Jaunet

jaunet salvelinus neocomensis - ausgestorben
Verschiedene Saibling-Arten (Salvelinus alpinus, Salvelinus colii und Salvelinus grayi), gemalt 1879 von Alexander Francis Lydon. Vom Jaunet existieren nur wenige Fotos, er besaß gelbliche Flanken.
Jaunet – Steckbrief
lateinische Namen Salvelinus neocomensis, (Salmo fario profundus), (Salvelinus salvelinus profundus)
englische Namen Lake Neuchâtel Deepwater Char, Lake Neuchâtel Deepwater Charr
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Neuenburgersee (Schweiz)
Zeitpunkt des Aussterbens 1904 oder später

Jaunet: Nur drei Exemplare bekannt

Der Süßwasserfisch Jaunet, der zur Gattung der Saiblinge (Salvelinus) und zur Familie der Lachsfische (Salmonidae) gehört, ist nur von drei Exemplaren bekannt. Die Tiere wurden in den Jahren 1896, 1902 und 1904 gesammelt – seither gab es kein Lebenszeichen von dieser Fischart.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat den Jaunet 2008 für ausgestorben erklärt, obwohl bereits intensive Suchen nach der Art in den 1950er-Jahren und erneut im Jahre 2003 erfolglos waren. Warum der Jaunet ausgestorben ist, ist nicht bekannt; weder die IUCN noch andere Quellen liefern Hinweise.

Gründe für das Aussterben unklar

Saiblinge, die in tieferen Bereichen eines Gewässers leben, gelten im Allgemeinen als hochsensibel gegenüber sich ändernder Wasserqualität. So galt etwa der Bodensee-Tiefensaibling (Salvelinus profundus), der wie auch der Jaunet in 80 Metern Tiefe lebte, nach der Eutrophierung des Bodensees in den 1970er-Jahren als ausgestorben. Im Jahre 2016 wurde der Tiefseesaibling aber wiederentdeckt.

Da der Jaunet auf den Neuenburgersee in der Schweiz als Verbreitungsgebiet beschränkt war, gibt ein Blick auf die Geschichte des Gewässers vielleicht Hinweise auf das Verschwinden der Art.

Eine Eutrophierung, wie dies beim Bodensee der Fall war, fand auch im Neuenburgersee statt. Allerdings verschlechterte sich der Wasserzustand erst ab den 1960er-Jahren und erreichte 1980 den eutrophen Zustand. Der Grund:  Abwässer wurden viele Jahre über die Kanalisation in den See eingeleitet. Dokumentiert ist das Ganze im Faktenblatt Der Neuenburgersee. Zustand bezüglich Wasserqualität (2016) vom Bundesamt für Umwelt BAFU.

Da Suchen nach dem Jaunet in den 1950er-Jahren bereits erfolglos waren und der letzte Fisch dieser Art 1904 gesichtet wurde, war die Art zum Zeitpunkt der Eutrophierung vermutlich schon ausgestorben.

Ab dem 18. Jahrhundert diente der Neuenburgersee als Verkehrsweg für den internationalen Handel und mit Aufkommen der Dampfschiffe hatte er eine große wirtschaftliche Bedeutung, so das Historische Lexikon der Schweiz. Ab 1880 gewann der See dann auch für Freizeit und Tourismus von Bedeutung. All dies hatte möglicherweise Effekte auf die Wasserqualität und zum Verschwinden des Jaunets geführt.

Ob der Jaunet vom kommerziellen Fischfang betroffen war, ist ungewiss. Da er in tiefen Zonen des Sees lebte, blähte sich sein Körper durch den sich verändernden Wasserdruck stark auf, wenn Fischer ihn in die Höhe zogen. Dies war auch beim in den 1970er-Jahren ausgestorbenen Bodensee-Kilch der Fall.

Jaunet – 2005 wissenschaftlich neu beschrieben

Man weiß vom Jaunet weder genau, warum er aus dem Neuenburgersee verschwand, noch wie er lebte. Anhand der drei gesammelten Exemplare konnten Wissenschaftler aber einige Daten zu dieser seltenen Fischart sammeln.

So erreichte der Fisch eine Länge von etwa 15 Zentimetern und sein Unterkiefer war vom Oberkiefer umschlossen. An den Seiten war der Jaunet gelb und im Gegensatz zu anderen Saiblingen besaßen seine Flossen keine weißen Ränder.

Im Jahr 2005 beschrieben die Fischkundler Jörg Freyhof und Maurice Kottelat den Jaunet als Salvelinus neocomensis neu. Zuvor hat der Parasitologe Otto Fuhrmann die Art nämlich als Salvelinus profundus beschrieben, allerdings gehörte diese Bezeichnung seit 1901 zum Tiefseesaibling.

Die Artbezeichnung neocomensis leitet sich ab von Neocomus, die lateinische Bezeichnung für den französischen Begriff Neuchâtel, was soviel wie Neuenburg bedeutet.

Auswahl an Literatur über den Jaunet:
J. Freyhof & M. Kottelat (2007): Handbook of European Freshwater Fishes, Cornol. S. 454-455.