Arten verschwinden nicht einfach, nur weil man sie lange nicht sieht. Und sie sind ebenso wenig gerettet, nur weil sie plötzlich wieder auftauchen. Wiederentdeckungen markieren einen schmalen Grat zwischen Hoffnung und Unsicherheit: Sie zeigen, dass Leben überdauern kann – oft jedoch nur knapp.
Auch im Jahr 2025 wurden zahlreiche Tierarten wiederentdeckt, von denen teils seit Jahrzehnten keine gesicherten Nachweise mehr existierten oder die bereits als ausgestorben galten. Ihr Verschwinden war meist kein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis schleichender Prozesse: Lebensraumverlust, fehlende Erhebungen oder schlicht mangelnde Aufmerksamkeit.
Die meisten Wiederfunde waren kein Zufall. Gezielte Suchkampagnen, Hinweise aus der lokalen Bevölkerung, neue genetische Methoden oder akustisches Monitoring führten Forschende in abgelegene Bergwälder, isolierte Flusssysteme, Inseln oder Schluchten – Lebensräume, die lange kaum untersucht worden waren. Manche Arten wurden bereits vor 2025 entdeckt, aber ihre Wiederentdeckung wurde erst nach sorgfältiger Prüfung und Auswertung offiziell 2025 bekannt gemacht.
Was bedeutet Wiederentdeckung?
Wiederentdeckte Arten sind solche, die über lange Zeiträume hinweg nicht mehr eindeutig nachgewiesen wurden – oft über Jahrzehnte, manchmal sogar über Jahrhunderte. Sie galten als verschollen, vermisst oder Lost Species, ohne jedoch immer formell als ausgestorben eingestuft zu sein. Häufig fehlten belastbare Belege wie bestätigte Beobachtungen, Fotos, Tonaufnahmen oder genetisches Material. Die Gründe dafür sind vielfältig: schwer zugängliche Lebensräume, extrem kleine Populationen oder ein unscheinbares Erscheinungsbild. In vielen Fällen suchte schlicht über lange Zeit niemand gezielt nach diesen Arten.
Wiederentdeckte Tierarten – 2025 bekannt gewordene Funde (Auswahl)
Die folgenden Tierporträts zeigen, wie unterschiedlich Wiederentdeckungen aussehen können.
Sonnerats Spitzmaus – Nach über 200 Jahren wieder aufgetaucht?

(© Foto nach Nizamudheen et al. 2025, Iranian Journal of Animal Biosystematics, CC BY 4.0; Fotograf: Sirajudeen Mohammed Shahir)
Diplomesodon sonnerati
Letzter gesicherter Nachweis: 1813 (historische Beschreibung und Skizze durch Pierre Sonnerat)
Ort der möglichen Wiederentdeckung: Ooty, Nilgiris, Tamil Nadu, Indien
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: feuchte Grasländer, Waldränder und Agrarlandschaften in Südindien
Besonderheit: auffälliger Sexualdimorphismus, weißes Querband – weltweit einzigartiges Fellmuster bei Spitzmäusen
Sonnerats Spitzmaus gilt als eines der rätselhaftesten Säugetiere Asiens. Über 200 Jahre lang war sie ausschließlich durch eine historische Skizze und Beschreibung bekannt, ohne spätere Belege oder auch nur ein einziges Museumsexemplar. Lange wurde daher vermutet, dass es sich entweder um eine Fehlbeschreibung oder um eine bereits ausgestorbene Art handelt.
Ein im Jahr 2022 in den Nilgiribergen fotografiertes Tier liefert nun erstmals einen plausiblen Hinweis darauf, dass die Art noch existieren könnte. Eine genetische Bestätigung steht noch aus.
133 Jahre lang verschollen: Höhlen-Tarantel Orphnaecus pellitus

(© Acuña et al. 2025, Subterranean Biology, CC BY 4.0)
Letzter gesicherter Nachweis: 1892
Ort der Wiederentdeckung: Culapnitan-Höhlensystem, Philippinen
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: lichtlose Zonen tropischer Kalksteinhöhlen
Besonderheit: einzige bekannte troglobionte Vogelspinne Asiens; endemisch, bislang nur aus einem Höhlensystem bekannt
Nach mehr als 130 Jahren ohne Nachweise wurde O. pellitus 2025 genau dort wiedergefunden, wo die Art bereits 1892 erstmals beschrieben worden war. Alle Tiere wurden ausschließlich in vollständig dunklen, miteinander verbundenen Höhlenabschnitten entdeckt. Winzige Augen, verlängerte Beine und eine helle Körperfärbung belegen ihre vollständige Anpassung an das Leben ohne Licht.
Die extreme Spezialisierung macht die Art jedoch hochgradig anfällig. Da ihr gesamtes bekanntes Vorkommen auf ein einziges Höhlensystem beschränkt ist, können Störungen durch Tourismus, Höhlenerschließung oder Grundwasserverschmutzung unmittelbare Auswirkungen auf das Überleben dieser Vogelspinne haben.
Alsodes vittatus: Froschart nach 130 Jahren wiederentdeckt

(© Alsodes vittatus (Philippi, 1902), Observed in Chile by Jota Espinoza, CC BY-NC 4.0, via GBIF)
Letzter gesicherter Nachweis: 1893
Ort der Wiederentdeckung: Región de La Araucanía, Chile
IUCN-Status: Datenlage unzureichend
Lebensraum: temperierte Andenwälder entlang klarer Fließgewässer
Besonderheit: lange nur aus der Erstbeschreibung (1902) bekannt
Mehr als ein Jahrhundert lang galt A. vittatus als verschollen. Erst 2023 und 2024 gelang es einem Forschungsteam, die Art in den Vorbergen der chilenischen Anden wiederzufinden. Ausschlaggebend war ein Blick in alte Aufzeichnungen: Historische Hinweise zur Route der Erstsammlung führten die Forschenden an Orte, die bislang kaum untersucht worden waren.
Die Wiederentdeckung dieser Froschart zeigt, dass selbst scheinbar verschwundene Amphibienarten in abgelegenen Rückzugsräumen überleben können. Wie groß und stabil ihre Populationen heute sind, muss nun weiter erforscht werden.
Nach 124 Jahren zurück: Bockkäfer Pseudomyrmecion ramalium

(© Pseudomyrmecion ramalium Bedel, 1885, Christophe Revier, collected in Algeria, CC BY-NC-ND 4.0, via GBIF)
Letzter gesicherter Nachweis: ca. 1900
Ort der Wiederentdeckung: Djebel Edough Forest & Yakouren Forest, Nordalgerien
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: mediterrane Eichenwälder, unter abgestorbenem Holz
Besonderheit: extrem seltene, endemische Art, an Algerische Eiche (Quercus canariensis) gebunden
Mehr als 120 Jahre lang galt P. ramalium als verschollen. Im Frühjahr 2023 wurde die Bockkäferart in nordalgerischen Eichenwäldern erneut nachgewiesen – genau dort, wo er zuletzt um 1900 beobachtet worden war.
Die Wiederentdeckung bestätigt das Überleben einer hoch spezialisierten Reliktart, macht aber auch ihre Verletzlichkeit deutlich: Die wenigen verbliebenen Eichenwälder sind durch Brände, Waldschäden und Nutzung stark bedroht. Für den Käfer, der auf Totholz angewiesen ist und kaum Ausweichmöglichkeiten hat, könnte jeder weitere Verlust seines Lebensraums das endgültige Aus bedeuten.
Nach über 120 Jahren nachgewiesen: Unterart des Weißhals-Dickkopfs

(© Pachycephala arctitorquis subsp. tianduana Hartert, 1901, Observed in Indonesia by noah_saleme, CC BY-NC 4.0, via GBIF)
Pachycephala arctitorquis tianduana
Letzter gesicherter Nachweis: 1901/1902
Ort der Wiederentdeckung: Tayandu-Archipel (Molukken, Indonesien)
IUCN-Status: nicht bewertet (Unterart)
Lebensraum: Gärten, Sekundärwälder und verbliebene Waldreste kleiner Inseln
Besonderheit: zuvor nur fünf Museumsexemplare; auffällige Unterschiede in Gefieder und Gesang
Im Juli 2025 wurde die lange verschollene Unterart des Weißhals-Dickkopfs erstmals seit über einem Jahrhundert wieder dokumentiert. Auf den Tayanduinseln konnten mehrere Individuen fotografiert und erstmals auch akustisch belegt werden.
Das Auffinden von P. a. tianduana wirft auch neue Fragen auf: Aktuelle genetische Analysen deuten darauf hin, dass die Tayandu-Vögel aus einer Hybridisierung hervorgegangen sind; die Population trägt ihr Erbgut nahezu zu gleichen Teilen vom Weißhals- und vom Molukkendickkopf. Möglicherweise handelt es sich demnach nicht um eine Unterart, sondern um eine bislang unerkannte eigenständige Art.
Omilteme-Baumwollschwanzkaninchen: 120 Jahre ohne Nachweise

(© Photo by Joe Figel, bereitgestellt von Re:wild)
Sylvilagus insonus
Letzter gesicherter Nachweis: Anfang 20. Jahrhundert
Ort der Wiederentdeckung: Sierra Madre del Sur, Guerrero (Mexiko)
IUCN-Status: Datenlage unzureichend
Lebensraum: Nebelwälder sowie Kiefern- und Kiefern-Eichen-Wälder (2.100–3.000 m)
Besonderheit: Verbreitungsgebiet kleiner als 500 km²
Nach über 120 Jahren ohne gesicherte Nachweise wurde das Omilteme-Baumwollschwanzkaninchen durch gezielte Suchkampagnen wiederentdeckt. Ein Forschungsteam konnte die extrem seltene Art mithilfe lokaler Hinweise sowie fotografischer Belege und Präparate in mehreren Gebieten der Sierra Madre del Sur nachweisen.
Die Wiederentdeckung ist kein Grund zur Entwarnung; sie bestätigt zwar das Fortbestehen einer der seltensten Kaninchenarten der Welt, zeigt aber auch, wie fragil ihr Überleben ist: Die bekannte Population ist klein und stark fragmentiert, Wilderei und fortschreitender Lebensraumverlust stellen weiterhin eine ernste Bedrohung dar.
Wiederentdeckung nach 111 Jahren – Himalaya-Stummelfüßer

(© Uwe Schneehagen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Typhloperipatus williamsoni
Letzter gesicherter Nachweis: 1913
Ort der Wiederentdeckung: Siang-Tal, Arunachal Pradesh (Nordostindien)
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: feuchte, ungestörte Waldböden in abgelegenen Bergwäldern
Besonderheit: Vertreter einer über 500 Millionen Jahre alten Tierlinie
Nach 111 Jahren wurde der Himalaya-Stummelfüßer im östlichen Himalaya wiedergefunden – nur wenige Kilometer vom historischen Fundort entfernt. Zwei lebende Exemplare belegen, dass diese urtümliche Tiergruppe in isolierten Rückzugsräumen bis heute überdauert hat.
Doch ihr Überleben ist bedroht: Abholzung, Infrastrukturprojekte und der Klimawandel bedrohen die feuchten Mikrohabitate, auf die Stummelfüßer angewiesen sind. Schon geringe Veränderungen können lokale Populationen zum Verschwinden bringen. Die Wiederentdeckung macht daher den hohen Schutzwert der verbliebenen Primärwälder im östlichen Himalaya deutlich.
Galt 94 Jahre als verschollen – die Goldringelgrundel Brachygobius sua

(© Malamut, Public domain, via Wikimedia Commons)
Letzter gesicherter Nachweis: 1931
Ort der Wiederentdeckung: Kanal am Mae-Klong-Fluss, Zentralthailand
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: langsam fließende Süßwasserkanäle und Flussarme
Besonderheit: jahrzehntelang nur aus einer Zeichnung bekannt; Typusexemplar verschollen
Fast 100 Jahre lang galt B. sua als verloren. 2025 tauchte die nur zwei bis drei Zentimeter große Grundel überraschend wieder auf, nachdem ein Jugendlicher ihre auffällige Zeichnung fotografierte und online teilte. Fachleute erkannten darin die 1931 beschriebene Art, von der bislang kein originales Belegexemplar erhalten war.
Mangels Vergleichsmaterial wurde B. sua lange als identisch mit B. xanthozonus angesehen. Erst die Wiederentdeckung lebender Tiere aus dem historischen Verbreitungsgebiet ermöglichte einen direkten Vergleich – mit klaren Unterschieden in Körperform und Zeichnung. Die frühere Gleichsetzung gilt damit als überholt, auch wenn eine formale taxonomische Neubewertung noch aussteht.
Biak-Honigfresser nach 88 Jahren erstmals fotografiert

(© Naturalis Biodiversity Center, CC0, via Wikimedia Commons)
Myzomela rubrobrunnea
Letzte gesicherte Dokumentation: 1937
Region: Ozeanien (endemisch auf Biak und Supiori, Indonesien)
IUCN-Status: nicht gefährdet
Lebensraum: Tiefland- und Hügellandwälder, Waldränder, sekundäre Vegetation; meist im Kronendach
Besonderheit: jahrzehntelang gemeldet, aber ohne Foto- oder Tonbelege
Der Biak-Honigfresser ist klein, unscheinbar und lebt meist hoch im Blätterdach – ideale Voraussetzungen, um über Jahrzehnte übersehen zu werden. Hinzu kam, dass er lange nur als Unterart des weit verbreiteten Rußhonigfressers (M. obscura) galt. So fehlten trotz zahlreicher Sichtmeldungen fast 90 Jahre lang eindeutige Belege.
Erst im August 2025 änderte sich das: Ethan Skinner veröffentlichte ein Foto der Art auf eBird, womit der Biak-Honigfresser offiziell von der „Lost Birds“-Liste gestrichen wurde. Ironischerweise existierten bereits Fotos aus dem Jahr 2004, aufgenommen von Mehd Halaouate auf Biak – sie blieben jedoch unbeachtet, weil die Art damals noch nicht als eigenständig anerkannt war.
Channa amphibeus – Schlangenkopffisch nach über 85 Jahren wieder da

(© USGS, Public domain, via Wikimedia Commons)
Letzter gesicherter Nachweis: 1938
Ort der Wiederentdeckung: Chel-Fluss, Kalimpong (Nordbengalen, Indien)
IUCN-Status: nicht gefährdet
Lebensraum: kühle Gebirgsbäche im Einzugsgebiet des Brahmaputra
Besonderheit: einer der größten Schlangenkopffische (bis zu 1 m lang); obligater Luftatmer
Im Jahr 2024 wurde C. amphibeus nach mehr als 85 Jahren überraschend im Chel-Fluss wiedergefunden. Mehrere Exemplare konnten gesammelt und fotografiert werden – unterstützt durch Hinweise aus der lokalen Bevölkerung. Der Abgleich mit historischen Beschreibungen bestätigte eindeutig die Identität der Art.
Die Wiederentdeckung liefert erstmals Bilder lebender Tiere und eröffnet neue Möglichkeiten für genetische und ökologische Untersuchungen. Zugleich macht sie deutlich, wie wenig über Bestand und Gefährdung dieser Fischart bekannt ist und wie dringend ihr Lebensraum genauer erforscht und geschützt werden muss.
84 Jahre lang verschollene Libelle Mortonagrion amoenum wiederentdeckt

(© Afsarnayakkan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Letzter gesicherter Nachweis: 1937
Ort der Wiederentdeckung: Simeuluë (Sumatra, Indonesien)
IUCN-Status: gefährdet
Lebensraum: Waldgebiete mit kleinen Bächen und sumpfigen Ufern
Besonderheit: extrem seltene, endemische Kleinlibelle
Im Juli 2021 wurde M. amoenum nach mehr als acht Jahrzehnten erstmals wieder nachgewiesen. Während einer Biodiversitätsstudie auf der abgelegenen Insel Simeuluë gelang es Forschenden, mehrere Tiere an feuchten Waldbächen zu fotografieren – der erste bestätigte Nachweis seit 1937. Die wissenschaftliche Auswertung wurde 2025 veröffentlicht.
Dass die Art so lange unentdeckt blieb, liegt nicht nur an ihrer versteckten Lebensweise, sondern auch am Verlust geeigneter Lebensräume. Entwaldung, verschmutzte Gewässer und zerstörte Feuchtgebiete setzen vielen indonesischen Kleinlibellen stark zu. Der Wiederfund zeigt jedoch auch, dass spezialisierte Arten in wenig erforschten Rückzugsräumen überdauern können – oft unbemerkt über Generationen hinweg.
Vilcabamba-Inka – Erste Sichtung nach 57 Jahren

(© Carole Turek / Hummingbird Spot (YouTube))
Coeligena eisenmanni
Letzter gesicherter Nachweis: 1967
Ort der Wiederentdeckung: Vilcabamba-Berge, Region Cusco (Peru)
IUCN-Status: nicht gefährdet
Lebensraum: Nebelwälder der Anden (ca. 1.600–3.000 m)
Besonderheit: über Jahrzehnte nur aus wenigen Museumsexemplaren bekannt
Im August 2024 gelang erstmals seit 57 Jahren wieder eine gesicherte Dokumentation des Vilcabamba-Inkas. In den schwer zugänglichen Nebelwäldern der Vilcabamba-Berge konnte der Kolibri fotografiert und gefilmt werden – ein bemerkenswerter Fund, denn zuvor war die Art ausschließlich durch wenige Museumsexemplare bekannt und galt über Jahrzehnte hinweg als verschollen.
Die Wiederentdeckung bestätigt, dass diese extrem seltene und geografisch isolierte Kolibri-Art noch existiert. Sie macht aber auch deutlich, wie wenig bislang über ihre tatsächliche Verbreitung, Populationsgröße und ökologische Rolle bekannt ist. Erstmals seit Jahrzehnten gibt es nun eine belastbare Grundlage für weiterführende Feldforschung und für eine mögliche Neubewertung ihres Gefährdungsstatus.
Nach 55 Jahren: Turkestan-Langohr wiederentdeckt

(© Christian Dietz, mit freundlicher Genehmigung des Museums für Naturkunde Berlin)
Plecotus turkmenicus
Letzter gesicherter Nachweis: 1970
Ort der Wiederentdeckung: Karakum-Wüste, Turkmenistan (nahe der Grenze zu Usbekistan)
IUCN-Status: nicht gefährdet
Lebensraum: trockene Wüsten- und Halbwüstengebiete, Felsspalten, Lößhöhlen, Brunnen
Besonderheit: erstmals Foto-, Video- und Genomdaten lebender Tiere
Im Oktober 2025 gelang nach über einem halben Jahrhundert erstmals wieder der Nachweis lebender Turkestan-Langohrfledermäuse. Ein internationales Forschungsteam dokumentierte ein Jungtier und ein adultes Männchen an zwei getrennten Standorten in der Karakum-Wüste. Damit ist erstmals gesichert, dass diese extrem seltene, an aride Lebensräume angepasste Fledermausart noch existiert – bislang war sie nur aus wenigen Museumspräparaten bekannt.
Trotz dieser positiven Nachricht bleibt die Lage kritisch. Der fortschreitende Klimawandel führt zu zunehmender Hitze und weiterer Austrocknung der Region. Mit dem Rückgang der Vegetation schrumpft auch der ohnehin begrenzte Lebensraum des Turkestan-Langohrs – eine Entwicklung, die den langfristigen Fortbestand der Art gefährden könnte.
Blauschwanz-Sandveld-Eidechse: Erster Nachweis nach 53 Jahren

(© Hans Hillewaert, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Nucras caesicaudata
Letzter gesicherter Nachweis: frühe 1970er-Jahre
Ort der Wiederentdeckung: Banhine-Nationalpark, Süd-Mosambik
IUCN-Status: Datenlage unzureichend
Lebensraum: trockene Savannen- und Sandveld-Landschaften
Besonderheit: auffällig bläulich gefärbter Schwanz
Im Dezember 2025 wurde die Blauschwanz-Sandveld-Eidechse erstmals über fünf Jahrzehnten wieder eindeutig nachgewiesen. Im Banhine-Nationalpark gelang es Forschenden, ein Exemplar im Rahmen gezielter Biodiversitätserhebungen zu dokumentieren. Bereits kurz zuvor war ein weiteres Tier im benachbarten Zinave-Nationalpark beobachtet worden, allerdings ohne fotografischen Beleg.
Der Wiederfund zeigt, dass die Art nicht ausgestorben ist, sondern offenbar über Jahrzehnte unentdeckt blieb – wohl auch, weil keine systematischen Suchen in der Region stattfanden. Außerdem erweitert die Entdeckung das bekannte Verbreitungsgebiet der Eidechse. Künftige Untersuchungen sollen nun klären, wie groß der Bestand tatsächlich ist und welchen Schutzbedarf diese Reptilienart hat.
Segelflossen-Glatthai – mehr als 50 Jahre nicht dokumentiert

(© Sagumai et al. (2025), Journal of Fish Biology, doi:10.1111/jfb.70196, CC BY 4.0)
Gogolia filewoodi
Letzter gesicherter Nachweis: 1970
Ort der Wiederentdeckung: Astrolabe Bay, nahe der Gogol-Flussmündung (Papua-Neuguinea)
IUCN-Status: Datenlage unzureichend
Lebensraum: küstennahe Tiefenrinnen des Kontinentalschelfs (ca. 80–200 m)
Besonderheit: einzige Art ihrer Gattung, mit auffällig langer Rückenflosse und großen, elliptischen Augen
Nach über 50 Jahren ohne Nachweise tauchte der Segelflossen-Glatthai zwischen 2020 und 2022 überraschend wieder auf. Insgesamt sechs Tiere wurden als Beifang vor der Küste Papua-Neuguineas erfasst – die ersten gesicherten Nachweise seit der Erstbeschreibung, darunter erstmals auch ein Männchen. Die Funde stammen aus systematischen Fangplatz- und Markterhebungen des WWF.
Da alle bekannten Funde aus einem sehr kleinen Küstenabschnitt stammen und die Haiart regelmäßig im Beifang landet, gilt sie als besonders gefährdet. Ein gezieltes Monitoring ist dringend notwendig, um den weiteren Bestand des Segelflossen-Glatthais zu sichern.
Heuschreckenart Appalachia hebardi nach über 40 Jahren wieder da

(© Nicholas Gilchenok, mit freundlicher Genehmigung, via iNaturalist)
Letzter gesicherter Nachweis: 1960er-Jahre bzw. 1983
Ort der Wiederentdeckung: Virginia, später auch West Virginia und Pennsylvania (USA)
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: bodennahe Bereiche junger Waldstadien
Besonderheit: flugunfähig, geringe Fortpflanzungsrate, extrem kleines Verbreitungsgebiet
Nach jahrzehntelangem Verschwinden tauchte A. hebardi ab 2021 überraschend wieder auf. Der erste Hinweis kam von einer zufälligen Beobachtung auf der Plattform iNaturalist. Gezielte Nachforschungen bestätigten 2022 das Fortbestehen der Art in Virginia, weitere Funde folgten in benachbarten Bundesstaaten.
Die Wiederentdeckung dieser bereits für ausgestorben gehaltenen Heuschreckenart zeigt, wie leicht kleine, unscheinbare Insekten aus dem wissenschaftlichen Blick geraten können. Weiterhin unterstreicht sie den hohen Wert von Citizen Science und gezielten Habitatuntersuchungen – besonders bei wenig mobilen Arten, die über Jahrzehnte unbemerkt überleben können.
Monte-Gordo-Heuschrecke: Über 40 Jahre verschollen

(© Rob Felix, aus: Felix et al. (2025), Journal of Orthoptera Research, CC BY 4.0)
Eyprepocprifas insularis
Letzter gesicherter Nachweis: 1980
Ort der Wiederentdeckung: Monte-Gordo-Naturpark, Insel São Nicolau (Kapverden)
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: feuchte, nebelreiche Berglagen (ca. 650–1.100 m)
Besonderheit: einzige endemische Heuschreckenart der Kapverden; flugunfähig
Nachdem sie seit 1996 als ausgestorben galt, wurde die Monte-Gordo-Heuschrecke im Januar 2023 überraschend wiederentdeckt. Niederländische Entomologen fanden im Nebelwald des Monte-Gordo-Naturparks mehrere Tiere an sechs Standorten – darunter erstmals auch Weibchen und Jungtiere. Die Ergebnisse wurden 2025 wissenschaftlich veröffentlicht.
Trotz Wiederfund bleibt die Lage für die Heuschreckenart kritisch: Sie ist auf feuchte Mikrohabitate angewiesen und gilt aufgrund ihrer kleinen Population als hochgradig gefährdet. Gezieltes Monitoring und der konsequente Schutz ihrer verbliebenen Lebensräume sind daher entscheidend.
Buntbarsch Haplochromis microdon: Nach fast 40 Jahren wieder aufgetaucht

(© Dr. Anna Mahulu, Institute of Ecology and Evolution, University of Bern)
Letzter gesicherter Nachweis: 1985
Ort der Wiederentdeckung: Mwanza-Golf, Viktoriasee (Tansania)
IUCN-Status: vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
Lebensraum: felsige Flachwasserzonen des Viktoriasees
Besonderheit: spezialisierter Fischbrutfresser (Pädophage)
Fast vier Jahrzehnte lang fehlte jede Spur dieses außergewöhnlich spezialisierten Fisches. Erst 2023 und 2024 gelang es Forschenden, H. microdon bei gezielten Erhebungen im südlichen Mwanza-Golf wieder nachzuweisen. An nur einem einzigen, stark begrenzten Ort wurden zwei männliche Tiere entdeckt – genau dort, wo die Art trotz intensiver Untersuchungen jahrzehntelang nicht mehr aufgetaucht war.
Der Wiederfund macht Hoffnung, dass nicht nur H. microdon, sondern auch andere Vertreter der einst enorm artenreichen Buntbarschfauna des Viktoriasees in isolierten Rückzugsräumen überlebt haben könnten. Trotz allem setzen invasive Arten, Überfischung und tiefgreifende Umweltveränderungen dem Ökosystem Viktoriasee weiterhin massiv zu.
Nach 34 Jahren zurück: Blyde-River-Flachgecko

(© Afroedura rondavelica Jacobsen, Kuhn, Jackman & Bauer, 2014 Observed in South Africa by pietersen_darren, CC BY-NC 4.0, via GBIF)
Afroedura rondavelica
Letzter gesicherter Nachweis: 1991
Ort der Wiederentdeckung: Blyde-River-Canyon, Mpumalanga (Südafrika)
IUCN-Status: Datenlage unzureichend
Lebensraum: steile Sandsteinwände und enge Felsspalten
Besonderheit: extrem kleines Verbreitungsgebiet an den steilen Sandsteinwänden der Three Rondavels
Im April 2025 gelang erstmals seit 34 Jahren wieder ein gesicherter Nachweis des Blyde-River-Flachgeckos – an dem Ort, an dem die Art 1991 entdeckt und wissenschaftlich beschrieben worden war. Bei einer gezielten Expedition in schwer zugänglichem Felsgelände entdeckten Forschende zwischen 20 und 30 Individuen und konnten mehrere Tiere fotografisch dokumentieren und untersuchen.
Vor der Wiederentdeckung war diese lange rätselhafte Geckoart nur durch zwei Museumsexemplare bekannt. Sie zeigt, dass selbst extrem lokal verbreitete Arten in isolierten Rückzugsräumen über Jahrzehnte unentdeckt bestehen können.
Großer Amerikanischer Kastanienbohrer nach 25 Jahren wieder da

(© Curculio caryatrypes C.H.Boheman, 1843, Observed in United States of America by Katie Bird, CC BY 4.0, via GBIF)
Curculio caryatrypes
Letzter gesicherter Nachweis: 1997
Ort der Wiederentdeckung: östliche USA (u. a. Virginia, Pennsylvania)
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: Kastanienbestände; Samen von Kastaniengewächsen
Besonderheit: hochspezialisierter Samenschädling
Nachdem die Amerikanische Kastanie durch eingeschleppte Pilzkrankheiten fast vollständig verschwunden war, galt auch ihr spezialisierter Begleiter, der Große Amerikanische Kastanienbohrer, rund 25 Jahre lang als ausgestorben. Erst Fotos aus Hybrid-Kastanienpflanzungen und von Chinquapin-Beständen, die auf der Plattform iNaturalist geteilt wurden, machten Forschende auf überlebende Populationen aufmerksam.
Genetische Analysen bestätigten schließlich die Identität der Art und belegten, dass sie sich noch aktiv fortpflanzt. Die Wiederentdeckung widerlegt die lange angenommene Koextinktion und zeigt, dass selbst hoch spezialisierte Insekten in kleinen Refugien überdauern können – ein starkes Argument für resistente Kastanienprogramme und die wachsende Bedeutung von Citizen Science im Artenschutz.
Nach fast 25 Jahren wiederentdeckt: Großpolypige Steinkoralle

(© Rhizopsammia wellingtoni Wells, 1982 Observed in Ecuador by Billy Bensted-Smith, CC BY-NC 4.0, via GBIF)
Rhizopsammia wellingtoni
Letzter gesicherter Nachweis: 2000
Ort der Wiederentdeckung: Galápagos-Archipel (Isabela & Fernandina, Ecuador)
IUCN-Status: vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
Lebensraum: felsige Riffhänge und Steilwände in 12–30 m Tiefe, teils deutlich tiefer
Besonderheit: solitär lebende, auffällig violette Steinkoralle
Im Januar 2024 wurde die Großpolypige Steinkoralle erstmals seit über zwei Jahrzehnten wieder lebend nachgewiesen. Bei gezielten Tauchexpeditionen entdeckten Forschende mehrere Kolonien im westlichen Galápagos-Archipel und konnten die Art erstmals umfassend fotografisch und genetisch dokumentieren.
Nach dem starken Rückgang infolge des El-Niño-Ereignisses 1982/83 galt die Koralle lange als verschwunden. Heute geht man davon aus, dass sie in tieferen, kühleren oder geschützteren Riffbereichen überdauerte – Unterwasserroboter bestätigten Vorkommen sogar in über 100 Metern Tiefe. Trotz der Wiederentdeckung bleibt ihre Zukunft unsicher: Die wenigen, isolierten Bestände zeigen, wie verletzlich Korallenriffe im Klimawandel sind und wie wichtig langfristiges Monitoring und konsequenter Klimaschutz bleiben.
Killifisch Moema claudiae nach 22 Jahren zurück

(© Drawert & Litz (2025), Nature Conservation, CC BY 4.0)
Letzter gesicherter Nachweis: 2003
Ort der Wiederentdeckung: Tieflandregion Santa Cruz / Beni, Bolivien
IUCN-Status: vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
Lebensraum: temporäre Schwarzwassertümpel in saisonal überfluteten Waldresten
Besonderheit: saisonaler Killifisch, dessen Eier Trockenzeiten im Boden überdauern
Im Frühjahr 2024 tauchte M. claudiae nach mehr als zwei Jahrzehnten überraschend wieder auf. Die Art überlebte in einem einzelnen, flachen Regenzeittümpel – einem letzten Relikt innerhalb eines stark fragmentierten Waldgebiets, umgeben von intensiver Landwirtschaft.
Abholzung, landwirtschaftliche Expansion und veränderte Niederschlagsmuster setzen genau jenen Lebensräumen zu, von denen der Killifisch vollständig abhängt. Verschwinden die kleinen, saisonalen Tümpel oder trocknen sie zu früh aus, verschwindet auch M. claudiae.
Gondavarirennvogel – nach 21 Jahren wieder nachgewiesen

(© PJeganathan, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)
Rhinoptilus bitorquatus
Letzter gesicherter Nachweis: 2004 (Foto) / 2009 (Sichtmeldung)
Ort der Wiederentdeckung: Lankamalla-Hügel, Andhra Pradesh (Indien)
IUCN-Status: vom Aussterben bedroht
Geschätzte Population: 50 bis 249 geschlechtsreife Individuen
Lebensraum: offene, steinige Trockenbuschlandschaften
Besonderheit: scheu, nachtaktiv, lange Beine und große Augen
Seit mehr als einem Jahrhundert verschwindet der Gondavarirennvogel immer wieder aus dem Blick der Forschung. Nach wenigen Sichtungen im 19. Jahrhundert galt die Art ab 1900 zeitweise bereits als ausgestorben.
Im August 2025 gelang erstmals wieder ein gesicherter Nachweis des Gondavarirennvogels. Forschende zeichneten seinen unverwechselbaren Ruf in den Lankamalla-Hügeln auf – ein akustischer Beleg, der bestätigt, dass dieser extrem seltene Vogel noch immer in den fragmentierten Trockenbuschlandschaften Südostindiens existiert. Doch seine Lage ist kritisch: Der fortschreitende Verlust und die Zerstörung seines stark begrenzten Lebensraums setzen der kleinen Restpopulation massiv zu.
Barbados-Fadenschlange: Nach fast 20 Jahren erneut dokumentiert

(©Photo courtesy of Professor Blair Hedges)
Tetracheilostoma carlae
Letzter gesicherter Nachweis: ca. 2006
Ort der Wiederentdeckung: Zentrales Barbados
IUCN-Status: vom Aussterben bedroht
Lebensraum: verbliebene Waldreste und feuchte Schluchten
Besonderheit: kleinste bekannte Schlangenart der Welt (9–10 cm lang, unter 1 g schwer)
Im März 2025 wurde die Barbados-Fadenschlange erstmals wieder dokumentiert. Forschende des barbadischen Umweltministeriums und von Re:wild entdeckten ein einzelnes Exemplar unter einem überwachsenen Felsen in einem der letzten geeigneten Waldreste der Insel. Erst eine mikroskopische Untersuchung bestätigte, dass es sich nicht um die äußerlich ähnliche, aber größere invasive Blumentopfschlange handelte.
Die Barbados-Fadenschlange kommt ausschließlich auf Barbados vor, ihr heutiger Lebensraum umfasst nur noch weniger als zehn Quadratkilometer. Ihre Wiederentdeckung zeigt, wie verwundbar inselendemische Arten sind und wie leicht sie durch Lebensraumverlust und invasive Arten an den Rand des Aussterbens geraten können.
Eintagsfliege Behningia baei nach 18 Jahren wiederentdeckt

(© Kwanboon & Boonsoong 2025, Check List, CC BY 4.0)
Letzter gesicherter Nachweis: 2006
Ort der Wiederentdeckung: Mae-Chaem-Fluss, Nordthailand
IUCN-Status: nicht bewertet
Lebensraum: sauerstoffreiche Fließgewässer mit stabilem Feinsand
Besonderheit: extrem selten nachgewiesen; adulte Tiere leben nur wenige Stunden
Im Dezember 2024 wurde B. baei erstmals seit fast zwei Jahrzehnten wieder dokumentiert. Forschende konnten zwei sandfarbene Larven gezielt aus dem Flussbett bergen und eindeutig bestimmen. Der Fund zeigt, dass die Art vermutlich häufiger vorkommt als bislang angenommen, sich jedoch ihrer versteckten Lebensweise wegen der Beobachtung entzieht.
Die Eintagsfliege B. baei gilt als besonders empfindlich gegenüber Störungen. Flussbegradigungen, Staudämme, Sandabbau, Verschmutzung und Sauerstoffmangel können bereits kleinste Veränderungen im Sediment verursachen – mit potenziell fatalen Folgen für lokale Populationen.
Zimtbrust-Blauschnäpper: Nach 17 Jahren wieder nachgewiesen

(© Cyornis camarinensis (Rand & Rabor, 1967), Observed in Philippines by kenny_well, CC BY-NC 4.0, via GBIF)
Cyornis camarinensis
Letzter gesicherter Nachweis: 2008
Ort der Wiederentdeckung: Südost-Luzon, Philippinen
IUCN-Status: potenziell gefährdet
Lebensraum: Unterholz feuchter Tieflandwälder
Besonderheit: heimlicher Waldvogel, der vermutlich lange übersehen wurde, weil er im dichten Unterholz lebt
Im März 2025 wurde der Zimtbrust-Blauschnäpper erstmals seit 17 Jahren wieder eindeutig nachgewiesen. Der Vogelkenner Martin Kennewell spürte die Art auf, indem er den Gesang einer nahe verwandten Art abspielte. In einem abgelegenen Tieflandwald auf Luzon gelang schließlich die fotografische Dokumentation eines männlichen Individuums – zugleich das erste bestätigte Foto der Art in freier Wildbahn.
Der Fund belegt, dass diese seltene, endemische Vogelart noch immer in kleinen Waldrefugien überlebt. Ihr Bestand bleibt allerdings stark gefährdet: Abholzung und zunehmende Fragmentierung der Tieflandwälder setzen den verbliebenen Populationen massiv zu. Die Wiederentdeckung unterstreicht daher den hohen Wert gezielter Suchkampagnen und den dringenden Schutz der letzten intakten Waldreste.
Nach 14 Jahren erneut dokumentiert – Schwarzschwanz-Zistensänger

(© Maans Booysen, Birding Weto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Cisticola melanurus
Letzter gesicherter Nachweis: 2010
Ort der Wiederentdeckung: Nordost-Angola
IUCN-Status: nicht gefährdet
Lebensraum: Miombo-Trockenwälder
Besonderheit: trotz weiter Verbreitung (Nordost-Angola und südliche DR Kongo) extrem selten nachgewiesen
Im Februar 2024 wurde der Schwarzschwanz-Zistensänger erstmals seit 14 Jahren wieder dokumentiert. Der Ornithologe Michael Mills wies die Art an jenem Ort nach, an dem sie bereits 2010 zuletzt fotografiert und akustisch belegt worden war.
Der Wiederfund bestätigt das Fortbestehen der wenig erforschten Vogelart, deren Seltenheit vermutlich weniger auf die tatsächliche Bestandsgröße als auf die schlechte Zugänglichkeit ihres Lebensraums zurückzuführen ist. Da Abholzung und die Nutzung der Miombo-Wälder den Lebensraum der Art zunehmend gefährden, braucht es zukünftig weitere Erhebungen.
2025 wurde auch die Wiederentdeckung des Schwarzzügelastrilds (Estrilda nigriloris) in der DR Kongo bekanntgegeben – die Vogelart war seit rund 70 Jahren verschollen.
Bismarckzwergfischer: Erster Nachweis nach 13 Jahren

(© Kai Squires, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)
Ceyx websteri
Letzter gesicherter Nachweis: 2012
Ort der Wiederentdeckung: Insel Neuirland, Bismarck-Archipel (Papua-Neuguinea)
IUCN-Status: gefährdet
Lebensraum: kleine, langsam fließende Flüsse und Bachläufe in Tieflandwäldern
Besonderheit: Eisvogel mit sehr geringer Nachweisdichte, der selbst in seinem Verbreitungsgebiet leicht übersehen wird
Im Mai 2025 gelang erstmals wieder ein gesicherter Nachweis des Bismarckzwergfischers. Während einer gezielten Expedition zu verschollenen Vogelarten wurde ein adultes Männchen an einem schmalen, bewaldeten Fließgewässer auf der Insel Neuirland fotografiert. Damit liegt erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder ein eindeutiger Beleg für das Fortbestehen dieser kaum erforschten Eisvogelart vor.
Der Bismarckzwergfischer gilt als unauffällig und schwer nachzuweisen: Er lebt verborgen entlang schattiger Bäche und zeigt nur geringe Flugaktivität. Gleichzeitig steht sein Lebensraum stark unter Druck. Abholzung, Straßenbau und die Verschlechterung kleiner Fließgewässer bedrohen die wenigen bekannten Vorkommen.
Sirabartvogel nach 11 Jahren wieder da

(© Michael G. Harvey/Cornell University, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Capito fitzpatricki
Letzter gesicherter Nachweis: 2013
Ort der Wiederentdeckung: Cordillera de Sira, Südost-Peru
IUCN-Status: potenziell gefährdet
Lebensraum: feuchte Berg- und Nebelwälder in etwa 950–1.750 m
Besonderheit: kurz vor dem Verschwinden beschrieben (2012), kaum erforscht und extrem lokal begrenzt
Im Sommer 2024 wurde der Sirabartvogel während einer gezielten Expedition in den abgelegenen Bergwäldern der Cordillera de Sira erneut nachgewiesen. Nach über einem Jahrzehnt ohne gesicherte Beobachtungen konnten mehrere Individuen gesehen, gehört und fotografiert werden – teilweise in höheren Lagen, als bislang bekannt war.
Trotz dieses Erfolgs bleibt die Art extrem selten und auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt. Wahrscheinlich existiert nur eine kleine, isolierte Population. Der Fund unterstreicht sowohl die hohe Bedeutung gezielter Feldforschung in schwer zugänglichen Regionen als auch die Verletzlichkeit solcher endemischen Arten. Im Zuge derselben Expedition wurde zudem der Ockerkehlklarino (Cichlopsis peruviana) erstmals seit Jahren wieder dokumentiert.
Breischnabel-Staffelschwanz nach 11 Jahren wieder nachgewiesen

(© Naturalis Biodiversity Center, CC0, via Wikimedia Commons)
Chenorhamphus grayi
Letzter bestätigter Nachweis: 2014
Ort der Wiederentdeckung: Bergwälder von Westpapua, Indonesien
IUCN-Status: nicht gefährdet
Lebensraum: Bergwälder und buschreiche Waldsäume Neuguineas
Besonderheit: sehr selten dokumentiert; trotz stabilen Status über Jahre ohne gesicherte Nachweise
Nach elf Jahren ohne bestätigte Beobachtung wurde der Breitschnabel-Staffelschwanz im März 2025 erstmals erneut dokumentiert. Der Ornithologe und Vogelbeobachter Daniel Hoops entdeckte die Art in den Bergwäldern von Westpapua zunächst akustisch: Sein leiser, charakteristischer Gesang verriet die Anwesenheit des selten gesehenen Vogels. Kurz darauf gelangen Tonaufnahmen sowie fotografische Belege.
Mit diesem Fund wurde der Breitschnabel-Staffelschwanz offiziell von der Liste der Lost Birds gestrichen. Obwohl die Art nicht als bedroht gilt, zeigt ihr Verschwinden aus dem wissenschaftlichen Blickfeld, wie leicht selbst stabile Vogelarten in abgelegenen und schwer zugänglichen Regionen über Jahre hinweg unbemerkt bleiben können.
Warum sind Wiederentdeckungen wichtig?
Die Wiederentdeckung einer Art ist kein Zeichen dafür, dass Entwarnung gegeben werden kann. In den meisten Fällen hat sich an der Bedrohungslage wenig geändert. Vielmehr machen solche Funde sichtbar, wie fragil die letzten Rückzugsräume vieler Arten geworden sind und wie leicht Tierarten über eine lange Zeit aus dem Blickfeld der Wissenschaft verschwinden können.
Eine Wiederentdeckung bedeutet daher vor allem eines: neues, belastbares Wissen. Der Status einer Art verschiebt sich von möglicherweise noch vorhanden zu aktuell bestätigt. Über ihre Zukunft sagt das zunächst wenig aus. Viele der hier vorgestellten Arten bleiben stark gefährdet, ihre Lebensräume sind fragmentiert, ihre Bestände klein oder unbekannt.
Gerade deshalb sind Wiederentdeckungen so bedeutsam. Sie zeigen, wo große Wissenslücken bestehen, wo bislang kaum geforscht wurde und welche Artengruppen leicht übersehen werden. Gleichzeitig schaffen sie die Grundlage für gezielten Arten- und Lebensraumschutz, denn nur was bekannt ist, kann überhaupt geschützt werden – das gilt auch für neuentdeckte Arten.
Quellen
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