Vom Aussterben bedrohte Tierarten
Extrem seltene Arten: Nördlicher Wieselmaki, Teufelskärpfling und Rubinkehltangare (© Wikimedia Commons – Maki: Edward E. Louis, Jr, CC BY-SA 4.0 / Fisch: Olin Feuerbacher, Public Domain / Vogel: Jens Bokelaar, CC BY-SA 4.0)

Welche Tiere sind vom Aussterben bedroht? Diese 8 Arten haben weniger als 100 Individuen

Artensterben ist selten ein abruptes Ereignis. In vielen Fällen zieht sich der Rückgang über Jahrzehnte hinweg, bis nur noch kleine, isolierte Restpopulationen übrig bleiben. Einige dieser Arten existieren heute mit weniger als 100 Individuen weltweit.

Solche extrem kleinen Populationen sind besonders anfällig für Zufallsereignisse, genetische Verarmung und fortschreitenden Lebensraumverlust.

8 Tierarten, deren Bestände nach aktuellem Kenntnisstand unter 100 Individuen liegen:

Rubinkehltangare (Nemosia rourei) - einer der seltensten Vögel der Welt
Rubinkehltangare (Nemosia rourei)
Brasilien
weniger als 30 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Jens Bokelaar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Teufelskärpfling - vom Aussterben bedroht
Teufelskärpfling (Cyprinodon diabolis)
Devils Hole (Nevada, USA)
rund 38 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Presumably Olin Feuerbacher, Public domain, via Wikimedia Commons)
Nördlicher Wieselmaki - vom Aussterben bedroht
Nördlicher Wieselmaki (Lepilemur septentrionalis)
Madagaskar
weniger als 70 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Edward E. Louis, Jr, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Coleura seychellensis
Seychellen-Schiebeschwanz-Fledermaus (Coleura seychellensis)
Mahé und Silhouette (Seychellen)
weniger als 100 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Island Conservation Society, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)
Santa-Catarina-Meerschweinchen
Santa-Catarina-Meerschweinchen (Cavia intermedia)
Moleques do Sul (Brasilien)
etwa 42 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Cavia intermedia Cherem, Olimpio & Ximenez, 1999 Observed in Brazil by fernandofariasbirdin, CC BY-NC 4.0, via GBIF)
Atelopus longirostris
Langnasen-Harlekinkröte (Atelopus longirostris)
Ecuador
weniger als 50 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

(© „MCZ:Herp:A-95678 Atelopus longirostris lateral“ – Atelopus longirostris Cope, 1868 Collected in Ecuador by © President and Fellows of Harvard College, CC BY-NC-SA 3.0, via GBIF)
Suluhornvogel (Anthracoceros montani)
Suluhornvogel (Anthracoceros montani)
Tawi-Tawi (Sulu-Archipel, Philippinen)
weniger als 50 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Chivi Aguro, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Saint Lucia Racer - vom Aussterben bedroht
Saint Lucia Racer (Erythrolamprus ornatus)
Maria Major (Karibik)
weniger als 50 Tiere
IUCN: vom Aussterben bedroht

Erythrolamprus ornatus (Garman, 1887) by cailaneMaia, CC BY-NC 4.0, via GBIF)

Rubinkehltangare: weniger als 30 Tiere

Die Rubinkehltangare oder Rotkehltangare (Nemosia rourei) wurde 1870 wissenschaftlich beschrieben. Danach verschwand sie für Jahrzehnte aus dem Blick der Forschung, wurde 1941 kurzzeitig wiederentdeckt und galt anschließend erneut als verschollen – bis zu ihrer Wiederentdeckung im Jahr 1998.

Rubinkehltangare Verbreitungsgebiet
Extrem begrenztes Verbreitungsgebiet der Rubinkehltangare in Espírito Santo, Brasilien

Heute ist die Sperlingsvogelart auf zwei kleine Gebiete im Bundesstaat Espírito Santo im Südosten Brasiliens beschränkt, insbesondere in den Regionen Castelo und Santa Teresa.

Seit 2021 konzentrieren sich internationale Schutzbemühungen – unter Beteiligung der ZGAP, mehrerer Zoos und lokaler Partner – auf den unmittelbaren Schutz der verbliebenen Populationen. Dazu zählen die Überwachung einzelner Nester, der Schutz vor Fressfeinden sowie die Einrichtung eines rund 3.400 Hektar großen Schutzgebiets. Diese Maßnahmen führten zu einem leichten Anstieg der bekannten Individuenzahl von etwa 15 Tieren im Jahr 2021 auf aktuell rund 23 – insgesamt jedoch weiterhin weniger als 30 Individuen (Stand 2026).

Ein zentrales Problem bleibt die geringe Kenntnis der Biologie der Art. Aspekte wie Nahrungsökologie, Brutverhalten und Habitatnutzung werden derzeit untersucht, da sie die Grundlage für mögliche zukünftige Schutzstrategien bilden. Eine Erhaltungszucht existiert bislang nicht; die Rubinkehltangare wird weltweit in keiner Einrichtung gehalten.

Die Ursachen für den Rückgang sind nicht vollständig geklärt. Als wahrscheinlich gelten vor allem der fortschreitende Verlust und die Fragmentierung des Atlantischen Regenwaldes sowie möglicher zusätzlicher Druck durch Prädation.

Teufelskärpfling: rund 38 Tiere

Devils Hole Hole (Nevada, USA) - Lebensraum von Cyprinodon diabolis
Devils Hole in Nevada (USA), das einzige bekannte Vorkommen des Teufelskärpflings
Pacific Southwest Region USFWS from Sacramento, US, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der nur 2 bis 3,4 Zentimeter große Teufelskärpfling (Cyprinodon diabolis) lebt ausschließlich in der sogenannten Devils Hole, einem kleinen, etwa 5 mal 3,5 Meter großen Kalksteinbecken im US-Bundesstaat Nevada. Dieses Becken liegt rund 15 Meter unter der Erdoberfläche und wird von einer Warmwasserquelle gespeist, in der ganzjährig Temperaturen von 32 bis 38 °C herrschen.

Die gesamte Weltpopulation ist auf dieses eine Habitat beschränkt. Entsprechend schwankt der Bestand stark und liegt meist im Bereich von weniger als 100 Individuen. In einzelnen Jahren wurden sogar nur wenige Dutzend Tiere gezählt. Nach einem leichten Anstieg in den vergangenen Jahren kam es 2025 infolge von Erdbeben zu einem massiven Einbruch auf nur noch rund 38 Individuen.

Die Ursachen für diese Schwankungen sind vielfältig, haben aber stets denselben Ursprung: die extreme Abhängigkeit von einem einzigen, sehr kleinen Lebensraum. Bereits in der Vergangenheit führten Grundwasserentnahmen zu sinkenden Wasserständen. Heute ist das Gebiet zwar streng geschützt und für die Öffentlichkeit gesperrt, bleibt jedoch anfällig für Störungen – etwa durch Vandalismus oder Veränderungen der Wasserqualität.

Hinzu kommen natürliche Ereignisse, die bei einer so kleinen Population unmittelbare Folgen haben können. Erdbeben, plötzliche Wasserbewegungen oder Temperaturveränderungen können Eier, Larven oder Nahrungsgrundlagen zerstören. Auch der Klimawandel wirkt sich bereits aus: Steigende Wassertemperaturen verkürzen die Zeitfenster, in denen sich die Eier erfolgreich entwickeln können.

Nördlicher Wieselmaki: weniger als 70 Tiere

Der Nördliche Wieselmaki (Lepilemur septentrionalis) ist heute auf ein kleines Waldgebiet im Norden von Madagaskar beschränkt, die Montagne des Français. Dort existiert die letzte bekannte Population mit nur noch etwa 50 bis 70 Individuen.

Nördlicher Wieselmaki - Karte, Verbreitung
Verbreitungsgebiet des extrem seltenen Nördlichen Wieselmakis im Nordosten der Insel Madagaskar

Ursprünglich war die Art in weiten Teilen Nordmadagaskars verbreitet. Bereits 2007 wurde die Population auf etwa 100 Tiere geschätzt. Nur wenige Jahre später konnten in früheren Verbreitungsgebieten lediglich noch einzelne Tiere nachgewiesen werden; heute gilt die Art außerhalb ihres verbliebenen Kerngebiets als verschwunden. Insgesamt ist die Population in den letzten Jahrzehnten um mehr als 80 % zurückgegangen.

Der Lebensraum besteht aus trockenen und halbfeuchten Wäldern in niedrigen bis mittleren Höhenlagen. Diese Wälder sind inzwischen stark fragmentiert und durch Entwaldung weitgehend zerstört. Besonders die illegale Holznutzung zur Holzkohleproduktion hat große Teile des ursprünglichen Lebensraums vernichtet und die verbleibenden Waldflächen voneinander isoliert.

Neben dem Habitatverlust stellt auch die Bejagung eine Bedrohung dar. Im Zuge der Holzkohleproduktion werden die Tiere häufig opportunistisch gefangen. Eine gezielte Nutzung im Rahmen des zunehmend urban geprägten Lemurenfleischhandels spielt für diese Art jedoch vermutlich nur eine untergeordnete Rolle. Die zunehmende Fragmentierung der Wälder erschwert zudem den genetischen Austausch zwischen den verbliebenen Individuen. Heute existiert nur noch eine einzige, isolierte Population, deren Lebensraum weiter schrumpft. Trotz Schutzmaßnahmen geht der Bestand weiterhin zurück.

Seychellen-Schiebeschwanz-Fledermaus: weniger als 100 Tiere

Die Seychellen-Schiebeschwanz-Fledermaus (Coleura seychellensis) gehört zu den seltensten Fledermausarten der Welt.
Höhlenquartier auf den Seychellen – einer der letzten Rückzugsorte der Seychellen-Schiebeschwanz-Fledermaus
Island Conservation Society, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Die gegenwärtige Population der Seychellen-Schiebeschwanz-Fledermaus (Coleura seychellensis) umfasst weniger als 100 adulte Individuen und ist auf wenige kleine Kolonien auf den Inseln Mahé und Silhouette im Inselstaat Seychellen beschränkt.

Die Art lebt in niedrigen Höhenlagen und nutzt Höhlen als Tagesquartiere. Weltweit sind nur vier aktive Quartiere bekannt. Selbst die größte bekannte Kolonie umfasst lediglich etwa 16 bis 46 Tiere, während kleinere Quartiere teilweise nur aus wenigen Individuen bestehen. Die Gesamtpopulation ist rückläufig.

Historisch war die Art deutlich weiter verbreitet und galt im 19. Jahrhundert als häufig. Der Rückgang begann mit der großflächigen Umwandlung der ursprünglichen Wälder in Plantagen. Dabei verschwanden nicht nur geeignete Lebensräume, sondern auch die für die Art lebenswichtigen Insekten als Nahrungsgrundlage.

Heute ist die Seychellen-Schiebeschwanz-Fledermaus durch mehrere Faktoren gleichzeitig bedroht. Dazu zählen der fortschreitende Verlust und die Degradation von Jagdhabitaten, Störungen der Höhlenquartiere durch menschliche Aktivitäten sowie invasive Arten. Eingeschleppte Pflanzen verändern die Vegetation und können Höhleneingänge überwuchern, während eingeführte Prädatoren wie Katzen, Ratten oder Schleiereulen zusätzlichen Druck ausüben. Auch der Einsatz von Pestiziden kann indirekt zum Rückgang beitragen, indem er das Nahrungsangebot reduziert.

Santa-Catarina-Meerschweinchen: etwa 42 Tiere

Santa-Catarina-Meerschweinchen - vom Aussterben bedroht
Verbreitungsgebiet des Santa-Catarina-Meerschweinchens: Auf der rund 10 Hektar Insel bewohnt der Nager nur etwa 4 Hektar.
IUCN Red List of Threatened Species, species assessors and the authors of the spatial data., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Das Santa-Catarina-Meerschweinchen (Cavia intermedia) lebt seit rund 8.000 Jahren ausschließlich auf einer nur etwa 10 Hektar großen Insel im Archipel Moleques do Sul vor der Küste des brasilianischen Bundesstaates Santa Catarina. Zwar gehört die Insel zum Schutzgebiet Parque Estadual da Serra do Tabuleiro, doch ist die Durchsetzung der Schutzmaßnahmen vor Ort begrenzt. Trotz ihrer abgeschiedenen Lage kann sie betreten werden; gelegentliche Bejagung lässt sich daher nicht vollständig ausschließen.

Eine Langzeitstudie zur Populationsdynamik schätzte den Bestand des Santa-Catarina-Meerschweinchens auf durchschnittlich etwa 42 Individuen. Alles deutet darauf hin, dass die Art über lange Zeiträume hinweg eine ähnlich kleine Populationsgröße beibehalten hat.

Die größte Gefahr geht nicht von direkter menschlicher Nutzung aus, sondern von der extremen Isolation der Nagetiere. Da die gesamte Population auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt ist und sich nahe ihrer ökologischen Kapazitätsgrenze bewegt, ist ein Wachstum kaum möglich. Zwar existiert im Archipel eine weitere kleine Insel, die sich theoretisch für den Aufbau einer Reservepopulation eignen könnte, doch wäre auch dort keine langfristig überlebensfähige Wildpopulation möglich.

Es besteht ein reales Risiko, dass ein einzelnes Zufallsereignis – etwa ein Brand oder eine Krankheit – die Art innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig auslöschen könnte.

Langnasen-Harlekinkröte: weniger als 50 Tiere

Die Langnasen-Harlekinkröte (Atelopus longirostris) galt lange als ausgestorben. Nachdem die Art zuletzt 1989 nachgewiesen worden war, blieb sie trotz intensiver Suche über mehr als zwei Jahrzehnte verschwunden. Erst im Jahr 2016 gelang die Wiederentdeckung von nur vier Individuen in zwei kleinen Waldfragmenten im Nordwesten von Ecuador.

Regenwald in Ecuador
Tropischer Bergwald mit Fließgewässern in Ecuador, typischer Lebensraum der Langnasen-Harlekinkröte
Photography, Scan and postprocessing by Hubertl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Heute ist die Langnasen-Harlekinkröte ausschließlich aus diesen beiden, nur etwa einen Kilometer voneinander entfernten, aber vollständig isolierten Waldstücken bekannt. Das gesamte aktuelle Verbreitungsgebiet umfasst lediglich rund vier Quadratkilometer. Die verbleibende Population wird auf weniger als 50 adulte Individuen geschätzt und gilt als die einzige noch existierende.

Historisch war die Art in den westlichen Anden Ecuadors deutlich weiter verbreitet und kam in tropischen Bergwäldern entlang von Fließgewässern vor. Der drastische Rückgang setzte vermutlich bereits in den 1980er-Jahren ein. Als mögliche Ursachen gelten eine Kombination aus Lebensraumverlust, Klimaveränderungen und der Amphibienkrankheit Chytridiomykose, die zahlreiche Arten der Gattung Atelopus stark dezimiert hat. Der Chiriquí-Harlekinfrosch (A. chiriquiensis), der 1996 ausstarb, verdeutlicht, wie schnell ganze Arten unter diesem Druck verschwinden können.

Die heute verbliebene Population ist durch fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraums akut bedroht. Landwirtschaft, Holzeinschlag und insbesondere Bergbauprojekte führen zu weiterer Fragmentierung und Verschmutzung der Gewässer. Ein geplantes Kupferabbauprojekt liegt direkt in einem der beiden bekannten Vorkommen und könnte die Art erheblich gefährden.

Aufgrund der extrem kleinen Population, des winzigen Verbreitungsgebiets und der anhaltenden Bedrohungen wird ein weiterer Rückgang erwartet. Selbst unter günstigen Bedingungen könnte die Langnasen-Harlekinkröte innerhalb kurzer Zeit verschwinden.

Suluhornvogel: weniger als 50 Tiere

Der etwa 70 Zentimeter große Suluhornvogel (Anthracoceros montani) ist endemisch im Sulu-Archipel im Süden der Philippinen und kommt heute nur noch auf der Insel Tawi-Tawi vor. Erst im November 2025 gelang dort erneut eine Sichtung dieser seltenen Nashornvogelart.

Sulu-Archipel (Philippinen) - Karte
Alle modernen Nachweise des Suluhornvogels stammen von der Insel Tawi-Tawi.

Früher war der Suluhornvogel auf mehreren Inseln des Archipels verbreitet, darunter Jolo und Sanga-Sanga. Die verbleibende Population wird auf weniger als 50 adulte Individuen geschätzt, möglicherweise sogar auf unter 20 Brutpaare. Damit zählt die Art zu den am stärksten bedrohten Vögeln weltweit.

Der Suluhornvogel bewohnt primäre Dipterocarpaceen-Wälder, meist an Berghängen. Er ernährt sich vor allem von Früchten und ist auf große, alte Bäume angewiesen, die ihm als Brutplätze dienen. Die fortschreitende Abholzung hat diese Wälder stark reduziert und in kleine, voneinander getrennte Restflächen aufgespalten.

Auf Jolo und Sanga-Sanga sind die ursprünglichen Wälder heute nahezu vollständig verschwunden, wodurch die Art dort vermutlich bereits ausgestorben ist. Auch auf Tawi-Tawi gehen die verbliebenen Waldgebiete weiter zurück. Zusätzlich werden die Vögel bejagt oder bei Gelegenheit getötet, etwa zur Nahrungsbeschaffung.

Heute ist die gesamte Population auf wenige isolierte Waldgebiete beschränkt. Trotz lokaler Schutzmaßnahmen – etwa Patrouillen gegen illegale Abholzung und der Schutz einzelner Nester – gilt die Art weiterhin als akut vom Aussterben bedroht.

Saint Lucia Racer: weniger als 50 Tiere

Der Saint Lucia Racer (Erythrolamprus ornatus) gilt als seltenste Schlange der Welt. Die Art kommt ausschließlich auf der kleinen Insel Maria Major vor, die nur etwa 0,09 Quadratkilometer groß ist und wenige hundert Meter vor der Küste von Saint Lucia in der Karibik liegt. Die gesamte Population umfasst vermutlich weniger als 50 adulte Individuen.

Saint Lucia
Trockene Küstenlandschaft auf Saint Lucia – vergleichbarer Lebensraum des Saint Lucia Racers
georama, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons)

Die Art war einst auch auf der Hauptinsel Saint Lucia verbreitet und galt dort als vergleichsweise häufig. Mit der Einführung invasiver Arten, insbesondere des Kleinen Mungos im 19. Jahrhundert, brach die Population jedoch zusammen. Seitdem gilt der Saint Lucia Racer auf der Hauptinsel als ausgestorben. Erst 1973 wurde eine kleine Restpopulation auf Maria Major entdeckt.

Heute ist der Saint Lucia Racer vollständig auf dieses eine, winzige Eiland beschränkt. Strenge Schutzmaßnahmen – darunter Zugangsbeschränkungen und die konsequente Kontrolle invasiver Arten – sichern derzeit das Überleben der letzten Population.

Die größte Bedrohung geht weiterhin von eingeschleppten Prädatoren aus. Sollte es invasiven Arten wie Mungos, Ratten oder Katzen gelingen, Maria Major zu erreichen, könnte die gesamte Population innerhalb kurzer Zeit ausgelöscht werden. Darüber hinaus ist die Schlangenart aufgrund ihres kleinen Lebensraums anfällig für Zufallsereignisse wie Dürren, Stürme oder Brände.

Langfristig gilt die Population als nicht überlebensfähig, solange sie auf eine einzelne Insel beschränkt bleibt. Daher wird versucht, zusätzliche sichere Lebensräume zu schaffen und neue Populationen aufzubauen. Bislang ist der Saint Lucia Racer jedoch vollständig auf den Schutz dieses einen Ortes angewiesen.


Diese Beispiele zeigen, wie nah viele Arten bereits am Aussterben stehen. Weniger als 100 Individuen bedeuten, dass jeder Verlust entscheidend sein kann. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass gezielte Schutzmaßnahmen selbst in dieser kritischen Phase noch Wirkung zeigen können.


Quellen

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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