Rote Liste für Säugetiere und Heuschrecken - Niedersachsen & Bremen 2025
Neue Rote Listen für Säugetiere und Heuschrecken: Dies sind einige der Arten, die in Niedersachsen als "vom Aussterben bedroht", "extrem selten" oder "stark gefährdet" gelten.

Neue Rote Listen für Niedersachsen: Ein Drittel der Säugetiere und Heuschrecken bedroht

Nach teils jahrzehntelanger Pause hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nun jeweils die Rote Liste für Säugetiere und Heuschrecken in Niedersachsen und Bremen aktualisiert. Die letzte Fassung für Säugetiere stammt aus dem Jahr 1994, die der Heuschrecken aus dem Jahr 2003. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Etwa ein Drittel der bewerteten Arten gilt als gefährdet, ausgestorben oder verschollen.

Die Rote Liste ist ein zentrales Instrument des Artenschutzes in Deutschland. Sie dokumentiert nicht nur die aktuelle Gefährdungssituation, sondern liefert auch die wissenschaftliche Grundlage für politische Maßnahmen. Die 2025er-Fassung zeigt wieder einmal, wie dringend diese Maßnahmen gebraucht werden.

Säugetiere: Sensible Arten verlieren Lebensräume

Europäischer Nerz auf der Roten Liste der Säugetiere und Heuschrecken Niedersachsen & Bremen
Der Europäische Nerz (Mustela lutreola) ist in Niedersachsen „ausgestorben oder verschollen“ und weltweit „vom Aussterben bedroht“. In Niedersachsen wurde das letzte wild lebende Tier 1925 gefangen.
zoofanatic, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Die Rote Liste der Säugetiere umfasst für Niedersachsen und Bremen 86 Arten, darunter acht Neozoen und vier unbeständige oder kultivierte Arten. Gebietsfremde oder in den beiden Bundesländern nicht etablierte Arten wurden bei der Gefährdungsbeurteilung nicht berücksichtigt.

Von den 74 bewerteten Säugetierarten sind 27 auf der Roten Liste (36 %):

  • 9 Arten gelten als „ausgestorben oder verschollen“ – z. B. die Alpenspitzmaus (Sorex alpinus), der Wisent (Bison bonasus), der Elch (Alces alces), der Braunbär (Ursus arctos), der Große Tümmler (Tursiops truncatus) und der Auerochse (Bos primigenius)
  • 5 Arten sind „vom Aussterben bedroht“, darunter die Hausratte (Rattus rattus), die Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii), der Feldhamster (Cricetus cricetus) und der Gartenschläfer (Eliomys quercinus)
  • 4 Arten sind „stark gefährdet“ – allesamt Fledermausarten wie die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und die Teichfledermaus (Myotis dasycneme)
  • 7 Arten sind „gefährdet“ – z. B. der Luchs (Lynx lynx), die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) und die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris)
  • 1 Art ist der Kategorie „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“ zugeordnet: Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
  • 1 Art gilt als „extrem selten“ – die Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)
  • 7 Arten (10 %) stehen auf der Vorwarnliste, darunter die Atlantische Kegelrobbe (Halichoerus grypus atlanticus), der Westigel (Erinaceus europaeus) und der Europäische Biber (Castor fiber)
  • nur 18 Arten (24 %), also etwa ein Viertel, können als „ungefährdet“ eingestuft werden – z. B. Baummarder (Martes martes), Dachs (Meles meles) und Wanderratte (Rattus norvegicus)
  • für 22 bzw. ein Drittel der bewerteten Arten ist aufgrund unzureichender Daten keine Beurteilung möglich, wie etwa bei der Zwergmaus (Micromys minutus)

Drei Arten wurden in die Rote Liste neu aufgenommen, darunter der Goldschakal (Canis aureus) als unbeständige Art. Er konnte sich nachweislich bereits einmal im Bundesland Niedersachsen fortpflanzen.

Besonders bedroht: Kleinsäuger und Fledermäuse

Kleine Hufeisennase auf der Roten Liste für Niedersachsen
Bereits seit 1982 gilt die Kleine Hufeisennase in Niedersachsen als ausgestorben. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eine der häufigsten Arten in Deutschland, doch durch den Verlust von Lebensraum und den Einsatz von Pestiziden kam es in den 1940er-Jahren zum Zusammenbruch der Population.
JozefBem1009, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Viele Kleinsäuger wie der Feldhamster, der Gartenschläfer, die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) oder der Igel kämpfen ums Überleben. Der Feldhamster gilt in Niedersachsen inzwischen als „vom Aussterben bedroht“ – sein Bestand ist um rund 90 Prozent eingebrochen.

Fledermäuse gehören zu den größten Verlierern, denn über die Hälfte der Fledermausarten gilt als gefährdet. Arten wie das Graue Langohr (Plecotus austriacus), das gemäß der aktuellen Roten Liste 2025 als „vom Aussterben bedroht“ geführt wird, verschwinden zunehmend aus der Landschaft. Vier Arten sind „stark gefährdet“ und die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) gilt sogar als „ausgestorben oder verschollen“. Als Insektenfresser leiden Fledermäuse und Spitzmäuse besonders unter der Intensivierung der Landwirtschaft, die zu einem Rückgang von Wirbellosen wie Insekten führt.

Das sind die Ursachen für das Artensterben, die ausnahmslos auf menschliche Einflüsse zurückzuführen sind, in Niedersachsen und Bremen:

Rote Liste: Westigel
Der einst weit verbreitete Westigel taucht mittlerweile auf der Vorwarnliste auf – unter anderem wegen Straßenverkehr, Lebensraumverlust und Gefahren durch Mähroboter.
Gaudete, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
  • Verlust von Lebensräumen und Nahrungsquellen: Die zunehmende Flächenhomogenisierung durch intensive Landwirtschaft, Flurbereinigung und Siedlungsdruck führt zum Verschwinden strukturreicher Landschaftselemente wie Streuobstwiesen, Hecken, Feuchtflächen, Altgrasstreifen oder Feldraine. Diese Kleinsthabitate sind für viele Arten unverzichtbar – sei es als Versteck, Nahrungslieferant oder Wanderkorridor. Auch der Rückgang insektenreicher Wiesen und Weiden, bedingt durch Überdüngung, häufige Mahd und dem Einsatz von Pestiziden und Bioziden, trifft viele Insektenfresser unter den Säugetieren besonders.
  • Strukturarme Forstwirtschaft: Viele Wälder in Niedersachsen sind artenarme Nadelholz-Monokulturen, denen es an Totholz, Baumhöhlen und natürlicher Vielfalt mangelt. Diese forstlich geprägten Flächen bieten nur wenig Unterschlupf, kaum Nahrung und keine geeigneten Brutplätze. Zudem können durch den Einsatz schwerer Forstmaschinen Rückzugsorte zerstört und Jungtiere verletzt oder getötet werden. Der Einsatz von Rodentiziden, also Gift zur Bekämpfung von Nagetieren, birgt auch für andere Arten Risiken – toxische Rückstände können sich über die Nahrungskette ausbreiten.
  • Veränderungen an Gebäuden und Siedlungsstrukturen: Gebäude bieten vielen Arten wichtige Ersatzlebensräume, etwa als Schlafplatz, Winterquartier oder Ort zur Jungenaufzucht. Vor allem Fledermäuse nutzen Gebäude oft als Sommer- oder Winterquartiere. Energetische Sanierungen, Abrissarbeiten oder dichte Neubauten führen oft unbemerkt zum Verlust dieser Quartiere, wenn Hohlräume, Spalten oder Einflugöffnungen verschlossen werden.
  • Zerschneidung der Landschaft und Verkehr: Straßen, Bahnlinien und Siedlungen zerschneiden die Landschaft und wirken als Barrieren. Für viele Tiere bedeutet das: isolierte Lebensräume, eingeschränkte Wanderbewegungen und genetische Verarmung. Außerdem ist das Verletzungs- und Todesrisiko durch Verkehrsunfälle hoch – insbesondere für Arten wie Igel, Wildkatze, Dachs oder Marder.
  • Energieerzeugung – insbesondere Windkraft: Einige Säugetiere, vor allem Fledermäuse, sind besonders kollisionsgefährdet durch Windkraftanlagen. Rotorblätter und Luftdruckschwankungen können zum sogenannten Barotrauma führen. Auch die Umnutzung wertvoller Offenlandflächen für Windkraft-Infrastruktur kann zum Verlust von Lebensräumen führen.
  • Licht- und Lärmbelastung: Lichtverschmutzung verändert das natürliche Verhalten vieler nachtaktiver Säugetiere wie Fledermäuse. Helligkeit kann Jagd- und Ruhezeiten verschieben, Orientierung beeinträchtigen und das Nahrungsangebot verringern. Auch Verkehrs- und Baulärm wirkt störend – etwa durch Vermeidung bestimmter Räume oder reduzierte Aktivität in betroffenen Gebieten. Verkehrslärm wirkt auf Fledermäuse als Störreiz; eine verminderte Echoortung führt zu einer geringeren Jagdeffizienz.
  • Klimawandel: Der Klimawandel wirkt sich zunehmend negativ aus – teils direkt, teils indirekt. Dürreperioden lassen Feuchtbiotope verschwinden und verringern das Nahrungsangebot. Hitzewellen oder Starkregen können Jungtiere gefährden oder Quartiere zerstören. Mildere Winter führen bei Winterschläfern zu häufigeren Aufwachphasen und damit zu einem erhöhten Energieverbrauch, der das Überleben schwächt. Küstennahe Arten wie Kegelrobbe oder Seehund (Phoca vitulina) verlieren durch den steigenden Meeresspiegel wichtige Ruhe- und Wurfplätze.

Gewinner: Die Rückkehr einst ausgestorbener Arten

Kegelrobbe
Atlantische Kegelrobbe: Einst aus dem Wattenmeer verschwunden, kehrte Deutschlands größtes Raubtier erst vor wenigen Jahrzehnten zurück. Heute wächst die Population auf der Kachelotplate im niedersächsischen Wattenmeer stetig, doch Meeresverschmutzung, Schifffahrt und Klimawandel gefährden ihren Lebensraum. Die Art steht daher auf der Vorwarnliste.
HLI-Photography, CC0, via Wikimedia Commons)

Trotz vieler negativer Entwicklungen gibt es auch Erfolge zu vermelden: Mehrere ehemals in Niedersachsen ausgestorbene Arten sind zurückgekehrt:

  • Luchs (Lynx lynx) – nach einer Wiederansiedlung ist er heute wieder regelmäßig im Harz nachweisbar, er ist nun „gefährdet“ statt „ausgestorben“
  • Biber (Castor fiber) – einst verschwunden, heute auf der Vorwarnliste
  • Wolf (Canis lupus) – mittlerweile in einem stabilen Erhaltungszustand, er gilt als „ungefährdet“
  • Atlantische Kegelrobbe (Halichoerus grypus atlanticus) – sie wird an der Küste wieder regelmäßig gezählt, der Bestand liegt bei etwa 1.700 Tieren
  • Fischotter (Lutra lutra) – sein Bestand hat sich erholt, heute ist er „ungefährdet“

Diese Rückkehrer zeigen, dass gezielte Schutzmaßnahmen und Lebensraumverbesserungen durchaus Wirkung entfalten können, wenn sie konsequent umgesetzt werden. Auch Reh (Capreolus capreolus), Rotfuchs (Vulpes vulpes) und Wildschwein (Sus scrofa) profitieren von veränderten Lebensbedingungen und zeigen stabile oder positive Trends.

Rote Liste Heuschrecken: Klima-Gewinner & -Verlierer

Gebirgsgrashüpfer
Gebirgsgrashüpfer: Früher auch in Mittelgebirgen wie dem Harz und der Schwäbischen Alb zu finden, gilt diese Heuschrecke in Niedersachsen und Bremen inzwischen als ausgestorben. Der Rückgang typischer Bergwiesenlebensräume hat der wärmeliebenden Art stark zugesetzt – heute existieren stabile Bestände nur noch in den Alpen.
Gilles San Martin from Namur, Belgium, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Heuschrecken sind eng an bestimmte Lebensräume gebunden und besonders häufig in trockenen Magerrasen, Heiden, Hochstaudenfluren sowie extensiv genutztem, frischem und feuchtem Grünland zu finden. Auf intensiv bewirtschafteten Äckern kommen sie dagegen kaum noch vor. Auch Gebüsche, Wälder und Waldsäume bieten einigen Arten Lebensraum. In Grünlandökosystemen treten Heuschrecken oft in großer Zahl auf und übernehmen eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz – sie sind eine wichtige Beute für Spinnen, Reptilien, Vögel und Säugetiere.

Weil viele Arten äußerst empfindlich auf Veränderungen in Lebensraumqualität, Landnutzung und Klima reagieren, gelten Heuschrecken als wertvolle Bioindikatoren. Ihre Bestandsentwicklungen spiegeln häufig die Veränderungen anderer Artengruppen wider – etwa von Pflanzen, Schnecken, Spinnen oder Vögeln – und machen sie so zu wichtigen Gradmessern für den Zustand unserer Kulturlandschaften.

Die 53 regelmäßig in Niedersachsen und Bremen vorkommenden Heuschreckenarten wurden nun neu bewertet. Insgesamt sind 14 Heuschreckenarten (26,4 %) bestandsgefährdet:

  • 4 Arten gelten als „ausgestorben“: die Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodemella tuberculata), die Rotflügelige Schnarrschrecke (Psophus stridulus), die Sibirische Keulenschrecke (Gomphocerus sibiricus) und der Gebirgsgrashüpfer (Stauroderus scalaris)
  • 1 Art (1,9 %) gilt als „vom Aussterben bedroht“: die Heideschrecke (Gampsocleis glabra)
  • 8 Arten (15,1 %) sind „stark gefährdet“, darunter die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa), der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) und der Buntbäuchige Grashüpfer (Omocestus rufipes)
  • 5 Arten (9,4 %) sind „gefährdet“, etwa Kurzflügelige Beißschrecke (Metrioptera brachyptera) und Bunter Grashüpfer (Omocestus viridulus)
  • 1 Art ist „extrem selten“ – die Gemeine Plumpschrecke (Isophya kraussii)
  • 1 Art steht auf der Vorwarnliste – die Rote Keulenschrecke (Gomphocerippus rufus)

Warum viele Heuschrecken verschwinden

Einige Heuschreckenarten leiden besonders unter dem Klimawandel – vor allem Sommerdürren lassen ihre Lebensräume austrocknen. Betroffen sind die Arten, die kühl-feuchte Standorte benötigen, wie zum Beispiel die Kurzflügelige Beißschrecke, der Sumpfgrashüpfer (Pseudochorthippus montanus) und der Bunte Grashüpfer.

In Niedersachsen und Bremen sind zwei Hauptursachen für den Rückgang von Heuschrecken zu nennen: der Verlust geeigneter Lebensräume und die Verschlechterung der Lebensraumqualität.

Maulwurfsgrille auf der Roten Liste Niedersachen
Die nachtaktive Maulwurfsgrille ist in Niedersachsen stark gefährdet. Lebensräume wie Feuchtwiesen und Niedermoore sind vielerorts verschwunden. Trotz vereinzelter Neufunde in renaturierten Gebieten bleibt ihr Bestand massiv rückläufig – mit einem Verlust von über 70  Prozent seit dem 20. Jahrhundert.
BouketenCate, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Habitatverlust – immer weniger geeignete Lebensräume

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden viele typische Lebensräume für Heuschrecken zerstört oder umgewandelt. Besonders betroffen sind artenreiche Offenlandflächen wie Magerrasen, Heiden, Feuchtgrünland, Moore und Sandgruben. Heute sind diese Lebensräume oft nur noch kleinflächig vorhanden und liegen isoliert, was den Austausch zwischen Populationen verhindert.

Wichtige Ursachen des Habitatverlusts:

  • Aufforstung offener Flächen (z. B. Magerrasen)
  • Verlust von Hecken, Feldrainen und Säumen durch Flurbereinigung
  • Flussregulierungen und Gewässerbau
  • Aufgabe traditioneller Nutzung und anschließende Verbuschung
  • Überbauung durch Siedlungen, Straßen und Gewerbe
  • Umbruch von Grünland zu Ackerflächen
  • Nutzung ehemaliger Brachflächen für Energiepflanzenanbau

Verschlechterung der Habitatqualität – Lebensräume verarmen

Auch dort, wo Lebensräume noch vorhanden sind, hat sich ihre Qualität deutlich verschlechtert. Viele Flächen sind zu nährstoffreich, zu einheitlich strukturiert oder zu trocken – Bedingungen, unter denen viele Heuschreckenarten nicht mehr überleben können.

Wichtige Ursachen für den Qualitätsverlust:

  • Eutrophierung durch Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft und Verkehr
  • Intensive Landwirtschaft mit häufigem Mähen, Düngen, Pestizideinsatz und hoher Viehbesatzdichte
  • Ungeeignete Pflege: etwa zu häufige oder gleichförmige Mahd, Beweidung ohne Rückzugsbereiche
  • Veränderung des Wasserhaushalts durch Entwässerung und Grundwasserabsenkung
  • Vergrasung und Vermoosung bei fehlender Nutzung
  • Klimawandel, etwa durch zunehmende Sommerdürren und veränderte Feuchtgebietsbedingungen

Heuschrecken lassen sich mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen fördern – sei es durch extensive Beweidung, die Offenhaltung ehemaliger Abbaustätten oder den gezielten Verzicht auf Düngung und Pestizide.

Die Klima-Gewinner unter den Heuschrecken

Rote Liste Heuschrecken Niedersachen 2025: Südliche Eichenschrecke
Die wärmeliebende Südliche Eichenschrecke hat sich seit den 1990er- Jahren in Niedersachsen stark ausgebreitet – begünstigt durch milde Winter und menschliche Verschleppung, etwa über Autos. Erst 2006 in Bremen nachgewiesen, kommt sie heute sogar bis auf die Ostfriesischen Inseln vor.
Gilles San Martin from Namur, Belgium, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Nicht alle Entwicklungen sind negativ: Einige wärmeliebende Heuschreckenarten haben vom Klimawandel profitiert und sich in Niedersachsen und Bremen in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet. Steigende Temperaturen und milde Winter ermöglichen ihnen die Ausbreitung in bislang ungeeignete Gebiete – insbesondere im Tiefland.

Zu den Arten mit stabilen oder sogar zunehmenden Beständen zählen:

  • Große Goldschrecke (Chrysochraon dispar)
  • Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus fuscus)
  • Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale)
  • Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans)
  • Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

Diese Arten sind oft an trocken-warme, offene Standorte wie Sandtrockenrasen, Binnendünen oder Bahndämme gebunden. Ihre Ausbreitung ist somit nicht nur klimatisch bedingt, sondern hängt auch davon ab, ob solche Habitate verfügbar und vernetzt sind. Ob sich dieser positive Trend fortsetzt, wird die nächste Rote Liste zeigen, denn auch wärmeliebende Arten sind langfristig auf geeignete, störungsarme Lebensräume angewiesen.

Was jetzt zu tun ist: Artenschutz in der Praxis

Die neuen Roten Listen für Säugetiere und Heuschrecken zeigen: Ohne gezielte Schutzmaßnahmen wird der Artenverlust in Niedersachsen und Bremen weiter voranschreiten – mit Folgen für ganze Ökosysteme. Doch die gute Nachricht ist: Viele Arten reagieren positiv, wenn ihre Lebensräume erhalten, vernetzt und ökologisch gepflegt werden.

Was konkret helfen kann:

  • Monitoring und Datenerhebung: Für viele Arten fehlen aktuelle Daten. Eine flächendeckende Erfassung ist essenziell, um Veränderungen zu erkennen und zielgerichtet reagieren zu können.
  • Extensive Beweidung: Besonders Heuschrecken profitieren von strukturreichen Weideflächen mit offenen Bodenstellen. In Kombination mit dem Verzicht auf Düngung und Pestizide lassen sich Lebensräume aufwerten.
  • Pflege statt Aufforstung: Magerrasen, Brachflächen oder ehemalige Abbaustätten sollten nicht aufgeforstet, sondern gezielt offen gehalten werden – etwa durch Beweidung oder Entbuschung.
  • Mehr Rückzugsräume: Auch kleine Landschaftselemente wie Altgrasstreifen, Hecken, Teiche oder stillgelegte Gleisanlagen bieten vielen Arten wichtige Trittsteine im Biotopverbund.
  • Gebäudeschutz statt Sanierungslücke: Wer Quartiere für Fledermäuse und andere Gebäudebewohner erhält, kann aktiv zum Artenschutz beitragen – durch kleine Maßnahmen wie das Offenhalten von Einfluglöchern oder das Anbringen von Ersatzquartieren.

Hoffnung durch Handeln

Die neuen Roten Listen machen deutlich, dass ein Drittel der Säugetiere und Heuschrecken in Niedersachsen und Bremen bedroht oder bereits verschwunden sind. Dies sollte nicht nur als Mahnung, sondern auch als Motivation gesehen werden: Die Rückkehr von Arten wie Biber, Luchs oder Kegelrobbe zeigt, dass sich Schutzmaßnahmen lohnen. Entscheidend ist, dass politische Strategien nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern in konkrete, langfristig finanzierte Programme münden – auf Äckern, in Wäldern, an Küsten und in Städten.

Denn jede Art, die wir verlieren, ist nicht nur ein Verlust für die Biodiversität, sondern auch für unsere Lebensgrundlagen. Artenvielfalt bedeutet Resilienz, Gleichgewicht und Zukunft.

Rote Listen für Säugetiere und Heuschrecken in Niedersachen und Bremen

Rote Liste Säugetiere:
www.nlwkn.niedersachsen.de/download/219912
Rote Liste Heuschrecken:
www.nlwkn.niedersachsen.de/download/219913

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