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Von der Wandertaubenmilbe selbst existiert kein Foto. Das Bild zeigt Milben, die einen Mistkäfer als Transportmittel nutzen. Heiko Wagner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Wandertaubenmilbe

Das Aussterben von Arten löst Kettenreaktionen aus

Beim Aussterben von Tier- oder Pflanzenarten wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Oft stirbt mit einem Lebewesen auch mindestens ein anderes aus. So ist mit der Wandertaube 1914 auch die Wandertaubenmilbe ausgestorben. In einer 2004 veröffentlichten Studie um den Biologen Lian Pin Koh von der Universität Singapur haben Forscher herausgefunden, dass das Aussterben einer einzigen Art den Tod von bis zu 100 weiteren Arten zur Folge haben kann.

Stirbt eine Schlüsselart aus, verschwinden auch abhängige Arten. Solche Abhängigkeiten können zum Beispiel zwischen Beute- und Raubtier, Wirt und Parasit oder Pflanzenfresser und Pflanzen bestehen.

Laut dem Science-Magazin, welches die Studie veröffentlichte, hat man bisher nicht beachtet, dass derartige Abhängigkeiten überhaupt bestehen. Damit würde sich also die Zahl der vom Aussterben bedrohten Pflanzen und Tiere weltweit um ein Vielfaches erhöhen.

In einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung aus dem Jahr 2014 heißt es zudem, Parasiten seien schlecht untersucht und es ließe sich nicht feststellen, wie viele bereits mitsamt ihren Wirten ausgestorben sind.

Wandertaubenmilbe – Steckbrief

wissenschaftlicher NameDiplaegidia gladiator
englischer NamePassenger pigeon mite
ursprüngliches VerbreitungsgebietNordamerika (USA, Kanada)
Zeitpunkt des Aussterbens1914
Ursachen für das AussterbenAussterben des Wirtes (Wandertaube)

Über die Wandertaubenmilbe ist fast nichts bekannt

Milben sind eine Unterklasse der Spinnentiere (Arachnida). Die kleinsten Vertreter sind 0,1 Millimeter groß, die größten sind Zecken, die im vollgesogenen Zustand eine Länge von drei Zentimetern erreichen können.

Über die Größe der Wandertaubenmilbe ist bislang nichts bekannt. Heute weiß man, dass diese Milbenart nur auf einen Wirt spezialisiert war, und zwar auf die ausgestorbene Wandertaube. Ein ähnliches Schicksal erlitt die Nasenmilbe Halarachne americana, die mit der Karibischen Mönchsrobbe ausstarb.

Auch die „Wandertauben-Laus“ galt als ausgestorben

In einer Untersuchung stellte Giovanni Strona von der Universität Mailand 2013 fest, dass Parasiten, die auf einen einzigen Wirt angewiesen sind, in der Regel Wirte bevorzugen, die sehr häufig vorkommen und nicht gefährdet sind. Im Gegenzug werden seltene Wirte eher von Parasiten besiedelt, die nicht sonderlich wählerisch bei ihrer Auswahl der Wirte sind.

Neben der Wandertaubenmilbe galt auch die Taubenlaus (Columbicola extinctus), die ebenfalls die Wandertauben als Wirte nutzte, lange Zeit als ausgestorben. Überraschenderweise fanden Forscher dann heraus, die Taubenlaus hat mit mindestens einer anderen Taubenart einen neuen Wirt gefunden.

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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