einen kleineren Schädel als verwandte Arten. Hierbei handelt es sich auch um die Hauptunterscheidungsmerkmale zu den anderen Pteropus-Arten.

Fledermäuse der Gattung Pteropus gehören zu den größten der Welt. Sie werden auch als Flughunde oder Flugfüchse bezeichnet. Einige Tiere dieser Gattung sind bereits ausgestorben, wie etwa der Rauchgraue Flughund, der Guam-Flughund, der Aru-Flughund oder der Okinawa-Flughund.

Helgen geht davon aus, dass der Kleine Samoa-Flugfuchs nicht ausschließlich auf der Insel Upola lebte, sondern auch auf anderen, zu Samoa gehörenden Inseln. Doch können nur weitere Suchen nach fossilen Überresten hierzu Auskunft geben.

Damit wären Fledermäuse die einzigen Säugetiere, die mehrere abgelegene Inseln im Südwestpazifik gleichzeitig besiedeln können, was allerdings in der Natur der Sache liegt, da die Tiere in der Lage sind, zu fliegen.

Über Ursache des Verschwindens nur Spekulationen möglich

Mit der Entdeckung der polynesischen Inseln durch die Europäer im 18. und 19. Jahrhundert hat sich das Aussterben vieler heimischer Arten, wie Vögel, Eidechsen oder Fledermäuse, stark beschleunigt. So starben viele Arten kurz nach ihrer Entdeckung aus.

In den letzten 200 Jahren sind sieben oder acht Fledermausarten in der Pazifikregion ausgestorben, so Helgen. Die Ursachen dafür seien nicht endgültig geklärt, aber als Gründe werden oft Überjagung und Lebensraumzerstörung genannt.

Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass viele Pteropus-Arten empfindlich auf Eingriffe des Menschen in ihren Lebensraum, auf tropische Stürme sowie auch Krankheiten reagieren. Eine dieser Ursachen oder aber ein Zusammenspiel aller dieser Faktoren kann zum Verschwinden der auf Inseln endemischen Fledermausarten geführt haben.

Warum genau der Kleine Samoa-Flugfuchs ausgestorben ist, könne gegenwärtig  noch nicht gesagt werden, merkt Helgen an. Das Aussterben der Art passe aber zum Verschwinden flugunfähiger Vögel oder der Landschneckenfauna auf Samoa.

Eines steht fest: Die fortschreitende Entwaldung, die wachsende menschliche Bevölkerung und das Einschleppen nicht-endemischer Flora und Fauna auf Samoa zerstören das ökologische Gleichgewicht des ozeanischen Inselsystems.