drei verschollene Vogelarten wiederentdeckt auf Neuirland (Bismarck-Archipel, Papua-Neuguinea)
In den schwer zugänglichen Bergwäldern Neuirlands im Bismarck-Archipel gelang einer Expedition der Nachweis von drei lange nicht dokumentierten Vogelarten – darunter der Dreifarbensperber, der zuletzt 1994 belegt worden war. Bild: Depositphotos (Kooperation)

Neuirland: Drei verschollene Vogelarten wiederentdeckt

Auf einer Expedition in Papua-Neuguinea ist vier jungen Vogelbeobachtern ein außergewöhnlicher Nachweis gelungen: Innerhalb von nur 17 Tagen dokumentierten sie in den Bergwäldern Neuirlands drei verschollene Vogelarten, die seit Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht mehr sicher belegt worden waren – den Weißnackenlori (Lorius albidinucha), den Eichhornlederkopf (Philemon eichhorni) und den Dreifarbensperber (Tachyspiza brachyurus).

Neuirland, meist New Ireland genannt, ist eine schmale, gebirgige Insel im Bismarck-Archipel nordöstlich von Papua-Neuguinea. Die Insel ist biologisch sehr reich, ornithologisch jedoch nur unvollständig erforscht. Mehrere Vogelarten kommen ausschließlich dort oder auf wenigen benachbarten Inseln vor. Insbesondere die schwer zugänglichen Bergwälder sind bislang nur selten systematisch untersucht worden – entsprechend groß sind die Wissenslücken zu Verbreitung, Bestand und Lebensweise vieler Arten.

Im April 2026 reisten Casper Leygraaf, Cornel Schepers, Joep Duijvestijn und Danny Bregman nach Neuirland. Die vier Vogelbeobachter hatten eines der Ornis x Lost Birds Expedition Grants erhalten, ein Förderprogramm für gezielte Expeditionen zu lange nicht mehr dokumentierten Vogelarten. Ihr Ziel waren zwei Untersuchungsgebiete im Hans-Meyer-Gebirge, dem höchsten und südlichsten Gebirgszug der Insel.

Dort gelangen ihnen gleich drei Wiederentdeckungen. Nach Angaben der Initiative Search for Lost Birds ist dies die bislang höchste Zahl wiedergefundener „lost birds“ auf einer einzelnen Expedition seit Beginn des Programms im Jahr 2021.

Weißnackenlori – seit 2008 nicht mehr dokumentiert

Der erste Wiederfund gelang bereits am ersten Morgen im Gebirge. Das Team hörte zunächst die Rufe eines Papageis, die an einen Lori erinnerten. Wenig später konnten die Beobachter den Vogel sehen und fotografieren: Es war ein Weißnackenlori.

Der auffällig rot-grüne Papagei ist ein Endemit Neuirlands, kommt also ausschließlich auf dieser Insel vor. Der letzte dokumentierte Nachweis stammte aus dem Jahr 2008. Zwischen der letzten bekannten Dokumentation und dem neuen Fund von 2026 lagen damit rund 18 Jahre.

Besonders wertvoll ist der Nachweis, weil er nicht nur durch Fotos belegt wurde. Das Team fertigte auch die ersten bekannten Tonaufnahmen des Weißnackenloris an. Damit liegen nun erstmals dokumentierte Lautäußerungen der Art vor – eine wichtige Grundlage für künftige Feldforschung.

Weißnackenlori (Lorius albidinucha)
Weißnackenlori: Namensgebend ist der helle Fleck im Nacken, der sich deutlich vom roten und grünen Gefieder absetzt.
Bild: Henrik Grønvold, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Weißnackenlori war lange nur aus dem südlichen Bergmassiv Neuirlands bekannt. Später wurde er auch auf dem Lelet-Plateau im mittleren Teil der Insel nachgewiesen. Er bewohnt vor allem Hügel- und Bergwälder in Höhenlagen zwischen etwa 500 und 2.000 Metern. Einzelne Beobachtungen stammen auch aus deutlich tieferen Lagen bis etwa 250 Meter, dort allerdings aus bereits eingeschlagenen Wäldern.

Über Bestand und Ökologie der Art ist bislang nur wenig bekannt; eine belastbare Populationsschätzung fehlt. Frühere Beobachter beschrieben den Weißnackenlori als selten bis örtlich recht häufig. Wie andere Loris ernährt er sich vermutlich überwiegend von Früchten, Nektar und Blüten.

Die IUCN stuft den Weißnackenlori derzeit als potenziell gefährdet ein. Ausschlaggebend ist sein kleines Verbreitungsgebiet, in dem Lebensraumverlust und Walddegradierung weiter voranschreiten – vor allem in niedrigeren Höhenlagen. Gleichzeitig ist unklar, ob diese Veränderungen bereits zu einem Rückgang der Population geführt haben, da systematische Bestandsdaten fehlen.

Holzeinschlag wurde im südlichen Bergmassiv früher bis etwa 500 Meter Höhe dokumentiert und dürfte die höher gelegenen Bergwälder zunächst nur begrenzt betroffen haben. Daten zeigen jedoch, dass der Waldverlust im Verbreitungsgebiet langsam, aber anhaltend voranschreitet. In den gut 21 Jahren bis 2023 gingen etwa 2 bis 3 % der Waldfläche im Areal der Art verloren; seit 2017 scheint sich der Verlust beschleunigt zu haben und entspräche hochgerechnet etwa 4 % innerhalb von drei Generationen.

Diese Entwicklung ist vorsichtig zu bewerteten, denn ein großer Teil des bekannten Lebensraums liegt oberhalb jener Höhenlagen, die bislang stärker vom Holzeinschlag betroffen waren. Zudem blieb die Ausdehnung geeigneter Lebensräume zwischen 1998 und 2020 insgesamt offenbar weitgehend stabil, und die verbliebenen Wälder gelten in Teilen weiterhin als relativ intakt. Deshalb wird der Populationstrend des Weißnackenloris derzeit als unbekannt eingeschätzt. Der neue Nachweis verbessert nun die Datengrundlage für eine Art, zu deren Bestand und Populationsentwicklung kaum etwas bekannt ist.

Eichhornlederkopf – wiedergefunden nach 14 Jahren

Der zweite Wiederfund gelang am zweiten Gebirgsstandort der Expedition. Das Team war bereits um drei Uhr morgens aufgebrochen, um rechtzeitig zur Morgendämmerung höhere Lagen zu erreichen. In den frühen Morgenstunden konnten die Beobachter dort den Eichhornlederkopf dokumentieren – eine Art, die zuletzt 2012 sicher nachgewiesen worden war. Zwischen dem letzten bekannten Beleg und dem neuen Nachweis von 2026 lagen rund 14 Jahre.

Auch der Eichhornlederkopf ist ein Endemit Neuirlands. Sein Verbreitungsgebiet ist damit auf eine einzelne Insel beschränkt, innerhalb dieser Insel wiederum in erster Linie auf montane Wälder. Die Art wurde hauptsächlich in Höhenlagen ab etwa 750 Metern bis mindestens 2.200 Meter nachgewiesen. Teilweise wird angegeben, dass sie unterhalb von etwa 900 Metern nicht mehr vorkommt oder dort zumindest deutlich seltener wird. Der neue Fund im Hans-Meyer-Gebirge passt damit gut zu dem bekannten Höhenprofil der Art.

Eichhornlederkopf (Philemon eichhorni)
Eichhornlederkopf: Männchen und Weibchen ähneln sich äußerlich; die Art ist vor allem an den Bergwald Neuirlands gebunden.

Mit rund 32 Zentimetern Körperlänge ist der Eichhornlederkopf ein vergleichsweise großer Vertreter der Honigfresser. Er besitzt einen langen, kräftigen und leicht nach unten gebogenen Schnabel. Wie andere Honigfresser nutzt er seine spezialisierte, pinselartige Zunge, um Nektar aufzunehmen; daneben können auch Pollen, Früchte oder kleine Wirbellose eine Rolle spielen. Welche Pflanzenarten für ihn besonders wichtig sind, ist jedoch kaum untersucht; auch über Brutbiologie, Revierverhalten und jahreszeitliche Bewegungen liegen nur wenige Daten vor.

Der neue Nachweis ist nicht nur als Wiederfund bedeutsam, denn das Team fertigte auch erstmals Tonaufnahmen des Eichhornlederkopfs an. In dichten tropischen Bergwäldern werden viele Vogelarten eher gehört als gesehen. Dokumentierte Rufe und Gesänge erleichtern künftige Nachsuchen, helfen bei der Erkennung im Gelände und können für akustisches Monitoring mit automatischen Aufnahmegeräten genutzt werden. Bei wenig erforschten Inselarten sind solche Referenzaufnahmen eine wichtige Grundlage für weitere Untersuchungen.

Die globale Bestandsgröße des Eichhornlederkopfs wurde bislang nicht quantifiziert. Innerhalb seiner bevorzugten Höhenlagen gilt die Art jedoch als recht häufig. Die IUCN stuft sie derzeit als nicht gefährdet ein, weil es keine Hinweise auf Bestandsrückgänge oder eine starke aktuelle Bedrohung gibt. Zwar besitzt der Eichhornlederkopf ein relativ kleines Verbreitungsgebiet und ist stark an Waldlebensräume gebunden, doch die Waldverlustraten innerhalb seines Areals werden bislang als sehr gering eingeschätzt. Der Bestand gilt daher gegenwärtig als vermutlich stabil.

Die Einstufung als nicht gefährdet sollte nicht mit guter Erforschung verwechselt werden. Der Eichhornlederkopf zeigt, dass selbst formal ungefährdete Inselarten über Jahre aus der wissenschaftlichen Dokumentation verschwinden können, wenn ihre Lebensräume nur selten untersucht werden. Der neue Nachweis verbessert die Datengrundlage und unterstreicht den Wert wiederholter Feldarbeit in den Bergwäldern Neuirlands.

Dreifarbensperber – seit über 30 Jahren nicht dokumentiert

Der spektakulärste Fund der Expedition war vermutlich der Dreifarbensperber. Der kleine Greifvogel zählt zu den am wenigsten bekannten Sperbern der Welt. Der letzte dokumentierte Nachweis stammte aus dem Jahr 1994; mit dem Fund von 2026 wurde die Art somit nach rund 32 Jahren erstmals wieder fotografisch belegt.

Die Wiederentdeckung geschah unerwartet. Während einer Rast flog ein kleiner Sperber lautlos in einen nahe gelegenen Baum. Zunächst war nicht sofort klar, um welche Art es sich handelte. Erst der auffällige rötliche Kragen im Nacken ermöglichte die sichere Bestimmung. Der Vogel blieb lange genug sitzen, sodass das Team ihn ausgiebig beobachten und fotografieren konnte.

Dreifarbensperber (Tachyspiza brachyurus)
Dreifarbensperber: Die Art erreicht etwa 27 bis 36 Zentimeter Körperlänge; wie bei vielen Greifvögeln werden die Weibchen größer als die Männchen.

Der Dreifarbensperber ist auf die Inseln Neuirland und Neubritannien im Bismarck-Archipel beschränkt. Sein tatsächliches Verbreitungsgebiet ist jedoch nur ungenau bekannt, da er leicht mit anderen Sperberarten der Region verwechselt werden kann. Besonders auf Neubritannien erschweren ähnliche Arten die sichere Bestimmung. Die wenigen bisherigen Nachweise deuten darauf hin, dass der Dreifarbensperber nur lokal vorkommt und insgesamt eine geringe Populationsdichte besitzt.

Wie wenig über die Greifvögel dieser Inselregion noch bekannt ist, zeigt auch ein weiterer Fall: Das Verbreitungsgebiet des Dreifarbensperbers überschneidet sich unter anderem mit dem des Prinzenhabichts (Tachyspiza princeps). Auch diese Art blieb über Jahrzehnte nahezu unsichtbar. Erst im März 2024 wurde der Prinzenhabicht erstmals überhaupt fotografiert; zuvor war er 55 Jahre lang nicht dokumentiert worden.

Trotz mehrerer ornithologischer Untersuchungen auf Neubritannien wurde der Dreifarbensperber nur selten festgestellt. Bei insgesamt 415 Stunden Suchaufwand in den Jahren 1997/1998 und 2010 wurde die Art dort nur ein einziges Mal beobachtet. Auf Neuirland scheint sie möglicherweise etwas regelmäßiger in montanen Wäldern vorzukommen; bei früheren Untersuchungen wurde sie an vier von 13 Beobachtungstagen nachgewiesen. Allerdings ist die Fläche geeigneter Bergwaldlebensräume auf Neuirland deutlich kleiner als auf Neubritannien.

Der Dreifarbensperber gilt als Waldart. Zwar gibt es einzelne Nachweise aus tieferen Lagen, die meisten Beobachtungen stammen jedoch aus montanen Wäldern bis etwa 1.800 Meter Höhe. Auf Neuirland wurde die Art unter anderem in Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern dokumentiert. Über ihre Lebensweise ist dennoch kaum etwas bekannt: Nahrung, Jagdverhalten, Brutbiologie und Lautäußerungen sind nur unzureichend oder gar nicht beschrieben.

Die IUCN stuft den Dreifarbensperber als gefährdet ein. Grund dafür ist die vermutlich sehr kleine Population auf nur zwei Inseln, die wahrscheinlich weiter zurückgeht. Die Bestandsgröße wurde auf etwa 2.500 bis 10.000 ausgewachsene Individuen geschätzt, könnte aber auch geringer sein. Da verwandte Sperberarten zwischen Inseln fliegen können, wird angenommen, dass auch der Dreifarbensperber die etwa 25 Kilometer zwischen Neubritannien und Neuirland überwinden kann. Die Vögel beider Inseln werden daher als eine einzige Teilpopulation betrachtet.

Die wichtigste Bedrohung ist der Verlust und die Degradierung von Waldlebensräumen. Besonders auf Neubritannien wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Flächen der Tiefland- und Hügellandwälder kommerziell eingeschlagen. Viele Gebiete wurden anschließend in Ölpalmenplantagen umgewandelt oder für solche Nutzungen vorgesehen. Auch wenn die Entwaldung in jüngerer Zeit teils langsamer verlief, zeigen Daten weiterhin Waldverluste im Verbreitungsgebiet. Da der Dreifarbensperber stark an Wald gebunden ist, wird daraus ein anhaltender Bestandsrückgang abgeleitet.

Für Neuirland ergibt sich ein etwas anderes Bild: Dort waren viele Tieflandwälder bereits vor 1989 verloren gegangen, während die Umwandlung in Ölpalmenplantagen bisher geringer ausfiel als auf Neubritannien. Die montanen Wälder der Insel könnten deshalb eine wichtige Rolle für den Erhalt der Art spielen. Zugleich sind gerade diese höher gelegenen Regionen schwer zugänglich und ornithologisch nur selten untersucht worden. Der Wiederfund bestätigt, dass der Dreifarbensperber weiterhin auf Neuirland vorkommt, macht aber auch deutlich, wie wenig über seine tatsächliche Verbreitung und Bestandsgröße bekannt ist.

Weitere seltene Arten dokumentiert

Neben den drei wiederentdeckten Arten brachte die Expedition weitere Nachweise hervor. Das Team dokumentierte mehrere Vögel, die nur selten beobachtet werden oder aus der Region nur durch wenige aktuelle Meldungen bekannt sind. Damit erweitert die Reise nicht nur das Wissen über einzelne „verschollene“ Arten, sondern auch über die Vogelwelt Neuirlands und des Bismarck-Archipels insgesamt.

Zu den wichtigsten zusätzlichen Nachweisen gehörte der Salomonensturmvogel (Pseudobulweria becki). Dieser seltene Seevogel war lange Zeit nur durch zwei in den Jahren 1928 und 1929 gesammelte Exemplare bekannt. Da jahrzehntelang keine weiteren Nachweise gelangen, wurde zeitweise angenommen, die Art könne ausgestorben sein. Erst 2007 wurde sie wiederentdeckt. Jeder weitere Nachweis ist daher wichtig, um Verbreitung, Auftreten und mögliche Brutgebiete dieser nach wie vor wenig bekannten Art besser einzugrenzen.

Auch der Bismarckzwergfischer (Ceyx websteri) wurde dokumentiert. Dieser kleine Eisvogel war 13 Jahre lang nicht sicher nachgewiesen worden, bevor er im Mai 2025 erneut belegt werden konnte. Während der Expedition auf Neuirland gelangen nun erstmals Tonaufnahmen dieser Art.

Ein weiterer Nachweis betrifft den Neuirland-Honigfresser (Myzomela pulchella). Der nektarfressende Singvogel ist nur unzureichend erforscht und wird selten beobachtet. Er kommt auf Neuirland und vermutlich auch auf vorgelagerten Inseln vor. Für solche regional begrenzten Arten sind aktuelle Beobachtungen sehr wichtig, weil sie helfen, das tatsächliche Verbreitungsgebiet und die Bedeutung einzelner Lebensräume besser zu verstehen.

Hinzu kam die Mohrennonne (Lonchura nigerrima), ein kaum dokumentierter Prachtfink, der auf der zum Bismarck-Archipel gehörenden Insel Neuhannover endemisch ist. Auch bei dieser Art sind grundlegende Informationen zu Bestand, Lebensraumansprüchen und Gefährdungslage nur lückenhaft vorhanden.

Damit lieferte die Expedition nicht nur Nachweise der drei Zielarten, sondern auch neue Daten zu mehreren selten dokumentierten Vögeln des Bismarck-Archipels, darunter erstmals Tonaufnahmen des Bismarckzwergfischers.

Warum blieben diese Vögel so lange verschollen?

Lange Nachweislücken bedeuten nicht automatisch, dass eine Art unmittelbar vor dem Aussterben steht. Sie können auch zeigen, wie unvollständig selbst bei Vögeln die Datengrundlage in abgelegenen Regionen ist. Die Wiederentdeckungen auf Neuirland machen deshalb vor allem deutlich, wie stark ornithologisches Wissen von Zugänglichkeit, Suchaufwand und gezielter Feldarbeit abhängt.

Neuirland Papua-Neuguinea Karte
Der Bismarck-Archipel gehört zu Papua-Neuguinea und umfasst mehr als 200 Inseln. Neuirland liegt am östlichen Rand des Archipels. Die schmale Insel ist stark gebirgig: Im Süden erhebt sich das Hans-Meyer-Gebirge, im Norden prägt das Schleinitz-Gebirge die Insel.
Bild: SpoolWhippets, CC0, via Wikimedia Commons

Neuirland ist dafür ein gutes Beispiel. Wer die geeigneten Bergwaldlebensräume erreichen will, muss nach der Ankunft in Papua-Neuguinea zunächst weiter nach Kavieng reisen, anschließend viele Stunden über die Insel fahren und schließlich zu Fuß in die Berge aufsteigen. Die Expedition führte in Höhenlagen um 1.500 Meter – Bereiche, die nur sehr selten von Vogelbeobachtern aufgesucht werden.

Viele ornithologische Reisen in der Region konzentrieren sich dagegen auf leichter erreichbare Gebiete entlang von Straßen oder in tieferen Lagen. Solche Beobachtungen sind wertvoll, erfassen aber nur einen Teil der tatsächlichen Vogelwelt. Die abgelegenen Bergwälder bleiben dadurch unterrepräsentiert, obwohl dort mehrere endemische oder regional stark eingeschränkte Arten vorkommen.

Hinzu kommt, dass einige dieser Arten schwierig nachzuweisen sind. Kleine Greifvögel wie der Dreifarbensperber können leicht übersehen oder mit ähnlichen Arten verwechselt werden. Waldvögel wie Weißnackenlori und Eichhornlederkopf halten sich oft in dichter Vegetation auf und werden eher gehört als gesehen. Ohne bekannte Rufe, wiederholte Begehungen und ausreichende Zeit im Gelände bleiben solche Arten leicht unentdeckt.

Die lange Abwesenheit sicherer Nachweise lässt sich also nicht auf einen einzelnen Grund zurückführen. Wahrscheinlich kamen mehrere Faktoren zusammen: schwer erreichbare Lebensräume, geringer Suchaufwand, heimliche Lebensweise und teils schwierige Bestimmung.

Was die Funde über Neuirland zeigen

Die Wiederentdeckungen stehen exemplarisch für viele Inselregionen Papua-Neuguineas: Der Bismarck-Archipel ist reich an endemischen Arten, zugleich aber in vielen Gebieten nur lückenhaft erforscht. Die drei Arten zeigen dabei unterschiedliche Ausgangslagen – vom gefährdeten Dreifarbensperber über den potenziell gefährdeten Weißnackenlori bis zum derzeit nicht gefährdeten Eichhornlederkopf. Gemeinsam ist ihnen, dass grundlegende Daten zu Bestand, Verbreitung und Lebensraumansprüchen weiterhin fehlen oder unvollständig sind.

Die neuen Nachweise sind deshalb mehr als Einzelbeobachtungen. Sie verbessern die Grundlage für künftige Forschung und zeigen, dass gezielte Feldarbeit in abgelegenen Bergwäldern weiterhin entscheidende Wissenslücken schließen kann.

Weißnackenlori (Lorius albidinucha)
Präparat eines Weißnackenloris aus der Sammlung des Natural History Museum in London. Historische Museumsexemplare sind wichtige Vergleichsgrundlagen, besonders bei selten dokumentierten Inselarten.
Bild: “Lorius albidinucha” – Lorius albidinucha (Rothschild & Hartert, 1924) collected in Papua New Guinea by The Trustees of the Natural History Museum, London, CC BY 4.0, via GBIF

Mehr als nur eine Erfolgsmeldung

Die Expedition von 2026 ist kein Endpunkt, sondern eine Grundlage für weitere Forschung. Die neuen Fotos und Tonaufnahmen machen künftige Nachsuchen gezielter möglich, etwa durch wiederholte Feldbegehungen oder akustisches Monitoring mit automatischen Aufnahmegeräten. So ließe sich besser klären, wie regelmäßig Weißnackenlori, Eichhornlederkopf und Dreifarbensperber im Hans-Meyer-Gebirge vorkommen, welche Höhenlagen sie nutzen und wie groß ihre Bestände tatsächlich sind.

Zugleich zeigen die Funde, dass Wiederentdeckungen keine Entwarnung bedeuten. Lange Nachweislücken können auf geringe Bestände hinweisen, aber auch auf schwer erreichbare Lebensräume, fehlende Feldarbeit oder schwierige Bestimmung. Ohne gezielte Suche bleiben solche Arten wissenschaftlich unsichtbar – und damit auch schwerer zu schützen.

Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften. In Taron und Manga unterstützten Landbesitzer und Dorfgemeinschaften die Expedition, nachdem das Team seine Ziele erklärt hatte. Für künftige Forschung, Schutzmaßnahmen und möglicherweise auch vorsichtigen Naturtourismus ist diese Einbindung entscheidend.

Drei wiederentdeckte Vogelarten in nur 17 Tagen zeigen, wie viel gezielte Feldarbeit bewirken kann – besonders in abgelegenen Bergwäldern, die bislang kaum regelmäßig untersucht wurden. Wirksamer Schutz beginnt dort mit genauerem Hinsehen, Hinhören und der Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.


Quellen

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

Profil & Arbeitsweise

Unterstütze diesen Blog
Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich über eine kleine Spende. Damit bleibt artensterben.de werbefrei und ohne Bezahlschranken – und alle Leser behalten freien Zugang zu den Inhalten. Alternativ kannst Du meine Arbeit auch durch den Kauf meines Buches oder über meine Amazon-Wunschliste unterstützen. Vielen Dank!

Buchcover: Ausgestorbene Säugetiere seit 1500
Spenden mit PayPal Spenden mit PayPal Überweisung per IBAN gern auf Anfrage.