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Die IUCN hat ihre Rote Liste aktualisiert. Mit der am 9. Juli 2026 veröffentlichten Version 2026-1 werden insgesamt 15 weitere Tierarten in der Kategorie „Ausgestorben“ (EX) geführt: sechs Säugetiere, vier Fische, eine Insektenart und vier Schneckenarten. Dabei handelt es sich überwiegend nicht um aktuelle Aussterbefälle; viele der Arten sind bereits seit Jahrzehnten verschwunden und werden erst jetzt aufgrund neuer Erkenntnisse oder taxonomischer Neubewertungen offiziell als ausgestorben erfasst.
Zugleich wurden mit dem IUCN-Update 2026 mehrere Arten erstmals als „Vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)“ [CR(PE)] eingestuft. Das Update enthält aber auch gegensätzliche Entwicklungen: Der Numbat wurde dank langjähriger Schutzmaßnahmen herabgestuft, während sich die Lage des Wüstenregenfroschs verschlechtert hat. Sehr besorgniserregend fällt außerdem die Bewertung von Weichtieren aus hydrothermalen Tiefseequellen aus, von denen fast zwei Drittel als bedroht gelten.
Die Rote Liste umfasst nun 175.909 bewertete Arten. 49.505 davon gelten als gefährdet (VU), stark gefährdet (EN) oder vom Aussterben bedroht (CR). Damit weisen fast drei von zehn untersuchten Arten ein erhöhtes Aussterberisiko auf.
Säugetiere: 6 australische Beuteltiere nun offiziell ausgestorben
Vier australische Beutelmäuse (Mulgara) der Gattung Dasycercus werden mit dem aktuellen Update neu in der Kategorie „Ausgestorben“ geführt. Drei von ihnen wurden erst 2023 wissenschaftlich beschrieben. Die bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannte Art Dasycercus cristicauda wurde im Zuge derselben taxonomischen Revision neu abgegrenzt. Keine der vier Arten ist erst kürzlich verschwunden: Die jüngsten bekannten Exemplare wurden vor mindestens 60 Jahren gesammelt. Hinzu kommen zwei australische Rattenkängurus der Gattung Bettongia, deren taxonomische Einordnung 2025 überarbeitet wurde.

Bild: Nellie Pease, CC BY-NC
- Kammschwanz-Mulgara (Dasycercus cristicauda) – trockene Regionen im südlichen und zentralen Australien – nur durch ein 1867 gesammeltes Exemplar und subfossile Überreste sicher belegt
- Südlicher Mulgara (Dasycercus archeri) – trockene Regionen Süd- und Westaustraliens – nur durch zwölf zwischen 1920 und 1925 gesammelte Exemplare sowie subfossile Überreste bekannt
- Nördlicher Mulgara (Dasycercus woolleyae) – aride Regionen im nördlichen Zentralaustralien – jüngster bekannter Nachweis von 1962
- Kleiner Mulgara (Dasycercus marlowi) – Simpsonwüste im zentralen Australien – nur durch ein 1965 gesammeltes Exemplar bekannt
- Östliches Bürstenschwanz-Rattenkänguru (Bettongia penicillata) – ehemals in trockenen und halbtrockenen Regionen Süd- und Ostaustraliens verbreitet – vermutlich seit den 1920er-Jahren ausgestorben aufgrund der Prädation durch eingeschleppte Rotfüchse und Katzen sowie Lebensraumverlust
- Little Bettong (Bettongia haoucharae) – trockene Regionen im Süden und Zentrum Australiens – nur durch subfossile und mumifizierte Überreste bekannt; der Aussterbezeitpunkt ist unbekannt, aber laut IUCN-Angaben könnte die Art bis circa 1960 überlebt haben
Mit den fünf neu aufgenommenen Arten steigt die Zahl der seit der europäischen Besiedlung ausgestorbenen australischen Säugetierarten laut IUCN auf mehr als 40. Kein anderer Kontinent hat in der Neuzeit einen vergleichbar hohen Anteil seiner Säugetierfauna verloren.
Betroffen sind vor allem kleine und mittelgroße bodenlebende Säugetiere der trockenen und halbtrockenen Regionen. Zu den wichtigsten Ursachen gehören eingeschleppte Hauskatzen und Rotfüchse. Hinzu kamen veränderte Feuerregime, Beweidung durch eingeführte Pflanzenfresser, Lebensraumveränderungen und in einigen Regionen die Verfolgung heimischer Tiere.
Fische: 4 Arten neu in der Kategorie „Ausgestorben“
Vier Knochenfischarten wechselten von der Kategorie „Vom Aussterben bedroht“ in die Kategorie „Ausgestorben“. Dabei handelt es sich nicht um aktuelle Aussterbefälle: Die IUCN kennzeichnet alle vier Umstufungen als Folge neuer Erkenntnisse oder taxonomischer Neubewertungen. Die Arten waren bereits seit Jahrzehnten nicht mehr sicher nachgewiesen worden.
- Diyarbakir-Dorngrundel (Cobitis kellei) – nur aus dem Göksu-Bach im oberen Einzugsgebiet des Tigris in der Türkei bekannt – 1974 ein einziges Mal nachgewiesen und trotz späterer Nachsuchen nicht wiedergefunden. Der Lebensraum wurde durch Stauanlagen und starke Veränderungen des Wasserhaushalts beeinträchtigt.
- Acanthobrama centisquama – kam im Amik-See in der Türkei und in den Feuchtgebieten der Al-Ghab-Ebene in Syrien vor – verschwand im frühen 20. Jahrhundert nach der weitgehenden Trockenlegung und Umwandlung dieser Gewässer und Feuchtgebiete.
- Rutilus sojuchbulagi aus der Familie der Weißfische – nur aus Quellen bei Ağstafa im Einzugsgebiet der Kura in Aserbaidschan bekannt – zuletzt 1948 nachgewiesen und bei späteren Nachsuchen nicht wiedergefunden. Als Ursachen gelten Veränderungen und Beeinträchtigungen der Quellen, unter anderem durch Landwirtschaft und Viehhaltung.
- Sewan-Forelle (Salmo ischchan) – endemisch im Sewansee in Armenien – nach taxonomischer Neubewertung als ausgestorben eingestuft. Von den traditionell unterschiedenen Formen verschwanden der Winter-Bakhtak und der Bojak vermutlich bereits vor den 1980er-Jahren, vor allem infolge der Absenkung des Seespiegels und des Verlusts ihrer Laichgebiete. Andere früher zu Salmo ischchan gerechnete Formen werden heute teilweise als eigenständige Arten behandelt.
Zusätzlich wurde die im syrischen Muzayrib-See endemische Bachschmerle Oxynoemacheilus galilaeus als „Vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)“ [CR(PE)] eingestuft. Die Art wurde zuletzt 2008 nachgewiesen. Zwischen 2016 und 2018 trocknete ihr einziger bekannter Lebensraum infolge massiver Grundwasserentnahmen nahezu vollständig aus. Da bislang kein Überleben der Art bestätigt werden konnte, gilt sie als möglicherweise ausgestorben.

Bild: “BMNH 1863.11.3.8, HOLOTYPE, Cobitis galilaea” – Cobitis galilaea Günther, 1864 collected in Israel by The Trustees
of the Natural History Museum, London, CC BY 4.0, via GBIF
Insekten: 1 Art als ausgestorben eingestuft, 1 wiederentdeckt
Mit dem IUCN-Update 2026 wurde eine Insektenart neu in die Kategorie „Ausgestorben“ aufgenommen. Eine andere Art, die bislang ebenfalls als ausgestorben galt, wurde nach ihrer Wiederentdeckung dagegen in die Kategorie „Datenlage unzureichend“ überführt.
- Eupithecia ogilviata aus der Familie der Spanner – nur durch ein Exemplar bekannt, das 1903 auf der Azoreninsel Faial gesammelt wurde. Da große Teile ihres Lebensraums zerstört wurden und wiederholte Erfassungen von Nachtfaltern in den verbliebenen sowie potenziell geeigneten Lebensräumen der Insel ohne Nachweis blieben, stuft die IUCN die Art nun als ausgestorben ein.
Eine gute Nachricht gibt es bei der Bremsenart Stonemyia velutina: Sie galt bislang als ausgestorben, wurde jedoch 2023 im Jose Basin im Fresno County im kalifornischen San Joaquin Valley wiederentdeckt. Mit dem IUCN-Update wurde sie daher von „Ausgestorben“ in die Kategorie „Datenlage unzureichend“ (DD) überführt. Über ihre Verbreitung, Bestandsgröße und Gefährdung ist bislang nur wenig bekannt. Deshalb lässt sich derzeit nicht beurteilen, ob die Art stark bedroht ist oder bisher lediglich übersehen wurde.

Bild: “GWORD1979-08” – BOLD:AAY3093 collected in Portugal, CC BY-NC-SA 4.0, via GBIF
Schnecken: 4 Arten ausgestorben, 1 vielleicht wiederentdeckt und 6 möglicherweise ausgestorben
Mit dem IUCN-Update 2026 wurden besonders viele europäische Mollusken und Süßwasserarten neu oder erneut bewertet. Dabei wurden vier Süßwasserschneckenarten neu in die Kategorie „Ausgestorben“ (EX) aufgenommen. Eine weitere Art, die bislang als ausgestorben galt, wird nach neuen Funden nun wieder als „Vom Aussterben bedroht“ (CR) geführt. Sechs weitere Schneckenarten erhielten den Zusatz „möglicherweise ausgestorben“ und werden damit in der Kategorie CR(PE) geführt.
Viele dieser Arten sind extrem kleinräumige Endemiten – teils nur aus einer einzigen Quelle, Höhle oder Uferzone bekannt. Solche Arten reagieren besonders empfindlich auf Wasserentnahme, Verbauung, Verschmutzung oder Habitatverlust.
Neu als ausgestorben eingestuft

Bild: Theodoxus valentinus (Graells, 1846) by Naturalis Biodiversity Center, CC0 1.0, via GBIF
- Theodoxus valentinus – eine Kahnschnecke, die in kalkreichen Fließgewässern und Quellen im Raum Valencia in Spanien lebte. Bis Anfang der 1980er-Jahre soll die Art noch häufig gewesen sein, seit 1982 wurde jedoch kein lebendes Exemplar mehr nachgewiesen. Wiederholte Nachsuchen blieben erfolglos. Da ihre früheren Lebensräume weiterhin durch starke Wasserentnahme, Verschmutzung und invasive Arten beeinträchtigt werden, gilt die Art nun als ausgestorben.
- Verkannte Zwergquellschnecke (Belgrandiella boetersi) – eine winzige Süßwasserdeckelschnecke, die nur aus der Fischbachschlucht bei Schleedorf im österreichischen Bundesland Salzburg bekannt war. Die Art wurde zuletzt 1946 nachgewiesen und wird in der österreichischen Roten Liste bereits seit 2007 als ausgestorben geführt. Als mögliche Ursachen gelten die Entnahme von Grundwasser für die Trinkwasserversorgung und eine damit verbundene Verschlechterung ihres Lebensraums.
- Mercuria maceana – eine kleine Süßwasserdeckelschnecke, die ausschließlich vom Typusfundort C’an Tunis, auch Casa Antúnez genannt, bei Barcelona in Katalonien (Spanien) bekannt war. Der ursprüngliche Lebensraum verschwand vermutlich infolge des Hafen- und Industrieausbaus sowie durch Bauarbeiten im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1992. Seit den 1980er-Jahren konnte die Art nicht mehr nachgewiesen werden.
- Microcolpia parreyssii – eine Thermalquellenschnecke, die ausschließlich im von warmen Quellen gespeisten Pețea-See in Rumänien vorkam. Der See trocknete 2014 infolge übermäßiger Grundwasserentnahme nahezu vollständig aus. Spätestens im September desselben Jahres war die bereits stark geschrumpfte Wildpopulation verschwunden. Versuche, 2013 und 2014 entnommene Tiere außerhalb ihres Lebensraums zu vermehren, scheiterten. Das letzte in menschlicher Obhut gehaltene Exemplar starb Anfang Juni 2016.

Bild: Melanopsis parreyssii (R. A. Philippi, 1847) by Naturalis Biodiversity Center, CC0 1.0, via GBIF
Möglicherweise doch nicht ausgestorben
Die winzige Süßwasserdeckelschnecke Graecoanatolica macedonica aus dem Dojransee an der Grenze zwischen Nordmazedonien und Griechenland gilt nicht länger als ausgestorben. Die Art war im Jahr 2000 in die Kategorie EX aufgenommen worden, nachdem starke Wasserstandsabsenkungen seit den 1970er-Jahren und ein besonders drastischer Abfluss im Jahr 1988 ihren Lebensraum in der Uferzone schwer geschädigt hatten. Mehrere Nachsuchen zwischen 1992 und 2000 waren erfolglos geblieben.
2009 und 2012 wurden jedoch erneut Gehäuse gefunden, die der Art zugerechnet wurden. Dies lässt vermuten, dass eine kleine Restpopulation in einem grundwassergespeisten Rückzugsraum überlebt haben könnte. Ein sicherer Nachweis lebender Tiere liegt damit allerdings noch nicht vor.
Die IUCN führt G. macedonica nun als „Vom Aussterben bedroht“ (CR). Ihr Verbreitungsgebiet umfasst nur etwa 43 km², sie ist lediglich von einem Standort bekannt, und ihr Lebensraum wird weiterhin durch Wasserentnahme beeinträchtigt. Weitere gezielte Nachsuchen und Maßnahmen zur Wiederherstellung des Lebensraums sind deshalb dringend erforderlich.
Möglicherweise ausgestorben
Sechs weitere Schneckenarten werden nun als „Vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)“ [CR(PE)] geführt. Zwei davon sind ausschließlich aus Österreich bekannt.
- Steirische Höhlendeckelschnecke (Bythiospeum tschapecki) – eine unterirdisch lebende Quell- und Grundwasserschnecke, die vermutlich nur an einem einzigen Standort bei Graz in der Steiermark vorkam. Ihre bekannte Besiedlungsfläche umfasst höchstens 4 km². Der Lebensraum wurde in den 1980er-Jahren durch den Bau eines Straßentunnels stark verändert. Vor den Bauarbeiten wurde die Art regelmäßig in Material gefunden, das aus dem Grundwassersystem ausgespült worden war; seitdem gelang kein weiterer Nachweis. Da die Beeinträchtigungen durch die darüber verlaufende Straße fortbestehen, wird von einer weiteren Verschlechterung der Lebensraumqualität ausgegangen.
- Nadelförmige Höhlendeckelschnecke (Bythiospeum wiaaiglica) – eine Grundwasserschnecke aus den nordöstlichen Alpen im Süden Niederösterreichs, bekannt ausschließlich vom Typusfundort bei Schwarzenbach an der Pielach. Dort wurden bislang nur leere Gehäuse gefunden, seit rund 30 Jahren jedoch auch diese nicht mehr. Als Bedrohung gilt insbesondere eine mögliche Verschmutzung des Grundwassers. Da unterirdische Wassersysteme schwer zu untersuchen sind und möglicherweise ein größeres Gebiet umfassen, kann ein Fortbestehen der Art nicht vollständig ausgeschlossen werden.
- Renea bourguignatiana – eine sehr kleinräumig verbreitete Landschnecke aus dem Grenzgebiet zwischen Südostfrankreich und Nordwestitalien. Sie wurde in den 1980er-Jahren an zwei nahe beieinanderliegenden Fundorten innerhalb derselben Schlucht nachgewiesen. Lebende Tiere wurden offenbar nur äußerst selten gefunden. Die bekannte Besiedlungsfläche beträgt etwa 8 km², das gesamte Verbreitungsgebiet weniger als 10 km². Urbanisierung und die Ausbreitung invasiver Pflanzen beeinträchtigen den Lebensraum.
- Stankovicia baicaliiformis – eine Süßwasserschnecke aus dem Ohridsee in Nordmazedonien und Albanien. Ihr Lebensraum verschlechtert sich durch Verschmutzung und zunehmende Verschlammung. Dabei wird das für die Art geeignete Substrat zunehmend von feinem Schlamm überdeckt. Trotz wiederholter Untersuchungen konnte sie seit 2003 nicht mehr gefunden werden. Sollte sie noch existieren, dürfte die Population weniger als 50 fortpflanzungsfähige Tiere umfassen.
- Pyrgohydrobia jablanicensis – eine Süßwasserschnecke, die ausschließlich in Quellen nahe dem Ohridsee in Nordmazedonien vorkam. Die Quellen wurden in den 1960er-Jahren aufgestaut, um einen kleinen See zu schaffen, wodurch das ursprüngliche Ökosystem stark verändert wurde. Während die Art früher häufig war, wurden zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren nur noch wenige Exemplare gefunden. Der letzte Nachweis stammt aus dem Jahr 2004. Zusätzlich wird der Lebensraum durch Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Siedlungen belastet.
- Travunijana tribunicae – eine unterirdisch lebende Süßwasserschnecke aus Bosnien und Herzegowina. Ihre bekannten Quellen liegen heute unter einem künstlich angelegten Stausee. Seit dessen Entstehung im Jahr 1967 wurde die Art nicht mehr nachgewiesen. Sie könnte daher bereits ausgestorben sein, doch lässt sich ein Überleben in nicht zugänglichen Bereichen des Grundwassersystems bislang nicht vollständig ausschließen.

Bild: Renea bourguignatiana G. Nevill, 1880 observed in Italy by Gaëtan Jouvenez, CC BY-NC 4.0, via GBIF
Der Numbat zeigt, dass Schutz wirken kann
Neben den dokumentierten Aussterbefällen enthält das IUCN-Update auch eine positive Nachricht aus Australien. Der Ameisenbeutler oder Numbat (Myrmecobius fasciatus) wurde von „Stark gefährdet“ auf „Potenziell gefährdet“ herabgestuft.
Die Art war früher in weiten Teilen des südlichen Australiens verbreitet. Durch die Ausbreitung verwilderter Katzen und eingeschleppter Rotfüchse sank ihr Bestand bis Ende der 1970er-Jahre auf nur noch etwa 300 Tiere. Bekämpfung eingeschleppter Beutegreifer, raubtiersichere Schutzgebiete, Nachzucht im Perth Zoo und die Ansiedlung neuer Populationen ließen den Bestand wieder auf schätzungsweise 2.000 bis 3.000 Tiere anwachsen.
Entwarnung bedeutet die neue Einstufung dennoch nicht. Der Numbat besiedelt heute nur noch etwa 0,04 % seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes. Ohne die fortgesetzte Kontrolle von Katzen und Füchsen könnten die erreichten Fortschritte schnell wieder verloren gehen.

Bild: patrickkavanagh, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Wüstenregenfrosch stärker bedroht
Der aus sozialen Medien bekannte Wüstenregenfrosch (Breviceps macrops) wurde mit dem IUCN-Update 2026 von „Potenziell gefährdet“ auf „Gefährdet“ hochgestuft. Die Art lebt ausschließlich in einem schmalen Küstenstreifen Namibias und Südafrikas.
Diamantenabbau, Energieprojekte und weitere industrielle Entwicklungen beeinträchtigen zunehmend ihren Lebensraum. Nach Einschätzung der IUCN könnten geplante Vorhaben innerhalb der kommenden 20 Jahre bis zu einem Drittel seines südafrikanischen und zwei Drittel seines namibischen Verbreitungsgebietes betreffen. Zusätzlich könnten der Handel mit den Tieren sowie zunehmende Hitze und Trockenheit infolge des Klimawandels den Bestand belasten. Ohne Schutzmaßnahmen erwartet die IUCN innerhalb der kommenden zehn Jahre einen Rückgang um etwa 20 %.

Bild: Dylan Leonard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Tiefseebergbau bedroht hoch spezialisierte Weichtiere
Besorgniserregend fällt die erstmals umfassendere Bewertung von Weichtieren aus hydrothermalen Tiefseequellen aus. Von 201 untersuchten Arten, die ausschließlich an solchen Quellen vorkommen, gelten 125 beziehungsweise 62 % als vom Aussterben bedroht. Zu ihnen gehören Schnecken, Napfschnecken, Muscheln und Käferschnecken, die teilweise in bis zu 5.000 Metern Tiefe leben. Viele wurden erst während der vergangenen zehn Jahre wissenschaftlich entdeckt.
Der geplante Abbau mineralischer Rohstoffe am Meeresboden könnte ihre eng begrenzten Lebensräume unmittelbar zerstören. Sedimentwolken können Tiere und ihren Lebensraum bedecken und ihre Atmung sowie Nahrungsaufnahme beeinträchtigen.
Die Schnecke Lirapex felix wurde deshalb erstmals als „Vom Aussterben bedroht“ in die Rote Liste aufgenommen. Mehr als 30 andere Tiefseearten gelten dagegen als nicht gefährdet, weil ihre bekannten Vorkommen innerhalb von Meeresschutzgebieten liegen, in denen kein Bergbau erlaubt ist.
Aktuelle Gefährdungen und vergangene Verluste
Die neu als ausgestorben eingestuften australischen Beuteltiere zeigen, wie schwierig es sein kann, das Artensterben vollständig zu erfassen: Manche Arten verschwinden, bevor die Wissenschaft ihre Eigenständigkeit erkannt oder ihre Verbreitung ausreichend dokumentiert hat.
Taxonomische Forschung kann solche Verluste nicht rückgängig machen. Sie kann aber sichtbar machen, welche biologische Vielfalt bereits verloren gegangen ist. Zugleich hilft sie dabei, noch lebende Arten genauer voneinander abzugrenzen, ihre Bestände besser zu bewerten und Schutzmaßnahmen gezielter auszurichten.
Die neue Rote Liste dokumentiert deshalb nicht nur aktuelle Gefährdungen, sie korrigiert auch unser Bild vergangener Verluste. Dass mehrere Arten erst Jahrzehnte nach ihrem Verschwinden offiziell als ausgestorben erfasst werden, zeigt zugleich, wie lückenhaft unser Wissen über viele Tiergruppen noch immer ist.
Umso wichtiger sind taxonomische Forschung, die Auswertung von Museumssammlungen und gezielte Nachsuchen in bekannten Lebensräumen. Denn nur Arten, die erkannt und voneinander unterschieden werden, können rechtzeitig geschützt werden.
Quellen
- International Union for Conservation of Nature (IUCN): From desert frog to deep-sea molluscs, remarkable species at risk – IUCN Red List.
https://iucn.org/press-release/202607/desert-frog-deep-sea-molluscs-remarkable-species-risk-iucn-red-list - IUCN (2026): Table 7: Species changing IUCN Red List Status (2025–2026). The IUCN Red List of Threatened Species, Version 2026-1.
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