Nördliche Spitzschwanzente

Chile-Spitzschwanzente - wie auch die Nördliche Spitzschwanzente, eine Unterart der Spitzschwanzente

Das Bild zeigt die in Südamerika weit verbreitete Chile-Spitzschwanzente (Anas georgica spinicauda). Sie ist – wie die ausgestorbene Nördliche Spitzschwanzente – eine Unterart von A. georgica. (© Joseph Smit, Public domain, via Wikimedia Commons)

Nördliche Spitzschwanzente – Steckbrief
lateinische Namen Anas georgica niceforoi, Anas niceforoi
englischer Name

Niceforo’s Pintail

ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kolumbien
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1952
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Lebensraumzerstörung

Nördliche Spitzschwanzente: Kaum erforschte Unterart

Über die Nördliche Spitzschwanzente lassen sich kaum mehr Informationen als die folgenden finden: Es handelt sich um eine der drei Unterarten der Spitzschwanzente Anas georgica, sie war in Zentralkolumbien heimisch und starb in den 1950er-Jahren aus.

Der amerikanische Vogelkundler Emmet Reid Blake widmete ihr immerhin einen kurzen Abschnitt in seinem Buch Manual of Neotropical Birds (1977). Er beschreibt darin vor allem ihr Erscheinungsbild. Im Unterschied zur Chile-Spitzschwanzente (A. g. spinicauda), einer anderen Unterart, war sie dunkler und insgesamt intensiver gefärbt. Ihr gelber Schnabel war länger, an der Oberseite flacher und weniger konkav. Auch sei ihr Gefieder vorne und am Schwanz weniger gefleckt gewesen.

Das Verbreitungsgebiet der Nördlichen Spitzschwanzente grenzt Blake auf die subtropische und gemäßigte Klimazone in 1.000 bis 3.000 Meter Höhe ein. Die Art lebte im Norden von Zentralkolumbien in den höheren Bereichen der Provinz Valle del Cauca sowie im zentralen Teil der östlichen Anden. Explizit nennt er die beiden Süßwasserseen Laguna de Tota (Totasee) und Laguna de Fúquene als Lebensraum, die sich innerhalb oder an der Grenze zur Provinz Boyacá befinden, die Savanne von Bogotá und das Departamento Cundinamarca.

Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Nördliche Spitzschwanzente 1946 von den Ornithologen Alexander Wetmore und José Ignacio Borrero.

Warum ist die Nördliche Spitzschwanzente ausgestorben?

Es ist schwierig, dazu Informationen zu finden, allerdings liefert womöglich der ebenfalls ausgestorbene Andentaucher (Podiceps andinus) eine Antwort. Dessen Verbreitungsgebiet glich im Großen und Ganzen dem der Nördlichen Spitzschwanzente. Seine Brutgebiete befanden sich in den Feuchtgebieten rund um Kolumbiens Hauptstadt Bogotá und am Ufer des Totasees.

Sowohl bei der Spitzschwanzenten-Unterart als auch beim Andentaucher brachen die Bestände in den 1950er-Jahren ein. Die letzte dokumentierte Sichtung der Nördlichen Spitzschwanzente war 1952, den letzten Andentaucher sah man 1977.

Die Faktoren, die für das Verschwinden des Andentauchers sorgten, sind wahrscheinlich auch für das Aussterben der Nördlichen Spitzschwanzente verantwortlich. So wurden die Sümpfe rund um den Totasee Mitte des 20. Jahrhunderts trockengelegt und die übrigen Feuchtgebiete wurden mit Abwasser und Abfällen verseucht.

Neben der Nördlichen Spitzschwanzente und dem Andentaucher gibt es noch weitere Vogelarten, die in Kolumbien ausgestorben sind: der flugunfähige Antioquia-Brustband-Ameisenpitta, Borreros Zimtente (Anas cyanoptera borreroi) und der Magdalenentinamu (Crypturellus erythropus saltuarius).