Moore gelten seit jeher als geheimnisvolle, schwer zugängliche Landschaften. In Geschichten und Filmen erscheinen sie oft als gefährliche Orte mit schwankendem Boden, dunklem Wasser und Nebel – Orte, an denen man versinken oder spurlos verschwinden könnte. Ökologisch sind sie jedoch weit mehr als diese alte Vorstellung: Sie zählen zu den bedeutendsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde und spielen damit eine wichtige Rolle für den Klimaschutz.
Obwohl sie nur etwa 3 % der weltweiten Landfläche bedecken, speichern sie ungefähr doppelt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde zusammen. Solange Moore nass bleiben, wächst ihr Torfkörper weiter und bindet Kohlenstoff über Jahrhunderte oder Jahrtausende. Werden sie entwässert, kehrt sich diese Wirkung um: Der Torf zersetzt sich, gespeicherter Kohlenstoff wird freigesetzt, und aus einem Klimaschützer wird eine Emissionsquelle.
Aus diesem Grund sind Moore längst ein zentrales Klimathema. Doch wer sie nur als Kohlenstoffspeicher betrachtet, übersieht einen zweiten, ebenso wichtigen Aspekt: Moore sind Lebensräume hochspezialisierter Arten. Viele Pflanzen, Tiere und Pilze kommen nur dort vor, wo Wasserstände dauerhaft hoch bleiben, Nährstoffe knapp sind und Torfmoose, Seggen, Wollgräser oder Zwergsträucher besondere Lebensgemeinschaften bilden. Der Schutz von Mooren dient daher nicht allein dem Klimaschutz, sondern trägt zugleich zum Erhalt dieser besonderen Arten und Lebensgemeinschaften bei.
Wie schnell solche Lebensräume aus dem Gleichgewicht geraten können, zeigt eine aktuelle Analyse der Universität Wien. Rund 200 österreichische Moore wurden erneut untersucht – mehr als drei Jahrzehnte nachdem sie Ende der 1980er-Jahre bereits für den Österreichischen Moorschutzkatalog erfasst worden waren. Das Ergebnis ist deutlich: Viele Moore sind heute trockener, nährstoffreicher und stärker beschattet als damals.
Das bleibt nicht folgenlos für die Artenzusammensetzung. Moortypische Pflanzen verlieren an Konkurrenzkraft, während Gehölze, Pfeifengras und andere Arten zunehmen, die von trockeneren oder nährstoffreicheren Bedingungen profitieren. Auf den ersten Blick kann das sogar wie ein Gewinn wirken, weil die Zahl der Pflanzenarten stellenweise steigt. Ökologisch ist es jedoch ein Warnsignal, denn die einzigartige Artenvielfalt der Moore entsteht gerade durch Nässe, Nährstoffarmut, Sauerstoffmangel und extreme Standortbedingungen. Verschwinden diese Bedingungen, verschwinden auch die Arten, die auf sie spezialisiert sind.
Die österreichischen Ergebnisse stehen damit für ein Problem, das weit über Österreich hinausreicht. Auch in Deutschland sind viele Moore seit Langem entwässert, land- oder forstwirtschaftlich genutzt, nährstoffbelastet oder durch den Klimawandel zusätzlich unter Druck geraten. Eine 2025 veröffentlichte Studie aus Schleswig-Holstein zeigt ähnliche Entwicklungen: Historische Vegetations- und Kartierungsdaten aus den 1930er-Jahren wurden mit heutigen Biotopdaten verglichen. Früher dominierten dort artenreichere, mäßig genutzte Feuchtgrünland-Ökosysteme; heute sind viele Moorstandorte artenärmer oder verbracht. Gleichzeitig sind die geschätzten Treibhausgasemissionen stark gestiegen.
Moore in Deutschland, Europa und der Welt: wichtige Zahlen
Wie groß das Problem ist, zeigt eine Übersicht (2024) der Moorforscherin Franziska Tanneberger. Weltweit gelten etwa 12 % der Moorflächen als degradiert. Jedes Jahr gehen weitere rund 500.000 Hektar natürliche Moore verloren – etwa zehnmal schneller als sie wachsen können.

Bild: Doreen Fräßdorf
Auch Europa ist stark betroffen. Nach Tanneberger sind hier etwa 25 % der Moore degradiert, in der Europäischen Union sogar rund 50 %. Nur 16 % der europäischen Moorflächen liegen in Schutzgebieten, und selbst dort ist ein wirksamer Schutz des Wasserhaushalts nicht automatisch gesichert. Bisher wurde in Europa weniger als 1 % der Moore wiedervernässt.
Deutschland ist ein sehr deutliches Beispiel für diese Entwicklung. Moorböden nehmen hier etwa 1,8 Millionen Hektar ein, also rund 5 % der Landesfläche. Besonders hohe Moorbodenanteile haben Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Weitere Schwerpunkte liegen in Bayern, Teilen Baden-Württembergs sowie in Mittelgebirgen wie Harz, Erzgebirge und Fichtelgebirge.
Der Zustand dieser Flächen ist jedoch stark verändert. Tanneberger beschreibt Deutschland als ein Land massiver Moorzerstörung: Nur etwa 2 % der Moore gelten noch als naturnah. Rund 95 % sind mittlerweile entwässert, bebaut, abgetorft oder landwirtschaftlich genutzt; etwa 4 % wurden bisher wiedervernässt. Dadurch werden Moore vom Klimaschützer zum Klimaproblem. Entwässerte Moorböden sind in Deutschland für rund 7 % der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich, obwohl Moorböden nur einen kleinen Teil der Landesfläche ausmachen. Moore entscheiden also mit darüber, wie viel Kohlenstoff in Landschaften gespeichert bleibt und ob spezialisierte Arten weiterhin Lebensräume finden.
Was genau sind Moore?
Moore findet man auf allen Kontinenten. Sie entstehen dort, wo Böden dauerhaft wassergesättigt sind und abgestorbene Pflanzenreste deshalb nur unvollständig zersetzt werden. Unter diesen nassen, sauerstoffarmen Bedingungen verrotten Pflanzen nicht vollständig. Stattdessen sammeln sich ihre Reste über Jahrhunderte oder Jahrtausende als Torf an. Erst diese fortlaufende Torfbildung macht ein Moor aus: Torf ist also kein gewöhnlicher Boden, sondern langsam gewachsenes Pflanzenmaterial – und zugleich ein großer Kohlenstoffspeicher.
Je nach Wasser- und Nährstoffversorgung unterscheidet man verschiedene Moortypen. Niedermoore werden vor allem durch Grundwasser, Quellwasser oder Oberflächenwasser gespeist. Sie sind meist nährstoffreicher und können sehr unterschiedliche Pflanzengemeinschaften tragen. Hochmoore, auch Regenmoore genannt, erhalten ihr Wasser dagegen fast ausschließlich aus Regen. Sie sind besonders nährstoffarm, sauer und stark spezialisiert; typische Arten sind Torfmoose, Sonnentau, Moosbeere, Rosmarinheide oder Wollgräser. Zwischenmoore stehen ökologisch zwischen beiden Formen: Sie zeigen Merkmale grundwasserbeeinflusster Niedermoore, entwickeln aber bereits Eigenschaften nährstoffärmerer, regenwassergeprägter Moore.
Diese Unterschiede in Wasser- und Nährstoffversorgung prägen nicht nur den jeweiligen Moortyp, sondern auch die dort lebenden Arten. Hochmoore, Niedermoore und Zwischenmoore bieten sehr unterschiedliche Bedingungen – von nährstoffarm, sauer und regenwassergeprägt bis hin zu grundwasserbeeinflusst und artenreicher.

Neben den drei Grundtypen Hochmoor, Niedermoor und Zwischenmoor gibt es zahlreiche feinere Moorformen. Allein für Mitteleuropa werden 26 verschiedene Moor-Naturraumtypen beschrieben. Maßgeblich sind dabei ihre Entstehung, die Herkunft des Wassers, der Nährstoffgehalt und die jeweils prägende Vegetation. Dazu zählen etwa Verlandungsmoore, Quellmoore, Hangmoore, Durchströmungsmoore, Seggenriede, Röhrichte sowie Moor- und Bruchwälder. Deutschland gilt als das Land in Europa, das die meisten verschiedenen Moorformen aufweist.
Ein Moor ist deshalb nicht zwangsläufig eine kleine sumpfige Wasserstelle. Viele Moore bilden großflächige Moorkomplexe, die sich über viele Hektar oder mehrere Quadratkilometer erstrecken können. Innerhalb eines solchen Gebietes können offene Wasserflächen, Torfmoosrasen, Schwingrasen, Moorheiden, Röhrichte oder bewaldete Moorbereiche nebeneinander vorkommen. Je nach Wasserstand, Nährstoffgehalt und Vegetation entstehen so sehr unterschiedliche Lebensräume – und damit auch Lebensbedingungen für jeweils andere Arten.
Weshalb intakte Moore verschwinden
Viele Moore wurden durch menschliche Eingriffe stark verändert – sie wurden nicht zufällig trocken, sondern gezielt entwässert und entwaldet für Land- und Forstwirtschaft. Entwässerungsgräben, Drainagen, begradigte Bäche und Pumpwerke sollten nasse Moorflächen für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Siedlungen oder Torfabbau nutzbar machen. Dadurch sinkt der Wasserstand, der Moorboden wird tragfähiger, und der ursprünglich nasse Lebensraum verändert sich grundlegend.
Landwirtschaft und Düngung erhöhen zusätzlich den Nährstoffeintrag, Aufforstung und Verbuschung verändern Licht- und Temperaturverhältnisse. In Deutschland werden mehr als zwei Drittel aller Moore landwirtschaftlich, insbesondere zur Gewinnung von Viehweiden, genutzt.
Besonders direkt greift der Torfabbau in den Moorkörper ein: Dabei wird der über lange Zeit gewachsene Torf abgetragen, vor allem für Blumenerde, Anzuchterden und Kultursubstrate im Gartenbau. Torf war lange beliebt, weil er leicht ist, viel Wasser speichert, nährstoffarm ist und sich gut zu gleichmäßigen Substraten verarbeiten lässt. Für den privaten Garten ist er heute jedoch nicht mehr notwendig, da torffreie und torfreduzierte Erden breit verfügbar sind. Ökologisch ist Torfabbau kaum zu rechtfertigen, weil dabei ein sehr langsam gewachsener Lebensraum zerstört wird.

Bild: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Auch der Klimawandel setzt Moore zusätzlich unter Druck. Höhere Temperaturen erhöhen die Verdunstung, längere Trockenphasen und veränderte Niederschläge können Wasserstände senken. Niedermoore, die stark vom Grundwasser abhängen, reagieren äußerst empfindlich auf sinkende Grundwasserstände. Wird ein Moor trockener, gelangt mehr Sauerstoff in den Torf. Dann beginnt er sich stärker zu zersetzen, und der zuvor gespeicherte Kohlenstoff wird als Treibhausgas freigesetzt.
Ein Moor verliert dadurch gleich mehrfach: Es speichert weniger Kohlenstoff, gibt Treibhausgase ab, verliert seine Fähigkeit zum Wasserrückhalt und wird für viele spezialisierte Arten unbewohnbar. Zudem erhöht Entwässerung die Gefahr von Moorbränden. Intakte, nasse Moore brennen kaum; trockener Torf kann sich dagegen entzünden und als Schwelbrand unter der Oberfläche weiterbrennen. Solche Brände sind schwer zu löschen und setzen in kurzer Zeit große Mengen Kohlendioxid sowie gesundheitsschädlichen Rauch frei. Moorbrände zerstören daher nicht nur Lebensräume, sondern verschärfen auch die Klimawirkung bereits geschädigter Moore.
10 Arten, die Moore brauchen
Artenvielfalt im Moor: Spezialisten unter Extrembedingungen
Moore sind keine besonders artenreichen Lebensräume im herkömmlichen Sinn. Ihr Wert liegt vor allem darin, dass sie hochspezialisierte Arten beherbergen, die ökologisch an den Lebensraum Moor gebunden (tyrphobiont) und an die dortigen Gegebenheiten angepasst sind. Viele dieser Arten sind außerhalb intakter Moore kaum konkurrenzfähig und langfristig nicht überlebensfähig, weshalb die Zerstörung von Moore ihr Aussterben bedeuten kann.
Typische Moorpflanzen
Pflanzen in Mooren müssen mit Bedingungen zurechtkommen, die für viele andere Arten schwierig sind: dauerhaft nasse Böden, Sauerstoffmangel im Wurzelraum, wenig verfügbare Nährstoffe und in Hochmooren oft ein saures Milieu. Moorpflanzen sind deshalb häufig Spezialisten. Sie wachsen nicht unbedingt ausschließlich in Mooren, haben dort aber ihren Schwerpunkt – in einem Umfeld, in dem andere Pflanzen wegen Nässe und Nährstoffarmut kaum dauerhaft überleben können.
Eine zentrale Rolle spielen Torfmoose (Sphagnum spp.). Sie können Nährstoffe selbst in sehr geringer Konzentration aufnehmen, große Mengen Wasser speichern und ihre Umgebung versauern. Gleichzeitig tragen sie entscheidend zur Torfbildung bei: Während sie nach oben weiterwachsen, sterben ältere Pflanzenteile unten ab und werden unter Luftabschluss nur unvollständig zersetzt. So entsteht über lange Zeit Torf. Torfmoose sind daher nicht nur Bewohner der Moore, sondern Gestalter dieses Lebensraums.
Nicht alle Torfmoose wachsen an denselben Standorten. Einige Arten sind typisch für Hochmoore, andere kommen eher in Nieder- und Zwischenmooren, Moorwäldern, Quellbereichen oder an feuchten Hängen vor. Zu den für Moorbildung und Torfaufbau wichtigen Arten gehören unter anderem das Rötliche Torfmoos (Sphagnum rubellum), das Braune Torfmoos (S. fuscum), Magellans Torfmoos (S. magellanicum) und das Spitzblättrige Torfmoos (S. capillifolium).

Die Pflanzen können große Mengen Wasser speichern und tragen entscheidend zur Torfbildung bei. Solche nassen Torfmoosflächen sind wichtige Mikrohabitate für spezialisierte Moorarten.
Bild: Doreen Fräßdorf
Typische Moorpflanzen sind außerdem Wollgräser, Seggen, Moosbeeren, Rauschbeeren (Vaccinium uliginosum), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), die Drachenwurz (Calla palustris), Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und in manchen Mooren auch die seltene Zwerg-Birke (Betula nana). In nährstoffarmen Mooren kommen zudem fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau, Wasserschlauch oder Fettkraut vor. Sie gleichen den Nährstoffmangel teilweise aus, indem sie kleine Insekten oder andere Kleintiere „fangen“ und verwerten.
Viele dieser Pflanzen sind auf dauerhaft hohe Wasserstände angewiesen. Wird ein Moor entwässert oder mit Nährstoffen angereichert, verschieben sich die Verhältnisse. Dann breiten sich häufig Pfeifengras, Schilf, Birken, Kiefern, Gehölze oder andere Arten nährstoffreicherer Standorte aus. Für typische Moorpflanzen bedeutet das weniger Licht, veränderte Bodenbedingungen und stärkere Konkurrenz. Die typische Moorflora geht zurück, und auch viele spezialisierte Tiere verlieren die Bedingungen, die sie zum Überleben brauchen.
Die Zerstörung von Mooren spiegelt sich auch in der Roten Liste für Deutschland wieder: So sind etwa Rosmarinheide, Fettkräuter und Davalls Segge (Carex davalliana) gefährdet; Braunes Torfmoos, Langblättriger Sonnentau (Drosera anglica) und Sumpfenzian (Swertia perennis) gelten als stark gefährdet; und das Schlanke Wollgras (Eriophorum gracile) und die Zwerg-Birke sind sogar vom Aussterben bedroht.
Tierische Spezialisten im Moor
Intakte Moorlandschaften dienen mittlerweile auch als Rückzugsraum für viele weitere Arten, die ursprünglich nicht unbedingt in Mooren anzutreffen waren. So finden zum Beispiel manche Amphibien oder wiesenbrütende Vogelarten in entwässerten, strukturarmen und intensiv genutzten Landschaften keinen anderen Lebensraum mehr und weichen auf vitale Moore aus.

Bild: Doreen Fräßdorf
Amphibien und Reptilien nutzen Moore dabei vor allem als nasse, strukturreiche Rückzugs- und Fortpflanzungsräume. Der bekannte Moorfrosch (Rana arvalis) laicht in flachen, sonnigen Gewässern und besiedelt neben Mooren auch Nasswiesen, Bruchwälder und Auen. Er ist also kein reiner Moor-Spezialist, zeigt aber, wie wichtig hohe Wasserstände für viele Amphibien sind.
Auch Reptilien wie Kreuzotter (Vipera berus) und Waldeidechse (Zootoca vivipara), auch Mooreidechse genannt, kommen in Moorlandschaften vor. Sie brauchen dort vor allem ein Mosaik aus feuchten Bereichen, Deckung und sonnigen Plätzen zum Aufwärmen.
Bei Säugetieren gibt es in Deutschland nur wenige Arten, die eng mit Mooren verbunden sind. Anders als viele Moorpflanzen oder Insekten sind sie nicht ausschließlich auf Moore angewiesen. Arten wie Sumpfspitzmaus (Neomys anomalus), Wasserspitzmaus (Neomys fodiens), Zwergmaus (Micromys minutus) oder Fischotter (Lutra lutra) nutzen Moore vor allem als nasse, strukturreiche Lebensräume mit Nahrung und Deckung. Auch Fledermäuse jagen über Mooren, weil dort viele Insekten vorkommen. Wirklich eng an Moore gebundene Spezialisten findet man unter den Wirbeltieren seltener als bei Torfmoosen, Moorpflanzen, bestimmten Insekten oder Pilzen.
Moorinsekten: Libellen, Schmetterlinge, Käfer & Co.
Moore sind wichtige Lebensräume für hochspezialisierte Insekten. Viele Arten sind an die nassen, nährstoffarmen, sauren und oft kühlen Bedingungen angepasst. Sehr deutlich zeigt sich das bei Libellen, deren Larven sich im Wasser entwickeln. Arten wie die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) oder die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) sind auf saure, torfmoosreiche Moorgewässer angewiesen.

Bild: Doreen Fräßdorf
Auch die Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) nutzt häufig kleine Wasserstellen in Mooren, etwa in Torfmoos-Schwingrasen. Damit sind schwimmende oder federnde Pflanzendecken aus Torfmoosen gemeint, die über wassergefüllten Bereichen wachsen. Für Libellenlarven haben Hochmoorgewässer einen wichtigen Vorteil: Raubfische fehlen dort normalerweise; gleichzeitig wachsen die Larven in den nährstoffarmen, sauren Gewässern oft langsam und benötigen teils mehrere Jahre bis zur Entwicklung.
Auch unter den Schmetterlingen gibt es Moorarten. Einige sind tyrphobiont, also dauerhaft an Hochmoore gebunden. Ihre Raupen sind oft auf wenige Moorpflanzen spezialisiert. Der Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno) ist beispielsweise eng an die Rauschbeere gebunden, die Raupen des Hochmoor-Perlmuttfalters (Boloria aquilonaris) fressen an Blättern der Moosbeere, teils auch an Rosmarinheide, und die Hochmoor-Bodeneule (Coenophila subrosea) nutzt ebenfalls typische Moorpflanzen, darunter Rosmarinheide und kleine Moor-Birken (Betula pubescens). Weitere moortypische Falter sind der Heide-Bürstenspinner (Orgyia antiquoides), der Hochmoor-Bläuling (Agriades optilete) und das Moor-Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia) – sie alle werden in der aktuellen Roten Liste der Tagfalter und Widderchen für Deutschland jeweils als stark gefährdet eingestuft, mit Ausnahme des Heide-Bürstenspinners, der in Deutschland allenfalls als Gast im Norden vorkommt.
Ein Beispiel für weniger bekannte Moorinsekten ist die Moorkäferzikade (Ommatidiotus dissimilis). Sie findet man in Deutschland vor allem in Regenmooren Nordwestdeutschlands und in den Alpen, wo sie Pflanzensaft aus Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum) saugt. Da diese Pflanze typisch für nährstoffarme Moorstandorte ist, ist auch die Zikade eng an intakte Moorlebensräume gebunden.
Auch Laufkäfer zeigen, wie spezialisiert Moorinsekten sein können. Einige Arten sind auf sehr feuchte, kühle und strukturreiche Moorstandorte angewiesen. Dazu gehören der Hochmoor-Glanzflachlaufkäfer (Agonum ericeti), der Hochmoor-Großlaufkäfer (Carabus menetriesi) und der Ufer-Laufkäfer (Carabus clatratus). Sie reagieren empfindlich auf Entwässerung, Verbuschung, Torfabbau und die Zerschneidung geeigneter Lebensräume.
Sogar Ameisen können moortypische Spezialisten sein. Die Schwarzglänzende Moorameise (Formica transkaucasica) und die Moor-Knotenameise (Myrmica vandeli) leben in sehr feuchten, kühlen Moorbereichen, nutzen Torfmoospolster als Teil ihres Lebensraums und nutzen die vom Sonnentau gefangenen Insekten als Nahrung. Beide Arten gelten hierzulande als stark gefährdet und sind in Mitteleuropa nur noch in unberührten Moorgebieten zu finden.
Vögel als Moorbewohner
Bei den Vögeln sind vor allem Arten offener, nasser Landschaften an Moore gebunden. Bekassine (Gallinago gallinago), Kiebitz (Vanellus vanellus), Großer Brachvogel (Numenius arquata) und Uferschnepfe (Limosa limosa) brauchen feuchte Böden, offene Flächen und ein reiches Angebot an Würmern, Insekten und anderen Wirbellosen. Sie brüten nicht ausschließlich in Mooren, profitieren aber stark von intakten Mooren, Feuchtwiesen und nassen Niederungen.
Enger an Moorlandschaften gebunden sind Arten wie der Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) und das Birkhuhn (Lyrurus tetrix). Der Goldregenpfeifer brütete in Deutschland vor allem in weiten, offenen Moor- und Heidegebieten; seit 2015 wurde hierzulande kein Brutpaar mehr festgestellt. Das Birkhuhn nutzt großräumige, offene bis halboffene Moor-, Heide- und Berglandschaften mit Balzplätzen, Deckung und störungsarmen Bereichen. Auch der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) ist ein Spezialist nasser, offener Seggenmoore und gehört europaweit zu den am stärksten bedrohten Singvögeln.
Für viele dieser Vogelarten gilt: Moore sind nur dann geeignet, wenn sie nass, offen und störungsarm bleiben. Entwässerung, Verbuschung, intensive Landwirtschaft und Zerschneidung verändern die Lebensräume so stark, dass typische Moor- und Feuchtgebietsvögel verschwinden.

Bild: Pierre-Marie Epiney, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Pilze im Moor
Auch Pilze gehören zur Artenvielfalt der Moore, obwohl sie oft weniger auffallen als Torfmoose, Sonnentau, Libellen oder Vögel. Sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen: Einige zersetzen abgestorbene Pflanzenreste, Holz oder Torfmoose, andere leben als Mykorrhiza-Pilze in enger Verbindung mit Moorpflanzen. Gerade in nährstoffarmen Moorböden können solche Pilz-Pflanzen-Beziehungen wichtig sein, weil sie Pflanzen bei der Aufnahme von Nährstoffen unterstützen.
Zu den auffälligen Moorpilzen zählt der Moor-Hallimasch (Desarmillaria ectypa, früher oft Armillaria ectypa), der in Deutschland vom Aussterben bedroht ist. Er wächst in nassen Moorlebensräumen, etwa in Hochmooren, Torfmooren und alkalischen Niedermooren mit Torfmoosen, Seggen, Wollgras oder Schilf. Auch der Moor-Birkenpilz (Leccinum holopus) ist eng mit feuchten Moor- und Birkenstandorten verbunden, weil er mit Birken eine Wurzelsymbiose bildet.
Pilze können auf unterschiedliche Weise im Moor leben: Der Sandröhrling (Suillus variegatus) kommt häufig in sauren, moorigen Kiefernwäldern vor. Kleine torfmoosbewohnende Pilze wie Sumpf-Häublinge (Galerina spp.) oder Helmlinge (Mycena spp.) wachsen direkt zwischen Torfmoosen und sind auf dauerhaft feuchte Bedingungen angewiesen.
Pilze zeigen, dass Moore nicht nur Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Amphibien oder Vögel sind. Sie beherbergen auch eigene, oft übersehene Pilzgemeinschaften. Werden Moore entwässert, nährstoffreicher oder verbuschen sie, verändern sich auch diese Lebensgemeinschaften: Arten nasser, torfmoosreicher Standorte gehen zurück, während Pilze trockenerer oder stärker bewaldeter Standorte zunehmen können.
Wiedervernässung als Chance für Klima und Arten
Tanneberger zeigt, dass Wiedervernässung und nasse Nutzung zentrale Bausteine des Moorschutzes sind. Allerdings setzt Wiedervernässung geschädigte Moore nicht einfach in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Sie kann aber messbar dazu beitragen, dass moortypische Arten zurückkehren und sich die Biodiversität erholt. Eine Metaanalyse (2023) von Marvin Beckert und Ana Carolina Rodríguez wertete 62 Studien zu Moorrevitalisierungen in der gemäßigten Klimazone aus. Dabei wurden revitalisierte Moore mit entwässerten und naturnahen Moorflächen verglichen.
Das Ergebnis: Im Vergleich zu degradierten Mooren war die allgemeine Biodiversität in revitalisierten Mooren im Durchschnitt um 49 % höher. Besonders stark profitierten moortypische Arten: Sie kamen dort nicht nur häufiger vor, sondern auch in größerer Artenzahl. Die Häufigkeit moortypischer Arten lag in revitalisierten Mooren im Durchschnitt um 124 % höher als auf entwässerten Vergleichsflächen; die Zahl moortypischer Arten war um 65 % höher.
Wiedervernässung wirkt also. Sie verbessert den Wasserhaushalt und schafft wieder Bedingungen, unter denen spezialisierte Moorarten leben können. Dabei spielen Torfmoose eine zentrale Rolle, weil sie für die Torfbildung und damit für die langfristige Entwicklung naturnaher Hochmoore entscheidend sind.
Gleichzeitig zeigt die Analyse die Grenzen der Revitalisierung: Revitalisierte Moore erreichen die Werte naturnaher Moore meist nicht. Im Vergleich zu naturnahen Mooren lag die allgemeine Biodiversität in revitalisierten Mooren durchschnittlich 11 % niedriger. Moortypische Arten kamen dort im Durchschnitt 37 % seltener vor; auch die Zahl moortypischer Arten war um 31 % geringer.
Insbesondere bei Moosen bleibt die Lücke zu naturnahen Mooren groß. Das ist ökologisch wichtig, weil bestimmte Torfmoose – vor allem Arten der Gattung Sphagnum – für die Torfbildung unverzichtbar sind. Die Rückkehr der Moose kann deutlich langsamer verlaufen als die Wiederbesiedlung durch manche Tiergruppen.
Bei wirbellosen Tieren zeigen sich teils schnellere Erfolge. Die Studie nennt Beispiele, bei denen für Moore typische Insekten revitalisierte Flächen wiederbesiedelten. In finnischen Mooren wurde etwa eine rasche Rückkehr Wirbelloser beobachtet. Auch bei Laufkäfern kann sich die Artengemeinschaft nach Wiedervernässung verändern: Generalisten werden teils durch Moorarten ersetzt. Allerdings bleibt die Zusammensetzung der Fauna häufig anders als in naturnahen Mooren. Einige hochspezialisierte und gefährdete Arten können selbst nach 15 Jahren noch fehlen.
Die Revitalisierung wirkt zudem nicht sofort. In den ersten fünf Jahren nach Beginn einer Maßnahme sind oft noch keine deutlichen Effekte auf Moorarten zu erkennen. Signifikante Verbesserungen zeigen sich meist erst nach fünf bis zehn Jahren oder später. Wiedervernässung ist also keine Sofortmaßnahme, sondern ein langfristiger Prozess.
Besonders positive Effekte wurden dort festgestellt, wo Wiedervernässung mit weiteren Maßnahmen kombiniert wurde. Dazu zählen das Verschließen von Entwässerungsgräben, hydrologische Pufferzonen, Oberbodenabtrag oder das Ausbringen moortypischer Pflanzenarten. Gerade auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen oder Torfabbauflächen kann das wichtig sein, wenn nährstoffreiche Oberböden und Samenbanken der Grünlandvegetation die Rückkehr moortypischer Arten erschweren.
Wiedervernässung kann geschädigte Moore somit ökologisch deutlich aufwerten. Sie erhöht die moortypische Biodiversität, fördert spezialisierte Arten und verbessert langfristig die Voraussetzungen für torfbildende Ökosysteme. Dennoch ersetzt sie nicht den Schutz naturnaher Moore. Intakte Moore bleiben biologisch wertvoller und lassen sich, wenn sie einmal zerstört sind, nur langsam und oft unvollständig wiederherstellen.

Bild: Doreen Fräßdorf
Nasse Nutzung nach Wiedervernässung
Eine wichtige Frage ist, wie wiedervernässte Moorflächen künftig genutzt werden können, denn viele Moorböden befinden sich bisher in land- oder forstwirtschaftlicher Nutzung. Der Mooratlas (2023) nennt dafür vor allem Paludikultur als Möglichkeit: Damit ist die land- oder forstwirtschaftliche Nutzung nasser oder wiedervernässter Moorflächen gemeint. Anders als bei herkömmlicher Landwirtschaft wird der Moorboden dabei nicht trockengelegt, sondern der Wasserstand bleibt möglichst ganzjährig hoch. Der Torfkörper bleibt nass, wird weniger stark abgebaut und setzt deutlich weniger Treibhausgase frei.
Paludikultur versucht also, Moorschutz und Nutzung miteinander zu verbinden. Auf nassen Moorflächen können zum Beispiel Schilf, Rohrkolben, Seggen, Erlen oder Torfmoose angebaut werden. Auch die Nutzung von Nasswiesen-Biomasse zur Energiegewinnung oder eine extensive Beweidung, etwa mit Wasserbüffeln, können dazugehören. Die gewonnenen Rohstoffe lassen sich unter anderem für Dämmstoffe, Bauplatten, Reetdächer, Papier, Verpackungen, torffreie Substrate oder regionale Wärme nutzen.
Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet Paludikultur jedoch einen großen Systemwechsel. Wasserstände müssen angehoben, neue Pflanzenbestände aufgebaut, passende Maschinen eingesetzt und neue Absatzwege geschaffen werden. Trotzdem bietet sie eine wichtige Perspektive: Moorflächen können wieder nass werden, ohne vollständig aus der Nutzung zu fallen. Damit lassen sich Emissionen reduzieren, Wasser in der Landschaft halten und zugleich Lebensräume für moortypische Arten erhalten oder wiederherstellen.
Quellen
- Baur, P. A., Steiner, G. M., & Glatzel, S. (2026). Climate-change-induced degradation of mires in Eastern Alps: A comprehensive resampling study of 200 mires after 35 years. EGU General Assembly 2026, Vienna, Österreich. https://doi.org/10.5194/egusphere-egu26-4006
- Beckert, M., & Rodríguez, A. C. (2023). Auswirkungen von Revitalisierungsmaßnahmen auf die Biodiversität von Mooren in der gemäßigten Klimazone – eine Metaanalyse. Natur und Landschaft, 98(3), 141–148. https://doi.org/10.19217/NuL2023-03-06
- Bundesamt für Naturschutz. (o. D.). Moortypen und gefährdete Arten. https://www.bfn.de/moortypen-und-gefaehrdete-arten
- Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, & Michael Succow Stiftung. (Hrsg.). (2023). Mooratlas 2023: Daten und Fakten zu nassen Klimaschützern (1. Aufl.). Heinrich-Böll-Stiftung.
- Martens, T., & Schrautzer, J. (2025). Change of greenhouse gas emissions and botanical diversity of peatlands during the last century: A regional study from Northern Germany. Regional Environmental Change, 25, Article 69. https://doi.org/10.1007/s10113-025-02399-5
- ORF Science. (2026, 1. Juni). Zustand der Moore deutlich verschlechtert. https://science.orf.at/stories/3235777/
- Schwarzwald-Informationen. (o. D.). Insekten im Hochmoor. https://www.schwarzwald-informationen.de/hochmoor-insekten.html
- Tanneberger, F. (2024). Verbreitung und Zustand der Moore weltweit, in Europa und in Deutschland. In Moore: Ökosystemfunktionen, Biodiversität und Renaturierung (Rundgespräche Forum Ökologie, Bd. 50, S. 13–25). Verlag Dr. Friedrich Pfeil.
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