In dem am 28. Oktober 2024 veröffentlichtem Update der Roten Liste der IUCN erfuhren einige Tierarten eine Statusverschlechterung dahingehend, dass ein Kategorienwechsel zwischen der IUCN Red List 2023 (Version 2023-1) und der IUCN Red List 2024 (Version 2024-2) stattfand, sodass sie nun als „ausgestorben“ gelistet werden. Die IUCN-Kategorie, in der eine Art geführt ist, kann sich in der Roten Liste bei tatsächlichen Bestandsveränderungen, bei neuem Wissen über bestehende Populationen oder infolge früherer Fehleinschätzungen verändern.
Die Rote Liste der IUCN ist ein globales Instrument zur Bewertung des Aussterberisikos von Arten und zur Beobachtung von Biodiversitätstrends. Sie teilt Arten in neun Kategorien von „nicht bewertet“ bis „ausgestorben“ ein, wobei „gefährdet“, „stark gefährdet“ und „vom Aussterben bedroht“ besonders kritisch sind.
Erstmals zwei Arten in Deutschland ausgestorben
In der aktuellen IUCN Red List 2024 wurden fünf Vogel-, neun Fisch- und fünf Schneckenarten für offiziell ausgestorben erklärt. Zum ersten Mal sind zwei Arten aus Deutschland als global ausgestorben gelistet: die Chiemsee-Renke und die Starnberger Renke, zwei Fischarten aus der Gattung Coregonus, auch bekannt als Maränen oder Rheinanken. Diese Arten, die nur in Deutschland vorkamen, sind unwiederbringlich verloren. Dies stellt einen Wendepunkt dar, da bisherige Aussterbefälle in Deutschland nur lokale Verluste betrafen und die betreffenden Arten in anderen Regionen Europas oder weltweit noch existierten – wie etwa der Anfang des 17. Jahrhunderts ausgestorbene Auerochse.
Die IUCN hat diese Tiere 2024 für ausgestorben erklärt
Partula tristis – Raiatea, Französisch-Polynesien – letzte bestätigte Sichtung 1934
Zusätzlich zu den Arten, die von der IUCN im Jahr 2024 als ausgestorben eingestuft wurden, gilt seit November auch der Dünnschnabel-Brachvogel als verschwunden. Dieser wandernde Watvogel ist die erste kontinentale Vogelart Europas, die in der Neuzeit durch menschliche Einflüsse ausgerottet wurde.
Über die Autorin: Doreen Fräßdorf
Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.
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