St.-Helena-Riesenohrwurm

st.-helena-riesenohrwurm Labidura herculeana
St.-Helena-Ohrwurm aus dem Jamestown Museum. (© Roger S. Key)
St.-Helena-Riesenohrwurm – Steckbrief
alternative Bezeichnung St.-Helena-Ohrwurm, Sankt-Helena-Ohrwurm, Sankt-Helena-Riesenohrwurm
lateinische Namen Labidura herculeana, Labidura loveridgei
englische Namen Saint Helena Earwig, Saint Helena Giant Earwig, St. Helena Earwig, St. Helena Giant Earwig
ursprüngliches Verbreitungsgebiet St. Helena (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens etwa 1967

St.-Helena-Riesenohrwurm: Der größte Ohrwurm der Welt

Der St.-Helena-Riesenohrwurm war mit 8,4 Zentimetern Länge der einst größte Ohrwurm der Welt. Etwa fünf Zentimeter war sein Körper lang, seine Greifzangen 3,4 Zentimeter. Zum Vergleich: Die meisten anderen Ohrwurmarten sind ein bis zwei Zentimeter lang.

Wie sein Name vermuten lässt, war der Ohrwurm auf der Insel St. Helena im Zentralatlantik beheimatet, wo er sich vermutlich von Pflanzen ernährte. Eingeschleppte Mäuse und Ratten sowie der bereits Anfang des 16. Jahrhunderts ausgestorbene St.-Helena-Wiedehopf (Upupa antaios) gehörten wahrscheinlich zu seinen Fressfeinden.

Dass diese und andere Fressfeinde, wie zum Beispiel Spinnen, und die Konkurrenz mit dem eingeschleppten Hundertfüßer Scolopendra morsitans, Gründe für das Verschwinden der Art sind, ist sich die Weltnaturschutzorganisation IUCN sicher.

Doch das größte Problem war sicherlich die Zerstörung des natürlichen Lebensraums des Ohrwurms, um Platz zum Bauen von Häusern zu gewinnen, denn der Riesenohrwurm lebte unter anderem in den Gumwood-Tree-Wäldern auf St. Helena, welche im Laufe der Jahre größtenteils zerstört wurden.

Beim Bastard Gumwood Tree (Commidendrum rotundifolium) handelt es sich um eine extrem seltene Baumart, die ausschließlich auf der Insel St. Helena vorkommt.

1798 beschrieben, dann lange in Vergessenheit geraten

Das Typusexemplar des St.-Helena-Ohrwurms sammelte ein dänischer Zoologe namens Johann Christian Fabricius im Jahr 1798, der den Ohrwurm auch erstmals wissenschaftlich beschrieb. Danach spielte der Riesenohrwurm keine große Rolle mehr für die Wissenschaft – bis 1913, als der französische Naturforscher Guy Babault ein zweites Tier sammelte. Dieses befindet sich heute in Paris im Muséum national d’histoire naturelle.

Doch auch danach interessierte sich wieder lange niemand für den Ohrwurm, was sich aber 1962 änderte, als die Zoologen Philip Ashmole und Douglas Dorward auf der Insel St. Helena nach Vogelknochen suchten und erstaunlich große Greifzangen fanden. Diese gehörten zum St.-Helena-Riesenohrwurm.

Da Wissenschaftler öfters Greifzangen zusammen mit Vogelknochen gefunden haben, geht man aus, dass der Ohrwurm in der Vergangenheit auch in Vogelkolonien lebte.

Beweise für die Existenz des Ohrwurms nach 1967

Lebende Individuen des Riesenohrwurms konnten belgische Wissenschafter 1965 im Nordosten der Insel ausmachen. So wurden dann bis ins Jahr 1967 rund 40 Ohrwürmer dieser Art gesammelt. Danach gibt es keine dokumentierte Sichtung eines lebenden St.-Helena-Ohrwurms mehr.

Der Londoner Zoo unternahm daher 1988 und 1993 Suchen nach dem Ohrwurm, Ashmole im Jahr 2003 und Howard Mendel vom National History Museum in London noch einmal 2006 – leider alle ohne Erfolg.

Einen Beweis dafür, dass der St.-Helena-Ohrwurm seit 1967 doch noch existiert, liefern Bruchstücke toter Individuen des Ohrwurms, die Wissenschaftler 1995 zusammen mit Vogelknochen gefunden haben. Zum Fund gehörte unter anderem eine subfossile Greifzange. Weitere Teile des Riesenohrwurms wurden 2013 und 2014 gefunden, aber hier ist nicht sicher, wie alt diese gewesen sein mögen.

Die IUCN hält es für möglich, dass der St.-Helena-Riesenohrwurm noch existiert, aber die Beweise der letzten Jahre sprächen eher für eine ausgestorbene Spezies.