Bismarckzwergfischer wiederentdeckt
Der Bismarckzwergfischer, lange Zeit verschollen, konnte im Mai 2025 auf Neuirland dokumentiert werden. Kai Squires, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Wiederentdeckung: Seltener Eisvogel zeigt sich nach 13 Jahren

Der Bismarckzwergfischer (Ceyx websteri) galt fast 13 Jahre lang als verschollen. Seit dem letzten bestätigten Nachweis im Jahr 2012 blieb die Art unbeobachtet, was Befürchtungen nährte, sie könnte bereits ausgestorben sein. Im Mai 2025 gelang nun in Papua-Neuguinea eine erneute Bestätigung: Der Forscher John Lamaris dokumentierte auf der Insel Neuirland einen männlichen Vogel, wie die Initiative Search for Lost Birds berichtet.

Die Wiederentdeckung

Neuirland Papua-Neuguinea Karte
Der Bismarck-Archipel gehört zu Papua-Neuguinea und umfasst über 200 Inseln. Der Bismarckzwergfischer wurde, so die IUCN, 1997/98 auf Neubritannien, Neuirland, Neuhannover, Umboi und Lihir nachgewiesen. Eine Sichtung gelang zudem 1999 auf den Feni-Inseln.
SpoolWhippets, CC0, via Wikimedia Commons)

Während seiner Forschung zum erst 2007 wiederentdeckten und zuvor nur durch zwei Exemplare bekannten, extrem seltenen Salomonensturmvogel (Pseudobulweria becki) suchte John Lamaris auf Neuirland – unterstützt von der American Bird Conservancy – gezielt auch nach weiteren verschollenen Arten. Dazu zählte der Bismarckzwergfischer.

Am Abend des 17. Mai richtete Lamaris bei einer Expedition im Süden Neuirlands den Lichtstrahl seiner Taschenlampe auf einen Ast am Flussufer. Dort saß ein Eisvogel, der seine Aufmerksamkeit erregte: ein kräftiger schwarzer Schnabel, ein blaugrün schimmerndes Brustband und eine hell gefärbte Unterseite. Zunächst blieb unklar, ob es sich tatsächlich um den seit 2012 verschollenen Bismarckzwergfischer handelte, denn die meisten bekannten Abbildungen zeigen die Vögel mit orangefarbenem Bauch. Erst die spätere Bestätigung durch den Vogelexperten Guy Dutson brachte Gewissheit: Es war ein Männchen der Art, dessen Unterseite von Natur aus deutlich heller gefärbt ist.

Bedrohter Lebensraum

Bismarckzwergfischer (Ceyx websteri)
Der Bismarckzwergfischer lebt bevorzugt an kleinen, langsam fließenden Flüssen in Tieflandwäldern. Größere und schnell strömende Gewässer meidet er.
J G Keulemans (d 1912), Public domain, via Wikimedia Commons)

Der Bismarckzwergfischer lebt an kleinen, langsam fließenden Flüssen in den Tieflandwäldern des Bismarck-Archipels. Sein letzter dokumentierter Nachweis stammte aus dem Jahr 2012, als ein Exemplar auf Neubritannien fotografiert wurde. Danach gab es keine weiteren Nachweise.

So erfreulich die aktuelle Beobachtung ist, die Bestandszahlen bleiben niedrig. Die IUCN führt die Art als „gefährdet“. Die Hauptursache: fortschreitender Lebensraumverlust.

Auf Neubritannien wurden in den vergangenen Jahrzehnten bis zu 25 % der Tieflandwälder zerstört, vor allem für Palmölplantagen. Zwar haben große Konzerne mittlerweile ein Abholzungs­moratorium verhängt, doch kleinere Unternehmen und die Ausweitung von Subsistenzgärten gefährden weiterhin wertvolle Wälder. Hinzu kommen industrieller Holzeinschlag und Folgeschäden wie die Verschlammung von Flüssen, die den Eisvogel seiner Jagd- und Brutplätze berauben.

Neuere Analysen deuten darauf hin, dass sich die Abholzungsrate leicht verlangsamt hat. Dennoch rechnen Fachleute vorsichtig mit einem weiteren Rückgang von 10 bis 20 % innerhalb von drei Generationen.

Die Wiederentdeckung ist nicht allein von wissenschaftlicher Bedeutung, sondern macht auch den Handlungsbedarf im Naturschutz deutlich. Lamaris sieht darin eine Chance, den Naturschutz in Süd-Neuirland zu stärken, insbesondere in der Region um Cape St. George, einem zentralen Hotspot der Artenvielfalt.

Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Die Wiederentdeckung des Bismarckzwergfischers war nur durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften möglich. Landbesitzer und Clanmitglieder führten Lamaris und sein Team in den Wald und teilten ihr Wissen über die Tierwelt. Dieses Zusammenspiel von traditionellem Wissen und wissenschaftlicher Forschung erwies sich als entscheidend – und wird auch künftig eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, seltene Arten aufzuspüren und zu schützen.

Der Fund zeigt außerdem, dass auch nach vielen Jahren noch Hoffnung auf Wiederentdeckungen besteht. Lamaris möchte seine Arbeit fortsetzen und weitere verschollene Vögel des Bismarck-Archipels aufspüren. Auf seiner Liste stehen der Eichhornlederkopf (Philemon eichhorni), zuletzt 2012 nachgewiesen, der Weißnackenlori (Lorius albidinucha) von 2008, die Salomonensalangane (Aerodramus orientalis), die seit 1962 nicht mehr gesichtet wurde, sowie Turdus heinrothi, ein Drosselvogel, der zuletzt 1994 dokumentiert wurde.

Die Wiederentdeckung des Bismarckzwergfischers ist auch im internationalen Kontext bedeutsam. Er stand auf der aktuellen Lost-Birds-Liste 2025, die Arten aufführt, von denen es seit mindestens zehn Jahren keine bestätigten Nachweise gibt. Diese Liste wird im Rahmen der Initiative Search for Lost Birds regelmäßig aktualisiert, einem Gemeinschaftsprojekt von BirdLife International, American Bird Conservancy und Re:wild.

Ziel ist es, verschollene Vogelarten weltweit aufzuspüren und so neue Impulse für ihren Schutz zu geben. Mit dem Nachweis des Bismarckzwergfischers wurde im Jahr 2025 bereits die siebte Art als wiederentdeckt gemeldet – nach dem Zimtbrust-Blauschnäpper, dem Vilcabamba-Inka, dem Schwarzzügelastrild, dem Schwarzschwanz-Zistensänger sowie zwei weiteren Vogelarten in Peru.

Quelle

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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