Levuana-Motte

levuana-motte (Levuana iridescens)
Die tagaktive Levuana-Motte hatte eine Flügelspannweite von 16 Millimetern. Kopf und Brustkorb waren stahlblau, Bauch und Beine ockerfarben. (© Rosa Henderson, Landcare Research)
Levuana-Motte – Steckbrief
alternative Bezeichnung Kokosnuss-Motte
lateinische Namen Levuana iridescens, Levuana irridescens
englische Namen Levuana Moth, Purple Leaf Moth, Coconut Moth, Cocoanut Moth
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Viti Levu (Südpazifik)
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1925

Levuana-Motte: Eine Plage für die Kokosnuss-Industrie

Etwa seit den 1870er-Jahren begannen Mottenschwärme Kokosplantagen zu vernichten. So wurde die Levuana-Motte zu einem ernstzunehmenden Schädling der Kokosnusspflanzen auf Viti Levu, der Hauptinsel der Fidschi-Gruppe im Südpazifik.

Zunächst war die Levuana oder Kokosnuss-Motte ausschließlich auf der Insel Viti Levu anzutreffen, doch nach und nach besiedelte die Motte auch die Nachbarinseln, darunter auch Vanau Levu, die wichtigste Insel für die Kokosnussproduktion.

Aufgrund der Abwesenheit von Räubern oder Parasiten stieg die Population der Levuana-Motte stetig an, bis sie schließlich als Schädling galt. Das Hauptproblem war, dass die Larven der Motte die Blätter der Kokospalmen fraßen.

Dies führte dazu, dass nicht mehr genügend Kopra – getrocknetes Kokosnuss-Kernfleisch zur Gewinnung von Kokosöl – geerntet werden konnte. Der Kokosnussanbau wurde zunehmend unrentabel. Kopra gehört neben Zucker zu den bedeutendsten Industrien auf der Fidschi-Gruppe.

Die Fidschianer, die indigene Bevölkerung von Fidschi, war auf die Kokosnüsse angewiesen, denn diese dienten als Nahrungs- und Getränkequelle, lieferten Ballaststoffe und wurden als Arzneimittel, Brennstoffe und Baumaterialien genutzt.

Biologisches Kontrollprogramm verringerte Mottenpopulation dramatisch

levuana-motte foto levuana irridescens
Ein Foto der Levuana-Motte, die vermutlich Ende der 1920er-Jahre ausgestorben ist. (© Mark Hoddle)

Es wurden zahlreiche Versuche unternommen, um den Bestand der Kokosnuss-Motte zu verringern, doch waren diese allesamt erfolglos. Erst ein biologisches Kontrollprogramm im Jahre 1925 zeigte Wirkung. Dabei schlug der kanadische Insektenkundler John Douglas Tothill vor, einen Parasiten einzuführen, der die Population der Levuana-Motte minimieren sollte.

Da in Fidschi kein solcher Parasit existierte, führte Tothill die malaysische, parasitäre Fliegenart Bessa remota ein. Diese erwies sich als sehr erfolgreich bei der Bekämpfung der Schädlinge – vielleicht zu erfolgreich.

Armand M. Kuris schreibt in seiner 2003 erschienenen Publikation, es handele sich beim Kontrollprogramm von 1925 um die erste und am besten dokumentierte Ausrottung einer Art durch ein biologisches Kontrollprogramm. Dass das Programm heftiger Kritik ausgesetzt war, dürfte klar sein, denn es ging um die systematische Ausrottung einer einzigartigen Art zugunsten der Kopra-Kultur pazifischer Inselbewohner.

Der Insektenkundler Mark Hoddle stellt in einem Artikel für die Universität von Kalifornien die These auf, dass Bessa remota nicht nur für die Ausrottung der Levuana-Motte verantwortlich ist, sondern auch für eine weitere Art: Heteropan dolens. Dabei handelt es sich um eine Spezies aus der Familie der Widderchen oder Blutströpfchen (Zygaenidae), die auf Fidschi endemisch war. Auch die Levuana-Motte gehört dieser Familie an.

Levuana-Motte: Doch nicht ausgestorben?

Bereits seit den 1920er-Jahren gab es keine dokumentierten Levuana-Sichtungen mehr. Laut Hoddle wurde das letzte Tier 1929 gesammelt. Einige Experten gehen dennoch davon aus, dass die Motte bis Mitte der 1950er-Jahre hinein überlebt haben könnte.

Da die Levuana-Motte hohe Kokospalmen bevorzugte und erst, wenn diese keine Blätter mehr hatten, auf die weniger hohen Palmen übergingen, ist es möglich, dass bis heute eine kleine Population überlebt haben könnte. Denn wenn es nur noch wenige dieser Motten gibt und ihre bevorzugten Futterstellen befinden sich weit oben, ist die Suche an unreifen Kokosnusspalmen erfolglos.

Manche Experten, wie etwa Kuris, gehen davon aus, dass die Levuana-Motte, so sie denn noch existiert, nicht mehr Viti Levu bewohnt, sondern ausschließlich benachbarte Inseln.